Minden

Rudernd um die Welt: Nach Tokio und Sarasota haben Julius Fabry und Leon Schandl ein neues Ziel

Marcus Riechmann

Vertreten Minden und den Bessel-Ruder-Club erfolgreich in der Welt: Die beiden WM-Starter Leon Schandl (links) und Julius Fabry. Foto: Christian Schwier/pr - © Foto 2019 von www.ChristianSchwier.de
Vertreten Minden und den Bessel-Ruder-Club erfolgreich in der Welt: Die beiden WM-Starter Leon Schandl (links) und Julius Fabry. Foto: Christian Schwier/pr (© Foto 2019 von www.ChristianSchwier.de)

Minden (mt). Es ist nur die Wiederholung des WM-Finales, die über die Leinwand flimmert. Längst ist das Ergebnis bekannt: Der Mindener Julius Fabry hat bei der Ruder-WM der U19-Junioren in Tokio Gold gewonnen. Doch die Zuschauer im Saal der Volksbank Minden schauen gebannt zu, nehmen sorgenvoll den zwischenzeitlich massiv gewachsenen Rückstand des deutschen Vierers zur Kenntnis und sodann staunend die von Steuermann Fabry eingeläutete Aufholjagd, bei der der deutsche Vierer die Konkurrenz auf den letzten Metern gleichsam auffrisst und sich als erster über die Ziellinie schiebt.

Fabry selbst kommentiert den Film mit Sachverstand und trockenem Humor. Der 15-jährige Schüler des Mindener Herder Gymnasiums nimmt die Gäste – etliche hatten das Rennen im BRC-Bootshaus an der Weser in tiefer Nacht live verfolgt – mit in die spannende Zeit der WM in Japan.

Mit einem Empfang würdigten der Bessel-Ruder-Club und die Volksbank als Förderer am Donnerstag die frischen Erfolge zweier heimischer Ruderer: Neben Weltmeister Julius Fabry wurde auch Leon Schandl von den rund 50 Gästen gefeiert. „Es ist schön, hier noch einmal eine solche Wertschätzung zu erhalten“, genoss Schandl den Abend ebenso wie Fabry: „Das alles hier nochmal mit Freunden und Familie zu erleben, ist echt schön.“

Wie Fabry war auch Schandl weit gereist: In Sarasota im US-Bundesstaat Florida startete der Student bei der U23-WM im Zweier. Er brachte als Sieger des B-Finales den siebten Platz mit nach Minden und setzte damit wie Fabry die Erfolgsgeschichte des BRC fort: In sieben aufeinanderfolgenden Jahren hat der Klub nun junge Athleten zu Welt- und Europameisterschaften entsandt. „Überragend“, sagt BRC-Vorstandsmitglied Alexander Pischke, der Fabry nach Toikio begleitet hatte und nicht nur der schwül-heißen Temperaturen wegen im Zielbereich mächtig ins Schwitzen kam.

„So richtig glauben kann ich es immer noch nicht, dass wir das geschafft haben“, erzählt Fabry, der seit fünf Jahren rudert und sich bereits Weltmeister nennen darf. „Das war ein krasser Sprung“, beschreibt der Steuermann die rasante Entwicklung, die ihn 2019 in die Nationalmannschaft und zu internationalen Meisterschaften führte – mit den Titelkämpfen in Tokio, dem Ort der nächsten Olympischen Spiele, als fantastischem Höhepunkt.

Bereits länger dabei ist der 20-jährige Leon Schandl. In Dortmund studiert der ehemalige Besselschüler Maschinenbau und trainiert am Ruder-Leistungszentrum. Elf bis zwölf Trainingseinheiten pro Woche haben aus ihm eine feste Größe bei den U23-Junioren gemacht. Die WM in Sarasota war nach den Titelkämpfen in Polen und Bulgarien in den Vorjahren bereits seine dritte – aber die mit Abstand weiteste Reise: „Das war das i-Tüpfelchen“, sagt Schandl und meint: „Man kommt schon rum.“ Rund zwölf Wochen war er in der zurückliegenden Saison mit seinem Sport in der Welt unterwegs: Zu Meisterschaften natürlich, aber auch zu Trainingslagern in Spanien, Italien und natürlich im Ruder-Mekka Ratzeburg.

„Man sieht vor allem die Wasserseite, aber manchmal hat man einen freien Nachmittag, da schaut man sich was an“, beschreibt er begrenzte Möglichkeiten, die Länder und Städte zu erkunden. Ein Reise-Höhepunkt war die Langstreckenregatta in Boston, der ein einwöchiger Trainingsaufenthalt an der Universität von Yale vorgelagert war: „Wie bei Harry Potter“, berichtet Schandl von besonderer Architektur und Atmosphäre in Yale.

Beim Training sind Fabry und Schandl getrennt unterwegs, doch das nächste Ziel eint sie: Bled in Slowenien soll es sein. Dort finden im olympischen Sommer 2020 die Weltmeisterschaften für U19- und U23-Junioren sowie für die nicht-olympischen Bootsklassen statt. „Klar ist das ein Ziel, auf das man hinarbeitet“, sagt Fabry. Das bestätigt Schandl, der locker nachschiebt: „In Bled war ich noch nie, soll sehr schön da sein.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenRudernd um die Welt: Nach Tokio und Sarasota haben Julius Fabry und Leon Schandl ein neues ZielMarcus RiechmannMinden (mt). Es ist nur die Wiederholung des WM-Finales, die über die Leinwand flimmert. Längst ist das Ergebnis bekannt: Der Mindener Julius Fabry hat bei der Ruder-WM der U19-Junioren in Tokio Gold gewonnen. Doch die Zuschauer im Saal der Volksbank Minden schauen gebannt zu, nehmen sorgenvoll den zwischenzeitlich massiv gewachsenen Rückstand des deutschen Vierers zur Kenntnis und sodann staunend die von Steuermann Fabry eingeläutete Aufholjagd, bei der der deutsche Vierer die Konkurrenz auf den letzten Metern gleichsam auffrisst und sich als erster über die Ziellinie schiebt. Fabry selbst kommentiert den Film mit Sachverstand und trockenem Humor. Der 15-jährige Schüler des Mindener Herder Gymnasiums nimmt die Gäste – etliche hatten das Rennen im BRC-Bootshaus an der Weser in tiefer Nacht live verfolgt – mit in die spannende Zeit der WM in Japan. Mit einem Empfang würdigten der Bessel-Ruder-Club und die Volksbank als Förderer am Donnerstag die frischen Erfolge zweier heimischer Ruderer: Neben Weltmeister Julius Fabry wurde auch Leon Schandl von den rund 50 Gästen gefeiert. „Es ist schön, hier noch einmal eine solche Wertschätzung zu erhalten“, genoss Schandl den Abend ebenso wie Fabry: „Das alles hier nochmal mit Freunden und Familie zu erleben, ist echt schön.“ Wie Fabry war auch Schandl weit gereist: In Sarasota im US-Bundesstaat Florida startete der Student bei der U23-WM im Zweier. Er brachte als Sieger des B-Finales den siebten Platz mit nach Minden und setzte damit wie Fabry die Erfolgsgeschichte des BRC fort: In sieben aufeinanderfolgenden Jahren hat der Klub nun junge Athleten zu Welt- und Europameisterschaften entsandt. „Überragend“, sagt BRC-Vorstandsmitglied Alexander Pischke, der Fabry nach Toikio begleitet hatte und nicht nur der schwül-heißen Temperaturen wegen im Zielbereich mächtig ins Schwitzen kam. „So richtig glauben kann ich es immer noch nicht, dass wir das geschafft haben“, erzählt Fabry, der seit fünf Jahren rudert und sich bereits Weltmeister nennen darf. „Das war ein krasser Sprung“, beschreibt der Steuermann die rasante Entwicklung, die ihn 2019 in die Nationalmannschaft und zu internationalen Meisterschaften führte – mit den Titelkämpfen in Tokio, dem Ort der nächsten Olympischen Spiele, als fantastischem Höhepunkt. Bereits länger dabei ist der 20-jährige Leon Schandl. In Dortmund studiert der ehemalige Besselschüler Maschinenbau und trainiert am Ruder-Leistungszentrum. Elf bis zwölf Trainingseinheiten pro Woche haben aus ihm eine feste Größe bei den U23-Junioren gemacht. Die WM in Sarasota war nach den Titelkämpfen in Polen und Bulgarien in den Vorjahren bereits seine dritte – aber die mit Abstand weiteste Reise: „Das war das i-Tüpfelchen“, sagt Schandl und meint: „Man kommt schon rum.“ Rund zwölf Wochen war er in der zurückliegenden Saison mit seinem Sport in der Welt unterwegs: Zu Meisterschaften natürlich, aber auch zu Trainingslagern in Spanien, Italien und natürlich im Ruder-Mekka Ratzeburg. „Man sieht vor allem die Wasserseite, aber manchmal hat man einen freien Nachmittag, da schaut man sich was an“, beschreibt er begrenzte Möglichkeiten, die Länder und Städte zu erkunden. Ein Reise-Höhepunkt war die Langstreckenregatta in Boston, der ein einwöchiger Trainingsaufenthalt an der Universität von Yale vorgelagert war: „Wie bei Harry Potter“, berichtet Schandl von besonderer Architektur und Atmosphäre in Yale. Beim Training sind Fabry und Schandl getrennt unterwegs, doch das nächste Ziel eint sie: Bled in Slowenien soll es sein. Dort finden im olympischen Sommer 2020 die Weltmeisterschaften für U19- und U23-Junioren sowie für die nicht-olympischen Bootsklassen statt. „Klar ist das ein Ziel, auf das man hinarbeitet“, sagt Fabry. Das bestätigt Schandl, der locker nachschiebt: „In Bled war ich noch nie, soll sehr schön da sein.“