Das Wort zum Sport zum Saisonabschluss in der Formel 1: Auslaufmodell

Thomas Kühlmann

Wenn Nico Hülkenberg morgen in Abu Dhabi ein letztes Mal in seinem Renault-Boliden über die Ziellinie saust, geht für ihn ein neunjähriges Abenteuer in der Formel 1 zu Ende. Im französischen Traditionsrennstall ist kein Platz mehr für den Rheinländer, dem seit seinem Debüt 2010 das Talent zum Siegfahrer bescheinigt wurde – der aber noch nicht einmal den Sprung aufs Podest geschafft hat. Oft nahe dran, ist ihm ein Platz unter den besten drei Fahrern des Rennens stets verwehrt geblieben – aus welchen Gründen auch immer.

Wie es mit ihm selbst weitergeht, weiß der Motorsportler noch nicht. Erst einmal will er sich ein wenig von seinem geliebten Freizeitspaß, den er später zum Beruf gemacht hat, abnabeln. Hülkenbergs Abgang macht Sebastian Vettel plötzlich zum deutschen Alleinunterhalter in der Königsklasse des Motorsports. Eine Tatsache, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Schließlich ist es nicht lange her, da kam fast ein Drittel des Fahrerfeldes aus Deutschland. In den Jahren 2010 und 2011 drehten in Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, Nico Rosberg, Timo Glock, Nick Heidfeld, Sebastian Vettel, Adrian Sutil und eben Nico Hülkenberg gleich sieben Piloten aus heimischen Gefilden ihre Runden auf den Rennstrecken der Welt.

Zu diesem Zeitpunkt lebte die Formel-1-Begeisterung überwiegend von der Aura Michael Schumachers. Aufgrund seiner unfassbaren Erfolge interessierten sich junge Draufgänger ebenso wie Millionen an den Fernsehgeräten für die Beletage des Motorsports. Doch spätestens seit Schumachers endgültigem Abtritt im Jahre 2012 ging es mit dem Hype stetig bergab. Selbst die vier WM-Titel von Sebastian Vettel haben diesen Abwärtstrend nicht stoppen können. Neben fehlenden „Typen“ wie Schumacher hat aber auch die Abkehr von vielen Traditionsrennstrecken und die nur finanziell lukrative Erschließung neuer Märkte in Asien und Osteuropa diese Entwicklung beschleunigt. Dramatisch sinkende Zuschauerzahlen belegen das. Wie Hülkenberg ist so die Formel 1 zum Auslaufmodell geworden.

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Das Wort zum Sport zum Saisonabschluss in der Formel 1: AuslaufmodellThomas KühlmannWenn Nico Hülkenberg morgen in Abu Dhabi ein letztes Mal in seinem Renault-Boliden über die Ziellinie saust, geht für ihn ein neunjähriges Abenteuer in der Formel 1 zu Ende. Im französischen Traditionsrennstall ist kein Platz mehr für den Rheinländer, dem seit seinem Debüt 2010 das Talent zum Siegfahrer bescheinigt wurde – der aber noch nicht einmal den Sprung aufs Podest geschafft hat. Oft nahe dran, ist ihm ein Platz unter den besten drei Fahrern des Rennens stets verwehrt geblieben – aus welchen Gründen auch immer. Wie es mit ihm selbst weitergeht, weiß der Motorsportler noch nicht. Erst einmal will er sich ein wenig von seinem geliebten Freizeitspaß, den er später zum Beruf gemacht hat, abnabeln. Hülkenbergs Abgang macht Sebastian Vettel plötzlich zum deutschen Alleinunterhalter in der Königsklasse des Motorsports. Eine Tatsache, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Schließlich ist es nicht lange her, da kam fast ein Drittel des Fahrerfeldes aus Deutschland. In den Jahren 2010 und 2011 drehten in Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, Nico Rosberg, Timo Glock, Nick Heidfeld, Sebastian Vettel, Adrian Sutil und eben Nico Hülkenberg gleich sieben Piloten aus heimischen Gefilden ihre Runden auf den Rennstrecken der Welt. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Formel-1-Begeisterung überwiegend von der Aura Michael Schumachers. Aufgrund seiner unfassbaren Erfolge interessierten sich junge Draufgänger ebenso wie Millionen an den Fernsehgeräten für die Beletage des Motorsports. Doch spätestens seit Schumachers endgültigem Abtritt im Jahre 2012 ging es mit dem Hype stetig bergab. Selbst die vier WM-Titel von Sebastian Vettel haben diesen Abwärtstrend nicht stoppen können. Neben fehlenden „Typen“ wie Schumacher hat aber auch die Abkehr von vielen Traditionsrennstrecken und die nur finanziell lukrative Erschließung neuer Märkte in Asien und Osteuropa diese Entwicklung beschleunigt. Dramatisch sinkende Zuschauerzahlen belegen das. Wie Hülkenberg ist so die Formel 1 zum Auslaufmodell geworden.