Lahde

Bogenlaufen: Stefan Strübe schafft es bis ins DM-Finale

Fabian Terwey

Laufen: Insgesamt 4,2 km muss Stefan Strübe zurücklegen.
Laufen: Insgesamt 4,2 km muss Stefan Strübe zurücklegen.

Petershagen-Lahde (mt). Der Puls rast. Nach der absolvierten Laufrunde steht Schweiß auf der Stirn. Ein ungewohntes Gefühl am Schießstand. Darum hält Stefan Strübe mit seinem so vertrauten Sportgerät länger inne als sonst. Nach dieser wohltuenden Konzentrationspause visiert der erfahrene Bogenschütze die Zielscheibe an. Während der 54-Jährige die Luft anhält, lässt er den Pfeil lossausen. Die Spitze schlägt in 20 Metern Entfernung im schwarzen Rund ein. Auf zwei weitere Volltreffer folgt die nächste der fünf Laufrunden. Eine Strafrunde ist wegen des fehlerfreien Schießens nicht nötig. Bogenlaufen nennt sich diese Biathlon-Variante. Und was vielen als Sportart unbekannt ist, ist auch für Stefan Strübe aus Petershagen-Lahde neu. Im Schützenverein Gut Ziel Meßlingen übt der technische Angestellte einer Küchenfirma aus Vlotho seit 13 Jahren das Bogenschießen aus. Bei der Deutschen Meisterschaft im Bogenlaufen ist Strübe erstmals dabei. Eine Quali dafür war nicht nötig, nur die Anmeldung. Im sächsischen Torgau feiert der Vater einer 22-jährigen Tochter dann einen Einstand nach Maß: Den Einzug in den Finallauf der Altersklasse 45 bis 55.

„Die Anmeldung zu den diesjährigen Meisterschaften im Bogenschießen unter freiem Himmel haben wir als Verein verpasst. Das Bogenlaufen war eine willkommene Alternative. Eine neue Herausforderung“, erklärt Strübe. Auf Verbandswettbewerben ist der begeisterte Bogenschütze seit vielen Jahren vertreten. „Irgendwann habe ich es mal in einem Freizeitpark ausprobiert. 2006 hat sich zudem mein Neffe dafür interessiert. Die Meßlinger haben damals ein Schnupperschießen angeboten. Wir sind hingefahren. Ich bin dabei geblieben. Mir liegt es, weil es ein ruhiger Sport ist. Man kommt runter. Bogenschießen ist nach Golf die technisch anspruchsvollste Sportart. Pfeil und Bogen müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Irgendwann läuft die Bewegung dann im Unterbewusstsein ab.“

Ausrufezeichen gesetzt: Stefan Strübe vom Schützenverein Gut Ziel Meßlingen zieht bei seiner ersten Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft im Bogenlaufen direkt in den Finallauf ein. Fotos: pr
Ausrufezeichen gesetzt: Stefan Strübe vom Schützenverein Gut Ziel Meßlingen zieht bei seiner ersten Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft im Bogenlaufen direkt in den Finallauf ein. Fotos: pr

Dreimal ist Stefan Strübe Deutscher Vizemeister seiner Altersklasse geworden. 2014, 2015 und 2016. „Ich schieße normalerweise einmal die Woche und trainiere auch die Jugend. Für die DM-Vorbereitung habe ich mir die Scheibe an unserem Schießstand draußen aufgebaut und habe mir die 833 Meter lange Laufstrecke exakt abgesteckt. Die Vereinskollegen haben mich motiviert.“ Strübes Trainingsplan sah eine Vorbereitung von drei Monaten vor. „Der Wechsel zwischen Laufen und Schießen ist die Schwierigkeit.“ Strübe joggt zwar bereits seit 20 Jahren regelmäßig und leidenschaftlich, aber „beim Bogenschießen hat man sonst keine körperliche Belastung. Deswegen habe ich das geübt. Meinen Recurve-Bogen musste ich für die DM nicht extra verstellen. Meine alten Laufschuhe habe ich aber entsorgt. Dazu hatte mir mein Arzt. geraten.“ Und diese Vorbereitung mit neuem Schuhwerk soll sich noch auszahlen.

Bogenschießen: Stefan Strübe visiert das Ziel an.
Bogenschießen: Stefan Strübe visiert das Ziel an.

Als alleiniger Meßlinger Vetreter reist Strübe auf eigene Faust mit dem Auto an. Größere Vereine aus dem Osten sind teilweise mit bis zu acht Sportlern und Anhang da. Eine Hotel-Übernachtung und ein Frühstück später steigt für Strübe der morgendliche Halbfinallauf. Und der heimische Bogenschütze bleibt tatsächlich ohne jeden Fehlschuss. Geschossene Ringe wie beim Bogenschießen spielen keine Rolle. Insgesamt viermal drei Pfeile zwischen den fünf Laufrunden sind zu schießen. Die insgesamt 4,2 Kilometer lange Strecke meistert Strübe in 23:45,5 Minuten. Sein zweiter Platz berechtigt zur Finalteilnahme. „Für das Schießen habe ich extra ein paar Sekunden mehr investiert. Alle Pfeile zu treffen, war mein Ziel.“ Im Finale muss Strübe dann aber doch zweimal die 125 Meter lange Strafrunde durch das Stadion auf sich nehmen. Der Endlauf ist bereits zwei Stunden nach dem Halbfinale. „Zwei Läufe an einem Tag - das kostet Konzentration. Und das hatte ich auch nicht trainiert. Ich hatte nicht mehr genügend Spannung beim Schießen.“ Zwei Pfeile rauschen unter der Scheibe her. Die Kampfrichter im Nacken halten das Ganze penibel fest. Bei einer Zeit von 25:10,8 Minuten springt Platz sieben unter insgesamt 13 Startern heraus. 3:48.1 Minuten Rückstand sind es zum neuen Deutschen Meister Matthias Petzholtz vom BSC Hohen Neuendorf.

„Ich bin zufrieden. Denn ich habe mein Ziel erreicht. Als 54-Jähriger habe ich in meiner Altersklasse ja zu den Ältesten gezählt. Deshalb wollte ich einfach nur den Finallauf erreichen“, sagt Stefan Strübe. „Im nächsten Jahr wäre ich dann einer der Jüngsten.“ Denn am heutigen Donnerstag feiert Strübe seinen 55. Geburtstag. Damit wechselt er in die nächsthöhere Altersklasse. In die AK 55-65. 2020 richtet der Deutsche Bogensport-Verband die DM im brandenburgischen Hohen Neuendorf aus. Bogenschütze Stefan Strübe hat dieses Ziel fest im Visier. „Wenn die Gesundheit mitspielt, wäre ich gerne wieder dabei.“

Der Schützenverein Gut Ziel Meßlingen ist Mitglied im Deutschen Bogensport-Verband und im Westfälischen Schützenbund. Der Verein hat rund 50 Mitglieder. 20 davon sind am Schießstand aktiv. Darunter sind vier aus dem Seniorenbereich und 16 Junioren. Meßlingen startet im Oktober in die neue Hallensaison der OWL-Liga. Saisonende ist im März.

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LahdeBogenlaufen: Stefan Strübe schafft es bis ins DM-FinaleFabian TerweyPetershagen-Lahde (mt). Der Puls rast. Nach der absolvierten Laufrunde steht Schweiß auf der Stirn. Ein ungewohntes Gefühl am Schießstand. Darum hält Stefan Strübe mit seinem so vertrauten Sportgerät länger inne als sonst. Nach dieser wohltuenden Konzentrationspause visiert der erfahrene Bogenschütze die Zielscheibe an. Während der 54-Jährige die Luft anhält, lässt er den Pfeil lossausen. Die Spitze schlägt in 20 Metern Entfernung im schwarzen Rund ein. Auf zwei weitere Volltreffer folgt die nächste der fünf Laufrunden. Eine Strafrunde ist wegen des fehlerfreien Schießens nicht nötig. Bogenlaufen nennt sich diese Biathlon-Variante. Und was vielen als Sportart unbekannt ist, ist auch für Stefan Strübe aus Petershagen-Lahde neu. Im Schützenverein Gut Ziel Meßlingen übt der technische Angestellte einer Küchenfirma aus Vlotho seit 13 Jahren das Bogenschießen aus. Bei der Deutschen Meisterschaft im Bogenlaufen ist Strübe erstmals dabei. Eine Quali dafür war nicht nötig, nur die Anmeldung. Im sächsischen Torgau feiert der Vater einer 22-jährigen Tochter dann einen Einstand nach Maß: Den Einzug in den Finallauf der Altersklasse 45 bis 55. „Die Anmeldung zu den diesjährigen Meisterschaften im Bogenschießen unter freiem Himmel haben wir als Verein verpasst. Das Bogenlaufen war eine willkommene Alternative. Eine neue Herausforderung“, erklärt Strübe. Auf Verbandswettbewerben ist der begeisterte Bogenschütze seit vielen Jahren vertreten. „Irgendwann habe ich es mal in einem Freizeitpark ausprobiert. 2006 hat sich zudem mein Neffe dafür interessiert. Die Meßlinger haben damals ein Schnupperschießen angeboten. Wir sind hingefahren. Ich bin dabei geblieben. Mir liegt es, weil es ein ruhiger Sport ist. Man kommt runter. Bogenschießen ist nach Golf die technisch anspruchsvollste Sportart. Pfeil und Bogen müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Irgendwann läuft die Bewegung dann im Unterbewusstsein ab.“ Dreimal ist Stefan Strübe Deutscher Vizemeister seiner Altersklasse geworden. 2014, 2015 und 2016. „Ich schieße normalerweise einmal die Woche und trainiere auch die Jugend. Für die DM-Vorbereitung habe ich mir die Scheibe an unserem Schießstand draußen aufgebaut und habe mir die 833 Meter lange Laufstrecke exakt abgesteckt. Die Vereinskollegen haben mich motiviert.“ Strübes Trainingsplan sah eine Vorbereitung von drei Monaten vor. „Der Wechsel zwischen Laufen und Schießen ist die Schwierigkeit.“ Strübe joggt zwar bereits seit 20 Jahren regelmäßig und leidenschaftlich, aber „beim Bogenschießen hat man sonst keine körperliche Belastung. Deswegen habe ich das geübt. Meinen Recurve-Bogen musste ich für die DM nicht extra verstellen. Meine alten Laufschuhe habe ich aber entsorgt. Dazu hatte mir mein Arzt. geraten.“ Und diese Vorbereitung mit neuem Schuhwerk soll sich noch auszahlen. Als alleiniger Meßlinger Vetreter reist Strübe auf eigene Faust mit dem Auto an. Größere Vereine aus dem Osten sind teilweise mit bis zu acht Sportlern und Anhang da. Eine Hotel-Übernachtung und ein Frühstück später steigt für Strübe der morgendliche Halbfinallauf. Und der heimische Bogenschütze bleibt tatsächlich ohne jeden Fehlschuss. Geschossene Ringe wie beim Bogenschießen spielen keine Rolle. Insgesamt viermal drei Pfeile zwischen den fünf Laufrunden sind zu schießen. Die insgesamt 4,2 Kilometer lange Strecke meistert Strübe in 23:45,5 Minuten. Sein zweiter Platz berechtigt zur Finalteilnahme. „Für das Schießen habe ich extra ein paar Sekunden mehr investiert. Alle Pfeile zu treffen, war mein Ziel.“ Im Finale muss Strübe dann aber doch zweimal die 125 Meter lange Strafrunde durch das Stadion auf sich nehmen. Der Endlauf ist bereits zwei Stunden nach dem Halbfinale. „Zwei Läufe an einem Tag - das kostet Konzentration. Und das hatte ich auch nicht trainiert. Ich hatte nicht mehr genügend Spannung beim Schießen.“ Zwei Pfeile rauschen unter der Scheibe her. Die Kampfrichter im Nacken halten das Ganze penibel fest. Bei einer Zeit von 25:10,8 Minuten springt Platz sieben unter insgesamt 13 Startern heraus. 3:48.1 Minuten Rückstand sind es zum neuen Deutschen Meister Matthias Petzholtz vom BSC Hohen Neuendorf. „Ich bin zufrieden. Denn ich habe mein Ziel erreicht. Als 54-Jähriger habe ich in meiner Altersklasse ja zu den Ältesten gezählt. Deshalb wollte ich einfach nur den Finallauf erreichen“, sagt Stefan Strübe. „Im nächsten Jahr wäre ich dann einer der Jüngsten.“ Denn am heutigen Donnerstag feiert Strübe seinen 55. Geburtstag. Damit wechselt er in die nächsthöhere Altersklasse. In die AK 55-65. 2020 richtet der Deutsche Bogensport-Verband die DM im brandenburgischen Hohen Neuendorf aus. Bogenschütze Stefan Strübe hat dieses Ziel fest im Visier. „Wenn die Gesundheit mitspielt, wäre ich gerne wieder dabei.“ Der Schützenverein Gut Ziel Meßlingen ist Mitglied im Deutschen Bogensport-Verband und im Westfälischen Schützenbund. Der Verein hat rund 50 Mitglieder. 20 davon sind am Schießstand aktiv. Darunter sind vier aus dem Seniorenbereich und 16 Junioren. Meßlingen startet im Oktober in die neue Hallensaison der OWL-Liga. Saisonende ist im März.