Minden

Schwimmen: René Pascal Knott startet nach persönlichen Schicksalsschlägen Neuanfang beim SV 1860 Minden

Thomas Kühlmann

Hat nach persönlichen Schicksalsschlägen sein Lächeln wiedergefunden und startet beim Stammverein SV 1860 Minden einen sportlichen Neuanfang: Mindens Top-Schwimmer René Pascal Knott. MT- - © Foto: Thomas Kühlmann
Hat nach persönlichen Schicksalsschlägen sein Lächeln wiedergefunden und startet beim Stammverein SV 1860 Minden einen sportlichen Neuanfang: Mindens Top-Schwimmer René Pascal Knott. MT- (© Foto: Thomas Kühlmann)

Minden (mt). René Pascal Knott blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Rückkehr in sein altbekanntes Trainingsbecken des Melittabades, Wiedersehen mit den langjährigen Weggefährten und Heimkehr in die familiäre Wohlfühl-Oase in Kutenhausen: Nach vier persönlichen Schicksalsschlägen hat Mindens derzeit bester Schwimmer die Reißleine gezogen, ist vom 1. Paderborner SV zu seinem Stammverein SV 1860 Minden zurückgekehrt und hat eine mögliche Spitzensport-Karriere für eine eine solide Berufsausbildung geopfert. Vier Todesfälle im engsten Umfeld hatten den Modell-Athleten derart aus der Bahn geworfen, dass er sich zu diesem radikalen Schritt entschloss und nun wieder Mut schöpft – privat wie sportlich.

„Der Tod meines Stützpunkttrainers in Paderborn nach einem Schlaganfall sowie kurze Zeit später der Tod meines Onkels aufgrund eines Herzhinterwand-Infarktes hatten in mir zuerst noch Kräfte freigesetzt und mich zu besseren Trainings- und Wettkampfleistungen in Paderborn angespornt. Doch das Ableben meiner beiden Großväter kurze Zeit später hat mir seelisch einen derartigen Knacks gegeben, dass ich fortan schulisch wie sportlich stagniert habe“, blickt Knott zurück. „Zwischenzeitlich war ich sogar so weit, ganz mit dem Schwimmen aufzuhören. Zudem tat mir meine Cousine Feline leid, da sie keinen Vater mehr hatte. Ihr wollte ich unbedingt wieder näher und ein Vorbild sein, so dass schnell der Entschluss reifte, nach Minden zurückzukehren. Das Schwimmen in Paderborn war zu diesem Zeitpunkt mehr Qual als Spaß und ich merkte, dass mir einfach aufgrund der geistigen Leere die Motivation fehlte, mich für ähnliche Topleistungen wie Platz fünf bei der DM 2018 in Berlin noch mehr zu quälen“, gibt Knott tiefe Einblicke in sein Innenleben. „Nachdem ich in den vergangenen acht Wochen in Paderborn daher immer unregelmäßiger zum Training gegangen bin und manchmal dafür auch Ärger bekam, musste einfach etwas passieren. Statt das angestrebte Voll-Abitur in Paderborn zu machen, bin ich dann mit dem schulischen Fach-Abitur abgegangen, dem sich noch ein Praktikum oder eine Berufsausbildung anschließen muss. Das war für mich das letzte Teil in dem Puzzle, wie ich mein Leben wieder schöner gestalten kann“, war innerlich schon längst die Entscheidung gefallen, nach Minden zurückzukehren.

Gedacht, gesagt, getan. Schnell waren die Kontakte zu seinem Stammverein SV 1860 Minden wiederhergestellt, die Vorfreude auf seinen Trainer und heimlichen Entdecker Martin Gräper sowie das Vergnügen im Becken mit den ehemaligen Teamkameraden haben Knott auch schnell zum Umdenken in Sachen sportlicher Karriere bewogen. „Wenn ich weiß, wie sich mein Vorbild Andreas Wiesner für eine mögliche Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio schindet und es höchstwahrscheinlich nicht schafft, weiß ich, dass auch für mich mittlerweile nach diesen familiären Kapriolen die Trauben derart hoch hängen, dass ich als absoluter Familienmensch lieber die Nähe zu meinem gewohnten Umfeld genieße, anstatt im Internat in Paderborn zu viel Zeit zum Nachdenken über die Rückschläge zu haben, um im Endeffekt nur noch zu stagnieren“, freut sich Knott auf einen echten Neuanfang in Minden.

„Spätestens, als ich das erste Mal wieder in Minden trainiert habe, war auch der Spaß am Schwimmen wieder da. Ich war wieder bereit, mich zu quälen, um wieder etwas aus meinem Körper herauszuholen“, weiß der Sportler, dass er zwar in Paderborn nicht mehr sein Bestes abgerufen hat, jedoch seine Grundvoraussetzungen für weitere Erfolge mit der täglichen Trainingsarbeit in Paderborn keineswegs komplett abhanden gekommen sind.

Für die Zeit in Minden hat sich Knott, der am 1. August eine Tischler-Ausbildung in Todtenhausen beginnen wird, auch schon wieder Ziele gesetzt. „Ich denke, wir haben eine tolle Wettkampfmannschaft, die auf NRW-Ebene ganz vorne mitschwimmen kann. Zudem möchte ich mit der Lagenstaffel die Qualifikation für die DM schaffen, auf die ich aufgrund des Beginns meiner Ausbildung in diesem Jahr verzichtet habe“, hat Knott seine Leichtigkeit wiedergefunden. „Die ehemaligen Teamkameraden haben mich derart gut aufgenommen, so dass ich das Gefühl habe, gar nicht richtig weg gewesen zu sein und nur pausiert zu haben“, genießt Knott die Zusammenarbeit mit seinem besten Kumpel Merlin Biastoch und den anderen ambitionierten SV-1860-Aktiven in vollen Zügen. „Ganz besonders freue ich mich natürlich wieder auf die Zusammenarbeit mit meinem Trainer Martin Gräper, der mich vor meinem Wechsel nach Paderborn auf einen hervorragendes Niveau gebracht hatte und auch menschlich immer für mich da war, wenn irgendetwas einmal nicht so lief, wie es sollte“, sagt Knott.

Bei seinem Comeback für Minden will sich der Spezialist über 200 Meter Rücken aber künftig auch auf den kürzeren Strecken verbessern, „da die Staffel-Distanzen für den Einzelschwimmer 50 oder 100 Meter betragen und wir im Quartett richtig konkurrenzfähig sind.“ Ob er dann Rücken, Schmetterling oder Freistil schwimmt, ist ihm letztlich egal. „Nur die Brustlage ist bei uns mit Merlin Biastoch derart überragend besetzt, dass er ohne Konkurrenz ist. Brust wäre für mich auch eher eine Qual – und diese Qual möchte ich nicht auf mich nehmen“, sagt Knott, der für seinen Wechsel auf die kürzeren Strecken noch mehr Kraft und Muskeln aufbauen möchte und deshalb regelmäßig zusätzlich im Fitnessstudio trainieren will.

Auch Trainer Martin Gräper ist von der Rückkehr seines einstigen Musterschülers angetan. „Ich habe gehörigen Respekt vor ihm als Mensch für diesen Schritt, den er mit der Rückkehr gemacht hat. Bei uns stehen ihm alle Türen offen. Ich freue mich wieder auf die Zusammenarbeit. Sportlich wird er sicherlich wieder eine Bereicherung sein, da er, wenn er wieder so ehrgeizig trainiert, wie ich ihn kenne, nicht viel von seinem in Paderborn aufgebauten Leistungsvermögen einbüßen wird. Zudem wird er sicherlich einiges an Know-how für den Trainingsbetrieb mitbringen, was auch für die anderen Trainingskameraden letztlich hilfreich sein kann“, sagt Gräper, der, ebenso wie Knott, die Mannschaft für die neue Saison stark aufgestellt sieht.

Doch bevor das regelmäßige Training wieder aufgenommen wird, ist erst einmal Abschalten und Seele baumeln lassen angesagt. „An diesem Wochenende fahren wir mit der Familie an die See, um dort den Geburtstag meiner Oma zu feiern“, freut sich Knott, noch einige Zeit nach den durchlebten Höhen und Tiefen die Füße hochlegen zu dürfen, um dann mit neuen Kräften anzugreifen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenSchwimmen: René Pascal Knott startet nach persönlichen Schicksalsschlägen Neuanfang beim SV 1860 MindenThomas KühlmannMinden (mt). René Pascal Knott blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Rückkehr in sein altbekanntes Trainingsbecken des Melittabades, Wiedersehen mit den langjährigen Weggefährten und Heimkehr in die familiäre Wohlfühl-Oase in Kutenhausen: Nach vier persönlichen Schicksalsschlägen hat Mindens derzeit bester Schwimmer die Reißleine gezogen, ist vom 1. Paderborner SV zu seinem Stammverein SV 1860 Minden zurückgekehrt und hat eine mögliche Spitzensport-Karriere für eine eine solide Berufsausbildung geopfert. Vier Todesfälle im engsten Umfeld hatten den Modell-Athleten derart aus der Bahn geworfen, dass er sich zu diesem radikalen Schritt entschloss und nun wieder Mut schöpft – privat wie sportlich. „Der Tod meines Stützpunkttrainers in Paderborn nach einem Schlaganfall sowie kurze Zeit später der Tod meines Onkels aufgrund eines Herzhinterwand-Infarktes hatten in mir zuerst noch Kräfte freigesetzt und mich zu besseren Trainings- und Wettkampfleistungen in Paderborn angespornt. Doch das Ableben meiner beiden Großväter kurze Zeit später hat mir seelisch einen derartigen Knacks gegeben, dass ich fortan schulisch wie sportlich stagniert habe“, blickt Knott zurück. „Zwischenzeitlich war ich sogar so weit, ganz mit dem Schwimmen aufzuhören. Zudem tat mir meine Cousine Feline leid, da sie keinen Vater mehr hatte. Ihr wollte ich unbedingt wieder näher und ein Vorbild sein, so dass schnell der Entschluss reifte, nach Minden zurückzukehren. Das Schwimmen in Paderborn war zu diesem Zeitpunkt mehr Qual als Spaß und ich merkte, dass mir einfach aufgrund der geistigen Leere die Motivation fehlte, mich für ähnliche Topleistungen wie Platz fünf bei der DM 2018 in Berlin noch mehr zu quälen“, gibt Knott tiefe Einblicke in sein Innenleben. „Nachdem ich in den vergangenen acht Wochen in Paderborn daher immer unregelmäßiger zum Training gegangen bin und manchmal dafür auch Ärger bekam, musste einfach etwas passieren. Statt das angestrebte Voll-Abitur in Paderborn zu machen, bin ich dann mit dem schulischen Fach-Abitur abgegangen, dem sich noch ein Praktikum oder eine Berufsausbildung anschließen muss. Das war für mich das letzte Teil in dem Puzzle, wie ich mein Leben wieder schöner gestalten kann“, war innerlich schon längst die Entscheidung gefallen, nach Minden zurückzukehren. Gedacht, gesagt, getan. Schnell waren die Kontakte zu seinem Stammverein SV 1860 Minden wiederhergestellt, die Vorfreude auf seinen Trainer und heimlichen Entdecker Martin Gräper sowie das Vergnügen im Becken mit den ehemaligen Teamkameraden haben Knott auch schnell zum Umdenken in Sachen sportlicher Karriere bewogen. „Wenn ich weiß, wie sich mein Vorbild Andreas Wiesner für eine mögliche Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio schindet und es höchstwahrscheinlich nicht schafft, weiß ich, dass auch für mich mittlerweile nach diesen familiären Kapriolen die Trauben derart hoch hängen, dass ich als absoluter Familienmensch lieber die Nähe zu meinem gewohnten Umfeld genieße, anstatt im Internat in Paderborn zu viel Zeit zum Nachdenken über die Rückschläge zu haben, um im Endeffekt nur noch zu stagnieren“, freut sich Knott auf einen echten Neuanfang in Minden. „Spätestens, als ich das erste Mal wieder in Minden trainiert habe, war auch der Spaß am Schwimmen wieder da. Ich war wieder bereit, mich zu quälen, um wieder etwas aus meinem Körper herauszuholen“, weiß der Sportler, dass er zwar in Paderborn nicht mehr sein Bestes abgerufen hat, jedoch seine Grundvoraussetzungen für weitere Erfolge mit der täglichen Trainingsarbeit in Paderborn keineswegs komplett abhanden gekommen sind. Für die Zeit in Minden hat sich Knott, der am 1. August eine Tischler-Ausbildung in Todtenhausen beginnen wird, auch schon wieder Ziele gesetzt. „Ich denke, wir haben eine tolle Wettkampfmannschaft, die auf NRW-Ebene ganz vorne mitschwimmen kann. Zudem möchte ich mit der Lagenstaffel die Qualifikation für die DM schaffen, auf die ich aufgrund des Beginns meiner Ausbildung in diesem Jahr verzichtet habe“, hat Knott seine Leichtigkeit wiedergefunden. „Die ehemaligen Teamkameraden haben mich derart gut aufgenommen, so dass ich das Gefühl habe, gar nicht richtig weg gewesen zu sein und nur pausiert zu haben“, genießt Knott die Zusammenarbeit mit seinem besten Kumpel Merlin Biastoch und den anderen ambitionierten SV-1860-Aktiven in vollen Zügen. „Ganz besonders freue ich mich natürlich wieder auf die Zusammenarbeit mit meinem Trainer Martin Gräper, der mich vor meinem Wechsel nach Paderborn auf einen hervorragendes Niveau gebracht hatte und auch menschlich immer für mich da war, wenn irgendetwas einmal nicht so lief, wie es sollte“, sagt Knott. Bei seinem Comeback für Minden will sich der Spezialist über 200 Meter Rücken aber künftig auch auf den kürzeren Strecken verbessern, „da die Staffel-Distanzen für den Einzelschwimmer 50 oder 100 Meter betragen und wir im Quartett richtig konkurrenzfähig sind.“ Ob er dann Rücken, Schmetterling oder Freistil schwimmt, ist ihm letztlich egal. „Nur die Brustlage ist bei uns mit Merlin Biastoch derart überragend besetzt, dass er ohne Konkurrenz ist. Brust wäre für mich auch eher eine Qual – und diese Qual möchte ich nicht auf mich nehmen“, sagt Knott, der für seinen Wechsel auf die kürzeren Strecken noch mehr Kraft und Muskeln aufbauen möchte und deshalb regelmäßig zusätzlich im Fitnessstudio trainieren will. Auch Trainer Martin Gräper ist von der Rückkehr seines einstigen Musterschülers angetan. „Ich habe gehörigen Respekt vor ihm als Mensch für diesen Schritt, den er mit der Rückkehr gemacht hat. Bei uns stehen ihm alle Türen offen. Ich freue mich wieder auf die Zusammenarbeit. Sportlich wird er sicherlich wieder eine Bereicherung sein, da er, wenn er wieder so ehrgeizig trainiert, wie ich ihn kenne, nicht viel von seinem in Paderborn aufgebauten Leistungsvermögen einbüßen wird. Zudem wird er sicherlich einiges an Know-how für den Trainingsbetrieb mitbringen, was auch für die anderen Trainingskameraden letztlich hilfreich sein kann“, sagt Gräper, der, ebenso wie Knott, die Mannschaft für die neue Saison stark aufgestellt sieht. Doch bevor das regelmäßige Training wieder aufgenommen wird, ist erst einmal Abschalten und Seele baumeln lassen angesagt. „An diesem Wochenende fahren wir mit der Familie an die See, um dort den Geburtstag meiner Oma zu feiern“, freut sich Knott, noch einige Zeit nach den durchlebten Höhen und Tiefen die Füße hochlegen zu dürfen, um dann mit neuen Kräften anzugreifen.