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Brechstange schlägt feine Klinge: Nach der Niederlage im Oberliga-Derby ist Andrea Leiding „auf 180“.

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Nicht nur in dieser Szene krachte es zwischen der HSG EURo und Lit Tribe Germania. Hier erzwingt Madeleine Benecke (2. von links) ohne Rücksicht auf eigene Schmerzen ein Stürmerfoul gegen Rhea Rodehau (links). - © Foto: Bendig
Nicht nur in dieser Szene krachte es zwischen der HSG EURo und Lit Tribe Germania. Hier erzwingt Madeleine Benecke (2. von links) ohne Rücksicht auf eigene Schmerzen ein Stürmerfoul gegen Rhea Rodehau (links). (© Foto: Bendig)

Minden (cb/rich). Akute Parkplatznot herrschte am Sportpark Unterlübbe. Handballerisch bekamen die vielen Zuschauer beim Derby zwischen der HSG EURo und Lit Tribe Germania Magerkost geboten, doch kämpferisch und emotional stand der Hiller Lokalkampf auf einem deutlich höheren Niveau als das Derby vor einer Woche zwischen dem HSV Minden-Nord und der HSG. Die rehabilitierte sich am sechsten Spieltag der Frauenhandball-Oberliga für die Pleite in Stemmer.

HSG EURo - Lit Tribe Germania 23:30 (11:10). „Ich bin auf 180“.“ Andrea Leiding schäumte innerlich nach den 60 hitzigen und aufreibenden Spielminuten. In einem ruhigen aber eindringlichen Tonfall adressierte die Lit-Trainerin die Kritik an ihr Team: „Mein Rückraum hat sich nicht an die Mittel gehalten, die wir im Training erarbeitet hatten.“ Vielmehr ließ sich das Leiding-Team von den Gastgeberinnen ein Handballspiel aufzwingen, in dem es nicht bestehen konnte. EURo verteidigte gewohnt robust. Eine Gangart, die dem technisch und spielstarken Lit-Handballerinnen nicht liegt. „Anstatt von der Abwehr wegzubleiben und mit Kreuzungen Würfe aus der zweiten Reihe vorzubereiten, rennen wir uns immer wieder fest“, führte Leiding weiter aus. Das Anrennen gegen die HSG-Bollwerk geriet mitunter zu einer schmerzhaften Angelegenheit.

Der HSG-Mittelblock verschaffte sich von Beginn an Respekt. Zunächst ließ sich Lit davon nicht beeindrucken, lag nach sechs Minuten 6:4 vorne. EURo – in der Offensive mit den gewohnt langen Angriffen – kam nun besser in Fahrt und drehte das Derby beim 7:4 (16.) zu seinen Gunsten. Nach einer Leiding-Auszeit stellten Henrike Meyer, Nadine Hatrumpf und Anna Dera den 7:7-Gleichstand (20.) her. Der Startschuss zu einem offenen Schlagabtausch, in dem EURo bis auf zwei Lit-Führungen (13:12, 14:13) Vorteile besaß.

Die entscheidende Phase entwickelte sich nach dem 15:15 durch Lara Kleine. Die Gastgeberinnen lösten sich auf 17:15, Caro Pagels entschärfte einen Strafwurf von Lisa Stegkemper und in Unterzahl setzte die Mannschaft von Trainer Matthias Bredemeier vom 18:15 zum 22:17 (56. Rahel Rodehau) nach. „Ich bin stolz auf die gesamte Mannschaft. Sie hat sich den frühen Zeitstrafen nicht aus der Bahn werfen lassen“, gab Bredemeier zu Protokoll.

HSG EURo: Hampel, Pagels, Mindt - Rahel Rodehau 6, Kleine 6/4, Rhea Rodehau 5, Danneberg 4, Zydel 2, Staskute, Joana Rodehau, Arendt, Bredemeier, Tegtmeyer.

Lit Tribe Germania: Fischer, Niemann - Dera 4, Wöbking 4/1, Stegkemper 4/3, Benecke 3/1, Hartrumpf 2, Meyer 2, Knicker 1, Bolduan, Schwentker.

SG Halden-Herbeck - HSV Minden-Nord 24:26 (11:17). Mit einem souveränen Sieg beim Aufsteiger festigte der HSV seine Zugehörigkeit zur Spitzengruppe. „Wir waren defensiv und spielerisch überlegener, als es das Ergebnis aussagt“, berichtete Gäste-Trainer Olaf Grintz. Sein Team brauchte eine gewisse Eingewöhnungszeit, spielte sich aber nach dem 8:7 (15. Spielminute) frei. Gestützt auf die gewohnt starke Deckung – die sich keine einzige Zeitstrafe einhandelte – gelangen Gegenstöße und eine 17:10-Führung. Im zweiten Abschnitt ließ Grintz eine neue Formation spielen. Der Vorsprung schmolz. Josi Kelle sorgte nach dem 18:17 (41.) mit vier Treffern bis zum 24:18 (48.) wieder für klare Verhältnisse. Der Vorsprung genügte. Halden verkürzte zwar noch auf 23:25 (58.), doch die starke Maren Schacht machte mit ihrem siebten Tor zum 25:22 den Deckel drauf.

HSV Minden-Nord: Dahle, Hunger - Schacht 7/2, Kelle 6, Pross 3, Martin 3, K. Schröder 2, Viering 2, Hartmann 2, J. Schröder 1, Thielmann, McCarthy, Friesen.

HC Tura Bergkamen - TSV Hahlen 30:20 (15:6). Eine Woche nach dem fein herausgespielten Heimsieg gegen HB Bad Salzuflen ging der TSV in Bergkamen leer aus. Nach dem 1:4-Fehlstart bat Coach Sebastian Winkler früh zur ersten Auszeit. Zum 5:6 kam sein Team wieder heran, geriet dann aber über 5:10 und 6:15 deutlich in Rückstand. „Wir haben keinen Zugriff bekommen und viele Fehler gemacht“, kritisierte Winkler, „in der zweiten Halbzeit haben wir aber ein besseres Gesicht gezeigt.“ Das junge TSV-Team kämpfte sich auf 18:23 (51.) heran, aber die letzten Minuten gehörten wieder den Gastgeberinnen. „Die Kräfte waren weg“, erläuterte Winkler. Den Schlusspunkt setzte Jette Dertmeier, eines von drei A-Mädchen im TSV-Kader. Sie verwandelte den Siebenmeter zum 20:30-Endstand – ihr erstes Oberligator.

TSV Hahlen: Rosemeyer, Krömker, Kaiser - Wiese 7/2, Borgmann 4, Wüllner 3, Funk 2, Meyer 2, Busse, Rose, Domke, Kleine 1, Dertmeier 1/1.

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MindenBrechstange schlägt feine Klinge: Nach der Niederlage im Oberliga-Derby ist Andrea Leiding „auf 180“.Minden (cb/rich). Akute Parkplatznot herrschte am Sportpark Unterlübbe. Handballerisch bekamen die vielen Zuschauer beim Derby zwischen der HSG EURo und Lit Tribe Germania Magerkost geboten, doch kämpferisch und emotional stand der Hiller Lokalkampf auf einem deutlich höheren Niveau als das Derby vor einer Woche zwischen dem HSV Minden-Nord und der HSG. Die rehabilitierte sich am sechsten Spieltag der Frauenhandball-Oberliga für die Pleite in Stemmer. HSG EURo - Lit Tribe Germania 23:30 (11:10). „Ich bin auf 180“.“ Andrea Leiding schäumte innerlich nach den 60 hitzigen und aufreibenden Spielminuten. In einem ruhigen aber eindringlichen Tonfall adressierte die Lit-Trainerin die Kritik an ihr Team: „Mein Rückraum hat sich nicht an die Mittel gehalten, die wir im Training erarbeitet hatten.“ Vielmehr ließ sich das Leiding-Team von den Gastgeberinnen ein Handballspiel aufzwingen, in dem es nicht bestehen konnte. EURo verteidigte gewohnt robust. Eine Gangart, die dem technisch und spielstarken Lit-Handballerinnen nicht liegt. „Anstatt von der Abwehr wegzubleiben und mit Kreuzungen Würfe aus der zweiten Reihe vorzubereiten, rennen wir uns immer wieder fest“, führte Leiding weiter aus. Das Anrennen gegen die HSG-Bollwerk geriet mitunter zu einer schmerzhaften Angelegenheit. Der HSG-Mittelblock verschaffte sich von Beginn an Respekt. Zunächst ließ sich Lit davon nicht beeindrucken, lag nach sechs Minuten 6:4 vorne. EURo – in der Offensive mit den gewohnt langen Angriffen – kam nun besser in Fahrt und drehte das Derby beim 7:4 (16.) zu seinen Gunsten. Nach einer Leiding-Auszeit stellten Henrike Meyer, Nadine Hatrumpf und Anna Dera den 7:7-Gleichstand (20.) her. Der Startschuss zu einem offenen Schlagabtausch, in dem EURo bis auf zwei Lit-Führungen (13:12, 14:13) Vorteile besaß. Die entscheidende Phase entwickelte sich nach dem 15:15 durch Lara Kleine. Die Gastgeberinnen lösten sich auf 17:15, Caro Pagels entschärfte einen Strafwurf von Lisa Stegkemper und in Unterzahl setzte die Mannschaft von Trainer Matthias Bredemeier vom 18:15 zum 22:17 (56. Rahel Rodehau) nach. „Ich bin stolz auf die gesamte Mannschaft. Sie hat sich den frühen Zeitstrafen nicht aus der Bahn werfen lassen“, gab Bredemeier zu Protokoll. HSG EURo: Hampel, Pagels, Mindt - Rahel Rodehau 6, Kleine 6/4, Rhea Rodehau 5, Danneberg 4, Zydel 2, Staskute, Joana Rodehau, Arendt, Bredemeier, Tegtmeyer. Lit Tribe Germania: Fischer, Niemann - Dera 4, Wöbking 4/1, Stegkemper 4/3, Benecke 3/1, Hartrumpf 2, Meyer 2, Knicker 1, Bolduan, Schwentker. SG Halden-Herbeck - HSV Minden-Nord 24:26 (11:17). Mit einem souveränen Sieg beim Aufsteiger festigte der HSV seine Zugehörigkeit zur Spitzengruppe. „Wir waren defensiv und spielerisch überlegener, als es das Ergebnis aussagt“, berichtete Gäste-Trainer Olaf Grintz. Sein Team brauchte eine gewisse Eingewöhnungszeit, spielte sich aber nach dem 8:7 (15. Spielminute) frei. Gestützt auf die gewohnt starke Deckung – die sich keine einzige Zeitstrafe einhandelte – gelangen Gegenstöße und eine 17:10-Führung. Im zweiten Abschnitt ließ Grintz eine neue Formation spielen. Der Vorsprung schmolz. Josi Kelle sorgte nach dem 18:17 (41.) mit vier Treffern bis zum 24:18 (48.) wieder für klare Verhältnisse. Der Vorsprung genügte. Halden verkürzte zwar noch auf 23:25 (58.), doch die starke Maren Schacht machte mit ihrem siebten Tor zum 25:22 den Deckel drauf. HSV Minden-Nord: Dahle, Hunger - Schacht 7/2, Kelle 6, Pross 3, Martin 3, K. Schröder 2, Viering 2, Hartmann 2, J. Schröder 1, Thielmann, McCarthy, Friesen. HC Tura Bergkamen - TSV Hahlen 30:20 (15:6). Eine Woche nach dem fein herausgespielten Heimsieg gegen HB Bad Salzuflen ging der TSV in Bergkamen leer aus. Nach dem 1:4-Fehlstart bat Coach Sebastian Winkler früh zur ersten Auszeit. Zum 5:6 kam sein Team wieder heran, geriet dann aber über 5:10 und 6:15 deutlich in Rückstand. „Wir haben keinen Zugriff bekommen und viele Fehler gemacht“, kritisierte Winkler, „in der zweiten Halbzeit haben wir aber ein besseres Gesicht gezeigt.“ Das junge TSV-Team kämpfte sich auf 18:23 (51.) heran, aber die letzten Minuten gehörten wieder den Gastgeberinnen. „Die Kräfte waren weg“, erläuterte Winkler. Den Schlusspunkt setzte Jette Dertmeier, eines von drei A-Mädchen im TSV-Kader. Sie verwandelte den Siebenmeter zum 20:30-Endstand – ihr erstes Oberligator. TSV Hahlen: Rosemeyer, Krömker, Kaiser - Wiese 7/2, Borgmann 4, Wüllner 3, Funk 2, Meyer 2, Busse, Rose, Domke, Kleine 1, Dertmeier 1/1.