Minden

Die Tochter als Chef: Beim Frauen-Oberligisten HSV Minden-Nord vollzieht sich ein Umbruch

Marcus Riechmann

Minden. Die sportliche Leitung der Handballfrauen des HSV Minden-Nord wird zur Familiensache. Denn neben Trainer Olaf Grintz, der dem HSV für ein weiteres Jahr seine Zusage gab, übernimmt künftig auch die langjährige Spielerin Maren Schacht Verantwortung. Als Teammanagerin des Oberligisten wird die Tochter des Trainers in der neuen Saison dessen Chef. Gemeinsam mit Kerstin Brandhorst, die im HSV-Vorstand Geschäftsführerin für den Frauenbereich wird, will Schacht das Flaggschiff des HSV führen.

Im Derby der abgelaufenen Saison wird Maren Schacht hart von Ann-Kathrin Bredemeier bedrängt. Auf Bredemeiers Abwehrstärke setzt die künftige HSV-Managerin Schacht auch in der neuen Saison. - © Foto: Bendig
Im Derby der abgelaufenen Saison wird Maren Schacht hart von Ann-Kathrin Bredemeier bedrängt. Auf Bredemeiers Abwehrstärke setzt die künftige HSV-Managerin Schacht auch in der neuen Saison. (© Foto: Bendig)

Die beiden übernehmen im Duo den Aufgabenbereich, den bislang Björn Borgmann inne hat. Doch für den Friedewalder ist im Sommer nahezu pünktlich zum 50. Geburtstag Schluss. „Dann bin ich nur noch Zuschauer“, sagt Borgmann, der private Gründe für den Rücktritt anführt. „Nach 45 Jahren versuche ich es mal ohne Handball“, sagt er. Bis auf drei Jahre, die er beim VfL Mennighüffen in der Oberliga spielte, hat der Vater zweier Töchter sein sportliches Leben ausschließlich beim TuS Freya Friedewalde und den Spielgemeinschaften HSG Stemmer/Friedewalde und HSV Minden-Nord verbracht. Die letzten drei Jahre widmete er sich im HSV-Vorstand der Frauenabteilung.

Melina Lübbing. - © Foto: pr
Melina Lübbing. (© Foto: pr)

Dem nun anstehenden Wechsel sieht er zuversichtlich entgegen. „Maren ist nah dran am Team und sie besitzt einen guten Überblick über den Handball in OWL. Kerstin kennt jeden Winkel im Frauenbereich“, meint Borgmann und schließt: „Das ist eine sehr gute Lösung.“

Kerstin Brandhorst ist beim HSV groß geworden, Maren Schacht wechselte im Sommer 2016 noch unter dem Namen Grintz in den Mindener Norden. Nach vier Jahren endet ihre aktive Zeit. Schacht, die gestern ihren 27. Geburtstag feierte, erwartet ein Kind. Mit Handball ist Schluss, doch dem Sport bleibt sie in anderer Funktion treu.

Laura Hornkohl. - © Foto: pr
Laura Hornkohl. (© Foto: pr)

Für Vater Olaf Grintz ist die neue Konstellation kein Problem. Er sagt: „Sie hat ja schon immer das gesagt, was sie gedacht hat. Das war als Spielerin so, das wird jetzt nicht anders sein.“ Der 52-Jährige geht in sein drittes Jahr als HSV-Coach. Es ist erneut ein Jahr des Umbruchs. Sechs Spielerinnen scheiden aus dem Kader aus, sechs neue kommen dazu. „Ich mag es, etwas aufzubauen“, sagt der Trainer. Er verliert etablierte und zentrale Spielerinnen und damit viel Erfahrung. In Linkshänderin Imke Viering geht eine HSV-Institution in den handballerischen Ruhestand. Wie Maren Schacht ist auch Laura Thielmann schwanger. Torhüterin Beate Dahle legt eine Pause ein – die Partnerin des GWD-Profis Kevin Gulliksen will sich dem Studium in der norwegischen Heimat in Oslo widmen. Benica Pross, längst aus dem Status als Toptalent zur Stammspielerin erwachsen, zieht es wie Josefine Kelle zum Klassenpartner Lit Tribe Germania.

Chanice Arendt. - © Foto: pr
Chanice Arendt. (© Foto: pr)

Die neuen Spielerinnen kommen ohne das Prädikat „Oberliga-Spitze“ zum HSV. Die größte Routine bringen Ann-Kathrin Bredemeier und Laura Hornkohl mit. Spielmacherin Hornkohl wechselt vom Verbandsligisten TuS Eintracht Oberlübbe, Kreisläuferin Bredemeier kommt vom Liga-Konkurrenten HSG EURo nach Stemmer. Mit ihrer Abwehrstärke sollen die beiden Pross im Deckungszentrum ersetzen. Auch die 22-jährige Chanice Arendt kommt von der HSG EURo. Vom Landesligisten TG Herford stößt die gleichaltrige Alina Hertel, ebenfalls eine Rückraumspielerin, zum HSV. Zudem rücken wie gewohnt Spielerinnen aus dem von Olaf Wittemeier geführten eigenen Nachwuchs auf: Melina Lübbing übernimmt auf Rechtsaußen den Platz von Viering, Anna-Lena Henning hütet neben Lara Hunger künftig das Tor. Beate Dahle ist als „Stand-By“-Spielerin für Notfälle vorgesehen. „Ihr Pass bleibt bei uns“, sagt Borgmann. Eine zusätzliche Alternative erwächst in Torhüterin Katharina Kunisch, die, von Eintracht Oberlübbe kommend, sich zunächst der 2. Mannschaft des HSV anschließen wird.

Ann-Kathrin Bredemeier. - © Foto: pr
Ann-Kathrin Bredemeier. (© Foto: pr)

Dem scheidenden Geschäftsführer ist nicht Bange vor dem Umbruch: „Letzten Sommer war ich angespannt, das ist jetzt anders.“ Auch Grintz ist zuversichtlich. „Die Abwehr ist für unser schnelles Spiel extrem wichtig, und dort werden wir uns nicht verschlechtern“, sagt der Trainer und betont die Stärke der sechs Neuen: „Das sind alles Heißkisten, die wollen was erreichen und sich in der Oberliga beweisen.“ Zugute kommt dem HSV, dass die Oberliga mit einer Fülle von zusätzlichen Aufsteigern aufgepumpt wird. „Die Liga wird groß. Vielleicht wird es zwei Staffeln geben. Uns sehe ich auf einem sicheren Mittelfeldplatz.“ Falls es sportlich nicht so läuft, wird er sich mit seiner Tochter auseinandersetzen müssen.

Alina Hertel will sich in der Oberliga beweisen. - © Foto: pr
Alina Hertel will sich in der Oberliga beweisen. (© Foto: pr)

Antonia Liebsch wechselt zum TSV Hahlen

Die Handballerinnen des TSV Hahlen melden einen Zugang. Vom Verbandsligisten HSG Hüllhorst wechselt Antonia Liebsch zum TSV, der dank der Corona-Sonderregeln nach dem Saisonabbruch auch in der kommenden Saison in der Oberliga starten wird. Die 24-jährige Rückraumspielerin spielte vor der Hüllhorster beim frischgebackenen Oberliga-Aufsteiger HSG Petershagen/Lahde. (rich)

Olaf Grintz blickt optimistisch in die Zukunft. - © Foto: Bendig Aus dem Unterbau kommt Anna-Lena Henning. - © Foto: Bendig

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MindenDie Tochter als Chef: Beim Frauen-Oberligisten HSV Minden-Nord vollzieht sich ein UmbruchMarcus RiechmannMinden. Die sportliche Leitung der Handballfrauen des HSV Minden-Nord wird zur Familiensache. Denn neben Trainer Olaf Grintz, der dem HSV für ein weiteres Jahr seine Zusage gab, übernimmt künftig auch die langjährige Spielerin Maren Schacht Verantwortung. Als Teammanagerin des Oberligisten wird die Tochter des Trainers in der neuen Saison dessen Chef. Gemeinsam mit Kerstin Brandhorst, die im HSV-Vorstand Geschäftsführerin für den Frauenbereich wird, will Schacht das Flaggschiff des HSV führen. Die beiden übernehmen im Duo den Aufgabenbereich, den bislang Björn Borgmann inne hat. Doch für den Friedewalder ist im Sommer nahezu pünktlich zum 50. Geburtstag Schluss. „Dann bin ich nur noch Zuschauer“, sagt Borgmann, der private Gründe für den Rücktritt anführt. „Nach 45 Jahren versuche ich es mal ohne Handball“, sagt er. Bis auf drei Jahre, die er beim VfL Mennighüffen in der Oberliga spielte, hat der Vater zweier Töchter sein sportliches Leben ausschließlich beim TuS Freya Friedewalde und den Spielgemeinschaften HSG Stemmer/Friedewalde und HSV Minden-Nord verbracht. Die letzten drei Jahre widmete er sich im HSV-Vorstand der Frauenabteilung. Dem nun anstehenden Wechsel sieht er zuversichtlich entgegen. „Maren ist nah dran am Team und sie besitzt einen guten Überblick über den Handball in OWL. Kerstin kennt jeden Winkel im Frauenbereich“, meint Borgmann und schließt: „Das ist eine sehr gute Lösung.“ Kerstin Brandhorst ist beim HSV groß geworden, Maren Schacht wechselte im Sommer 2016 noch unter dem Namen Grintz in den Mindener Norden. Nach vier Jahren endet ihre aktive Zeit. Schacht, die gestern ihren 27. Geburtstag feierte, erwartet ein Kind. Mit Handball ist Schluss, doch dem Sport bleibt sie in anderer Funktion treu. Für Vater Olaf Grintz ist die neue Konstellation kein Problem. Er sagt: „Sie hat ja schon immer das gesagt, was sie gedacht hat. Das war als Spielerin so, das wird jetzt nicht anders sein.“ Der 52-Jährige geht in sein drittes Jahr als HSV-Coach. Es ist erneut ein Jahr des Umbruchs. Sechs Spielerinnen scheiden aus dem Kader aus, sechs neue kommen dazu. „Ich mag es, etwas aufzubauen“, sagt der Trainer. Er verliert etablierte und zentrale Spielerinnen und damit viel Erfahrung. In Linkshänderin Imke Viering geht eine HSV-Institution in den handballerischen Ruhestand. Wie Maren Schacht ist auch Laura Thielmann schwanger. Torhüterin Beate Dahle legt eine Pause ein – die Partnerin des GWD-Profis Kevin Gulliksen will sich dem Studium in der norwegischen Heimat in Oslo widmen. Benica Pross, längst aus dem Status als Toptalent zur Stammspielerin erwachsen, zieht es wie Josefine Kelle zum Klassenpartner Lit Tribe Germania. Die neuen Spielerinnen kommen ohne das Prädikat „Oberliga-Spitze“ zum HSV. Die größte Routine bringen Ann-Kathrin Bredemeier und Laura Hornkohl mit. Spielmacherin Hornkohl wechselt vom Verbandsligisten TuS Eintracht Oberlübbe, Kreisläuferin Bredemeier kommt vom Liga-Konkurrenten HSG EURo nach Stemmer. Mit ihrer Abwehrstärke sollen die beiden Pross im Deckungszentrum ersetzen. Auch die 22-jährige Chanice Arendt kommt von der HSG EURo. Vom Landesligisten TG Herford stößt die gleichaltrige Alina Hertel, ebenfalls eine Rückraumspielerin, zum HSV. Zudem rücken wie gewohnt Spielerinnen aus dem von Olaf Wittemeier geführten eigenen Nachwuchs auf: Melina Lübbing übernimmt auf Rechtsaußen den Platz von Viering, Anna-Lena Henning hütet neben Lara Hunger künftig das Tor. Beate Dahle ist als „Stand-By“-Spielerin für Notfälle vorgesehen. „Ihr Pass bleibt bei uns“, sagt Borgmann. Eine zusätzliche Alternative erwächst in Torhüterin Katharina Kunisch, die, von Eintracht Oberlübbe kommend, sich zunächst der 2. Mannschaft des HSV anschließen wird. Dem scheidenden Geschäftsführer ist nicht Bange vor dem Umbruch: „Letzten Sommer war ich angespannt, das ist jetzt anders.“ Auch Grintz ist zuversichtlich. „Die Abwehr ist für unser schnelles Spiel extrem wichtig, und dort werden wir uns nicht verschlechtern“, sagt der Trainer und betont die Stärke der sechs Neuen: „Das sind alles Heißkisten, die wollen was erreichen und sich in der Oberliga beweisen.“ Zugute kommt dem HSV, dass die Oberliga mit einer Fülle von zusätzlichen Aufsteigern aufgepumpt wird. „Die Liga wird groß. Vielleicht wird es zwei Staffeln geben. Uns sehe ich auf einem sicheren Mittelfeldplatz.“ Falls es sportlich nicht so läuft, wird er sich mit seiner Tochter auseinandersetzen müssen. Antonia Liebsch wechselt zum TSV Hahlen Die Handballerinnen des TSV Hahlen melden einen Zugang. Vom Verbandsligisten HSG Hüllhorst wechselt Antonia Liebsch zum TSV, der dank der Corona-Sonderregeln nach dem Saisonabbruch auch in der kommenden Saison in der Oberliga starten wird. Die 24-jährige Rückraumspielerin spielte vor der Hüllhorster beim frischgebackenen Oberliga-Aufsteiger HSG Petershagen/Lahde. (rich)