Minden

Tischtennis: Zwischen Ringstraße und Feuerland - Ex-Bundestrainer Martin Adomeit fördert Nachwuchs in Minden

Michael Lorenz

Trainer Martin Adomeit mit Johannes Damm (TSV Hahlen, rechts) und Lennart Weick (TTV Lübbecke, spielt in der Rückrunde ebenfalls für den TSV). - © Foto: Michael Lorenz
Trainer Martin Adomeit mit Johannes Damm (TSV Hahlen, rechts) und Lennart Weick (TTV Lübbecke, spielt in der Rückrunde ebenfalls für den TSV). (© Foto: Michael Lorenz)

Minden (much). „Der Rückhand-Schupfball ist ein Schlag aus den 70er-Jahren“, ruft Martin Adomeit im Tischtennis-Zentrum an der Ringstraße lachend. Er muss es wissen: Der 56-Jährige ist einer der Tischtennis-Trainer mit dem höchsten Renommee, und zwar weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Seit September hilft er ein Mal im Monat den talentiertesten Nachwuchsspielern des Kreises Minden-Lübbecke auf die Sprünge.

Der gebürtige Dortmunder begann seine Tätigkeit Ende der 70er-Jahre als Nachwuchstrainer des TV Jahn Soest. 1984 übernahm er dort als Trainer die Frauenmannschaft, die damals in der Bundesliga spielte. Nach zehn Jahren als Vereinstrainer und Honorarcoach des Westdeutschen Tischtennisverbandes (WTTV) wurde Adomeit 1997 Bundestrainer der Frauen. Unter seiner Ägide gewann Deutschland dreimal in Folge die Europaliga, wurde 1998 Europameister und holte 2000 EM-Silber. Von 2004 bis 2007 arbeitete Adomeit als Nationaltrainer und Sportdirektor in Luxemburg, bildete danach in Belgien aus.

Im Anschluss widmete er sich mehr und mehr der Tischtennis-Entwicklungshilfe. Besonders erfolgreich war sein Engagement in Nigeria, das bis heute nachwirkt. Mit der Männer-Nationalmannschaft gewann er die alle vier Jahre stattfindenden African Games. Besonders erfolgreich war Adomeit in der Einzelbetreuung von Quadri Aruna. Dieser ist der bislang einzige afrikanische Spieler, der es weltweit unter die Top-20 schaffte und der das Viertelfinale einer Einzel-Weltmeisterschaft erreichte.

Martin Adomeit hinterließ seine Spuren auch in Kenia, Sri Lanka, Argentinien, Togo und Chile. In der Regel trifft er in diesen Ländern auf rudimentär vorhandene Tischtennis-Strukturen und leistet Aufbauhilfe. Eine Anekdote erzählte er aus Chile: „Eine Nachwuchsspielerin fuhr mit dem Bus 30 Stunden lang zu einem Turnier nach Feuerland, absolvierte dort ein Einzel, verlor und trat wieder die Rückreise an.“

Nach dem Ende seines Engagements in Belgien 2010 arbeitet Adomeit als freiberuflicher Tischtennis-Coach. Seit mehreren Jahren trainiert er bereits den TTC Mennighüffen aus dem Kreis Herford. Auf diese Weise kam auch der Kontakt zu Harald Wiese zustande, dem Vorsitzenden des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke. Der betreibt im Hochhaus an der Ringstraße, in dem auch seine Firma untergebracht ist, ein Tischtennis-Zentrum.

„Ich finde dieses Projekt sehr interessant und habe daher zugesagt“, sagt Adomeit: „Es ist wichtig, dass die Kreise die größten Talente zusammen trainieren lassen, weil der Sprung vom Vereinslevel auf das des WTTV oftmals zu groß ist. Die Motivation der Kinder ist das A und O.“

Erste Ergebnisse seiner Tätigkeit ließen sich bei den Bezirksmeisterschaften in Löhne bereits ablesen, denn da war der Mühlenkreis-Nachwuchs erfolgreich wie lange nicht. Bei den Jungen 15 gewann Magnus Jording von der TTU Bad Oeynhausen, Levi Jaekel vom SV 1860 Minden wurde Dritter. Im Doppel holten Jaekel und sein Vereinskollege Nils Regente Silber. Bei den Jungen 13 gewann Johannes Damm vom TSV Hahlen die Bronzemedaille, nachdem er im Halbfinale knapp am späteren Sieger gescheitert war.

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MindenTischtennis: Zwischen Ringstraße und Feuerland - Ex-Bundestrainer Martin Adomeit fördert Nachwuchs in MindenMichael LorenzMinden (much). „Der Rückhand-Schupfball ist ein Schlag aus den 70er-Jahren“, ruft Martin Adomeit im Tischtennis-Zentrum an der Ringstraße lachend. Er muss es wissen: Der 56-Jährige ist einer der Tischtennis-Trainer mit dem höchsten Renommee, und zwar weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Seit September hilft er ein Mal im Monat den talentiertesten Nachwuchsspielern des Kreises Minden-Lübbecke auf die Sprünge. Der gebürtige Dortmunder begann seine Tätigkeit Ende der 70er-Jahre als Nachwuchstrainer des TV Jahn Soest. 1984 übernahm er dort als Trainer die Frauenmannschaft, die damals in der Bundesliga spielte. Nach zehn Jahren als Vereinstrainer und Honorarcoach des Westdeutschen Tischtennisverbandes (WTTV) wurde Adomeit 1997 Bundestrainer der Frauen. Unter seiner Ägide gewann Deutschland dreimal in Folge die Europaliga, wurde 1998 Europameister und holte 2000 EM-Silber. Von 2004 bis 2007 arbeitete Adomeit als Nationaltrainer und Sportdirektor in Luxemburg, bildete danach in Belgien aus. Im Anschluss widmete er sich mehr und mehr der Tischtennis-Entwicklungshilfe. Besonders erfolgreich war sein Engagement in Nigeria, das bis heute nachwirkt. Mit der Männer-Nationalmannschaft gewann er die alle vier Jahre stattfindenden African Games. Besonders erfolgreich war Adomeit in der Einzelbetreuung von Quadri Aruna. Dieser ist der bislang einzige afrikanische Spieler, der es weltweit unter die Top-20 schaffte und der das Viertelfinale einer Einzel-Weltmeisterschaft erreichte. Martin Adomeit hinterließ seine Spuren auch in Kenia, Sri Lanka, Argentinien, Togo und Chile. In der Regel trifft er in diesen Ländern auf rudimentär vorhandene Tischtennis-Strukturen und leistet Aufbauhilfe. Eine Anekdote erzählte er aus Chile: „Eine Nachwuchsspielerin fuhr mit dem Bus 30 Stunden lang zu einem Turnier nach Feuerland, absolvierte dort ein Einzel, verlor und trat wieder die Rückreise an.“ Nach dem Ende seines Engagements in Belgien 2010 arbeitet Adomeit als freiberuflicher Tischtennis-Coach. Seit mehreren Jahren trainiert er bereits den TTC Mennighüffen aus dem Kreis Herford. Auf diese Weise kam auch der Kontakt zu Harald Wiese zustande, dem Vorsitzenden des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke. Der betreibt im Hochhaus an der Ringstraße, in dem auch seine Firma untergebracht ist, ein Tischtennis-Zentrum. „Ich finde dieses Projekt sehr interessant und habe daher zugesagt“, sagt Adomeit: „Es ist wichtig, dass die Kreise die größten Talente zusammen trainieren lassen, weil der Sprung vom Vereinslevel auf das des WTTV oftmals zu groß ist. Die Motivation der Kinder ist das A und O.“ Erste Ergebnisse seiner Tätigkeit ließen sich bei den Bezirksmeisterschaften in Löhne bereits ablesen, denn da war der Mühlenkreis-Nachwuchs erfolgreich wie lange nicht. Bei den Jungen 15 gewann Magnus Jording von der TTU Bad Oeynhausen, Levi Jaekel vom SV 1860 Minden wurde Dritter. Im Doppel holten Jaekel und sein Vereinskollege Nils Regente Silber. Bei den Jungen 13 gewann Johannes Damm vom TSV Hahlen die Bronzemedaille, nachdem er im Halbfinale knapp am späteren Sieger gescheitert war.