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Sport-Rückblicke: Kunisch-Wechsel wird zum Beginn einer Handball-Ära

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Tauziehen gewonnen: Am 13. April 1980 bestätigte Eintracht den Wechsel von Kornelia Kunisch. Repro: kül
Tauziehen gewonnen: Am 13. April 1980 bestätigte Eintracht den Wechsel von Kornelia Kunisch. Repro: kül

Minden (kül). Mit dem Wechsel von Kornelia Kunisch zu Eintracht Minden begann vor 30 Jahren eine Ära. Am 13. April 1990 bestätigte der damalige Frauenhandball-Bundesligist den spektakulären Transfer eher nüchtern. Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, welch tiefe Spuren Kunisch im Mindener Handball hinterlassen würde.

Als Kunisch damals nach an die Weser kam, war sie in der DDR eine Handball-Institution: 15 Jahre lang hatte sie für den SC Magdeburg gespielt, größter Erfolg war die Meisterschaft 1981. Mit der Nationalmannschaft wurde sie 1978 noch unter ihrem Mädchennamen Elbe Weltmeisterin. 1980 gewann die Rückraumspielerin mit der Auswahl Bronze bei den Olympischen Spielen in Moskau. Bei den WM-Turnieren 1982 und 1986 kamen zwei vierte Plätze hinzu. Insgesamt bestritt sie 200 Spiele für die DDR und erzielte 675 Tore.

Als nach der Wende das Rennen um die ostdeutschen Top-Sportler begann, war auch Kunisch begehrt. Das MT beschrieb damals, wie Eintracht Minden das Tauziehen um die 30-Jährige am Ende gewonnen hat: „Nachdem sie bereits einen Vertrag bei TSV Guts Muths Berlin unterschrieben hatte, überlegte sie es sich schließlich doch anders. Eintracht-Manager Roland Busack setzte dabei sämtliche (juristischen) Hebel in Bewegung.“ Gemeinsam mit ihr wechselten damals auch Kerstin Albrecht und Susanne Weber vom SC Magdeburg nach Minden.

Sieben Jahre spielte Kunisch noch für die Eintracht, die in dieser Zeit immer am Rande des Abstiegs balancierte und 1991 nur durch den Rückzug des VfL Neckargartach die Klasse hielt. In der Saison darauf gelang den Mindenerinnen in der Bundesliga Nord aber als Fünfter mit 22:18 Punkten das beste Ergebnis seit dem Wiederaufstieg 1988.

Ihre zweite Sport-Karriere begann Kunisch aus familiären Gründen: Parallel zu ihrer letzten Station als Spielerin bei VT Bückeburg trainierte sie ihren Sohn Christopher in der Jugend von GWD Minden. Der blieb sie insgesamt 21 Jahre erhalten. Allein 16 davon verbrachte sie mit den C-Jungen und prägte mit ihrem Leistungsanspruch so manche Handball-Karriere. „Wer talentiert war und etwas werden wollte, der wollte unter Konni spielen“, sagte der heutige GWD-Profi Mats Korte, als Kunisch im Mai 2019 ihre Trainerlaufbahn beendete.

Sport-Rückblicke

Der Sport in Minden und Umgebung hat viele erinnerungswürdige Ereignisse hervorgebracht, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Das Mindener Tageblatt blickt daher jeden Donnerstag im Zehn-Jahres-Rhythmus zurück und erzählt die Hintergründe eines historischen Fundstücks.

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MindenSport-Rückblicke: Kunisch-Wechsel wird zum Beginn einer Handball-ÄraMinden (kül). Mit dem Wechsel von Kornelia Kunisch zu Eintracht Minden begann vor 30 Jahren eine Ära. Am 13. April 1990 bestätigte der damalige Frauenhandball-Bundesligist den spektakulären Transfer eher nüchtern. Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, welch tiefe Spuren Kunisch im Mindener Handball hinterlassen würde. Als Kunisch damals nach an die Weser kam, war sie in der DDR eine Handball-Institution: 15 Jahre lang hatte sie für den SC Magdeburg gespielt, größter Erfolg war die Meisterschaft 1981. Mit der Nationalmannschaft wurde sie 1978 noch unter ihrem Mädchennamen Elbe Weltmeisterin. 1980 gewann die Rückraumspielerin mit der Auswahl Bronze bei den Olympischen Spielen in Moskau. Bei den WM-Turnieren 1982 und 1986 kamen zwei vierte Plätze hinzu. Insgesamt bestritt sie 200 Spiele für die DDR und erzielte 675 Tore. Als nach der Wende das Rennen um die ostdeutschen Top-Sportler begann, war auch Kunisch begehrt. Das MT beschrieb damals, wie Eintracht Minden das Tauziehen um die 30-Jährige am Ende gewonnen hat: „Nachdem sie bereits einen Vertrag bei TSV Guts Muths Berlin unterschrieben hatte, überlegte sie es sich schließlich doch anders. Eintracht-Manager Roland Busack setzte dabei sämtliche (juristischen) Hebel in Bewegung.“ Gemeinsam mit ihr wechselten damals auch Kerstin Albrecht und Susanne Weber vom SC Magdeburg nach Minden. Sieben Jahre spielte Kunisch noch für die Eintracht, die in dieser Zeit immer am Rande des Abstiegs balancierte und 1991 nur durch den Rückzug des VfL Neckargartach die Klasse hielt. In der Saison darauf gelang den Mindenerinnen in der Bundesliga Nord aber als Fünfter mit 22:18 Punkten das beste Ergebnis seit dem Wiederaufstieg 1988. Ihre zweite Sport-Karriere begann Kunisch aus familiären Gründen: Parallel zu ihrer letzten Station als Spielerin bei VT Bückeburg trainierte sie ihren Sohn Christopher in der Jugend von GWD Minden. Der blieb sie insgesamt 21 Jahre erhalten. Allein 16 davon verbrachte sie mit den C-Jungen und prägte mit ihrem Leistungsanspruch so manche Handball-Karriere. „Wer talentiert war und etwas werden wollte, der wollte unter Konni spielen“, sagte der heutige GWD-Profi Mats Korte, als Kunisch im Mai 2019 ihre Trainerlaufbahn beendete. Sport-Rückblicke Der Sport in Minden und Umgebung hat viele erinnerungswürdige Ereignisse hervorgebracht, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Das Mindener Tageblatt blickt daher jeden Donnerstag im Zehn-Jahres-Rhythmus zurück und erzählt die Hintergründe eines historischen Fundstücks.