Die Reise geht weiter: Evars Klesniks wechselt vom Drittligisten Lit Tribe Germania zum Bundesligisten TBV Lemgo Lippe

Marcus Riechmann

Unverhofft kommt oft: Evars Klesniks (links) mit seinem neuen Trikot und seinem künftigen Trainer beim TBV Lemgo, Florian Kehrmann. - © Foto: Diekmann/TBV Lemgo
Unverhofft kommt oft: Evars Klesniks (links) mit seinem neuen Trikot und seinem künftigen Trainer beim TBV Lemgo, Florian Kehrmann. (© Foto: Diekmann/TBV Lemgo)

Minden/Lemgo. Die wundersame Handball-Reise von Evars Klesniks geht weiter: Wenige Tage nach seiner ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft unterschrieb der lettische Nationalspieler einen Vertrag beim Bundesligisten TBV Lemgo Lippe. Damit wird der Abwehrchef des Drittligisten Lit Tribe Germania nicht nur sein Comeback in der höchsten deutschen Spielklasse geben, sondern auch im April an der Pokal-Endrunde Final Four in Hamburg teilnehmen. „Ich bin gespannt, was noch so alles kommt“, meinte der 39-jährige Mindener vergnügt angesichts der unerwarteten sportlichen Entwicklung des jungen Jahres 2020.

Der TBV Lemgo Lippe hat Klesniks als Ersatz für den am Kreuzband operierten Fabian van Olphen für den Rest der Saison 19/20 verpflichtet. Der Niederländer van Olphen wird dem TBV in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Lemgo kämpft wie auch GWD Minden in der Bundesliga um den Klassenerhalt.

Evars Klesniks tauscht das Trikot von Lit Tribe Germania gegen das Shirt des TBV Lemgo. - © Foto: Christian Bendig
Evars Klesniks tauscht das Trikot von Lit Tribe Germania gegen das Shirt des TBV Lemgo. (© Foto: Christian Bendig)

Der 39-jährige lettische Nationalspieler verfügt über mehr als 300 Spiele Bundesligaerfahrung. Über die Stationen ThSV Eisenach, Tusem Essen, GWD Minden (2009 bis 2013) und bis 2018 HSG Wetzlar machte er sich einen Namen als kompromissloser und umsichtiger Abwehrchef. Das Team von Lit Germania Tribe führte der Lette im vergangenen Sommer zum Aufstieg aus der Oberliga in die 3. Liga. Heute morgen wurde er beim TBV nun als neuer Abwehrchef vorgestellt.

„Wir freuen uns, dass wir mit Klesniks einen Spieler mit so viel Erfahrung verpflichten konnten und wir sind sicher, dass er uns in den verbleibenden Spielen helfen und unsere Abwehr stabilisieren wird“, sind sich TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike und Trainer Florian Kehrmann einig. „Er ist fit, hat eine absolut professionelle Einstellung und weiß genau, worauf es ankommt.“

„Einfach mega!“ Das antwortet Klesniks selbst auf die Frage nach seiner Rückkehr in die Handball-Bundesliga. „Als die Anfrage kam, war für mich sofort klar, dass ich das machen will. Ich kenne Florian und auch einige Spieler schon so lange und freue mich auf die Ligaspiele mit dem TBV und ganz besonders natürlich auch auf das Final Four im Hamburg.“

Bei Lit Tribe Germania bedauert man den Abschied des Letten. "Das ist in jeder Hinsicht ein Verlust für uns", sagte Lit-Geschäftsführer Christian Niemann. Doch für ihn war klar: "Das Angebot ist sportlich wie auch finanziell so attraktiv, dass wir Ebbe keine Steine in den Weg legen wollten." Erst während der laufenden Europameisterschaft, bei der Klesniks mit den Letten die deutsche Mannschaft an den Rand einer Niederlage drängte, kam der Kontakt zum TBV zu Stande. Rund um das Drittliga-Spiel der Germanen gegen Longerich am vergangenen Sonntag - dem vorerst letzten von Klesniks für das Team aus Nordhemmern - wurde man sich einig. Über eine mögliche Ablösezahlung schweigt "Kiki" Niemann, doch der Geschäftsmann sagt: "Wir haben mit dem TBV und Ebbe eine für uns akzeptable Lösung gefunden."

Wenn die Spielberechtigung rechtzeitig vorliegt wird Klesniks schon beim Vorbereitungsturnier Winter-Cup an diesem Wochenende für den TBV auflaufen und sich mit seinen neuen Mannschaftskollegen unter Wettkampfbedingungen einspielen. Beim Vorbereitungsturnier des TV Verl trifft der TBV den Bundesligakonkurrenten HSG Nordhorn-Lingen, die Zweitligisten VfL Gummersbach und VfL Lübeck-Schwartau, die dänischen Teams Skanderborg, Aarhus und Sönderjyske sowie den mehrfachen holländischen Meister Handbal Aalsmeeer.

Beim Heimspiel gegen den TVB Stuttgart am Sonntag, 2. Februar, wird Klesniks dann seine Heimpremiere im TBV-Trikot mit der Nummer 80 feiern. Zwei Wochen später kommt es für "Ebbe" zum Wiedersehen mit seinem langjährigen Arbeitgeber: Sonntag, 16. Februar, empfängt der TBV Lemgo das Team von GWD Minden zum OWL-Gipfel in der Phoenix Contact Arena.

"Klar ist es schön gegen GWD zu spielen, aber für mich wird jedes Spiel zum Genuss", sagt Klesniks über seine Rückkehr in die Bundesliga. An die erhöhte Trainingsintensität muss sich der Routinier noch gewöhnen: "Das ist ein Unterschied, das habe ich gleich beim ersten Training gestern gemerkt", erzählt "Ebbe", vor der Herausforderung Bundesliga ist ihm aber nicht bange: "Das habe ich ja lange genug gemacht."

Bei der EM maß sich Klesniks mit den Top-Angreifern Europas. Er stemmte sich bei der 22:33-Vorrunden-Niederlage den spanischen Halbfinalisten um die Starspieler Raul Entrerrios oder Julen Aguinagalde entgegen und duellierte sich mit seinem ehemaligen Wetzlarer Teamkollegen Jannik Kohlbacher und Julius Kühn beim 27:28 gegen Deutschland. „Das hat Spaß gemacht, wir haben zumindest die Deutschen ein wenig geärgert“, erzählt Klesniks, der erstmals mit Lettland an einem großen Turnier teilnahm: „Wir hätten gerne ein besseres Ergebnis erreicht und ein Spiel gewonnen, aber auch so haben wir es genossen.“

Seinen Teamkameraden bei Lit Tribe Germania wünscht der scheidende Abwehrboss: „Sie sollen auf jeden Fall den Klassenerhalt schaffen und sie sollen auf keinen Fall den Kampfgeist verlieren.“ Die vier Punkte, die Lit jüngst am „Grünen Tisch“ nach dem Rückzug der Rhein Vikings und dem Einsatz eines nicht spielberechtigten Akteurs der SG Schalksmühle-Halver zugesprochen wurden, nennt Klesniks „eine gute Ausgangsposition.“

„Die Macht ist mit uns“, sagt Lit-Chef Niemann schmunzelnd zum Vier-Punkte-Geschenk. Damit wird der Übergang in die restlichen zehn Saisonspiele ohne Klesniks erleichtert. Derzeit liegt das Team aus Nordhemmern mit 16:20 Punkten auf Tabellenplatz acht und besitz acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone.

Es habe bereits in der Hinserie Anfragen aus dem Profi-Handball für Klesniks gegeben, „aber das wurde dann nie so konkret wie jetzt“, berichtet Niemann. Er traut seinem Team auch ohne den Abwehrboss eine erfolgreiche Rückrunde zu: „Wir haben auch in der Zeit vor Ebbe guten Handball gespielt. Er hatte eine wichtige Rolle bei uns, aber ich bin zuversichtlich, dass Spieler wie Kim-Patrick Kliver, Lukas Rüter oder Piotr Grabarczyk werden die Aufgaben im Innenblock schon stemmen.“ Wie gut das klappt, kann das Team von Trainer Daniel Gerling bereits am kommenden Sonntag zeigen: Dann gastieren die Lit-Germanen bei der SG Menden Sauerland. Gegen die mit 8:28 Zählern auf Rang 14 platzierten Mendener können die Gerling-Männer den Vorsprung auf die Abstiegszone ausbauen und sich viel Luft für die kommenden Wochen verschaffen.

Am Ende der Saison soll nicht nur für die Germanen sondern auch mit dem TBV der sicher Klassenerhalt stehen. Das Bundesliga-Finale steigt am Donnerstag, 14. Mai, mit dem Auswärtsspiel der Lipper bei den Füchsen Berlin. Vier Tage später wird Klesniks 40 Jahre alt. Mal sehen wohin die Reise dann geht. „Zurück zu Lit“, sagt Klesniks. Doch bei ihm weiß man das nie so genau.

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Die Reise geht weiter: Evars Klesniks wechselt vom Drittligisten Lit Tribe Germania zum Bundesligisten TBV Lemgo LippeMarcus RiechmannMinden/Lemgo. Die wundersame Handball-Reise von Evars Klesniks geht weiter: Wenige Tage nach seiner ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft unterschrieb der lettische Nationalspieler einen Vertrag beim Bundesligisten TBV Lemgo Lippe. Damit wird der Abwehrchef des Drittligisten Lit Tribe Germania nicht nur sein Comeback in der höchsten deutschen Spielklasse geben, sondern auch im April an der Pokal-Endrunde Final Four in Hamburg teilnehmen. „Ich bin gespannt, was noch so alles kommt“, meinte der 39-jährige Mindener vergnügt angesichts der unerwarteten sportlichen Entwicklung des jungen Jahres 2020. Der TBV Lemgo Lippe hat Klesniks als Ersatz für den am Kreuzband operierten Fabian van Olphen für den Rest der Saison 19/20 verpflichtet. Der Niederländer van Olphen wird dem TBV in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Lemgo kämpft wie auch GWD Minden in der Bundesliga um den Klassenerhalt. Der 39-jährige lettische Nationalspieler verfügt über mehr als 300 Spiele Bundesligaerfahrung. Über die Stationen ThSV Eisenach, Tusem Essen, GWD Minden (2009 bis 2013) und bis 2018 HSG Wetzlar machte er sich einen Namen als kompromissloser und umsichtiger Abwehrchef. Das Team von Lit Germania Tribe führte der Lette im vergangenen Sommer zum Aufstieg aus der Oberliga in die 3. Liga. Heute morgen wurde er beim TBV nun als neuer Abwehrchef vorgestellt. „Wir freuen uns, dass wir mit Klesniks einen Spieler mit so viel Erfahrung verpflichten konnten und wir sind sicher, dass er uns in den verbleibenden Spielen helfen und unsere Abwehr stabilisieren wird“, sind sich TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike und Trainer Florian Kehrmann einig. „Er ist fit, hat eine absolut professionelle Einstellung und weiß genau, worauf es ankommt.“ „Einfach mega!“ Das antwortet Klesniks selbst auf die Frage nach seiner Rückkehr in die Handball-Bundesliga. „Als die Anfrage kam, war für mich sofort klar, dass ich das machen will. Ich kenne Florian und auch einige Spieler schon so lange und freue mich auf die Ligaspiele mit dem TBV und ganz besonders natürlich auch auf das Final Four im Hamburg.“ Bei Lit Tribe Germania bedauert man den Abschied des Letten. "Das ist in jeder Hinsicht ein Verlust für uns", sagte Lit-Geschäftsführer Christian Niemann. Doch für ihn war klar: "Das Angebot ist sportlich wie auch finanziell so attraktiv, dass wir Ebbe keine Steine in den Weg legen wollten." Erst während der laufenden Europameisterschaft, bei der Klesniks mit den Letten die deutsche Mannschaft an den Rand einer Niederlage drängte, kam der Kontakt zum TBV zu Stande. Rund um das Drittliga-Spiel der Germanen gegen Longerich am vergangenen Sonntag - dem vorerst letzten von Klesniks für das Team aus Nordhemmern - wurde man sich einig. Über eine mögliche Ablösezahlung schweigt "Kiki" Niemann, doch der Geschäftsmann sagt: "Wir haben mit dem TBV und Ebbe eine für uns akzeptable Lösung gefunden." Wenn die Spielberechtigung rechtzeitig vorliegt wird Klesniks schon beim Vorbereitungsturnier Winter-Cup an diesem Wochenende für den TBV auflaufen und sich mit seinen neuen Mannschaftskollegen unter Wettkampfbedingungen einspielen. Beim Vorbereitungsturnier des TV Verl trifft der TBV den Bundesligakonkurrenten HSG Nordhorn-Lingen, die Zweitligisten VfL Gummersbach und VfL Lübeck-Schwartau, die dänischen Teams Skanderborg, Aarhus und Sönderjyske sowie den mehrfachen holländischen Meister Handbal Aalsmeeer. Beim Heimspiel gegen den TVB Stuttgart am Sonntag, 2. Februar, wird Klesniks dann seine Heimpremiere im TBV-Trikot mit der Nummer 80 feiern. Zwei Wochen später kommt es für "Ebbe" zum Wiedersehen mit seinem langjährigen Arbeitgeber: Sonntag, 16. Februar, empfängt der TBV Lemgo das Team von GWD Minden zum OWL-Gipfel in der Phoenix Contact Arena. "Klar ist es schön gegen GWD zu spielen, aber für mich wird jedes Spiel zum Genuss", sagt Klesniks über seine Rückkehr in die Bundesliga. An die erhöhte Trainingsintensität muss sich der Routinier noch gewöhnen: "Das ist ein Unterschied, das habe ich gleich beim ersten Training gestern gemerkt", erzählt "Ebbe", vor der Herausforderung Bundesliga ist ihm aber nicht bange: "Das habe ich ja lange genug gemacht." Bei der EM maß sich Klesniks mit den Top-Angreifern Europas. Er stemmte sich bei der 22:33-Vorrunden-Niederlage den spanischen Halbfinalisten um die Starspieler Raul Entrerrios oder Julen Aguinagalde entgegen und duellierte sich mit seinem ehemaligen Wetzlarer Teamkollegen Jannik Kohlbacher und Julius Kühn beim 27:28 gegen Deutschland. „Das hat Spaß gemacht, wir haben zumindest die Deutschen ein wenig geärgert“, erzählt Klesniks, der erstmals mit Lettland an einem großen Turnier teilnahm: „Wir hätten gerne ein besseres Ergebnis erreicht und ein Spiel gewonnen, aber auch so haben wir es genossen.“ Seinen Teamkameraden bei Lit Tribe Germania wünscht der scheidende Abwehrboss: „Sie sollen auf jeden Fall den Klassenerhalt schaffen und sie sollen auf keinen Fall den Kampfgeist verlieren.“ Die vier Punkte, die Lit jüngst am „Grünen Tisch“ nach dem Rückzug der Rhein Vikings und dem Einsatz eines nicht spielberechtigten Akteurs der SG Schalksmühle-Halver zugesprochen wurden, nennt Klesniks „eine gute Ausgangsposition.“ „Die Macht ist mit uns“, sagt Lit-Chef Niemann schmunzelnd zum Vier-Punkte-Geschenk. Damit wird der Übergang in die restlichen zehn Saisonspiele ohne Klesniks erleichtert. Derzeit liegt das Team aus Nordhemmern mit 16:20 Punkten auf Tabellenplatz acht und besitz acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Es habe bereits in der Hinserie Anfragen aus dem Profi-Handball für Klesniks gegeben, „aber das wurde dann nie so konkret wie jetzt“, berichtet Niemann. Er traut seinem Team auch ohne den Abwehrboss eine erfolgreiche Rückrunde zu: „Wir haben auch in der Zeit vor Ebbe guten Handball gespielt. Er hatte eine wichtige Rolle bei uns, aber ich bin zuversichtlich, dass Spieler wie Kim-Patrick Kliver, Lukas Rüter oder Piotr Grabarczyk werden die Aufgaben im Innenblock schon stemmen.“ Wie gut das klappt, kann das Team von Trainer Daniel Gerling bereits am kommenden Sonntag zeigen: Dann gastieren die Lit-Germanen bei der SG Menden Sauerland. Gegen die mit 8:28 Zählern auf Rang 14 platzierten Mendener können die Gerling-Männer den Vorsprung auf die Abstiegszone ausbauen und sich viel Luft für die kommenden Wochen verschaffen. Am Ende der Saison soll nicht nur für die Germanen sondern auch mit dem TBV der sicher Klassenerhalt stehen. Das Bundesliga-Finale steigt am Donnerstag, 14. Mai, mit dem Auswärtsspiel der Lipper bei den Füchsen Berlin. Vier Tage später wird Klesniks 40 Jahre alt. Mal sehen wohin die Reise dann geht. „Zurück zu Lit“, sagt Klesniks. Doch bei ihm weiß man das nie so genau.