Braunschweig/Minden

American Football: Thorben Gieseler aus Minden gewinnt mit den New Yorker Lions aus Braunschweig den German Bowl

Astrid Plaßhenrich

Braunschweig/Minden (mt). Es war ein Jahr der Entbehrungen. Zwölf Monate, in denen American Football an oberster Stelle stand. Die Masterarbeit schrieb sich nebenher, seine Freundin, Familie und Freunde hatten Verständnis für ein Hobby, dass locker 40 Stunden in der Woche in Anspruch nahm. All der Schweiß, das Training, die Auswärtsfahrten quer durch die Republik – all der Aufwand haben sich am Ende aber gelohnt: Thorben Gieseler aus Minden hat am Samstag mit den New Yorker Lions aus Braunschweig die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Im 41. German Bowl setzten sich die Lions gegen die Schwäbisch Hall Unicorns mit 10:7 (0:0, 0:0; 10:0, 0:7) durch. Gieselers Fazit: „Es war ein megakrasses Jahr.“

Thorben Gieseler (links) und Gerrit Brandt feiern mit der riesigen German-Bowl-Trophäe in der Kabine der Frankfurter Commerzbank-Arena den Deutschen Meistertitel. Die beiden Offense-Line Spieler waren vor der Saison zusammen von Hannover nach Braunschweig gewechselt. - © Foto: New Yorker Lions/pr
Thorben Gieseler (links) und Gerrit Brandt feiern mit der riesigen German-Bowl-Trophäe in der Kabine der Frankfurter Commerzbank-Arena den Deutschen Meistertitel. Die beiden Offense-Line Spieler waren vor der Saison zusammen von Hannover nach Braunschweig gewechselt. (© Foto: New Yorker Lions/pr)

Die Anspannung stieg unaufhörlich. Thorben Gieseler stand mit seinen Braunschweiger Teamkollegen im Spielertunnel der Frankfurter Commerzbank-Arena. Die Unicorns waren kurz zuvor ins Stadion eingelaufen. Die Lions mussten sich noch gedulden. Minuten, die sich wie Stunden anfühlten. Dann ertönte endlich das Einlauflied der Braunschweiger. „Mein Puls raste in sekundenschnelle auf die 180 zu“, erzählt der 26-Jährige. Dann ging es in die Arena: Flutlicht, Blitzlichtgewitter der zahlreichen Fotografen und 20.832 Football-Fans, die jubelten. „Gänsehaut pur“, sagt Gieseler.

Die Geschichte des Finals ist schnell erzählt: Beide Teams bissen sich an den starken Defensivreihen die Zähne aus. Nach einem für American-Football-Verhältnisse ungewöhnlichen 0:0 zur Halbzeitpause verbuchte Running Back Chris McClendon Anfang des dritten Viertels mit einem Touchdown die ersten sieben Punkte für Braunschweig. Tobias Goebel baute den Vorsprung mit einem Field Goal auf 10:0 aus. Schwäbisch Hall gelang im letzten Spielabschnitt nach einem Touchdown von Joshua Haas nur noch das 10:7. Das war's. Damit eroberten sich die Lions den Deutschen Meistertitel nach zwei Jahren von den Unicorns zurück, die zudem zuvor 50 Spiele in Serie gewonnen hatten.

Thorben Gieseler kam im Endspiel, wie auch in der gesamten Saison, nicht zum Zug, gehörte aber wie sooft zum Kader. „Ich fühle mich trotzdem als vollwertiger Deutscher Meister. Die Trainer und meine Mannschaftskollegen haben mir auch alle am Samstag gesagt, dass ich ein wichtiger Teil des Teams sei“, erzählt der Mindener, der aufgrund seines Studiums nach Hannover gezogen war und in den vergangenen Monaten viermal in der Woche zwischen seinem Wohnsitz und Braunschweig pendelte. Gieseler verpasste nur wenige Trainingseinheiten, simulierte immer die gegnerische Offensive und trug damit seinen Teil zum DM-Titel bei. „Für mich ist es auch kein verlorenes Jahr. Ich habe mich schließlich im besten Team Deutschlands, wenn nicht von Europa, ständig weiterentwickelt. Dazu war es unglaublich, diese Professionalität mitzuerleben. Das war absolut ungewöhnlich.“

Nach Spielende brachen alle Dämme. Siegerehrung im Feuerwerkschein, Ehrenrunde und Meisterfotos. Schließlich plünderten die Braunschweiger den Biervorrat aus dem Presseraum, feierten in einem Frankfurter Hotel und Club bis in die Morgenstunden. „Es war auch deshalb sehr emotional, weil einige Trainer und Spieler ihre Karriere beendet haben“, sagt Gieseler.

Ob es für ihn bei den Lions weitergeht, steht noch nicht fest. „Es gibt noch ein Gespräch mit dem Head Coach. Zudem muss ich schauen, wie es beruflich bei mir weitergeht“, sagt der 26-Jährige, der sein Politikstudium abgeschlossen hat und sich jetzt beispielsweise einen Job als Sportreferent vorstellen kann. „Es war ein megakrasses Jahr, aber der Zeitfaktor wiegt dagegen. Ich muss jetzt erst einmal durchatmen und mich dann entscheiden, wie es weitergeht.“

Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882 173 oder Astrid.Plasshenrich@MT.de

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Braunschweig/MindenAmerican Football: Thorben Gieseler aus Minden gewinnt mit den New Yorker Lions aus Braunschweig den German BowlAstrid PlaßhenrichBraunschweig/Minden (mt). Es war ein Jahr der Entbehrungen. Zwölf Monate, in denen American Football an oberster Stelle stand. Die Masterarbeit schrieb sich nebenher, seine Freundin, Familie und Freunde hatten Verständnis für ein Hobby, dass locker 40 Stunden in der Woche in Anspruch nahm. All der Schweiß, das Training, die Auswärtsfahrten quer durch die Republik – all der Aufwand haben sich am Ende aber gelohnt: Thorben Gieseler aus Minden hat am Samstag mit den New Yorker Lions aus Braunschweig die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Im 41. German Bowl setzten sich die Lions gegen die Schwäbisch Hall Unicorns mit 10:7 (0:0, 0:0; 10:0, 0:7) durch. Gieselers Fazit: „Es war ein megakrasses Jahr.“ Die Anspannung stieg unaufhörlich. Thorben Gieseler stand mit seinen Braunschweiger Teamkollegen im Spielertunnel der Frankfurter Commerzbank-Arena. Die Unicorns waren kurz zuvor ins Stadion eingelaufen. Die Lions mussten sich noch gedulden. Minuten, die sich wie Stunden anfühlten. Dann ertönte endlich das Einlauflied der Braunschweiger. „Mein Puls raste in sekundenschnelle auf die 180 zu“, erzählt der 26-Jährige. Dann ging es in die Arena: Flutlicht, Blitzlichtgewitter der zahlreichen Fotografen und 20.832 Football-Fans, die jubelten. „Gänsehaut pur“, sagt Gieseler. Die Geschichte des Finals ist schnell erzählt: Beide Teams bissen sich an den starken Defensivreihen die Zähne aus. Nach einem für American-Football-Verhältnisse ungewöhnlichen 0:0 zur Halbzeitpause verbuchte Running Back Chris McClendon Anfang des dritten Viertels mit einem Touchdown die ersten sieben Punkte für Braunschweig. Tobias Goebel baute den Vorsprung mit einem Field Goal auf 10:0 aus. Schwäbisch Hall gelang im letzten Spielabschnitt nach einem Touchdown von Joshua Haas nur noch das 10:7. Das war's. Damit eroberten sich die Lions den Deutschen Meistertitel nach zwei Jahren von den Unicorns zurück, die zudem zuvor 50 Spiele in Serie gewonnen hatten. Thorben Gieseler kam im Endspiel, wie auch in der gesamten Saison, nicht zum Zug, gehörte aber wie sooft zum Kader. „Ich fühle mich trotzdem als vollwertiger Deutscher Meister. Die Trainer und meine Mannschaftskollegen haben mir auch alle am Samstag gesagt, dass ich ein wichtiger Teil des Teams sei“, erzählt der Mindener, der aufgrund seines Studiums nach Hannover gezogen war und in den vergangenen Monaten viermal in der Woche zwischen seinem Wohnsitz und Braunschweig pendelte. Gieseler verpasste nur wenige Trainingseinheiten, simulierte immer die gegnerische Offensive und trug damit seinen Teil zum DM-Titel bei. „Für mich ist es auch kein verlorenes Jahr. Ich habe mich schließlich im besten Team Deutschlands, wenn nicht von Europa, ständig weiterentwickelt. Dazu war es unglaublich, diese Professionalität mitzuerleben. Das war absolut ungewöhnlich.“ Nach Spielende brachen alle Dämme. Siegerehrung im Feuerwerkschein, Ehrenrunde und Meisterfotos. Schließlich plünderten die Braunschweiger den Biervorrat aus dem Presseraum, feierten in einem Frankfurter Hotel und Club bis in die Morgenstunden. „Es war auch deshalb sehr emotional, weil einige Trainer und Spieler ihre Karriere beendet haben“, sagt Gieseler. Ob es für ihn bei den Lions weitergeht, steht noch nicht fest. „Es gibt noch ein Gespräch mit dem Head Coach. Zudem muss ich schauen, wie es beruflich bei mir weitergeht“, sagt der 26-Jährige, der sein Politikstudium abgeschlossen hat und sich jetzt beispielsweise einen Job als Sportreferent vorstellen kann. „Es war ein megakrasses Jahr, aber der Zeitfaktor wiegt dagegen. Ich muss jetzt erst einmal durchatmen und mich dann entscheiden, wie es weitergeht.“ Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882 173 oder Astrid.Plasshenrich@MT.de