Minden

Bundesliga: Ruder-Elite rockt die Alte Fahrt - Bronze für Mindener Achter

Astrid Plaßhenrich und Marcus Riechmann

Bangen mit dem Team Black: Die Zuschauer zitterten im Halbfinale mit den Mindener Männern.
Bangen mit dem Team Black: Die Zuschauer zitterten im Halbfinale mit den Mindener Männern.

Minden (mt). Versteinerte Mienen. Als das Team Black nach dem packenden Halbfinale aus seinem Achter stieg, sprach niemand. Die Enttäuschung saß zu tief. Die Männer des Melitta-Achters hatten bei ihrer Bundesliga-Heimregatta auf dem Wasserstraßenkreuz soeben das große Finale verpasst – wie bereits bei der Premiere im Vorjahr. Doch die Gastgeber vom Bessel-Ruder-Club sind echte Motivationsmonster: Ihren Frust setzten die Männer in Schwarz im anschließenden Rennen um Platz drei in pure Power um und ließ sich die Bronzemedaille nicht mehr nehmen. Einen versöhnlichen Abschluss feierte auch das Frauenteam Red nach einem äußerst schwierigen Renntag.

Für das Team Black begann der Renntag optimal: Auf der 390 Meter langen Sprintstrecke zogen die Mindener souverän ins Halbfinale ein. Der Melitta-Achter war im Zeitfahren von allen 18 Teams am schnellsten (1:00,97 Minuten), schlug danach im Achtelfinale Lübeck und im Viertelfinale Witten.

Fotogalerie Abschluss Renntag (Plus-Inhalt)

Doch dann trafen die Mindener im Halbfinale auf Münster. Die beiden Teams verbindet eine besondere Rivalität. „Wir hatten zuvor noch nie gegen Münster verloren. Aber heute fehlte uns das nötige Quäntchen Glück und wir haben nicht unser Optimum herausgeholt“, sagte Mindens Kapitän Vincent Schmitz. Ähnlich sah es auch sein Trainer Philipp Baumgard: „Wir sind gut gestartet, aber anschließend fehlte uns der effiziente Schlag. Auch wenn es ärgerlich ist, dass wir das Finale bei unserem Heimrennen nicht erreicht haben, können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein.“ Mit seiner Zeit von 0:59,41 Minuten war das Team Black im Bronze-Rennen dann sogar schneller als der Sieger aus Berlin (0:59,71) im Finale.

Bangen mit der Steuerfrau:
Bangen mit der Steuerfrau:

Bei den Frauen des Team Red lief es von Anfang nicht rund. Das Zeitfahren beendeten die Mindenerinnen nur auf Platz sechs (1:14,36). Der spätere Sieger aus Berlin war da schon mehr als vier Sekunden schneller. Im Viertelfinale war der Melitta-Achter gegen Krefeld chancenlos. Um sich für das Rennen um Platz fünf zu qualifizieren, musste im anschließenden Duell ein Sieg her. Aber da lief es überhaupt nicht – auch weil Steuerfrau Deborah Thiele sich während des Rennens eine Rückenverletzung zuzog und unter höllischen Schmerzen die 390 Meter durchstehen musste. Das Ergebnis war dann zweitrangig. Die 17-Jährige konnte sich nicht mehr bewegen und wurde von der DLRG an Land gebracht. Regattaarzt Dr. Jens Rasmussen renkte die Schülerin anschließend wieder ein.

Dicht an dicht drängen sich die Zuschauer bei den Rennen des Teams Red an die Uferpromenade des Wasserstraßenkreuzes. MT- - © Foto: Marcus Riechmann
Dicht an dicht drängen sich die Zuschauer bei den Rennen des Teams Red an die Uferpromenade des Wasserstraßenkreuzes. MT- (© Foto: Marcus Riechmann)

Immerhin: Das Rennen um Platz sieben gewann das Team Red deutlich. „Wir wussten, dass wir dieses Jahr nicht vorne mitmischen können. Trotzdem wollten wir uns unserem Heimpublikum besser präsentieren“, erklärte Mindens Kapitänin Inken Neppert.e

Die Lage der Bundesliga

Das Lachen ist zurück: Das Team Black aus Minden um seinen Kapitän Vincent Schmitz (vorne links) feiert bei der Siegerehrung ausgelassen seine Bronzemedaille. MT-Fotos: Astrid Plaßhenrich
Das Lachen ist zurück: Das Team Black aus Minden um seinen Kapitän Vincent Schmitz (vorne links) feiert bei der Siegerehrung ausgelassen seine Bronzemedaille. MT-Fotos: Astrid Plaßhenrich

Die Hauptstadtsprinter Berlin führen die Männer-Bundesliga nach den ersten beiden Renntagen und zwei Tagessiegen mit 36 Punkten an. Es folgen der Münster-Achter (34), der Maschsee-Achter aus Hannover (31) und der Melitta-Achter Team Black aus Minden (30). Aufsteiger Mainz (6), der Waldsee Achter (5) und die Travesprinter Lübeck (4) kämpfen um den Klassenerhalt. Die Mindener Frauen stehen mit sieben Zählern auf Platz fünf von acht Mannschaften. An der Spitze stehen punktgleich der HavelQueen-Achter aus Potsdam/Berlin und das Team aus Essen-Kettwig (jeweils 15). Am Tabellenende liegt Wurzener Land (4). Es folgen noch drei Renntage: Hannover (3. August), Leipzig (17. August) und Münster (7. September). (apl)

Mehr als 3.000 Zuschauer

Die Anstrengung war für die Mitglieder des Bessel-Ruder-Clubs groß, aber die Veranstaltung war rundum gelungen: So lautete das Fazit des Organisationsteams. „Wir waren sehr überrascht, dass trotz des nicht optimalen Wetters so viele Zuschauer an die Strecke gekommen sind“, sagte Alexander Pischke. Die Organisatoren schätzen, dass über den Tag verteilt mehr als 3.000 Menschen die Rennen besuchten. Ob es eine dritte Auflage geben wird, konnte Pischke noch nicht sagen: „Wir müssen diesen Renntag erst einmal Revue passieren lassen und können erst dann über eine mögliche Fortsetzung diskutieren.“ (apl)

Strecke birgt Tücken

Drei RBL-Schiedsrichter betreuten den Start. Der „Warm-Up-Mashall“ koordinierte die Reihenfolge der wartenden Achter, der Seitenrichter kontrollierte die Ausrichtung der Boote und der Starter schließlich schickte die Teams in die Rennen. „Man muss hier einiges beachten. Wenn auf der anderen Seite ein Schiff vorbeifährt, zieht das Wasser, dann müssen wir warten. Zudem sind die Bahnen mit zwölf Meter schmaler, sonst sind es 15 Meter“, erzählte Start-Schiri Ron Hoffmann. Der Bremer gab den Teams auch Tipps („leicht nach Steuerbord ausrichten“), doch nicht alle kamen perfekt los. Manche der lediglich von einem zwei Rasierklingen großen Steuer gelenkten Dickschiffe gerieten ins Schlingern, zwei Teams touchierten mit den Rudern die Spundwand. (rich)

Beim Aufbau abgesoffen

Der brachiale Regen zwang das Organisationsteam am Freitag zu einer zweistündigen Pause. „Da sind wir regelrecht abgesoffen“, beschrieb Alexander Pische den Guss. Rund um die Verpflegungsmeile mussten Gräben ausgehoben werden, damit das Wasser abfließen konnte. „Zum Glück waren wir da bereits zu 90 Prozent mit allem fertig“, erzählte Olaf Böhne. „Das hat uns nicht groß zurückgeworfen. Wir haben es mit Humor genommen“, berichtete der BRC-Vorsitzende Michael Sachtleben. Das Team harrte unter den Brückenbögen der Kanalüberführung aus und gab danach wieder Gas. Am Renntag blieben Athleten und Zuschauer von Regen verschont, zu den Finalläufen zeigte sich sogar die Sonne. (rich)

Pott und Rösener gefällt es

Der Bundesliga-Tag führte zwei der erfolgreichsten Athleten des Bessel-Ruder-Clubs zusammen. Christoph Rösener, der 1979 in Moskau WM-Bronze mit den Junioren gewann, genoss ebenso wie der 2018er Junioren-Weltmeister Patrick Pott die tolle Stimmung auf der Alten Fahrt. „Das ist sportlich durchaus anspruchsvoll, da sitzen ein paar gute Jungs in den Booten. Und es ist echt attraktiv für die Zuschauer“, meinte der 57-jährige Altmeister Rösener, „wir waren früher froh, wenn da 100 Leute im Zielbereich waren.“ Auch Pott hobt den Unterschied des Sprints zu den sonst 2000 Meter langen Rennen hervor: „Das ist atmosphärisch hier schon was anderes.“ Ein Einstieg in den Mindener Achter steht für den Studenten aktuell nicht zur Debatte: „Das macht sicher Spaß, aber im Moment fehlt mir einfach die Zeit.“ (rich)

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MindenBundesliga: Ruder-Elite rockt die Alte Fahrt - Bronze für Mindener AchterMarcus Riechmann,Astrid PlaßhenrichMinden (mt). Versteinerte Mienen. Als das Team Black nach dem packenden Halbfinale aus seinem Achter stieg, sprach niemand. Die Enttäuschung saß zu tief. Die Männer des Melitta-Achters hatten bei ihrer Bundesliga-Heimregatta auf dem Wasserstraßenkreuz soeben das große Finale verpasst – wie bereits bei der Premiere im Vorjahr. Doch die Gastgeber vom Bessel-Ruder-Club sind echte Motivationsmonster: Ihren Frust setzten die Männer in Schwarz im anschließenden Rennen um Platz drei in pure Power um und ließ sich die Bronzemedaille nicht mehr nehmen. Einen versöhnlichen Abschluss feierte auch das Frauenteam Red nach einem äußerst schwierigen Renntag. Für das Team Black begann der Renntag optimal: Auf der 390 Meter langen Sprintstrecke zogen die Mindener souverän ins Halbfinale ein. Der Melitta-Achter war im Zeitfahren von allen 18 Teams am schnellsten (1:00,97 Minuten), schlug danach im Achtelfinale Lübeck und im Viertelfinale Witten. Doch dann trafen die Mindener im Halbfinale auf Münster. Die beiden Teams verbindet eine besondere Rivalität. „Wir hatten zuvor noch nie gegen Münster verloren. Aber heute fehlte uns das nötige Quäntchen Glück und wir haben nicht unser Optimum herausgeholt“, sagte Mindens Kapitän Vincent Schmitz. Ähnlich sah es auch sein Trainer Philipp Baumgard: „Wir sind gut gestartet, aber anschließend fehlte uns der effiziente Schlag. Auch wenn es ärgerlich ist, dass wir das Finale bei unserem Heimrennen nicht erreicht haben, können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein.“ Mit seiner Zeit von 0:59,41 Minuten war das Team Black im Bronze-Rennen dann sogar schneller als der Sieger aus Berlin (0:59,71) im Finale. Bei den Frauen des Team Red lief es von Anfang nicht rund. Das Zeitfahren beendeten die Mindenerinnen nur auf Platz sechs (1:14,36). Der spätere Sieger aus Berlin war da schon mehr als vier Sekunden schneller. Im Viertelfinale war der Melitta-Achter gegen Krefeld chancenlos. Um sich für das Rennen um Platz fünf zu qualifizieren, musste im anschließenden Duell ein Sieg her. Aber da lief es überhaupt nicht – auch weil Steuerfrau Deborah Thiele sich während des Rennens eine Rückenverletzung zuzog und unter höllischen Schmerzen die 390 Meter durchstehen musste. Das Ergebnis war dann zweitrangig. Die 17-Jährige konnte sich nicht mehr bewegen und wurde von der DLRG an Land gebracht. Regattaarzt Dr. Jens Rasmussen renkte die Schülerin anschließend wieder ein. Immerhin: Das Rennen um Platz sieben gewann das Team Red deutlich. „Wir wussten, dass wir dieses Jahr nicht vorne mitmischen können. Trotzdem wollten wir uns unserem Heimpublikum besser präsentieren“, erklärte Mindens Kapitänin Inken Neppert.e Die Lage der Bundesliga Die Hauptstadtsprinter Berlin führen die Männer-Bundesliga nach den ersten beiden Renntagen und zwei Tagessiegen mit 36 Punkten an. Es folgen der Münster-Achter (34), der Maschsee-Achter aus Hannover (31) und der Melitta-Achter Team Black aus Minden (30). Aufsteiger Mainz (6), der Waldsee Achter (5) und die Travesprinter Lübeck (4) kämpfen um den Klassenerhalt. Die Mindener Frauen stehen mit sieben Zählern auf Platz fünf von acht Mannschaften. An der Spitze stehen punktgleich der HavelQueen-Achter aus Potsdam/Berlin und das Team aus Essen-Kettwig (jeweils 15). Am Tabellenende liegt Wurzener Land (4). Es folgen noch drei Renntage: Hannover (3. August), Leipzig (17. August) und Münster (7. September). (apl) Mehr als 3.000 Zuschauer Die Anstrengung war für die Mitglieder des Bessel-Ruder-Clubs groß, aber die Veranstaltung war rundum gelungen: So lautete das Fazit des Organisationsteams. „Wir waren sehr überrascht, dass trotz des nicht optimalen Wetters so viele Zuschauer an die Strecke gekommen sind“, sagte Alexander Pischke. Die Organisatoren schätzen, dass über den Tag verteilt mehr als 3.000 Menschen die Rennen besuchten. Ob es eine dritte Auflage geben wird, konnte Pischke noch nicht sagen: „Wir müssen diesen Renntag erst einmal Revue passieren lassen und können erst dann über eine mögliche Fortsetzung diskutieren.“ (apl) Strecke birgt Tücken Drei RBL-Schiedsrichter betreuten den Start. Der „Warm-Up-Mashall“ koordinierte die Reihenfolge der wartenden Achter, der Seitenrichter kontrollierte die Ausrichtung der Boote und der Starter schließlich schickte die Teams in die Rennen. „Man muss hier einiges beachten. Wenn auf der anderen Seite ein Schiff vorbeifährt, zieht das Wasser, dann müssen wir warten. Zudem sind die Bahnen mit zwölf Meter schmaler, sonst sind es 15 Meter“, erzählte Start-Schiri Ron Hoffmann. Der Bremer gab den Teams auch Tipps („leicht nach Steuerbord ausrichten“), doch nicht alle kamen perfekt los. Manche der lediglich von einem zwei Rasierklingen großen Steuer gelenkten Dickschiffe gerieten ins Schlingern, zwei Teams touchierten mit den Rudern die Spundwand. (rich) Beim Aufbau abgesoffen Der brachiale Regen zwang das Organisationsteam am Freitag zu einer zweistündigen Pause. „Da sind wir regelrecht abgesoffen“, beschrieb Alexander Pische den Guss. Rund um die Verpflegungsmeile mussten Gräben ausgehoben werden, damit das Wasser abfließen konnte. „Zum Glück waren wir da bereits zu 90 Prozent mit allem fertig“, erzählte Olaf Böhne. „Das hat uns nicht groß zurückgeworfen. Wir haben es mit Humor genommen“, berichtete der BRC-Vorsitzende Michael Sachtleben. Das Team harrte unter den Brückenbögen der Kanalüberführung aus und gab danach wieder Gas. Am Renntag blieben Athleten und Zuschauer von Regen verschont, zu den Finalläufen zeigte sich sogar die Sonne. (rich) Pott und Rösener gefällt es Der Bundesliga-Tag führte zwei der erfolgreichsten Athleten des Bessel-Ruder-Clubs zusammen. Christoph Rösener, der 1979 in Moskau WM-Bronze mit den Junioren gewann, genoss ebenso wie der 2018er Junioren-Weltmeister Patrick Pott die tolle Stimmung auf der Alten Fahrt. „Das ist sportlich durchaus anspruchsvoll, da sitzen ein paar gute Jungs in den Booten. Und es ist echt attraktiv für die Zuschauer“, meinte der 57-jährige Altmeister Rösener, „wir waren früher froh, wenn da 100 Leute im Zielbereich waren.“ Auch Pott hobt den Unterschied des Sprints zu den sonst 2000 Meter langen Rennen hervor: „Das ist atmosphärisch hier schon was anderes.“ Ein Einstieg in den Mindener Achter steht für den Studenten aktuell nicht zur Debatte: „Das macht sicher Spaß, aber im Moment fehlt mir einfach die Zeit.“ (rich)