Minden

Sportlertreff im Wartezimmer: Doc Schumacher lädt auch mit 70 noch zur legendären Sprechstunde

Marcus Riechmann

Minden (mt). Was im Sport am Wochenende schief gelaufen ist, erfährt Heinz Schumacher am Montagnachmittag. Die Sportlersprechstunde des Mindener Mediziners ist legendär. Seit mehr als drei Jahrzehnten trifft sich die heimische Szene in Schumachers Wartezimmer und tauscht sich vor des Meister Diagnose über Siege, Niederlagen und natürlich Verletzungen aus. Oft genug lehnen die Gehhilfen neben dem Stuhl an der Wand.

Keinen Kittel bitte: Heinz Schumacher. MT- - © Foto: Riechmann
Keinen Kittel bitte: Heinz Schumacher. MT- (© Foto: Riechmann)

Vor allem als Mannschaftsarzt zahlreicher heimischer Top-Teams hat sich Schumacher einen Namen gemacht. Die Bundesligafrauen von Eintracht Minden, die Handballprofis des TuS N-Lübbecke, die Fußballer von RW Maaslingen, die Frauen des HSV Minden-Nord oder ganz aktuell die Männer von Lit Tribe Germania – vielfältig wirkte „Doc“ Schumacher. Auch bei Eintracht Oberlübbe. „Da bin ich sogar Vereinsmitglied“, sagt er und überrascht angesichts seiner Nähe vor allem zum Spitzenhandball: „Ich habe nur in der Schule ein bisschen Handball gespielt“, erzählt er aus seiner Espelkämper Jugendzeit und erläutert: „Dass ich den Schwerpunkt im Sport gesetzt habe, hat sich einfach so ergeben.“

Im Jahr 1982 machte er sich mit der Teilgebietsbezeichnung als Sportmediziner in Minden einen Namen, gemeinsam mit Bendix Jebsen war er Pionier auf dem Gebiet. Nah dran an den Vereinen machten sie Sportler und Trainer damit vertraut, dass Sportmedizin nicht erst mit der Verletzung einsetzt: „Prävention ist elementar wichtig“, sagt Schumacher.

70 Jahre ist der Familienvater im Sommer alt geworden. Wobei es „alt“ nicht wirklich trifft: denn wie eh und je ist Schumacher umtriebig und unternehmungslustig. Erst jüngst hat er eine Fortbildung zum zertifizierten Mannschaftsarzt beim Sportärztebund Schleswig Holstein absolviert. Seine Tätigkeit als Allgemeinmediziner übt er in seiner Praxis nur noch reduziert aus, doch weiterhin ist er als Ansprechpartner für seine Sportler da. Ein wichtiges Werkzeug ist der Telefonhörer. Schumacher übernimmt im Rahmen der Diagnose die Rolle als Gesundheitsmanager, vermittelt die Sportler noch im Behandlungszimmer zu den Untersuchungen bei den entsprechenden Spezialisten. „Bei mir sitzt der ...“, überführt er mit sonorer Stimme seine Patienten vertrauensvoll in die nächsten Hände.

Das soll es auch in Zukunft geben, dann, wenn Schumacher den Kittel, den er nie trägt, einmottet und in den Ruhestand wechselt. „Bis dahin ist noch Zeit. Ich fühle mich fit und ich habe noch Lust“, sagt er zwar, doch: „Ich wünsche mir, dass es jemanden gibt der sich als Sportmediziner einbringt“. Aber er weiß: „Die Präsenzzeit in den Hallen an den Wochenenden hemmt bei den Kollegen die Begeisterung.“

Seit vielen Jahren kümmert sich Schumacher auch um junge Sportler. Als sportmedizinische Untersuchungsstelle des Landessportbundes nimmt er Untersuchungen für Sechstklässler der NRW-Sportschulen vor. Er wirbt er für die Früherkennung, die er in der Gemeinschaftspraxis Sirius in der Pöttcherstraße anbietet, schließlich sei der Check für Sportschüler kostenlos. Auch junge Kaderathleten untersucht er und ist ein bisschen stolz. Denn: „Das bieten im heimischen Raum nur drei Stellen an: die Uni Paderborn, das Herzzentrum Bad Oeynhausen und ich.“

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 159 oderMarcus.Riechmann@MT.de

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MindenSportlertreff im Wartezimmer: Doc Schumacher lädt auch mit 70 noch zur legendären SprechstundeMarcus RiechmannMinden (mt). Was im Sport am Wochenende schief gelaufen ist, erfährt Heinz Schumacher am Montagnachmittag. Die Sportlersprechstunde des Mindener Mediziners ist legendär. Seit mehr als drei Jahrzehnten trifft sich die heimische Szene in Schumachers Wartezimmer und tauscht sich vor des Meister Diagnose über Siege, Niederlagen und natürlich Verletzungen aus. Oft genug lehnen die Gehhilfen neben dem Stuhl an der Wand. Vor allem als Mannschaftsarzt zahlreicher heimischer Top-Teams hat sich Schumacher einen Namen gemacht. Die Bundesligafrauen von Eintracht Minden, die Handballprofis des TuS N-Lübbecke, die Fußballer von RW Maaslingen, die Frauen des HSV Minden-Nord oder ganz aktuell die Männer von Lit Tribe Germania – vielfältig wirkte „Doc“ Schumacher. Auch bei Eintracht Oberlübbe. „Da bin ich sogar Vereinsmitglied“, sagt er und überrascht angesichts seiner Nähe vor allem zum Spitzenhandball: „Ich habe nur in der Schule ein bisschen Handball gespielt“, erzählt er aus seiner Espelkämper Jugendzeit und erläutert: „Dass ich den Schwerpunkt im Sport gesetzt habe, hat sich einfach so ergeben.“ Im Jahr 1982 machte er sich mit der Teilgebietsbezeichnung als Sportmediziner in Minden einen Namen, gemeinsam mit Bendix Jebsen war er Pionier auf dem Gebiet. Nah dran an den Vereinen machten sie Sportler und Trainer damit vertraut, dass Sportmedizin nicht erst mit der Verletzung einsetzt: „Prävention ist elementar wichtig“, sagt Schumacher. 70 Jahre ist der Familienvater im Sommer alt geworden. Wobei es „alt“ nicht wirklich trifft: denn wie eh und je ist Schumacher umtriebig und unternehmungslustig. Erst jüngst hat er eine Fortbildung zum zertifizierten Mannschaftsarzt beim Sportärztebund Schleswig Holstein absolviert. Seine Tätigkeit als Allgemeinmediziner übt er in seiner Praxis nur noch reduziert aus, doch weiterhin ist er als Ansprechpartner für seine Sportler da. Ein wichtiges Werkzeug ist der Telefonhörer. Schumacher übernimmt im Rahmen der Diagnose die Rolle als Gesundheitsmanager, vermittelt die Sportler noch im Behandlungszimmer zu den Untersuchungen bei den entsprechenden Spezialisten. „Bei mir sitzt der ...“, überführt er mit sonorer Stimme seine Patienten vertrauensvoll in die nächsten Hände. Das soll es auch in Zukunft geben, dann, wenn Schumacher den Kittel, den er nie trägt, einmottet und in den Ruhestand wechselt. „Bis dahin ist noch Zeit. Ich fühle mich fit und ich habe noch Lust“, sagt er zwar, doch: „Ich wünsche mir, dass es jemanden gibt der sich als Sportmediziner einbringt“. Aber er weiß: „Die Präsenzzeit in den Hallen an den Wochenenden hemmt bei den Kollegen die Begeisterung.“ Seit vielen Jahren kümmert sich Schumacher auch um junge Sportler. Als sportmedizinische Untersuchungsstelle des Landessportbundes nimmt er Untersuchungen für Sechstklässler der NRW-Sportschulen vor. Er wirbt er für die Früherkennung, die er in der Gemeinschaftspraxis Sirius in der Pöttcherstraße anbietet, schließlich sei der Check für Sportschüler kostenlos. Auch junge Kaderathleten untersucht er und ist ein bisschen stolz. Denn: „Das bieten im heimischen Raum nur drei Stellen an: die Uni Paderborn, das Herzzentrum Bad Oeynhausen und ich.“ Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 159 oderMarcus.Riechmann@MT.de