Minden

Deutsche U17-Nationalmannschaft feiert Sieg gegen Frankreich in der Kampa-Halle

Christian Bendig und Marcus Riechmann

Während und nach der Aufholjagd bejubelte die DHB-Bank jeden Treffer.
Während und nach der Aufholjagd bejubelte die DHB-Bank jeden Treffer.

Minden (cb/rich). Halle voll, tolle Kulisse, begeisterte junge Fans und obendrauf ein Heimsieg für die deutsche U17-Nationalmannschaft. Nach dem 26:24 (11:14)-Erfolg vor über 3.000 Zuschauern in der Mindener Kampa-Halle gegen Frankreich kann die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) mit reichlich Rückenwind zu den „European Youth Games“ nach Baku in Aserbaidschan reisen.

Doch nicht nur die Gesichter der deutschen Trainer und jene der Nachwuchshoffnungen, die in Baku die Goldmedaille des vorangegangenen Jahrgangs verteidigen möchten, drückten tiefe Zufriedenheit aus. Auch das von GWD Mindens neuem Nachwuchskoordinator Lars Halstenberg: „Es ist alles reibungslos gelaufen. Und die Jugendlichen sind stimmungsmäßig voll mitgegangen. Es war eine gelungene Veranstaltung.“

Als ein auch aus sportlicher Sicht gelungenes Event stufte DHB-Coach Jochen Beppler die Leistung seiner Mannschaft, die binnen weniger Tage im Mühlenkreis den zweiten Sieg gegen die starken Franzosen feierte, ein. „Am Anfang brauchten meine Spieler etwas, um sich an die Kulisse anzupassen. Aber in der zweiten Halbzeit haben uns die Fans Flügel verliehen.“ Über weite Strecken des ersten Durchgangs diktierten die Gäste das Geschehen und führten nicht unverdient mit 13:7. „Da war das Abwehrverhalten der Deutschen eher mau“, urteilte Frank Carstens, Trainer der GWD-Profis, über den Auftritt des DHB-Teams.

Das kämpfte sich in den Minuten vor der Pause noch einmal auf 10:14 heran. Auch weil Keeper Mats Grupe nach seiner Einwechslung schnell in die Partie fand und nach dem Seitenwechsel auch weiterhin stark hielt. Seine Vorderleute, allen voran der in den zweiten 30 Minuten sechsmal erfolgreiche Rückraumlinkshänder Malvin Haeske (SC Magdeburg) nutzen diese Vorlagen, um beim 18:17 erstmals in Führung zu gehen. „In der zweiten Halbzeit haben wir den Kampf angenommen“, lobte DHB-Talentcoach Carsten Klavehn. Den knappen Erfolg stellte dann wenige Sekunden vor Schluss Christian Wilhelm mit dem 26. Treffer sicher.

Nach Hause dürfen die Nachwuchshandballer nach anstrengenden Tagen und Siegen in Hille und Minden noch nicht. Am heutigen Donnerstag stehen noch zwei weitere Trainingseinheiten auf dem Programm. „In denen wissen wir, woran wir noch arbeiten müssen“, blickte Beppler, der mit dem Team in einer Woche gen Baku aufbrechen wird ein kleines bisschen voraus. GWD Mindens B-Jungentrainer Marius Traue wagte einen Blick in die weitere Ferne: „Wenn man die französischen und deutschen Spieler aus diesem Jahrgang in drei Jahren vergleichen wird, werden die Franzosen körperlich besser ausgebildet sein.“ Darin, so empfindet es Traue, liege ein Problem des deutschen Handballs. „Wir müssen uns da an den Franzosen und den Skandinaviern orientieren. Deren Männerteams haben nicht umsonst in den vergangenen Jahren den Welthandball beherrscht.“

Auf die Entwicklung in den kommenden drei Jahren ist auch Aaron Ziercke, zuletzt Trainer beim Zweitligisten TuS N-Lübbecke, gespannt: „Es ist interessant, sich die Jungs mal anzuschauen und dann in drei, vier Jahren mal zu gucken, wohin sie der Weg geführt hat. Es sind ein paar interessante Spieler dabei.“ Für Ziercke war es auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. „Mit „Kalle“ Klavehn habe ich unter dem damaligen Bundestrainer Hotti Bredemeier im Rahmen des Deutsch-Französischen Jugendwerks meine ersten Jugend-Länderspiele gemacht.“ Zierckes Weg führte in die Bundesliga, ins Nationalteam und zu EM-Bronze 1998.

Statistik

Deutschland – Frankreich 26:24 (10:14)

Deutschland: Niclas Behrendt (SC Magdeburg), Mats Grupe
(Rhein-Neckar Löwen) - Corvin Troschke (THW Kiel/3), Matthis Blum (TSV
Bayer Dormagen/1), Franz Häcker (SC DHfK Leipzig), Jannis Bundschuh (1.
VfL Potsdam), Leve Carstensen (SG Flensburg-Handewitt/1), Florian
Schmidt (VfL Gummersbach/1), Magnus Holpert (SG Flensburg-Handewitt/1),
Christian Wilhelm (SG Flensburg-Handewitt/3), Mika Sajenev (SC DHfK
Leipzig), Alexander Möller (SC Magdeburg), Max Christoph Beneke (1. VfL
Potsdam/3), Moritz Sauter (Füchse Berlin/3), Robert Kraß (Rhein-Neckar
Löwen/4), Malvin Haeske (SC Magdeburg/6).

Schiedsrichter: Marvin Cesnik/Jonas Konrad (Gummersbach).

Stimmen zum Spiel

„Alles passt. Jetzt fehlt nur noch, dass unsere Mannschaft besser in Schwung kommt und das Spiel wieder spannend wird. Das wär gut, damit die Stimmung bleibt.“ Der GWD-Vorsitzende Horst Bredemeier zur Halbzeit. Die DHB-Junioren taten ihm den Gefallen, kamen in Schwung und hielten die Stimmung hoch.

DHB-Trainer Jochen Beppler: „Beim 7:13 hätte das auch ein Spiel werden können, aus dem wir mit minus zehn rausgehen. Es war wichtig, dass wir uns da wieder gefangen haben. Man darf am Ende das Ergebnis nicht isoliert betrachten, sondern einordnen in die Entwicklung der Spieler und des Teams. Wir messen uns auch an den Handlungszielen, die wir uns gesetzt haben. Abseits von reinen Ergebnisse ist die Entwicklung der jungen Spieler wichtig. Und nicht nur sportlich. Wir müssen ihnen auch andere Dinge vermitteln. Sie müssen an sich arbeiten. Sie brauchen Selbstvertrauen. Aber sie müssen auch wissen: Wenn sie abheben, ist ihr Weg sehr schnell zu Ende."

Weiterhin sagte der Coach: "Donnerstagabend gibt es ein Abschlussessen mit der französischen Delegation im Hotel Exquisit, am Freitag geht es dann nach Hause. Ich schaue dann noch bei der U21 in Frankfurt vorbei, bevor die nach Spanien zur WM abreisen, und am Samstagabend habe ich dann Wochenende.“

Lobend spricht er über das Deutsch-Französische-Jugendwerk: „Diese Begegnungen abseits des reinen Handballspiels sind wichtig. Der Weg wird unsere Jungs in den nächsten Jahre immer wieder gegen die Franzosen führen. Da ist es gut, wenn die Jungs lernen, dass das nicht nur Gegner, sondern ganz normale Handballer und junge Leute sind, wie sie auch.“

Das sagen die Schüler

Lorenzo Ribeiro (KTG): „Als Fußballer kann man sich das schon einmal
angucken. Aber zu einem anderen Handballspiel würde ich jetzt nicht gehen. Die
Stimmung gefällt mir aber.“

Yara Grube (Berufskolleg Minden): Ich finde es gut, dass auch die Franzosen
angefeuert werden. Das ist ja im Handball auch nicht immer so, dass gelungene
Aktionen des Gegners beklatscht werden. Früher habe ich selber bei der HSG
Porta gespielt. Ich fange jetzt bei den Frauen von Eintracht Oberlübbe wieder
an."

Der entscheidende Treffer kurz vor Schluss: Nach dem Anspiel von Alexander Möller behielt Kreisläufer Christian Wilhelm die Nerven und erzielte den 26. deutschen Treffer zum 26:24-Endstand. - © Foto: Christian Bendig Beine hoch nach einem anstrengenden Spiel. MT-Fotos (3): rich Die französische Mannschaft hatte ebenfalls Anhänger.

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MindenDeutsche U17-Nationalmannschaft feiert Sieg gegen Frankreich in der Kampa-HalleChristian Bendig,Marcus RiechmannMinden (cb/rich). Halle voll, tolle Kulisse, begeisterte junge Fans und obendrauf ein Heimsieg für die deutsche U17-Nationalmannschaft. Nach dem 26:24 (11:14)-Erfolg vor über 3.000 Zuschauern in der Mindener Kampa-Halle gegen Frankreich kann die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) mit reichlich Rückenwind zu den „European Youth Games“ nach Baku in Aserbaidschan reisen. Doch nicht nur die Gesichter der deutschen Trainer und jene der Nachwuchshoffnungen, die in Baku die Goldmedaille des vorangegangenen Jahrgangs verteidigen möchten, drückten tiefe Zufriedenheit aus. Auch das von GWD Mindens neuem Nachwuchskoordinator Lars Halstenberg: „Es ist alles reibungslos gelaufen. Und die Jugendlichen sind stimmungsmäßig voll mitgegangen. Es war eine gelungene Veranstaltung.“ Als ein auch aus sportlicher Sicht gelungenes Event stufte DHB-Coach Jochen Beppler die Leistung seiner Mannschaft, die binnen weniger Tage im Mühlenkreis den zweiten Sieg gegen die starken Franzosen feierte, ein. „Am Anfang brauchten meine Spieler etwas, um sich an die Kulisse anzupassen. Aber in der zweiten Halbzeit haben uns die Fans Flügel verliehen.“ Über weite Strecken des ersten Durchgangs diktierten die Gäste das Geschehen und führten nicht unverdient mit 13:7. „Da war das Abwehrverhalten der Deutschen eher mau“, urteilte Frank Carstens, Trainer der GWD-Profis, über den Auftritt des DHB-Teams. Das kämpfte sich in den Minuten vor der Pause noch einmal auf 10:14 heran. Auch weil Keeper Mats Grupe nach seiner Einwechslung schnell in die Partie fand und nach dem Seitenwechsel auch weiterhin stark hielt. Seine Vorderleute, allen voran der in den zweiten 30 Minuten sechsmal erfolgreiche Rückraumlinkshänder Malvin Haeske (SC Magdeburg) nutzen diese Vorlagen, um beim 18:17 erstmals in Führung zu gehen. „In der zweiten Halbzeit haben wir den Kampf angenommen“, lobte DHB-Talentcoach Carsten Klavehn. Den knappen Erfolg stellte dann wenige Sekunden vor Schluss Christian Wilhelm mit dem 26. Treffer sicher. Nach Hause dürfen die Nachwuchshandballer nach anstrengenden Tagen und Siegen in Hille und Minden noch nicht. Am heutigen Donnerstag stehen noch zwei weitere Trainingseinheiten auf dem Programm. „In denen wissen wir, woran wir noch arbeiten müssen“, blickte Beppler, der mit dem Team in einer Woche gen Baku aufbrechen wird ein kleines bisschen voraus. GWD Mindens B-Jungentrainer Marius Traue wagte einen Blick in die weitere Ferne: „Wenn man die französischen und deutschen Spieler aus diesem Jahrgang in drei Jahren vergleichen wird, werden die Franzosen körperlich besser ausgebildet sein.“ Darin, so empfindet es Traue, liege ein Problem des deutschen Handballs. „Wir müssen uns da an den Franzosen und den Skandinaviern orientieren. Deren Männerteams haben nicht umsonst in den vergangenen Jahren den Welthandball beherrscht.“ Auf die Entwicklung in den kommenden drei Jahren ist auch Aaron Ziercke, zuletzt Trainer beim Zweitligisten TuS N-Lübbecke, gespannt: „Es ist interessant, sich die Jungs mal anzuschauen und dann in drei, vier Jahren mal zu gucken, wohin sie der Weg geführt hat. Es sind ein paar interessante Spieler dabei.“ Für Ziercke war es auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. „Mit „Kalle“ Klavehn habe ich unter dem damaligen Bundestrainer Hotti Bredemeier im Rahmen des Deutsch-Französischen Jugendwerks meine ersten Jugend-Länderspiele gemacht.“ Zierckes Weg führte in die Bundesliga, ins Nationalteam und zu EM-Bronze 1998. Statistik Deutschland – Frankreich 26:24 (10:14) Deutschland: Niclas Behrendt (SC Magdeburg), Mats Grupe (Rhein-Neckar Löwen) - Corvin Troschke (THW Kiel/3), Matthis Blum (TSV Bayer Dormagen/1), Franz Häcker (SC DHfK Leipzig), Jannis Bundschuh (1. VfL Potsdam), Leve Carstensen (SG Flensburg-Handewitt/1), Florian Schmidt (VfL Gummersbach/1), Magnus Holpert (SG Flensburg-Handewitt/1), Christian Wilhelm (SG Flensburg-Handewitt/3), Mika Sajenev (SC DHfK Leipzig), Alexander Möller (SC Magdeburg), Max Christoph Beneke (1. VfL Potsdam/3), Moritz Sauter (Füchse Berlin/3), Robert Kraß (Rhein-Neckar Löwen/4), Malvin Haeske (SC Magdeburg/6). Schiedsrichter: Marvin Cesnik/Jonas Konrad (Gummersbach). Stimmen zum Spiel „Alles passt. Jetzt fehlt nur noch, dass unsere Mannschaft besser in Schwung kommt und das Spiel wieder spannend wird. Das wär gut, damit die Stimmung bleibt.“ Der GWD-Vorsitzende Horst Bredemeier zur Halbzeit. Die DHB-Junioren taten ihm den Gefallen, kamen in Schwung und hielten die Stimmung hoch. DHB-Trainer Jochen Beppler: „Beim 7:13 hätte das auch ein Spiel werden können, aus dem wir mit minus zehn rausgehen. Es war wichtig, dass wir uns da wieder gefangen haben. Man darf am Ende das Ergebnis nicht isoliert betrachten, sondern einordnen in die Entwicklung der Spieler und des Teams. Wir messen uns auch an den Handlungszielen, die wir uns gesetzt haben. Abseits von reinen Ergebnisse ist die Entwicklung der jungen Spieler wichtig. Und nicht nur sportlich. Wir müssen ihnen auch andere Dinge vermitteln. Sie müssen an sich arbeiten. Sie brauchen Selbstvertrauen. Aber sie müssen auch wissen: Wenn sie abheben, ist ihr Weg sehr schnell zu Ende." Weiterhin sagte der Coach: "Donnerstagabend gibt es ein Abschlussessen mit der französischen Delegation im Hotel Exquisit, am Freitag geht es dann nach Hause. Ich schaue dann noch bei der U21 in Frankfurt vorbei, bevor die nach Spanien zur WM abreisen, und am Samstagabend habe ich dann Wochenende.“ Lobend spricht er über das Deutsch-Französische-Jugendwerk: „Diese Begegnungen abseits des reinen Handballspiels sind wichtig. Der Weg wird unsere Jungs in den nächsten Jahre immer wieder gegen die Franzosen führen. Da ist es gut, wenn die Jungs lernen, dass das nicht nur Gegner, sondern ganz normale Handballer und junge Leute sind, wie sie auch.“ Das sagen die Schüler Lorenzo Ribeiro (KTG): „Als Fußballer kann man sich das schon einmalangucken. Aber zu einem anderen Handballspiel würde ich jetzt nicht gehen. DieStimmung gefällt mir aber.“ Yara Grube (Berufskolleg Minden): Ich finde es gut, dass auch die Franzosenangefeuert werden. Das ist ja im Handball auch nicht immer so, dass gelungeneAktionen des Gegners beklatscht werden. Früher habe ich selber bei der HSGPorta gespielt. Ich fange jetzt bei den Frauen von Eintracht Oberlübbe wiederan."