Minden

Oberliga: Lit Tribe Germanias Ann-Cathrin Kamann beißt sich zurück

Christian Bendig

Der Tape-Verband an Ann-Cathrin Kamanns linker Hand war schon während der vergangenen Spielzeit ein Vorbote der langwierigen Verletzung. Es war nicht die einzige in der Laufbahn der 25-Jährigen. Archivfoto: Bendig
Der Tape-Verband an Ann-Cathrin Kamanns linker Hand war schon während der vergangenen Spielzeit ein Vorbote der langwierigen Verletzung. Es war nicht die einzige in der Laufbahn der 25-Jährigen. Archivfoto: Bendig

Minden (mt). Unter Handballern beschreibt der Zustand des festen Handgelenks die Tatsache, dass eine Mannschaft in engen Spielsituationen nicht locker aufspielt. Bei Ann-Cathrin Kamann ist dieser Zustand durchaus wörtlich zu nehmen. Bei der Rückraumspielerin Lit Tribe Germanias stand tatsächlich im Raum, dass das schwer lädierte Gelenk der linken Hand auf Sicht teilweise versteift werden müsste. Nach zähen sieben Monaten Verletzungspause und drei Operationen biss sich die Rechtshänderin wieder ins Handballleben zurück und erlebte vor einer Woche beim 32:23-Auswärtssieg beim Tabellenvorletzten TV Verl ihr Comeback. Am Samstag wird die Aufgabe ungleich schwerer. Mit dem ASC Dortmund gibt am Samstag um 18.00 Uhr ein Oberliga-Titelkandidat seine Visitenkarte in Holzhausen ab.

Kamanns Krankenakte ist lang. Vor der Handverletzung laborierte die frühere Bundesligaspielerin an einer schweren Knieverletzung. Davon wieder genesen, half die 25-Jährige tatkräftig beim Aufstieg der Lit-Frauen mit, absolvierte aber bis zum vergangenen Spieltag noch kein Oberligaspiel für die Mannschaft von Trainerin Andrea Leiding. „Anfang des Jahres bin ich häufiger auf die Hand gefallen und hatte ziemliche Schmerzen“, erzählt Kamann. Eine Untersuchung förderte einen bereits verheilten Kahnbeinbruch zu Tage. Eine Verletzung, die bei so manchem Sportler das Laufbahnende nach sich zog.

„Das Problem war, dass außerdem noch das LC-Band, die Kapsel und der Meniskus gerissen waren“, führt Kamann weiter aus. Die Folgen waren durchaus unangenehm. „Ich hatte Schmerzen oder Taubheitsgefühle im Unterarm.“ Kamann fand einen Hand-Chirurgen, der auf diese Verletzungen spezialisiert ist und die drei nötigen – bisweilen dreieinhalbstündigen – Eingriffe vornehmen konnte. „In der Hand hat der Mensch über 20 Bänder. Dass ausgerechnet das reißt, war natürlich blöd“, nahm Kamann die Verletzung hin und kämpfte sich, nachdem sie zwölf Wochen lang Gips tragen musste, wieder zurück. „Seit vier Wochen arbeite ich im athletischen Bereich, mache bei einem Privattrainer Krafttraining, trainiere mit Cross-Fit Schnellkraft und Kraftausdauer“, beschreibt die Sozialarbeiterin ihr strammes Programm, das sich zwischen fünf bis sechs Einheiten pro Woche eingependelt hat. Die Mühen haben sich gelohnt, in Verl kehrte die torgefährliche Halblinke wieder auf das Spielfeld zurück und fügte sich mit sechs Treffern in 45 Minuten Spielzeit gut ein. „Ich wusste nicht, inwieweit ich der Mannschaft helfen kann“, sagt die ehrgeizige Handballerin, die hofft, „in zwei bis drei Monaten in allen Bereichen wieder topfit“ zu sein, um mit ihrem Team noch so viel wie möglich zu erreichen.

Am besten schon gegen das Oberliga-Top-Team. „Da wollen wir uns mental auch schon so ein bisschen auf das Derby gegen den HSV Minden-Nord einstimmen“, sagt Kamann, die nach eigener Aussage „heiß wie Frittenfett auf Handball“ ist und gegen den ASC durchaus an Zählbares glaubt: „Wenn unsere Torhüter einen guten Tag erwischen, wir eine gute Abwehr stellen, Tempo nach vorne machen und über 60 Minuten geschlossen als Mannschaft alles reinwerfen, können wir etwas holen.“ Dafür werden auch die Qualitäten der durchsetzungsstarken Rückraumspielerin gebraucht. „Ich habe keine Angst vor Zweikämpfen. Weder hinten, noch vorne“, betont Kamann.

Beim HSV Minden-Nord wird man die Kamann-Rückkehr sicher registriert haben. Auch wenn HSV-Coach Olaf Grintz betont: „Wir denken noch gar nicht an Lit.“ Zuvor steht am Samstag um 17.30 Uhr in eigener Halle noch die Pflichtaufgabe gegen den TV Arnsberg auf dem Programm. „Auch wenn sie Letzter sind, wollen wir sie nicht unterschätzen und über 60 Minuten guten Handball spielen“, sagt Grintz.

Ein HSV-Heimsieg würde auch dem TSV Hahlen zu Gute kommen. Der Drittletzte empfängt am Samstag um 19.15 Uhr den Vorletzten TV Verl. „Wir können noch so viel über die Entwicklung der jungen Mannschaft sprechen. Jetzt ist Druck da. Damit müssen wir umgehen“, fordert TSV-Trainer Sebastian Winkler nicht weniger als einen Heimsieg. Der vierte heimische Oberligist, der Tabellensiebte HSG EURo, gastiert bei der punktgleichen DJK Everswinkel.

In der Verbandsliga hat Spitzenreiter HSG Petershagen/Lahde nach der Derbyniederlage gegen den TuS 09 Möllbergen spielfrei. Möllbergen empfängt am Samstag um 17.00 Uhr Schlusslicht Spvg Versmold, Eintracht Oberlübbe am Samstag um 17.45 Uhr die Spvg Steinhagen. Der HSV Minden-Nord II tritt beim Rangvierten TuS Brockhagen an.

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MindenOberliga: Lit Tribe Germanias Ann-Cathrin Kamann beißt sich zurückChristian BendigMinden (mt). Unter Handballern beschreibt der Zustand des festen Handgelenks die Tatsache, dass eine Mannschaft in engen Spielsituationen nicht locker aufspielt. Bei Ann-Cathrin Kamann ist dieser Zustand durchaus wörtlich zu nehmen. Bei der Rückraumspielerin Lit Tribe Germanias stand tatsächlich im Raum, dass das schwer lädierte Gelenk der linken Hand auf Sicht teilweise versteift werden müsste. Nach zähen sieben Monaten Verletzungspause und drei Operationen biss sich die Rechtshänderin wieder ins Handballleben zurück und erlebte vor einer Woche beim 32:23-Auswärtssieg beim Tabellenvorletzten TV Verl ihr Comeback. Am Samstag wird die Aufgabe ungleich schwerer. Mit dem ASC Dortmund gibt am Samstag um 18.00 Uhr ein Oberliga-Titelkandidat seine Visitenkarte in Holzhausen ab. Kamanns Krankenakte ist lang. Vor der Handverletzung laborierte die frühere Bundesligaspielerin an einer schweren Knieverletzung. Davon wieder genesen, half die 25-Jährige tatkräftig beim Aufstieg der Lit-Frauen mit, absolvierte aber bis zum vergangenen Spieltag noch kein Oberligaspiel für die Mannschaft von Trainerin Andrea Leiding. „Anfang des Jahres bin ich häufiger auf die Hand gefallen und hatte ziemliche Schmerzen“, erzählt Kamann. Eine Untersuchung förderte einen bereits verheilten Kahnbeinbruch zu Tage. Eine Verletzung, die bei so manchem Sportler das Laufbahnende nach sich zog. „Das Problem war, dass außerdem noch das LC-Band, die Kapsel und der Meniskus gerissen waren“, führt Kamann weiter aus. Die Folgen waren durchaus unangenehm. „Ich hatte Schmerzen oder Taubheitsgefühle im Unterarm.“ Kamann fand einen Hand-Chirurgen, der auf diese Verletzungen spezialisiert ist und die drei nötigen – bisweilen dreieinhalbstündigen – Eingriffe vornehmen konnte. „In der Hand hat der Mensch über 20 Bänder. Dass ausgerechnet das reißt, war natürlich blöd“, nahm Kamann die Verletzung hin und kämpfte sich, nachdem sie zwölf Wochen lang Gips tragen musste, wieder zurück. „Seit vier Wochen arbeite ich im athletischen Bereich, mache bei einem Privattrainer Krafttraining, trainiere mit Cross-Fit Schnellkraft und Kraftausdauer“, beschreibt die Sozialarbeiterin ihr strammes Programm, das sich zwischen fünf bis sechs Einheiten pro Woche eingependelt hat. Die Mühen haben sich gelohnt, in Verl kehrte die torgefährliche Halblinke wieder auf das Spielfeld zurück und fügte sich mit sechs Treffern in 45 Minuten Spielzeit gut ein. „Ich wusste nicht, inwieweit ich der Mannschaft helfen kann“, sagt die ehrgeizige Handballerin, die hofft, „in zwei bis drei Monaten in allen Bereichen wieder topfit“ zu sein, um mit ihrem Team noch so viel wie möglich zu erreichen. Am besten schon gegen das Oberliga-Top-Team. „Da wollen wir uns mental auch schon so ein bisschen auf das Derby gegen den HSV Minden-Nord einstimmen“, sagt Kamann, die nach eigener Aussage „heiß wie Frittenfett auf Handball“ ist und gegen den ASC durchaus an Zählbares glaubt: „Wenn unsere Torhüter einen guten Tag erwischen, wir eine gute Abwehr stellen, Tempo nach vorne machen und über 60 Minuten geschlossen als Mannschaft alles reinwerfen, können wir etwas holen.“ Dafür werden auch die Qualitäten der durchsetzungsstarken Rückraumspielerin gebraucht. „Ich habe keine Angst vor Zweikämpfen. Weder hinten, noch vorne“, betont Kamann. Beim HSV Minden-Nord wird man die Kamann-Rückkehr sicher registriert haben. Auch wenn HSV-Coach Olaf Grintz betont: „Wir denken noch gar nicht an Lit.“ Zuvor steht am Samstag um 17.30 Uhr in eigener Halle noch die Pflichtaufgabe gegen den TV Arnsberg auf dem Programm. „Auch wenn sie Letzter sind, wollen wir sie nicht unterschätzen und über 60 Minuten guten Handball spielen“, sagt Grintz. Ein HSV-Heimsieg würde auch dem TSV Hahlen zu Gute kommen. Der Drittletzte empfängt am Samstag um 19.15 Uhr den Vorletzten TV Verl. „Wir können noch so viel über die Entwicklung der jungen Mannschaft sprechen. Jetzt ist Druck da. Damit müssen wir umgehen“, fordert TSV-Trainer Sebastian Winkler nicht weniger als einen Heimsieg. Der vierte heimische Oberligist, der Tabellensiebte HSG EURo, gastiert bei der punktgleichen DJK Everswinkel. In der Verbandsliga hat Spitzenreiter HSG Petershagen/Lahde nach der Derbyniederlage gegen den TuS 09 Möllbergen spielfrei. Möllbergen empfängt am Samstag um 17.00 Uhr Schlusslicht Spvg Versmold, Eintracht Oberlübbe am Samstag um 17.45 Uhr die Spvg Steinhagen. Der HSV Minden-Nord II tritt beim Rangvierten TuS Brockhagen an.