Petershagen

Tischtennis: Kubanische Junioren-Nationalspieler treten für Petershagen-Friedewalde an die Platte

Michael Lorenz und Fabian Terwey

Im Trainingsanzug des kubanischen Nationalteams: Erick Williams Martinez Padron (links) und Adrian Perez posieren beim Training vor der Weltkugel unter der Tischtennisplatte. Um für den TTC Petershagen-Friedewalde zu spielen, sind sie um den halben Globus gereist. - © Foto: Michael Lorenz
Im Trainingsanzug des kubanischen Nationalteams: Erick Williams Martinez Padron (links) und Adrian Perez posieren beim Training vor der Weltkugel unter der Tischtennisplatte. Um für den TTC Petershagen-Friedewalde zu spielen, sind sie um den halben Globus gereist. (© Foto: Michael Lorenz)

Petershagen (much/mt). Kuba? Beim karibischen Inselstaat denkt man schnell an weiße Traumstrände, Kommunismus, Zigarren, 50er-Jahre-Autos und Salsa. In sportlicher Hinsicht wohl vor allem an Boxen und Baseball. In Petershagen und Friedewalde verbindet man mit dem Land aktuell etwas völlig Untypisches: Tischtennis. Denn der ortsansässige TTC hat sich mit Adrian Perez und Erick Williams Martinez Padron die Dienste zweier Asse aus der mittelamerikanischen Republik gesichert. Und die Junioren-Nationalspieler haben an ihren ersten Tagen in der neuen Heimat gleich einen Schnellstart hingelegt.

„Von der Umgebung haben wir noch nicht viel gesehen“, berichtet Adrian Perez. „Wir waren entweder beim Training oder beim Spiel. Wir können aber schon sagen, dass die 20 Grad hier in Deutschland angenehmer sind als die 30 bei uns zu Hause.“ Der amtierende kubanische U18-Meister und Erick Williams Martinez Padron verhalfen dem Verbandsliga-Team am vergangenen Samstag zeitgleich zur Rückkehr des Spätsommers zum ersten Punkt der Saison. Dabei war das Duo erst einen Tag vor dem 8:8 in Bergheim in Deutschland angekommen. „Nach dem ersten Spiel waren wir beide sehr müde“, sagt der 16-jährige Adrian Perez. „Denn wir hatten nicht viel geschlafen.“ Der 18-jährige Erick Williams Martinez Padron ergänzt: „Aber der Klub brauchte uns einfach. Wir haben uns dann eben danach gefühlte 22 Stunden lang hingelegt.“

An der Ballmaschine: Harald Wiese (von links), Vorsitzender des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke mit Adrian Perez und Erick Williams Martinez Padron. - © Foto: Michael Lorenz
An der Ballmaschine: Harald Wiese (von links), Vorsitzender des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke mit Adrian Perez und Erick Williams Martinez Padron. (© Foto: Michael Lorenz)

Flug, Kost und Logis sind für die beiden Kubaner frei. Der Verein bezahlt. Ihre Unterkunft haben sie bei Bernd Ostermeier. Mit dem TTC-Vorsitzenden besuchte das Duo auch die German Open in Bremen. Bei dem jährlich stattfindenden Turnier konnten Martinez Padron und Adrian Perez zwar nicht ihre Idole, die chinesischen Spitzenspieler Zhang Jike und Ma Long, live verfolgen, sie waren dennoch begeistert von dem Event. Ostermeier hatte die Kubaner über ein Internetportal für den TTC verpflichtet. Auf dieser Plattform hatten sich Perez und Martinez Padron wiederum über den kubanischen Tischtennis-Bund registrieren lassen. „Das spielerische Niveau in Deutschland ist sehr viel höher“, erklärt Adrian Perez. „Deswegen wollten wir nach Deutschland kommen. Um uns zu verbessern.“ Martinez Padron erklärt: „Kuba ist in der Karibik zwar die Nummer eins im Tischtennis, aber die Sportart ist in unserem Land vielleicht nur unter den Top 20.“

Wie kamen die beiden Youngster also dazu, solch eine Randsportart auszuüben? Martinez Padron erklärt: „Schon als kleines Kind hat mir Tischtennis gefallen. Ein Sportlehrer unserer Schule hat per Aushang nach Spielern gesucht.“ Auf diesen Aufruf hin meldeten sich sowohl Perez, als auch Martinez Padron im Alter von sechs Jahren. Das allerdings an verschiedenen Orten. Denn Martinez Padron ist in Pinar del Río – ganz im Westen des Inselstaates – beheimatet, Adrian Perez dagegen in Camagüey im östlichen Teil. „Wir kennen uns dennoch schon seit acht Jahren“, erzählt Adrian Perez. Denn auf Kuba spielen Provinzen statt wie in Deutschland Vereine gegeneinander. So laufen sich die beiden trotz der Distanz von 700 Kilometern häufiger mal bei den Turnieren landauf, landab über den Weg.

Als Junioren-Nationalspieler genießen die beiden Schüler das Privileg, dem Unterricht fernbleiben zu dürfen. Die Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland läuft noch bis Dezember. Danach geht es wieder zurück zur Schule. „Mit 16 Jahren wollte ich schonmal nach Deutschland, habe damals aber kein Visum bekommen“, berichtet Martinez Padron. Für ihn ist es der erste Auslandsaufenthalt überhaupt. Mit seinen drei Brüdern und seiner Familie ist der 18-Jährige über das Internet in regelmäßigem Kontakt, Adrian Perez mit seiner Schwester. „Ich war mit der Nationalmannschaft schonmal in Mexiko. In Deutschland würden wir am liebsten länger bleiben. Die Leute sind sehr nett zu uns. Mit den Mannschaftskollegen klappt es trotz der Sprachhürde gut“, sagt der 16-Jährige. „Vielleicht ist es ja irgendwie möglich, über den Dezember hinaus hier zu spielen.“ In jedem Fall wollen die beiden nach der Schule Sport in Havanna studieren. „Das machen auch die meisten anderen Nationalspieler so“, erklärt Adrian Perez.

„Es ist eine Bereicherung für unseren Kreis, dass jetzt hier zwei Kubaner spielen“, sagt Harald Wiese, Vorsitzender des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke. „Und man muss als Verein ja auch erstmal auf solch eine Idee kommen.“ In Petershagen und Friedewalde denkt man bei Kuba jetzt jedenfalls nicht mehr nur an weiße Traumstrände, Zigarren und Boxen, sondern auch an Tischtennis.

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