Von Marcus Riechmann und Jürgen KrügerMinden

Liveticker und Spielbericht: Wie der Westfälische Handball-Verband die individuelle Datenfreigabe organisiert

Marcus Riechmann und Jürgen Krüger

Andreas Tiemann (links) und Wolfgang Budde haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Spielbetrieb im westfälischen Handball erfolgreich auf dem Portal „handball4all.de“ abgewickelt wird. MT- - © Foto: Riechmann
Andreas Tiemann (links) und Wolfgang Budde haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Spielbetrieb im westfälischen Handball erfolgreich auf dem Portal „handball4all.de“ abgewickelt wird. MT- (© Foto: Riechmann)

Minden (mt/)nw. Die Idee war überzeugend, die Umsetzung war ein Gewaltakt. Doch es hat funktioniert: Der Handball in Westfalen hat eine neue digitale Heimat gefunden. Über das Portal „Handball4all“ wird der Spielbetrieb von Oberliga bis hinunter in die Kreisklassen abgewickelt. An die neue Optik haben sich die Handballer längst gewöhnt, die Erinnerung an den jahrelangen Anbieter „SiS-Handball“, der seit 2002 alle Spielpläne und Tabellen im Internet angeboten hat, ist bereits verblasst.

Die Idee, den Spielbetrieb selbst zu organisieren und damit auch die über das Internetangebot zu erzielenden Werbe-Erlöse für die Handballfamilie zu erwirtschaften, ist bereits vor Jahren entwickelt worden. Daraus entstand die Gründung der Handball4all-AG mit zahlreichen Landesverbänden als Gesellschaftern. Die Gesellschaft bietet verschiedene Produkte an – unter anderem das Programm für die Abwicklung und die Präsentation des Spielbetriebs. Zahlreiche Verbände nutzten das Programm bereits erfolgreich, im vergangenen Jahr entschied man auch in Westfalen: Wir steigen um.

Innerhalb kürzester Zeit musste das Programm auf die Bedürfnisse der heimischen Handballer angepasst werden. Für Andreas Tiemann und Wolfgang Budde eine Menge Arbeit. Der 45-jährige Tiemann ist als Vizepräsident Spieltechnik beim Handballverband Westfalen ebenso schwer im Einsatz gewesen wie der 20 Jahre ältere Budde, der als Chef der Technischen Kommission die Umsetzung im Handballkreis Minden-Lübbecke gestaltet hat. Auch die Schulungen der Vereinsvertreter standen auf dem Programm: Wie wird die neue Plattform über das Organisationsprogramm „Siebenmeter“ gefüttert? Wie wird der neue Elektronische Spielbericht befüllt? Die Zeit saß den Organisatoren im Nacken. Doch die Sorgen waren unberechtigt: Alles lief nahezu ruckelfrei an.

Allein an einer Stelle drückt noch der Schuh – und zwar massiv: In den Spielberichtsbögen und Live-Tickern wird zwar minuziös jedes Tor, jede Zeitstrafe und jeder Siebenmeter festgehalten, doch Namen gibt es nicht. Grund ist die Datenschutzrichtlinie, die in NRW von den Handballverbänden umgesetzt werden muss. Eine Veröffentlichung des Namens setzt die Einverständniserklärung jedes einzelnen Spielers voraus. Rund 75.000 Sportler sind betroffen. Ohne ein klares Ja geht nichts.

Das ist in anderen Verbänden anders. Und auch in den drei höchsten deutschen Spielklassen gibt es komplette Spielberichte. Bis zur 3. Liga bestimmt der Deutsche Handballbund über die Veröffentlichung der Rückennummern samt dazugehörigen Vor- und Nachnamen in den Livetickern und Presseinformationen zu jedem Spiel. So sind die Spieldaten der Begegnungen von Lit Tribe Germania und GWD Minden II öffentlich einsehbar.

Ab Oberliga ist aber der Handballverband Westfalen zuständig. Hier steht in Livetickern und Spielberichten neben vielen Nummern noch ein „N.N.“. Das wird den Lateiner freuen, denn die Abkürzung von „Nomen Nominandum“ heißt übersetzt „Noch zu nennender Name“ und ist ein Platzhalter für Vor- und Nachname. „Jeder Spieler soll selbst entscheiden, ob er namentlich genannt werden möchte oder nicht. Und das muss auch jeder aktiv einrichten“, sagt Andreas Tiemann. „Voreingestellt ist, dass die Daten nicht veröffentlicht werden.“

Wie man diesen Haken entfernt, steht in einer Anleitung auf der HVW-Website. Demnach muss sich jeder Spieler beim Verwaltungsprogramm „Phönix“ registrieren und erhält ein persönliches Profil. Und dort steckt der Teufel im Detail. Neben dem Vornamen ist ein Kästchen, in dem ein Haken mit der Abkürzung „n.v.“ (nicht veröffentlichen) gesetzt ist. Erst sobald der Haken entfernt ist, erscheint der volle Name in Livetickern und Spielberichten. Es gibt zwar noch reichlich andere Häkchen, die gesetzt oder entfernt werden wollen, wie zum Beispiel E-Mail oder Handynummer, doch entscheidend ist das jederzeit korrigierbare Häkchen hinter dem Vornamen.

Der HV Westfalen hat seine Mitgliedsvereine über diese Vorgehensweise noch nicht informiert, da es laut Tiemann noch „rechtlichen Klärungsbedarf“ bei der Jugend gebe. Da die Funktion für Erwachsene allerdings schon freigeschaltet ist, hat sich der ein oder andere Spieler bereits registriert und das entsprechende Häkchen neben dem Vornamen entfernt. Die freien Flächen füllen sich.

Der deutsche Handball liefert Infos als Flickenteppich

Einheitlich ist anders: Der deutsche Handball präsentiert sich auf verschiedenen Plattformen im Internet. Die Bundesligen residieren auf der Internetseite Liquimoly-hbl.de, die 3. Ligen wie auch die Jugend-Bundesligen finden sich auf der Präsenz des deutschen Handballbundes DHB.de, die Landesverbände nutzen Plattformen wie handball4all.de oder nu-liga. Der geneigte Fan muss suchen.

Der deutsche Fußball macht vor, wie es gehen kann: Der Spielbetrieb unter dem DFB ist komplett zusammengefasst auf der Seite Fussball.de. Auch beim DHB macht man sich offenbar Gedanken über eine alle Ligen umfassende Plattform. Doch eine Einigung ist nicht in Sicht. Wolfgang Budde vom Handballkreis Minden-Lübbecke meint: „Ich glaube nicht, dass ich das noch erleben werde.“

Anders ist das wohl bei der Umstellung des Passwesens. Derzeit werden alle Spielpässe noch auf Papier bei Westdeutschen Handballverband verwaltet. Das soll künftig digital erfolgen. „Wir wollen das gerne anbieten“, sagt Andreas Tiemann vom HV Westfalen, fügt aber mit einem Augenzwinkern an: „Papier ist geduldig.“ (rich)

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Von Marcus Riechmann und Jürgen KrügerMindenLiveticker und Spielbericht: Wie der Westfälische Handball-Verband die individuelle Datenfreigabe organisiertMarcus Riechmann,Jürgen KrügerMinden (mt/)nw. Die Idee war überzeugend, die Umsetzung war ein Gewaltakt. Doch es hat funktioniert: Der Handball in Westfalen hat eine neue digitale Heimat gefunden. Über das Portal „Handball4all“ wird der Spielbetrieb von Oberliga bis hinunter in die Kreisklassen abgewickelt. An die neue Optik haben sich die Handballer längst gewöhnt, die Erinnerung an den jahrelangen Anbieter „SiS-Handball“, der seit 2002 alle Spielpläne und Tabellen im Internet angeboten hat, ist bereits verblasst. Die Idee, den Spielbetrieb selbst zu organisieren und damit auch die über das Internetangebot zu erzielenden Werbe-Erlöse für die Handballfamilie zu erwirtschaften, ist bereits vor Jahren entwickelt worden. Daraus entstand die Gründung der Handball4all-AG mit zahlreichen Landesverbänden als Gesellschaftern. Die Gesellschaft bietet verschiedene Produkte an – unter anderem das Programm für die Abwicklung und die Präsentation des Spielbetriebs. Zahlreiche Verbände nutzten das Programm bereits erfolgreich, im vergangenen Jahr entschied man auch in Westfalen: Wir steigen um. Innerhalb kürzester Zeit musste das Programm auf die Bedürfnisse der heimischen Handballer angepasst werden. Für Andreas Tiemann und Wolfgang Budde eine Menge Arbeit. Der 45-jährige Tiemann ist als Vizepräsident Spieltechnik beim Handballverband Westfalen ebenso schwer im Einsatz gewesen wie der 20 Jahre ältere Budde, der als Chef der Technischen Kommission die Umsetzung im Handballkreis Minden-Lübbecke gestaltet hat. Auch die Schulungen der Vereinsvertreter standen auf dem Programm: Wie wird die neue Plattform über das Organisationsprogramm „Siebenmeter“ gefüttert? Wie wird der neue Elektronische Spielbericht befüllt? Die Zeit saß den Organisatoren im Nacken. Doch die Sorgen waren unberechtigt: Alles lief nahezu ruckelfrei an. Allein an einer Stelle drückt noch der Schuh – und zwar massiv: In den Spielberichtsbögen und Live-Tickern wird zwar minuziös jedes Tor, jede Zeitstrafe und jeder Siebenmeter festgehalten, doch Namen gibt es nicht. Grund ist die Datenschutzrichtlinie, die in NRW von den Handballverbänden umgesetzt werden muss. Eine Veröffentlichung des Namens setzt die Einverständniserklärung jedes einzelnen Spielers voraus. Rund 75.000 Sportler sind betroffen. Ohne ein klares Ja geht nichts. Das ist in anderen Verbänden anders. Und auch in den drei höchsten deutschen Spielklassen gibt es komplette Spielberichte. Bis zur 3. Liga bestimmt der Deutsche Handballbund über die Veröffentlichung der Rückennummern samt dazugehörigen Vor- und Nachnamen in den Livetickern und Presseinformationen zu jedem Spiel. So sind die Spieldaten der Begegnungen von Lit Tribe Germania und GWD Minden II öffentlich einsehbar. Ab Oberliga ist aber der Handballverband Westfalen zuständig. Hier steht in Livetickern und Spielberichten neben vielen Nummern noch ein „N.N.“. Das wird den Lateiner freuen, denn die Abkürzung von „Nomen Nominandum“ heißt übersetzt „Noch zu nennender Name“ und ist ein Platzhalter für Vor- und Nachname. „Jeder Spieler soll selbst entscheiden, ob er namentlich genannt werden möchte oder nicht. Und das muss auch jeder aktiv einrichten“, sagt Andreas Tiemann. „Voreingestellt ist, dass die Daten nicht veröffentlicht werden.“ Wie man diesen Haken entfernt, steht in einer Anleitung auf der HVW-Website. Demnach muss sich jeder Spieler beim Verwaltungsprogramm „Phönix“ registrieren und erhält ein persönliches Profil. Und dort steckt der Teufel im Detail. Neben dem Vornamen ist ein Kästchen, in dem ein Haken mit der Abkürzung „n.v.“ (nicht veröffentlichen) gesetzt ist. Erst sobald der Haken entfernt ist, erscheint der volle Name in Livetickern und Spielberichten. Es gibt zwar noch reichlich andere Häkchen, die gesetzt oder entfernt werden wollen, wie zum Beispiel E-Mail oder Handynummer, doch entscheidend ist das jederzeit korrigierbare Häkchen hinter dem Vornamen. Der HV Westfalen hat seine Mitgliedsvereine über diese Vorgehensweise noch nicht informiert, da es laut Tiemann noch „rechtlichen Klärungsbedarf“ bei der Jugend gebe. Da die Funktion für Erwachsene allerdings schon freigeschaltet ist, hat sich der ein oder andere Spieler bereits registriert und das entsprechende Häkchen neben dem Vornamen entfernt. Die freien Flächen füllen sich. Der deutsche Handball liefert Infos als Flickenteppich Einheitlich ist anders: Der deutsche Handball präsentiert sich auf verschiedenen Plattformen im Internet. Die Bundesligen residieren auf der Internetseite Liquimoly-hbl.de, die 3. Ligen wie auch die Jugend-Bundesligen finden sich auf der Präsenz des deutschen Handballbundes DHB.de, die Landesverbände nutzen Plattformen wie handball4all.de oder nu-liga. Der geneigte Fan muss suchen. Der deutsche Fußball macht vor, wie es gehen kann: Der Spielbetrieb unter dem DFB ist komplett zusammengefasst auf der Seite Fussball.de. Auch beim DHB macht man sich offenbar Gedanken über eine alle Ligen umfassende Plattform. Doch eine Einigung ist nicht in Sicht. Wolfgang Budde vom Handballkreis Minden-Lübbecke meint: „Ich glaube nicht, dass ich das noch erleben werde.“ Anders ist das wohl bei der Umstellung des Passwesens. Derzeit werden alle Spielpässe noch auf Papier bei Westdeutschen Handballverband verwaltet. Das soll künftig digital erfolgen. „Wir wollen das gerne anbieten“, sagt Andreas Tiemann vom HV Westfalen, fügt aber mit einem Augenzwinkern an: „Papier ist geduldig.“ (rich)