Petershagen

MT-Serie "Licht und Schatten": Wie Fabian Meyer seinen Reitverein auf Vordermann bringen möchte

Jörg Wehling

Petershagen (mt). Randlage Petershagen, Grenzgebiet zu Niedersachsen und viele weite Wege zu Reitsport-Turnieren in Westfalen: Das alles nehmen die Pferdesportler in Kauf, wenn sie Mitglieder der Minden-Lübbecker RSG sind. In Bierde auf dem Hof Könemann hat der Traditionsverein sein zuhause und kämpft – wie viele andere Vereine auch außerhalb des Pferdesports – um Nachwuchs. „Wir haben sicher einen Standort-Nachteil und das wirft ab und an auch einen Schatten auf unsere gute Vereinsarbeit. Aber wir versuchen diesen Nachteil gerade auszugleichen“, sagt Fabian Meyer, der seit drei Jahren Vereins-Vorsitzender ist.

Fabian Meyer auf seinem Pferd Vegas. - © Foto: pr
Fabian Meyer auf seinem Pferd Vegas. (© Foto: pr)

Mit gerade einmal 24 Jahren ist der gelernte Pferdewirt wohl einer der jüngsten Vereins-Vorsitzenden kreisweit in seinem Sport. Verantwortung zu übernehmen, scheut er nicht und er sprüht vor Ideen. Das Ziel lautet: Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen, von denen viele seiner Generation angehören, den Verein voranzubringen und wieder etwas stärker in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. „Gute Ausbildung haben wir hier schon seit der Vereinsgründung angeboten“, berichtet Meyer und verweist auf die gute Vorarbeit seines Großvaters und Ehrenvorsitzenden August-Wilhelm Meyer. Breitensport, Vielseitigkeit und therapeutisches Reiten gehörten vor knapp 40 Jahren zu den Angeboten, die den Verein geprägt und ausgezeichnet haben. Noch 2017 gab es dafür einen Stern des Sports für hervorragende Vereinsarbeit.

Fachsimpelei: Ehrenvorsitzender Dr. August-Wilhelm Meyer (links) und Fabian Meyer (Mitte) mit Jörg Schäfers. MT- - © Foto: Jörg Wehling
Fachsimpelei: Ehrenvorsitzender Dr. August-Wilhelm Meyer (links) und Fabian Meyer (Mitte) mit Jörg Schäfers. MT- (© Foto: Jörg Wehling)

„Doch gute reiterliche Ausbildung hilft nicht weiter, wenn die Leute anschließend abspringen und den Verein wieder verlassen“, berichtet Meyer. „Das geht vielen anderen Vereinen auch so“, sagt der 24-Jährige. Sein Ziel ist es nun, diesem Trend entgegenzuwirken. „Handeln und einfach mal machen“, lautet sein Credo.

Im Außeneinsatz beim Sommerturnier. - © Foto: pr
Im Außeneinsatz beim Sommerturnier. (© Foto: pr)

Seine Idee, die anfangs mit Skepsis beäugt wurde, war es, sich im Leistungssport verstärkt zu engagieren. Doch der wachsende Erfolg scheint ihm recht zu geben. Er selbst ist Springreiter auf S-Niveau und belegt viele vordere Plätze bei den Turnieren in der Region. Zudem besitzt er wie seine Eltern Jörg Schäfers und Sabine Meyer die Trainer-A-Lizenz und damit die höchste Qualifikation, die man als Trainer haben kann. Wichtig ist Fabian Meyer aber, dass der reiterliche Nachwuchs vielseitig ausgebildet wird und eine Spezialisierung auf Spring-, Dressur- oder Geländereiten erst später erfolgt.

Wie gut die Nachwuchsarbeit mittlerweile funktioniert, zeigte sich jetzt beim Kreisreiterball, wo die Erfolge eines ganzen Jahres gefeiert wurden. Dort standen die die MLRSG-Reiter gleich mehrfach auf der Bühne im Scheinwerferlicht, um sich den Applaus für den Sieg im Merkurcup abzuholen. Dabei handelt es sich um eine renommierte Nachwuchs-Turnierserie, die aus Dressur- und Springreiten besteht und als Mannschaftswettbewerb ausgetragen wird.

Doch die Attraktivität des Vereins lässt sich aus Meyers Sicht noch steigern, zum Beispiel indem man in Service und Komfort investiert. „Der Hallenboden war in die Jahre gekommen und zu hart geworden. Da mussten wir etwas tun“, berichtet der Pferdewirt. Damit stieß er nicht bei allen auf Gegenliebe aufgrund der erheblichen Kosten. Auch sein Großvater musste überzeugt werden, dass diese Investition sinnvoll war. Es zeigt sich an steigenden Mitgliederzahlen und auch daran, dass beliebte Kurse wieder bessere Teilnehmerzahlen haben. „Es hat sich herumgesprochen, dass in Stehbrink der Hallenboden wieder in einem Topzustand ist“, freut sich Meyer. Die Hallengeländewoche mit festen Hindernissen, ein einzigartiges sportliches Angebot im Mühlenkreis, stößt wieder auf verstärktes Interesse.

Attraktiver und damit auch wieder häufiger im Licht der Öffentlichkeit steht der Verein durch das veränderte Konzept beim Sommerturnier, wo nun auch wieder S-Springen zum Angebot gehören. Das lockt Topreiter aus der Region an. „Das hat natürlich seinen Preis, zum Beispiel einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit“, berichtet Meyer. Das bringt einen 85 Mitglieder starken Verein an seine Grenzen. „Ich muss meine Leute da aber loben. Wenn die Arbeit ansteht, dann kommen sie auch zu 90 Prozent und packen mit an“, sagt Fabian Meyer. Und das ist auch nötig, denn für ihn bedeutet das Sommerturnier eine Dreifachbelastung Vereins-Chef, Turnierorganisator und Topspringreiter. „Das lässt sich alles noch sehr gut arrangieren. Und es macht mir ja auch viel Spaß“, sagt Meyer.

Ob ihm sein junges Alter hilft, zum Beispiel weil er unbeschwerter an Aufgaben herangeht, oder ob das Skepsis bei Außenstehenden hervorruft, weiß Meyer gut einzuordnen. „Natürlich muss man sich Respekt erarbeiten. Aber überwiegend werde ich für meinen Mut und mein Engagement gelobt.“ Die Unterstützung im Verein, allen voran vom Großvater August-Wilhelm Meyer, ist ihm gewiss, egal aus welcher Generation sie kommen – wohlwissend, dass nur ein Generationenwechsel den Fortbestand eines Vereins sichern kann.

Die Last dieser Verantwortung schiebt Meyer allerdings weg und nennt lieber die Dinge, die ihm wichtig sind, wenn es um seinen Verein geht. „Die Mischung aus Breiten- und Leistungssport muss erhalten bleiben. „Wenn man sich auf einen Aspekt konzentriert, kommt der andere zu kurz. Das würde der Trendwende, die wir eingeläutet haben, entgegenstehen.“ Wie das in seinem Verein für den Bereich Leistungssport aussieht, erklärt er so: „Wir haben innerhalb der Mannschaften ein Rotationsprinzip eingebaut, dass einer größeren Leistungsdichte verspricht. Und mehr junge Leute haben gleichzeitig Spaß, sich im Wettbewerb zu engagieren.“ Die Altersstruktur gibt den Vereinsverantwortlichen offensichtlich recht. Knapp die Hälfte der Mitglieder sind U21-Reiter, die andere Hälfte um die 45 Jahre alt. Nur zehn Pferdesportler haben die Altersgrenze 50-Plus überschritten.

Übrigens: Das therapeutische Reiten, das dem Verein kreisweit ein Alleinstellungsmerkmal beschert hat, soll nach längerer Pause auch im kommenden Jahr wieder angeboten werden. „Man braucht ein entsprechendes Pferd. Und es sieht so aus, dass wir im kommenden Jahr wieder eines haben“ , sagt der Vereinschef.

Viel Arbeit hat der 24-jährige Pferdewirt mit seinem Vorstandsteam in diesen drei Jahren in den Verein investiert. Arbeit, die sich lohnt. Wie lange er diesen Aufwand betreiben wird, beantwortet Fabian Meyer so. „Dafür gibt es keinen Zeitplan.“

MT-Serie "Licht und Schatten"

In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte ver-süßen das Shoppen, selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zucker-huts.

Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend.

Hier gibt es weitere Serienteile

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Das Ziel lautet: Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen, von denen viele seiner Generation angehören, den Verein voranzubringen und wieder etwas stärker in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. „Gute Ausbildung haben wir hier schon seit der Vereinsgründung angeboten“, berichtet Meyer und verweist auf die gute Vorarbeit seines Großvaters und Ehrenvorsitzenden August-Wilhelm Meyer. Breitensport, Vielseitigkeit und therapeutisches Reiten gehörten vor knapp 40 Jahren zu den Angeboten, die den Verein geprägt und ausgezeichnet haben. Noch 2017 gab es dafür einen Stern des Sports für hervorragende Vereinsarbeit. „Doch gute reiterliche Ausbildung hilft nicht weiter, wenn die Leute anschließend abspringen und den Verein wieder verlassen“, berichtet Meyer. „Das geht vielen anderen Vereinen auch so“, sagt der 24-Jährige. Sein Ziel ist es nun, diesem Trend entgegenzuwirken. „Handeln und einfach mal machen“, lautet sein Credo. Seine Idee, die anfangs mit Skepsis beäugt wurde, war es, sich im Leistungssport verstärkt zu engagieren. Doch der wachsende Erfolg scheint ihm recht zu geben. Er selbst ist Springreiter auf S-Niveau und belegt viele vordere Plätze bei den Turnieren in der Region. Zudem besitzt er wie seine Eltern Jörg Schäfers und Sabine Meyer die Trainer-A-Lizenz und damit die höchste Qualifikation, die man als Trainer haben kann. Wichtig ist Fabian Meyer aber, dass der reiterliche Nachwuchs vielseitig ausgebildet wird und eine Spezialisierung auf Spring-, Dressur- oder Geländereiten erst später erfolgt. Wie gut die Nachwuchsarbeit mittlerweile funktioniert, zeigte sich jetzt beim Kreisreiterball, wo die Erfolge eines ganzen Jahres gefeiert wurden. Dort standen die die MLRSG-Reiter gleich mehrfach auf der Bühne im Scheinwerferlicht, um sich den Applaus für den Sieg im Merkurcup abzuholen. Dabei handelt es sich um eine renommierte Nachwuchs-Turnierserie, die aus Dressur- und Springreiten besteht und als Mannschaftswettbewerb ausgetragen wird. Doch die Attraktivität des Vereins lässt sich aus Meyers Sicht noch steigern, zum Beispiel indem man in Service und Komfort investiert. „Der Hallenboden war in die Jahre gekommen und zu hart geworden. Da mussten wir etwas tun“, berichtet der Pferdewirt. Damit stieß er nicht bei allen auf Gegenliebe aufgrund der erheblichen Kosten. Auch sein Großvater musste überzeugt werden, dass diese Investition sinnvoll war. Es zeigt sich an steigenden Mitgliederzahlen und auch daran, dass beliebte Kurse wieder bessere Teilnehmerzahlen haben. „Es hat sich herumgesprochen, dass in Stehbrink der Hallenboden wieder in einem Topzustand ist“, freut sich Meyer. Die Hallengeländewoche mit festen Hindernissen, ein einzigartiges sportliches Angebot im Mühlenkreis, stößt wieder auf verstärktes Interesse. Attraktiver und damit auch wieder häufiger im Licht der Öffentlichkeit steht der Verein durch das veränderte Konzept beim Sommerturnier, wo nun auch wieder S-Springen zum Angebot gehören. Das lockt Topreiter aus der Region an. „Das hat natürlich seinen Preis, zum Beispiel einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit“, berichtet Meyer. Das bringt einen 85 Mitglieder starken Verein an seine Grenzen. „Ich muss meine Leute da aber loben. Wenn die Arbeit ansteht, dann kommen sie auch zu 90 Prozent und packen mit an“, sagt Fabian Meyer. Und das ist auch nötig, denn für ihn bedeutet das Sommerturnier eine Dreifachbelastung Vereins-Chef, Turnierorganisator und Topspringreiter. „Das lässt sich alles noch sehr gut arrangieren. Und es macht mir ja auch viel Spaß“, sagt Meyer. Ob ihm sein junges Alter hilft, zum Beispiel weil er unbeschwerter an Aufgaben herangeht, oder ob das Skepsis bei Außenstehenden hervorruft, weiß Meyer gut einzuordnen. „Natürlich muss man sich Respekt erarbeiten. Aber überwiegend werde ich für meinen Mut und mein Engagement gelobt.“ Die Unterstützung im Verein, allen voran vom Großvater August-Wilhelm Meyer, ist ihm gewiss, egal aus welcher Generation sie kommen – wohlwissend, dass nur ein Generationenwechsel den Fortbestand eines Vereins sichern kann. Die Last dieser Verantwortung schiebt Meyer allerdings weg und nennt lieber die Dinge, die ihm wichtig sind, wenn es um seinen Verein geht. „Die Mischung aus Breiten- und Leistungssport muss erhalten bleiben. „Wenn man sich auf einen Aspekt konzentriert, kommt der andere zu kurz. Das würde der Trendwende, die wir eingeläutet haben, entgegenstehen.“ Wie das in seinem Verein für den Bereich Leistungssport aussieht, erklärt er so: „Wir haben innerhalb der Mannschaften ein Rotationsprinzip eingebaut, dass einer größeren Leistungsdichte verspricht. Und mehr junge Leute haben gleichzeitig Spaß, sich im Wettbewerb zu engagieren.“ Die Altersstruktur gibt den Vereinsverantwortlichen offensichtlich recht. Knapp die Hälfte der Mitglieder sind U21-Reiter, die andere Hälfte um die 45 Jahre alt. Nur zehn Pferdesportler haben die Altersgrenze 50-Plus überschritten. Übrigens: Das therapeutische Reiten, das dem Verein kreisweit ein Alleinstellungsmerkmal beschert hat, soll nach längerer Pause auch im kommenden Jahr wieder angeboten werden. „Man braucht ein entsprechendes Pferd. Und es sieht so aus, dass wir im kommenden Jahr wieder eines haben“ , sagt der Vereinschef. Viel Arbeit hat der 24-jährige Pferdewirt mit seinem Vorstandsteam in diesen drei Jahren in den Verein investiert. Arbeit, die sich lohnt. Wie lange er diesen Aufwand betreiben wird, beantwortet Fabian Meyer so. „Dafür gibt es keinen Zeitplan.“ MT-Serie "Licht und Schatten" In der Adventszeit dreht sich fast alles um Licht: Es gibt die vier Kerzen, die die Wochen bis zum Fest zählen, romantisierende Lieder und Gedichte von Lichtlein, die Tannen schmücken oder von hell erleuchteten Gässchen. Festlich beleuchtete Innenstädte ver-süßen das Shoppen, selbst die Feuerzangenbowle zu Silvester fasziniert doch vor allem wegen des blau tropfenden Zucker-huts. Die MT-Dezemberserie schaut noch mal anders auf „Licht und Schatten“ und spürt vielen Themen rundherum nach. Die sind übrigens nicht immer weihnachtlich – aber immer überraschend. Hier gibt es weitere Serienteile