Minden

Personallage bei den Lit-Frauen ist weiter angespannt

Christian Bendig

Der Einsatz von Leonie Wöbking (rechts) ist weiterhin fraglich, der von HSV-Torjägerin Josi Kelle (Nr. 8) ausgeschlossen. - © Foto: Christian Bendig
Der Einsatz von Leonie Wöbking (rechts) ist weiterhin fraglich, der von HSV-Torjägerin Josi Kelle (Nr. 8) ausgeschlossen. (© Foto: Christian Bendig)

Minden. Die beiden Spielabsagen wirken noch nach. Lit Tribe Germania trat bekanntlich bei HB Bad Salzuflen aufgrund von Personalproblemen nicht an, die HSG EURo sagte das Spiel bei der PSV Recklinghausen aus demselben Grund ab. Die Lit-Handballerinnen kämpften sich dann am vergangenen Sonntag mit einem Rumpfkader zum Auswärtssieg beim Oberliga-Schlusslicht TV Arnsberg. Wenige Tage danach und zwei Tage vor dem Derby beim TSV Hahlen verspricht Trainerin Andrea Leiding: „Wir werden kein weiteres Stück zu der Operette beitragen.“ Die Personallage hat sich aber nur unwesentlich verändert.

Das führt dazu, dass Leiding die Favoritenrolle vor dem Lokalkampf beim TSV Hahlen am Samstag um 18 Uhr im Hahler Feld nicht annehmen möchte. „Diese Frage lasse ich einmal im Raum stehen.“ Wären alle ihre Spielerinnen fit, würde sich diese Frage ohnehin nicht stellen. Dann wäre alles andere als ein klarer Erfolg des aktuellen Rangsiebten (14:10 Punkte) gegen den Vorletzten (4:20) am letzten Spieltag der Hinrunde eine große Überraschung. Aber die Umstände sind nicht normal: Aufgrund der hartnäckigen Fußverletzung ist der Einsatz von Rückraumspielerin Leonie Wöbking fraglich. „Und wenn sie spielen könnte, müsste man sowieso schauen, wie sie die lange Pause verkraftet“, schränkt Leiding – die sicher auf Nadine Hartrumpf verzichten muss – ein. Die Linkshänderin absolvierte ihren letzten Einsatz am 14. Dezember beim Derby gegen den HSV Minden-Nord.

Dem Publikum gefallen

Imke Viering spielt schon eine gefühlte Ewigkeit für den HSV. - © Foto: Bendig
Imke Viering spielt schon eine gefühlte Ewigkeit für den HSV. (© Foto: Bendig)

Der HSV hatte mit den Hahlerinnen am vergangenen Spieltages trotz des 34:28-Sieges lange Zeit mehr Mühe als erwartet. „Das war – wie bei uns immer gegen Topteams – über 45 Minuten lang richtig gut“, beobachte der beruflich auf einer Möbelmesse weilende TSV-Trainer Sebastian Winkler. Darauf baut der Coach auch gegen den „mit einigen höherklassig erfahrenen Spielerinnen gespickten“ Gegner wieder. „Ich denke, unserem Publikum hat das gut gefallen“, sagt Winkler, der wieder auf die Dienste von Torhüterin Janina Kaiser bauen kann. „Janina muss man sicher auf der Rechnung haben, genauso wie Spielmacherin Filiz Meyer und Hannah Wiese“, weiß Leiding. Mit welcher Mannschaft sie schlussendlich auflaufen wird, wird die Lit-Trainerin ohnehin erst nach dem heutigen Abschlusstraining wisse.

Genauso ergeht es vor dem Heimspiel gegen HB Bad Salzuflen dem Trainer der HSG EURo, Matthias Bredemeier. Fest steht, dass Dorothee Heuser (beruflich in Indien) und Rhea Rodehau mit einer Knöchelverletzung ausfallen werden. Rodehau steht deswegen in den kommenden vier bis sechs Wochen nicht zur Verfügung. Der Einsatz von Linksaußen Lara Kleine ist wegen Knie- und Hüftbeschwerden noch fraglich. „Ansonsten sind alle Kranken wieder gesund“, schließt sich Bredemeier selbst mit ein. Gegen den starken Aufsteiger sieht der Trainer seine Mannschaft in der Außenseiterrolle, gleichwohl der Tabellenstand – der Achte empfängt am Samstag um 17.30 Uhr den Fünften – ein Duell auf Augenhöhe vermuten lässt.

HSV Minden-Nord kann auf Platz drei klettern

Doch die Erfahrungen aus Aufeinandertreffen im Westdeutschen Pokal lassen den HSG-Trainer zu einer anderen Einschätzung gelangen: „Wir konnten zwar eine Halbzeit lang mithalten. Aber dann haben wir uns viele Konter eingefangen“, erinnert sich Bredemeier. Konter sind auch eine Spezialität des Tabellendritten Ibbenbürener Spvg. „Das ist die spielstärkste Mannschaft der Liga“, sagt Olaf Grintz, Trainer des Vierten Minden-Nord, vor dem am Samstag um 17.30 Uhr in Stemmer stattfindenden Spitzenspiel. „Unsere Abwehr muss so gut sein, dass wir sechs bis sieben Gegenstöße laufen können“, lautet seine Marschroute. Der HSV kann Ibbenbüren mit einem Heimsieg überflügeln, muss aber auf Torjägerin Josi Kelle (Bronchitis) verzichten.

Neben dem Derby und dem Topspiel in der Oberliga steigt in der Verbandsliga am Samstag um 17.45 Uhr der Abstiegskracher zwischen Eintracht Oberlübbe und der Spvg Versmold. Bei nur einem Absteiger kann die Eintracht mit einem Heimsieg den Vorsprung auf das Schlusslicht auf vier Punkte vergrößern und einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gehen. Der TuS 09 Möllbergen empfängt die HSG Hüllhorst zum Kreisderby. Anwurf in Möllbergen ist am Samstag um 19 Uhr. HSV Minden-Nord II hat das Kellerkind Senne zu Gast (Sonntag 17.45 Uhr).

"Imme-Spezial" vielleicht bald so bekannt wie der Kempa-Trick

Imke Viering spielt im Frauenbereich eigentlich schon immer für den HSV Minden-Nord und erlebte sogar noch einige Spielzeiten im Trikot der damaligen HSG Stemmer/Friedewalde mit. Mit einer ganz bestimmten Wurfvariante nervte sie die gegnerischen Torhüterinnen und Abwehrspielerinnen. Den sogenannten „Imme-Spezial“, einen Stemmwurf von Rechtsaußen ins kurze Eck, packte die Linkshänderin im Derby beim TSV Hahlen (34:26) zu Beginn der zweiten Halbzeit nach einiger Zeit mal wieder aus. „Ich glaube, meine Gegenspielerinnen waren so jung, dass sie den einfach nicht kannten“, sagte Viering lachend. Eine Variante, bei der die meisten Trainer durchdrehen würden, weil diese so ungewöhnlich ist. HSV-Coach Olaf Grintz hingegen nicht. „Ich darf den so lange machen, wie er erfolgreich ist“, erzählte die HSV-Kapitänin, die sich über die Passivität der Abwehr freute: „Ich den vergangenen Spielen kam ich nicht dazu. Die Gegnerinnen hatten den alle auf dem Schirm. Gegen Ibbenbüren wird das wahrscheinlich wieder anders sein. Der kommende Gegner hatte zum beispiel bereits beim HSV-Heimspiel gegen die HSG EURo den Tabellenvierten zu Analysezwecken gefilmt. "Daran sieht man, dass sie Respekt vor uns haben", sagte seinerzeit HSV-Trainer Olaf Grintz. Ob es am Samstag in Stemmer wieder den "Imme-Spezial" zu bwundern gibt oder nicht, ist Viering eigentlich egal. Sie äußert aber die nicht ganz ernst gemeinte Hoffnung: "Aber vielleicht wird der mal so bekannt wie der Kempa-Trick.“ (cb)

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Dann wäre alles andere als ein klarer Erfolg des aktuellen Rangsiebten (14:10 Punkte) gegen den Vorletzten (4:20) am letzten Spieltag der Hinrunde eine große Überraschung. Aber die Umstände sind nicht normal: Aufgrund der hartnäckigen Fußverletzung ist der Einsatz von Rückraumspielerin Leonie Wöbking fraglich. „Und wenn sie spielen könnte, müsste man sowieso schauen, wie sie die lange Pause verkraftet“, schränkt Leiding – die sicher auf Nadine Hartrumpf verzichten muss – ein. Die Linkshänderin absolvierte ihren letzten Einsatz am 14. Dezember beim Derby gegen den HSV Minden-Nord. Dem Publikum gefallen Der HSV hatte mit den Hahlerinnen am vergangenen Spieltages trotz des 34:28-Sieges lange Zeit mehr Mühe als erwartet. „Das war – wie bei uns immer gegen Topteams – über 45 Minuten lang richtig gut“, beobachte der beruflich auf einer Möbelmesse weilende TSV-Trainer Sebastian Winkler. Darauf baut der Coach auch gegen den „mit einigen höherklassig erfahrenen Spielerinnen gespickten“ Gegner wieder. „Ich denke, unserem Publikum hat das gut gefallen“, sagt Winkler, der wieder auf die Dienste von Torhüterin Janina Kaiser bauen kann. „Janina muss man sicher auf der Rechnung haben, genauso wie Spielmacherin Filiz Meyer und Hannah Wiese“, weiß Leiding. Mit welcher Mannschaft sie schlussendlich auflaufen wird, wird die Lit-Trainerin ohnehin erst nach dem heutigen Abschlusstraining wisse. Genauso ergeht es vor dem Heimspiel gegen HB Bad Salzuflen dem Trainer der HSG EURo, Matthias Bredemeier. Fest steht, dass Dorothee Heuser (beruflich in Indien) und Rhea Rodehau mit einer Knöchelverletzung ausfallen werden. Rodehau steht deswegen in den kommenden vier bis sechs Wochen nicht zur Verfügung. Der Einsatz von Linksaußen Lara Kleine ist wegen Knie- und Hüftbeschwerden noch fraglich. „Ansonsten sind alle Kranken wieder gesund“, schließt sich Bredemeier selbst mit ein. Gegen den starken Aufsteiger sieht der Trainer seine Mannschaft in der Außenseiterrolle, gleichwohl der Tabellenstand – der Achte empfängt am Samstag um 17.30 Uhr den Fünften – ein Duell auf Augenhöhe vermuten lässt. HSV Minden-Nord kann auf Platz drei klettern Doch die Erfahrungen aus Aufeinandertreffen im Westdeutschen Pokal lassen den HSG-Trainer zu einer anderen Einschätzung gelangen: „Wir konnten zwar eine Halbzeit lang mithalten. Aber dann haben wir uns viele Konter eingefangen“, erinnert sich Bredemeier. Konter sind auch eine Spezialität des Tabellendritten Ibbenbürener Spvg. „Das ist die spielstärkste Mannschaft der Liga“, sagt Olaf Grintz, Trainer des Vierten Minden-Nord, vor dem am Samstag um 17.30 Uhr in Stemmer stattfindenden Spitzenspiel. „Unsere Abwehr muss so gut sein, dass wir sechs bis sieben Gegenstöße laufen können“, lautet seine Marschroute. Der HSV kann Ibbenbüren mit einem Heimsieg überflügeln, muss aber auf Torjägerin Josi Kelle (Bronchitis) verzichten. Neben dem Derby und dem Topspiel in der Oberliga steigt in der Verbandsliga am Samstag um 17.45 Uhr der Abstiegskracher zwischen Eintracht Oberlübbe und der Spvg Versmold. Bei nur einem Absteiger kann die Eintracht mit einem Heimsieg den Vorsprung auf das Schlusslicht auf vier Punkte vergrößern und einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gehen. Der TuS 09 Möllbergen empfängt die HSG Hüllhorst zum Kreisderby. Anwurf in Möllbergen ist am Samstag um 19 Uhr. HSV Minden-Nord II hat das Kellerkind Senne zu Gast (Sonntag 17.45 Uhr). "Imme-Spezial" vielleicht bald so bekannt wie der Kempa-Trick Imke Viering spielt im Frauenbereich eigentlich schon immer für den HSV Minden-Nord und erlebte sogar noch einige Spielzeiten im Trikot der damaligen HSG Stemmer/Friedewalde mit. Mit einer ganz bestimmten Wurfvariante nervte sie die gegnerischen Torhüterinnen und Abwehrspielerinnen. Den sogenannten „Imme-Spezial“, einen Stemmwurf von Rechtsaußen ins kurze Eck, packte die Linkshänderin im Derby beim TSV Hahlen (34:26) zu Beginn der zweiten Halbzeit nach einiger Zeit mal wieder aus. „Ich glaube, meine Gegenspielerinnen waren so jung, dass sie den einfach nicht kannten“, sagte Viering lachend. Eine Variante, bei der die meisten Trainer durchdrehen würden, weil diese so ungewöhnlich ist. HSV-Coach Olaf Grintz hingegen nicht. „Ich darf den so lange machen, wie er erfolgreich ist“, erzählte die HSV-Kapitänin, die sich über die Passivität der Abwehr freute: „Ich den vergangenen Spielen kam ich nicht dazu. Die Gegnerinnen hatten den alle auf dem Schirm. Gegen Ibbenbüren wird das wahrscheinlich wieder anders sein. Der kommende Gegner hatte zum beispiel bereits beim HSV-Heimspiel gegen die HSG EURo den Tabellenvierten zu Analysezwecken gefilmt. "Daran sieht man, dass sie Respekt vor uns haben", sagte seinerzeit HSV-Trainer Olaf Grintz. Ob es am Samstag in Stemmer wieder den "Imme-Spezial" zu bwundern gibt oder nicht, ist Viering eigentlich egal. Sie äußert aber die nicht ganz ernst gemeinte Hoffnung: "Aber vielleicht wird der mal so bekannt wie der Kempa-Trick.“ (cb)