Stemwede

Pferdesport: Wimpernschlag-Finale bei der Reit-Kreismeisterschaft in Stemwede-Destel

Volker Krusche

Foto: Volker Krusche/wb - © VOLKER KRUSCHE
Foto: Volker Krusche/wb (© VOLKER KRUSCHE)

Stemwede (wb). In der Meldestelle wurde eifrig in den Erklärungen geblättert, wurde hin und her gerechnet. Doch am Ende kam immer wieder das gleiche Ergebnis heraus. Die Kreisstandarte für den Mannschafts-Kreismeister der Reiter geht 2019 an den RV Herzog Wittekind Oberbauerschaft. Seine Punktzahl nach vier Prüfungen: 1.263. Sein Vorsprung auf den entthronten Titelverteidiger und Gastgeber RV Destel: ein einziger Punkt!

Klar, dass die Rechnung da auf jeden Fall stimmen muss. Zumal die Equipe aus dem eigenen Verein Leidtragender dieser dramatischen Entscheidung war. Ins abschließende Springen der Klasse A waren die Desteler, die ihre Stärken in der Dressur eindrucksvoll ausgespielt hatten, dafür den »Herzögen« im ersten Springen klar den Vortritt hatten lassen müssen, mit einem Vorsprung von sechs Punkten (878:872) gegangen. Allerdings im Gegensatz zum Widersacher nur mit drei statt möglicher vier Reiter. Das hatte zur Folge, dass die Desteler auf ein Streichergebnis verzichten mussten. Und genau das sollte sich rächen.

Zwar legte Dietmar Holle auf Arlette einen fehlerfreien Ritt hin und sicherte sich als Sieger dieser Prüfung auch die 100 Kreismeisterschaftspunkte, seine beiden Mitstreiterinnen blieben aber nicht ohne Abwurf: Stefanie Gieselmann kam mit vier Fehlern auf Rang acht, Pia Kaschube wurde mit acht Fehlern nur Zehnte. Die Oberbauerschafter drehten dagegen richtig auf. Friederike Schöneberg, Michael Blase und Achim Ostermeyer blieben fehlerfrei und belegten die Plätze zwei bis vier. Da war der Fünftplatzierte, Jan Lösche, der sich einen Zeitfehler erlaubt hatte, schon das Streichergebnis.

So zog Oberbauerschaft noch am Gegner vorbei. Ein Abwurf weniger – und Destel wäre erneut Kreismeister geworden. Ja, es hätten schon drei Sekunden gereicht, die Gieselmann in ihrer Runde hätte schneller sein müssen. Mit dem Ausgang der Entscheidung hatte der RV Hille als Bronzemedaillengewinner nichts zu tun.

Allerdings war es für den Kreisreiterverband ein Armutszeugnis, dass nur drei Teams den Kampf um die Kreisstandarte annahmen. Auch der stellvertretende Kreisvorsitzende Wilfried Schormann zuckte nur mit den Schultern. »Das ist nicht gut. Diese Entwicklung ist bedenklich, auch wenn wir da kein Einzelfall sind. Dabei haben wir schon den Modus geändert und gehofft, dass die Zahlen sich wieder verbessern.« Zunächst trennte der Kreisreiterverband Minden-Lübbecke die Wettbewerbe. Mannschaft, Dressur und Springen fanden bei unterschiedlichen Vereinen statt. Zudem war in den Jahren zuvor bereits der Geländeritt entfallen, auf Fähigkeiten von Pferd und Reiter im Busch verzichtet worden, so dass nur noch Springen und Dressur die Prüfungen im Teamwettbewerb darstellten. Scheinbar aber sind viele Springreiter heute nicht ausreichend in der Dressur geschult, so dass am Ende eine Meisterschaft – ohne die Leistungen der teilnehmenden Reiter zu mindern – mehr und mehr zur Farce wird. Diese Meinung vertraten am Rande des Desteler Turniers jedenfalls nicht wenige erfahrene Reitsportler.

Wenngleich in allen anderen Prüfungen der 58. Desteler Pferdetage die Starterzahlen absolut zufriedenstellend waren, so ließ die Größe des Teilnehmerfeldes im Finale des Barre-Stil-Pokals ebenfalls zu wünschen übrig. Elf Paare – so wenige wie nie zuvor –, darunter noch ein Reiter mit zwei Pferden, gingen im M*-Springen an den Start. Acht von ihnen erreichten die Siegerrunde, in die die Fehler des ersten Ritts mit übernommen wurden.

Wenngleich das Feld überschaubar war – ein Überdenken der Ausschreibung könnte Sinn machen –, so durften sich die Leistungen absolut sehen lassen. Sechs der elf Paare blieben im von Parcourschef Thomas Bröcker mit elf Hindernissen und 14 Sprüngen ausgestatteten ersten Umlauf fehlerfrei, darunter mit Henrik Hüsemann vom RV St. Georg Pr. Oldendorf auf Lord Onassis auch der einzige Starter aus dem Mühlenkreis. Bis zum letzten Hindernis der Siegerrunde sah es so aus, als würde er auch diesmal fehlerfrei bleiben. Dann aber gab es ausgerechnet am Barre-Schlusssprung eine Verweigerung und einen Abwurf.

Den Sieg holte sich in Bernd Heye vom RuFV Alfhausen der Titelverteidiger, der seinen Vorteil nutzte, mit zwei Pferden dabei zu sein. Auf seiner braunen Hannoveraner-Stute Stacy war er am Ende 3/10 Sekunden schneller als Manuela Lachnit (RSC Alpsheide-Nienburg) auf ihrem Oldenburger Wallach Blue Balou.

Pferdesport

Reit-Kreismeisterschaft

Endstand: 1. RV Herzog Wittekind Oberbauerschaft (Jan Lösche – Bold Eagle, Achim Ostermeyer – Cascadell, Michael Blase – Ce Blue, Henrieka Hagemann – Chicago’s Chester, Friederike Schöneberg – Liberty Woman, Pia Heuer – Lysander) 1263 Pkt.; 2. RV Destel (Dietmar Holle – Arlette, Lena Redecker – Dana Del Ray, Melisa Löchert – Feereen, Stefani Gieselmann – Lavino, Pia Kaschube – Volker van Busse) 1262; 3. RV Hille (Victoria Niemann – Charming Boy 2, Sarah Bartelt – Leon RR, Jasmin Huck – Pagaluna, Daniela Huck – Que Bacano, Tabea Wengenroth – Rajano, Lerke Steinwald – Star di Brasil) 1225.

Dressurprüfung Kl. A* (Mannschaft): 1. RV Destel (Redecker 8.00, Löchert 7.40, Gieselmann 7.30, Kaschube 8.20) 8.00; 2. RV Oberbauerschaft (Blase 7.10, Hagemann 7.60, Schöneberg 7.40, Heuer 7.20) 7.10; 3. RV Hille (Niemann 7.00, Bartelt 7.60, Wengenroth 7.40, Steinwald 7.20) 7.00.

Dressurprüfung Kl. A*: 1. Lena Redecker 8.20; 2. Melisa Löchert (beide Destel) 7.70; 3. Friederike Schöneberg (Oberbauerschaft) 7.60; 4. Tabea Wengenroth (Hille) 7.50.

Stilspringprüfung Kl. A**: 1. Achim Ostermeyer 8.70, 2. Jan Lösche 8.50; 3. Friederike Schöneberg (alle Oberbauerschaft) 7.80; 4. Daniela Huck 7.60; 5. Victoria Niemann (beide Hille) 7.30.

Springprüfung Kl. A**: 1. Dietmar Holle (Destel) 0/52,41; 2. Friederike Schöneberg 0/58,07; 3. Michael Blase 0/58,23 (alle Oberbauerschaft).

Finale Barre-Stil-Pokal, Springprüfung Kl. M* mit Siegerrunde: 1. Bernd Heye (RuFV Alfhausen) – Stacy 0/35,15; 2. Manuela Lachnit (RSV Alpheide-Nienburg) 0/35,35; 3. Eileen Grewe (RuFV Steinfeld-Mühlen) – Campton 0/37,05.

Horse-Cup

Standard-Spring-Wettbewerb: 1. TGS Mindener Land (Annika Möller – Accaya, Louisa Peithmann – Addicks, Maleen Husemeier – Carry me) 0 Fehler / 166.04 sec; 2. RV Hille (Annelene Düker – Casanova, Michaelle Kayßer – Louis, Celine Thienelt – Silencio, Pia Sophie Koch – Van Helsing) 0/169.84; 3. RV St. Georg Pr. Oldendorf 4/177.19.

Dressur-Wettbewerb: 1. RV Holzhausen-Heddinghausen 7.50; 2. RV Destel 6.90; 3. RV St. Georg Pr. Oldendorf 6.80; 4. RFV Friedewalde 6.80.

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StemwedePferdesport: Wimpernschlag-Finale bei der Reit-Kreismeisterschaft in Stemwede-DestelVolker KruscheStemwede (wb). In der Meldestelle wurde eifrig in den Erklärungen geblättert, wurde hin und her gerechnet. Doch am Ende kam immer wieder das gleiche Ergebnis heraus. Die Kreisstandarte für den Mannschafts-Kreismeister der Reiter geht 2019 an den RV Herzog Wittekind Oberbauerschaft. Seine Punktzahl nach vier Prüfungen: 1.263. Sein Vorsprung auf den entthronten Titelverteidiger und Gastgeber RV Destel: ein einziger Punkt! Klar, dass die Rechnung da auf jeden Fall stimmen muss. Zumal die Equipe aus dem eigenen Verein Leidtragender dieser dramatischen Entscheidung war. Ins abschließende Springen der Klasse A waren die Desteler, die ihre Stärken in der Dressur eindrucksvoll ausgespielt hatten, dafür den »Herzögen« im ersten Springen klar den Vortritt hatten lassen müssen, mit einem Vorsprung von sechs Punkten (878:872) gegangen. Allerdings im Gegensatz zum Widersacher nur mit drei statt möglicher vier Reiter. Das hatte zur Folge, dass die Desteler auf ein Streichergebnis verzichten mussten. Und genau das sollte sich rächen. Zwar legte Dietmar Holle auf Arlette einen fehlerfreien Ritt hin und sicherte sich als Sieger dieser Prüfung auch die 100 Kreismeisterschaftspunkte, seine beiden Mitstreiterinnen blieben aber nicht ohne Abwurf: Stefanie Gieselmann kam mit vier Fehlern auf Rang acht, Pia Kaschube wurde mit acht Fehlern nur Zehnte. Die Oberbauerschafter drehten dagegen richtig auf. Friederike Schöneberg, Michael Blase und Achim Ostermeyer blieben fehlerfrei und belegten die Plätze zwei bis vier. Da war der Fünftplatzierte, Jan Lösche, der sich einen Zeitfehler erlaubt hatte, schon das Streichergebnis. So zog Oberbauerschaft noch am Gegner vorbei. Ein Abwurf weniger – und Destel wäre erneut Kreismeister geworden. Ja, es hätten schon drei Sekunden gereicht, die Gieselmann in ihrer Runde hätte schneller sein müssen. Mit dem Ausgang der Entscheidung hatte der RV Hille als Bronzemedaillengewinner nichts zu tun. Allerdings war es für den Kreisreiterverband ein Armutszeugnis, dass nur drei Teams den Kampf um die Kreisstandarte annahmen. Auch der stellvertretende Kreisvorsitzende Wilfried Schormann zuckte nur mit den Schultern. »Das ist nicht gut. Diese Entwicklung ist bedenklich, auch wenn wir da kein Einzelfall sind. Dabei haben wir schon den Modus geändert und gehofft, dass die Zahlen sich wieder verbessern.« Zunächst trennte der Kreisreiterverband Minden-Lübbecke die Wettbewerbe. Mannschaft, Dressur und Springen fanden bei unterschiedlichen Vereinen statt. Zudem war in den Jahren zuvor bereits der Geländeritt entfallen, auf Fähigkeiten von Pferd und Reiter im Busch verzichtet worden, so dass nur noch Springen und Dressur die Prüfungen im Teamwettbewerb darstellten. Scheinbar aber sind viele Springreiter heute nicht ausreichend in der Dressur geschult, so dass am Ende eine Meisterschaft – ohne die Leistungen der teilnehmenden Reiter zu mindern – mehr und mehr zur Farce wird. Diese Meinung vertraten am Rande des Desteler Turniers jedenfalls nicht wenige erfahrene Reitsportler. Wenngleich in allen anderen Prüfungen der 58. Desteler Pferdetage die Starterzahlen absolut zufriedenstellend waren, so ließ die Größe des Teilnehmerfeldes im Finale des Barre-Stil-Pokals ebenfalls zu wünschen übrig. Elf Paare – so wenige wie nie zuvor –, darunter noch ein Reiter mit zwei Pferden, gingen im M*-Springen an den Start. Acht von ihnen erreichten die Siegerrunde, in die die Fehler des ersten Ritts mit übernommen wurden. Wenngleich das Feld überschaubar war – ein Überdenken der Ausschreibung könnte Sinn machen –, so durften sich die Leistungen absolut sehen lassen. Sechs der elf Paare blieben im von Parcourschef Thomas Bröcker mit elf Hindernissen und 14 Sprüngen ausgestatteten ersten Umlauf fehlerfrei, darunter mit Henrik Hüsemann vom RV St. Georg Pr. Oldendorf auf Lord Onassis auch der einzige Starter aus dem Mühlenkreis. Bis zum letzten Hindernis der Siegerrunde sah es so aus, als würde er auch diesmal fehlerfrei bleiben. Dann aber gab es ausgerechnet am Barre-Schlusssprung eine Verweigerung und einen Abwurf. Den Sieg holte sich in Bernd Heye vom RuFV Alfhausen der Titelverteidiger, der seinen Vorteil nutzte, mit zwei Pferden dabei zu sein. Auf seiner braunen Hannoveraner-Stute Stacy war er am Ende 3/10 Sekunden schneller als Manuela Lachnit (RSC Alpsheide-Nienburg) auf ihrem Oldenburger Wallach Blue Balou. Pferdesport Reit-Kreismeisterschaft Endstand: 1. RV Herzog Wittekind Oberbauerschaft (Jan Lösche – Bold Eagle, Achim Ostermeyer – Cascadell, Michael Blase – Ce Blue, Henrieka Hagemann – Chicago’s Chester, Friederike Schöneberg – Liberty Woman, Pia Heuer – Lysander) 1263 Pkt.; 2. RV Destel (Dietmar Holle – Arlette, Lena Redecker – Dana Del Ray, Melisa Löchert – Feereen, Stefani Gieselmann – Lavino, Pia Kaschube – Volker van Busse) 1262; 3. RV Hille (Victoria Niemann – Charming Boy 2, Sarah Bartelt – Leon RR, Jasmin Huck – Pagaluna, Daniela Huck – Que Bacano, Tabea Wengenroth – Rajano, Lerke Steinwald – Star di Brasil) 1225. Dressurprüfung Kl. A* (Mannschaft): 1. RV Destel (Redecker 8.00, Löchert 7.40, Gieselmann 7.30, Kaschube 8.20) 8.00; 2. RV Oberbauerschaft (Blase 7.10, Hagemann 7.60, Schöneberg 7.40, Heuer 7.20) 7.10; 3. RV Hille (Niemann 7.00, Bartelt 7.60, Wengenroth 7.40, Steinwald 7.20) 7.00. Dressurprüfung Kl. A*: 1. Lena Redecker 8.20; 2. Melisa Löchert (beide Destel) 7.70; 3. Friederike Schöneberg (Oberbauerschaft) 7.60; 4. Tabea Wengenroth (Hille) 7.50. Stilspringprüfung Kl. A**: 1. Achim Ostermeyer 8.70, 2. Jan Lösche 8.50; 3. Friederike Schöneberg (alle Oberbauerschaft) 7.80; 4. Daniela Huck 7.60; 5. Victoria Niemann (beide Hille) 7.30. Springprüfung Kl. A**: 1. Dietmar Holle (Destel) 0/52,41; 2. Friederike Schöneberg 0/58,07; 3. Michael Blase 0/58,23 (alle Oberbauerschaft). Finale Barre-Stil-Pokal, Springprüfung Kl. M* mit Siegerrunde: 1. Bernd Heye (RuFV Alfhausen) – Stacy 0/35,15; 2. Manuela Lachnit (RSV Alpheide-Nienburg) 0/35,35; 3. Eileen Grewe (RuFV Steinfeld-Mühlen) – Campton 0/37,05. Horse-Cup Standard-Spring-Wettbewerb: 1. TGS Mindener Land (Annika Möller – Accaya, Louisa Peithmann – Addicks, Maleen Husemeier – Carry me) 0 Fehler / 166.04 sec; 2. RV Hille (Annelene Düker – Casanova, Michaelle Kayßer – Louis, Celine Thienelt – Silencio, Pia Sophie Koch – Van Helsing) 0/169.84; 3. RV St. Georg Pr. Oldendorf 4/177.19. Dressur-Wettbewerb: 1. RV Holzhausen-Heddinghausen 7.50; 2. RV Destel 6.90; 3. RV St. Georg Pr. Oldendorf 6.80; 4. RFV Friedewalde 6.80.