Bückeburg

„Manni hat 'ne Meise“ - Der 64-jährige Röcker Torhüter Manfred Klöpper ist ein Handball-Unikum

Christian Bendig

Im Topspiel gegen die HSG Porta III wurden Manfred Klöppers Dienste nicht benötigt. Sein Mannschaftskamerad hielt gut. - © Foto: Christian Bendig
Im Topspiel gegen die HSG Porta III wurden Manfred Klöppers Dienste nicht benötigt. Sein Mannschaftskamerad hielt gut. (© Foto: Christian Bendig)

Bückeburg. „Handballerisch bin ich ein Spätzünder. Ich habe erst 1980 so richtig angefangen.“ Ein Satz, der sitzt. Aber er relativiert sich schnell. Manfred Klöpper wird im kommenden September 65 Jahre alt und hütet noch mit dem selben Feuer wie in den vergangenen rund 40 Jahren das Tor des TVE Röcke. Der schwimmt nicht nur sportlich in der 1. Kreisklasse auf einer Erfolgswelle. Auch strukturell hat sich bei dem Verein der Grenzgänger in den zurückliegenden Monaten einiges entwickelt.

Seit 1969 haben die Röcker Handballer im Handballverband Westfalen eine Heimat gefunden. Auch, wenn der Abschied vom Handballverband Niedersachsen noch vor seiner Zeit als Spieler der Männermannschaft vollzogen wurde, weiß Klöpper: „Hier fährt man mal eben nach Espelkamp zu einem Spiel. In Niedersachsen waren die Fahrten deutlich weiter.“ Und weil es für den Verein sportlich auch nie über die Grenzen des Mühlenkreises hinaus ging, blieb es auch bei den Fahrten bis nach Espelkamp als weiteste Tour. Und jüngst in Espelkamp erlebte Klöpper einen sportlichen Rückschlag. Dort sah er beim 39:9-Sieg seiner Mannschaft sah er in der 29. Minute die Rote Karte. Klöpper fand seinen Humor schnell wieder und kommentierte seine Disqualifikation mit einem Foto, dass einen Kanten Brot und eine Flasche Wasser zeigte. Darben statt Döner war an jenem Abend angesagt. Denn, wie sein 29-jähriger Teamkollege Henning Burzlaff aufklärt, gönnt sich „'Manni' nach Siegen immer einen Döner“.

Karges Mahl als kleine Bestrafung. Nach einer Roten Karte gab es keinen Döner. - © Foto: privat
Karges Mahl als kleine Bestrafung. Nach einer Roten Karte gab es keinen Döner. (© Foto: privat)

In der aktuellen Saison waren das schon einige. Denn die Röcker Handballer führen die Tabelle der 1. Kreisklasse nach dem 26:21-Sieg im Spitzenspiel gegen die HSG Porta III mit 19:3 Zählern an. Theoretisch könnten Klöpper, Burzlaff und Co am 15. März vor eigenem Publikum in der Kreissporthalle Bückeburg mit einem Erfolg gegen den TuS Wehe III den Aufstieg in die 2. Kreisliga feiern.

Aufstiege feierte Klöpper bereits, aber es gab auch Abstiege. Man müsse eben schauen, ob es passt und ob man in der nächsthöheren Liga mithalten könne, sagt Klöpper und erinnert sich: „Vor vielen Jahren hätte uns ein Unentschieden zum Aufstieg gereicht. Eigentlich wollten wir nicht hoch. Aber zwei aus unserer Mannschaft hatten das anscheinend nicht kapiert und noch die entscheidenden Tore geworfen.“ Zwei Jahre nach dem Aufstieg ging es wieder abwärts in die unterste Liga.

Für Klöpper eigentlich eher unwichtig: „Das entscheidende ist, dass es Spaß macht“, sagt der Senior, der neben den beiden Trainingseinheiten mit seiner Handballmannschaft freitags noch eine Sondereinheit bei einer Altherren-Fußballtruppe schiebt. „Man muss ja was tun“, betont der Keeper, dem im Spiel der Ehrgeiz in jeder Minute anzumerken ist. „Manchmal denke ich: 'Der hat 'ne Meise, sich in so einem Alter noch die Bälle um die Ohren pfeffern zu lassen'“, wundert sich Burzlaff und glaubt, den Grund für Klöppers Aktivsein bis in sein derzeitiges Alter gefunden zu haben: „Ich glaube, Manni will einfach nicht alt werden.“

Indirekt bestätigt das auch der Keeper: „Wenn man in einer Mannschaft mit Spielern zusammen ist, die Anfang 20 sind, dann hält das jung.“ Und scherzhaft schiebt er nach: „Glücklicherweise sitzt der Kalk bei mir nicht im Kopf, sondern in der Schulter.“ Körperlich kann es noch einige Jahre gehen. Vielleicht auch, weil sich der Verein, in dessen Vorstand sich auch Manfred Klöppers Ehefrau Rita engagiert, richtig gut läuft: Zu den Heimspielen kommen zumeist 50 bis 60 Zuschauer, zum Topspiel gegen Porta III waren es 130. Auch weil die Gäste aus Veltheim einen stattlichen Anhang mitbrachten. „Tatsächlich sind wir in Bückeburg das höchstklassige Handballteam“ sagt der Torwart spitzbübig. Und zudem verlaufe die Entwicklung auch gegen den allgemeinen Trend. Unter dem vom VfL Stadthagen gekommenen Trainer Heiko Wilkening nahm die Kaderstärke kontinuierlich zu. „Inzwischen sind wir 20 Spieler. Und zur kommenden Spielzeit planen wir, eine zweite Mannschaft an den Start zu kriegen“. blickt Klöpper in seiner Funktion als 2. Geschäftsführer voraus.

Um übrigens Rekordtorwart des Mühlenkreises zu werden, müsste Klöpper noch einige Jahre dran hängen. Karl Niemeyer hütete noch im Alter von 70 Jahren das Tor Eintracht Mindens.

Zitat

„Bei mir sitzt der Kalk in der Schulter, nicht im Kopf.“

Manfred Klöpper, Torwart des TVE Röcke über körperliche Gebrechen

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Bückeburg„Manni hat 'ne Meise“ - Der 64-jährige Röcker Torhüter Manfred Klöpper ist ein Handball-UnikumChristian BendigBückeburg. „Handballerisch bin ich ein Spätzünder. Ich habe erst 1980 so richtig angefangen.“ Ein Satz, der sitzt. Aber er relativiert sich schnell. Manfred Klöpper wird im kommenden September 65 Jahre alt und hütet noch mit dem selben Feuer wie in den vergangenen rund 40 Jahren das Tor des TVE Röcke. Der schwimmt nicht nur sportlich in der 1. Kreisklasse auf einer Erfolgswelle. Auch strukturell hat sich bei dem Verein der Grenzgänger in den zurückliegenden Monaten einiges entwickelt. Seit 1969 haben die Röcker Handballer im Handballverband Westfalen eine Heimat gefunden. Auch, wenn der Abschied vom Handballverband Niedersachsen noch vor seiner Zeit als Spieler der Männermannschaft vollzogen wurde, weiß Klöpper: „Hier fährt man mal eben nach Espelkamp zu einem Spiel. In Niedersachsen waren die Fahrten deutlich weiter.“ Und weil es für den Verein sportlich auch nie über die Grenzen des Mühlenkreises hinaus ging, blieb es auch bei den Fahrten bis nach Espelkamp als weiteste Tour. Und jüngst in Espelkamp erlebte Klöpper einen sportlichen Rückschlag. Dort sah er beim 39:9-Sieg seiner Mannschaft sah er in der 29. Minute die Rote Karte. Klöpper fand seinen Humor schnell wieder und kommentierte seine Disqualifikation mit einem Foto, dass einen Kanten Brot und eine Flasche Wasser zeigte. Darben statt Döner war an jenem Abend angesagt. Denn, wie sein 29-jähriger Teamkollege Henning Burzlaff aufklärt, gönnt sich „'Manni' nach Siegen immer einen Döner“. In der aktuellen Saison waren das schon einige. Denn die Röcker Handballer führen die Tabelle der 1. Kreisklasse nach dem 26:21-Sieg im Spitzenspiel gegen die HSG Porta III mit 19:3 Zählern an. Theoretisch könnten Klöpper, Burzlaff und Co am 15. März vor eigenem Publikum in der Kreissporthalle Bückeburg mit einem Erfolg gegen den TuS Wehe III den Aufstieg in die 2. Kreisliga feiern. Aufstiege feierte Klöpper bereits, aber es gab auch Abstiege. Man müsse eben schauen, ob es passt und ob man in der nächsthöheren Liga mithalten könne, sagt Klöpper und erinnert sich: „Vor vielen Jahren hätte uns ein Unentschieden zum Aufstieg gereicht. Eigentlich wollten wir nicht hoch. Aber zwei aus unserer Mannschaft hatten das anscheinend nicht kapiert und noch die entscheidenden Tore geworfen.“ Zwei Jahre nach dem Aufstieg ging es wieder abwärts in die unterste Liga. Für Klöpper eigentlich eher unwichtig: „Das entscheidende ist, dass es Spaß macht“, sagt der Senior, der neben den beiden Trainingseinheiten mit seiner Handballmannschaft freitags noch eine Sondereinheit bei einer Altherren-Fußballtruppe schiebt. „Man muss ja was tun“, betont der Keeper, dem im Spiel der Ehrgeiz in jeder Minute anzumerken ist. „Manchmal denke ich: 'Der hat 'ne Meise, sich in so einem Alter noch die Bälle um die Ohren pfeffern zu lassen'“, wundert sich Burzlaff und glaubt, den Grund für Klöppers Aktivsein bis in sein derzeitiges Alter gefunden zu haben: „Ich glaube, Manni will einfach nicht alt werden.“ Indirekt bestätigt das auch der Keeper: „Wenn man in einer Mannschaft mit Spielern zusammen ist, die Anfang 20 sind, dann hält das jung.“ Und scherzhaft schiebt er nach: „Glücklicherweise sitzt der Kalk bei mir nicht im Kopf, sondern in der Schulter.“ Körperlich kann es noch einige Jahre gehen. Vielleicht auch, weil sich der Verein, in dessen Vorstand sich auch Manfred Klöppers Ehefrau Rita engagiert, richtig gut läuft: Zu den Heimspielen kommen zumeist 50 bis 60 Zuschauer, zum Topspiel gegen Porta III waren es 130. Auch weil die Gäste aus Veltheim einen stattlichen Anhang mitbrachten. „Tatsächlich sind wir in Bückeburg das höchstklassige Handballteam“ sagt der Torwart spitzbübig. Und zudem verlaufe die Entwicklung auch gegen den allgemeinen Trend. Unter dem vom VfL Stadthagen gekommenen Trainer Heiko Wilkening nahm die Kaderstärke kontinuierlich zu. „Inzwischen sind wir 20 Spieler. Und zur kommenden Spielzeit planen wir, eine zweite Mannschaft an den Start zu kriegen“. blickt Klöpper in seiner Funktion als 2. Geschäftsführer voraus. Um übrigens Rekordtorwart des Mühlenkreises zu werden, müsste Klöpper noch einige Jahre dran hängen. Karl Niemeyer hütete noch im Alter von 70 Jahren das Tor Eintracht Mindens. Zitat „Bei mir sitzt der Kalk in der Schulter, nicht im Kopf.“ Manfred Klöpper, Torwart des TVE Röcke über körperliche Gebrechen