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Magische Momente - Frank von Behren erinnert sich an Sensationssiege gegen Flensburg

Michael Lorenz

Vor dem Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt schwelgte Frank von Behren für das MT in Erinnerungen. Als Spieler feierte er mit GWD Minden zwei Sensationssiege gegen den amtierenden Deutschen Meister. - © Foto: Michael Lorenz
Vor dem Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt schwelgte Frank von Behren für das MT in Erinnerungen. Als Spieler feierte er mit GWD Minden zwei Sensationssiege gegen den amtierenden Deutschen Meister. (© Foto: Michael Lorenz)

Minden (much). Es wäre vermessen, die SG Flensburg-Handewitt als einen Lieblingsgegner von Handball-Bundesligist GWD Minden zu bezeichnen. In den vergangenen 18 Jahren gelangen den Mindenern gegen die Nordlichter gerade Mal zwei Siege. Die aber hatten es in sich. Der erste Erfolg im Jahr 2002 war eine Sensation, der zweite im Jahr 2008 gar ein Wunder. Mittendrin statt nur dabei: Frank von Behren, der heutige Geschäftsführer Sport von GWD.

An die beiden Spiele erinnert er sich, als sei es gestern gewesen. Im Jahr 2002 war die Europameisterschaft in Schweden. Im Finale gegen den Gastgeber hatte die deutsche Mannschaft um Kapitän von Behren Sekunden vor dem Ende den vermeintlichen 27:26-Siegtreffer durch Florian Kehrmann erzielt. Die Mannschaft wähnte sich als Sieger, ehe die mazedonischen Schiedsrichter dem Treffer die Anerkennung versagten. Nach Verlängerung gewann Schweden 33:31.

Von Behren blickt zurück: „Wir sind um den Lohn unserer Arbeit gebracht worden. Es hat sich für uns wie Betrug angefühlt, und entsprechend frustriert sind wir bei unseren Vereinen angekommen.“ Das erste Bundesligaspiel nach der Enttäuschung von Stockholm fand am 6. März gegen Europapokalsieger Flensburg-Handewitt statt. Der damalige GWD-Kapitän erinnert sich: „Ich war so relaxt wie selten zuvor. Die anderen haben trainiert, wir waren halt bei der EM. Es ist mir gelungen, meine Wut und Enttäuschung in Power umzuwandeln. In dem Spiel hat alles gepasst, mir ist fast alles gelungen. Die Partie gehört zu den Top-Drei meiner Karriere. Nach dem Spiel war ich im Vip-Raum der Kampa-Halle und es gab Applaus. Das hat es davor und auch danach nicht gegeben. “

GWD gewann nach 13:15-Pausenrückstand 30:25. Neben Torwart Kristian Asmussen war von Behren der Matchwinner. Der Rückraumspieler erzielte 13 Tore, fünf per Siebenmeter. Das schönste legte ihm per Kempa-Anspiel der heutige GWD-Trainer Frank Carstens als Spielmacher auf. „Vor der Saison hatte uns Talant Dujshebaev verlassen, der ein sehr dominanter Spieler war und dem keiner richtig die Stirn geboten hat. Wir wussten, dass wir seinen Abgang nur gemeinsam kompensieren konnten. Entsprechen geschlossen sind wir aufgetreten, wir hatten eine Supertruppe damals“, erinnert sich der Anführer.

Die Wege von Frank von Behren und GWD Minden trennten sich nach der Saison 2002/03. Vorerst, zumindest. Nach fünf Jahren in Gummersbach und Flensburg kam er im Januar 2008 zu seinem Herzensverein, mit dem er 1995 Deutscher A-Jugend-Meister geworden war, zurück. Er wollte GWD im Kampf um den Klassenerhalt helfen, sich aber auch mit mehr Einsatzzeiten im Angriff für die Olympischen Spiele in Peking empfehlen. „Letzteres hat nicht geklappt. Meine Schulter war derart lädiert, dass ich manchmal hart werfen konnte und manchmal gar nicht.“

Als die Saison 2007/08 auf die Zielgerade einbog, spitzte sich ein dramatischer Abstiegskampf zu, wie ihn die Liga bis dahin nicht gesehen hatte. Mittendrin: Die beiden Mühlenkreis-Rivalen TuS N-Lübbecke und GWD Minden sowie der Tusem Essen. Nach einer krachenden Heimniederlage gegen Nettelstedt lag GWD punktgleich mit Lübbecke auf Relegationsplatz 16, einen Punkt besser, aber mit dem gegenüber Minden schlechteren Torverhältnis, standen die Essener. Die Schützlinge von Trainer Richard Ratka hingegen traten bei Vizemeister SG Flensburg-Handewitt an und mussten gewinnen. Der heute 43-Jährige von Behren erinnert sich: „Wir sind einen Tag vor dem Spiel angereist, aber die Stimmung war gedrückt. Wir sind in der Nähe unseres Hotels in Glücksburg spazieren gegangen und kaum einer hat was gesagt. Vor dem Spiel haben wir selbst nicht geglaubt, dass wir etwas holen können.“

Im Spiel änderte sich der Eindruck. Aus einem 8:8 (16.) machte GWD binnen fünf Minuten eine 13:8-Führung, zur Pause stand es 15:10. Von Behren: „In der Halbzeit hatten wir erstmals das Gefühl, dass wir es schaffen könnten.“ Die SG kam heran, glich zum 27:27 aus. Doch Michael Haaß und Moritz Schäpsmeier trafen zum 29:27. Lubomir Vranjes verkürzte, und die Gastgeber kamen in der Schlussminute noch einmal in Ballbesitz. Thomas Mogensen brach auf halblinks durch, doch mit seinem Wurf scheiterte er am rechten Fuß von GWD-Keeper Malik Besirevic.

Das „Wunder von Flensburg“ war vollbracht, der Rest war grenzenloser Jubel. Nettelstedt stieg direkt ab, Essen musste in die Relegation. Frank von Behren, der im Anschluss seine Spielerkarriere beendete: „Ich weiß bis heute nicht, wie wir das gemacht haben. Es ist auch heute noch, mit dem Abstand von elf Jahren, schlicht und einfach kaum zu glauben.“

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MindenMagische Momente - Frank von Behren erinnert sich an Sensationssiege gegen FlensburgMichael LorenzMinden (much). Es wäre vermessen, die SG Flensburg-Handewitt als einen Lieblingsgegner von Handball-Bundesligist GWD Minden zu bezeichnen. In den vergangenen 18 Jahren gelangen den Mindenern gegen die Nordlichter gerade Mal zwei Siege. Die aber hatten es in sich. Der erste Erfolg im Jahr 2002 war eine Sensation, der zweite im Jahr 2008 gar ein Wunder. Mittendrin statt nur dabei: Frank von Behren, der heutige Geschäftsführer Sport von GWD. An die beiden Spiele erinnert er sich, als sei es gestern gewesen. Im Jahr 2002 war die Europameisterschaft in Schweden. Im Finale gegen den Gastgeber hatte die deutsche Mannschaft um Kapitän von Behren Sekunden vor dem Ende den vermeintlichen 27:26-Siegtreffer durch Florian Kehrmann erzielt. Die Mannschaft wähnte sich als Sieger, ehe die mazedonischen Schiedsrichter dem Treffer die Anerkennung versagten. Nach Verlängerung gewann Schweden 33:31. Von Behren blickt zurück: „Wir sind um den Lohn unserer Arbeit gebracht worden. Es hat sich für uns wie Betrug angefühlt, und entsprechend frustriert sind wir bei unseren Vereinen angekommen.“ Das erste Bundesligaspiel nach der Enttäuschung von Stockholm fand am 6. März gegen Europapokalsieger Flensburg-Handewitt statt. Der damalige GWD-Kapitän erinnert sich: „Ich war so relaxt wie selten zuvor. Die anderen haben trainiert, wir waren halt bei der EM. Es ist mir gelungen, meine Wut und Enttäuschung in Power umzuwandeln. In dem Spiel hat alles gepasst, mir ist fast alles gelungen. Die Partie gehört zu den Top-Drei meiner Karriere. Nach dem Spiel war ich im Vip-Raum der Kampa-Halle und es gab Applaus. Das hat es davor und auch danach nicht gegeben. “ GWD gewann nach 13:15-Pausenrückstand 30:25. Neben Torwart Kristian Asmussen war von Behren der Matchwinner. Der Rückraumspieler erzielte 13 Tore, fünf per Siebenmeter. Das schönste legte ihm per Kempa-Anspiel der heutige GWD-Trainer Frank Carstens als Spielmacher auf. „Vor der Saison hatte uns Talant Dujshebaev verlassen, der ein sehr dominanter Spieler war und dem keiner richtig die Stirn geboten hat. Wir wussten, dass wir seinen Abgang nur gemeinsam kompensieren konnten. Entsprechen geschlossen sind wir aufgetreten, wir hatten eine Supertruppe damals“, erinnert sich der Anführer. Die Wege von Frank von Behren und GWD Minden trennten sich nach der Saison 2002/03. Vorerst, zumindest. Nach fünf Jahren in Gummersbach und Flensburg kam er im Januar 2008 zu seinem Herzensverein, mit dem er 1995 Deutscher A-Jugend-Meister geworden war, zurück. Er wollte GWD im Kampf um den Klassenerhalt helfen, sich aber auch mit mehr Einsatzzeiten im Angriff für die Olympischen Spiele in Peking empfehlen. „Letzteres hat nicht geklappt. Meine Schulter war derart lädiert, dass ich manchmal hart werfen konnte und manchmal gar nicht.“ Als die Saison 2007/08 auf die Zielgerade einbog, spitzte sich ein dramatischer Abstiegskampf zu, wie ihn die Liga bis dahin nicht gesehen hatte. Mittendrin: Die beiden Mühlenkreis-Rivalen TuS N-Lübbecke und GWD Minden sowie der Tusem Essen. Nach einer krachenden Heimniederlage gegen Nettelstedt lag GWD punktgleich mit Lübbecke auf Relegationsplatz 16, einen Punkt besser, aber mit dem gegenüber Minden schlechteren Torverhältnis, standen die Essener. Die Schützlinge von Trainer Richard Ratka hingegen traten bei Vizemeister SG Flensburg-Handewitt an und mussten gewinnen. Der heute 43-Jährige von Behren erinnert sich: „Wir sind einen Tag vor dem Spiel angereist, aber die Stimmung war gedrückt. Wir sind in der Nähe unseres Hotels in Glücksburg spazieren gegangen und kaum einer hat was gesagt. Vor dem Spiel haben wir selbst nicht geglaubt, dass wir etwas holen können.“ Im Spiel änderte sich der Eindruck. Aus einem 8:8 (16.) machte GWD binnen fünf Minuten eine 13:8-Führung, zur Pause stand es 15:10. Von Behren: „In der Halbzeit hatten wir erstmals das Gefühl, dass wir es schaffen könnten.“ Die SG kam heran, glich zum 27:27 aus. Doch Michael Haaß und Moritz Schäpsmeier trafen zum 29:27. Lubomir Vranjes verkürzte, und die Gastgeber kamen in der Schlussminute noch einmal in Ballbesitz. Thomas Mogensen brach auf halblinks durch, doch mit seinem Wurf scheiterte er am rechten Fuß von GWD-Keeper Malik Besirevic. Das „Wunder von Flensburg“ war vollbracht, der Rest war grenzenloser Jubel. Nettelstedt stieg direkt ab, Essen musste in die Relegation. Frank von Behren, der im Anschluss seine Spielerkarriere beendete: „Ich weiß bis heute nicht, wie wir das gemacht haben. Es ist auch heute noch, mit dem Abstand von elf Jahren, schlicht und einfach kaum zu glauben.“