Minden

Der nächste Feiertag: Westfalenmeister Evars Klesniks holt mit Lettland erstmals das EM-Ticket

Marcus Riechmann

Der große Moment: Nach dem letzten abgewehrten Siebenmeter feiern die Letten den Sieg gegen Slowenien und das EM-Ticket. Mittendrin mit weit ausgebreiteten Armen: Abwehrchef Evars Klesniks. - © Foto: pr
Der große Moment: Nach dem letzten abgewehrten Siebenmeter feiern die Letten den Sieg gegen Slowenien und das EM-Ticket. Mittendrin mit weit ausgebreiteten Armen: Abwehrchef Evars Klesniks. (© Foto: pr)

Minden (mt). 15 Jahre Bundesliga mit zahllosen Einsätzen für Tusem Essen, GWD Minden oder die HSG Wetzlar haben Spuren hinterlassen. Evars Klesniks hat in seinem Handball-Leben schon so einiges erlebt. Doch auf der Zielgeraden seiner langen Karriere genießt der Abwehrrecke, den alle nur „Ebbe“ rufen, ein Erfolgserlebnis nach dem anderen. Im Mai feierte der 39-Jährige mit dem Oberligisten Lit Tribe Germania den Aufstieg in die 3. Liga, nun gelang dem Mindener der nächste Coup: Mit der Nationalmannschaft Lettlands schaffte Klesniks die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020, die Ende Januar von Österreich, Schweden und Norwegen ausgetragen wird.

„Das ist überragend. Lettland hat sich noch nie für ein großes Turnier qualifiziert“, berichtete Klesniks gestern aus Valmiera. Dort, im Norden seiner Heimat, hatten die Letten mit einem dramatischen 25:24-Heimsieg gegen das bereits zuvor qualifizierte Slowenien am Mittwochabend das EM-Ticket gelöst. „Das ist wie ein Nationalfeiertag für den Handball hier“, machte „Ebbe“ die Bedeutung deutlich und freute sich 20 Jahre und mehr als 100 Spiele nach seinem Debüt im Nationaltrikot diebisch: „Dass ich das noch in meinem Alter erleben darf, ist etwas besonderes.“

Entspannt nach dem Triumph: die lettische Nationalmannschaft am Morgen nach dem Sieg gegen Slowenien. Mittendrin: der Mindener Evars Klesniks. Ganz rechts steht der 2,15 Meter große Torjäger Dainis Kristopans. - © Foto: pr
Entspannt nach dem Triumph: die lettische Nationalmannschaft am Morgen nach dem Sieg gegen Slowenien. Mittendrin: der Mindener Evars Klesniks. Ganz rechts steht der 2,15 Meter große Torjäger Dainis Kristopans. (© Foto: pr)

Möglich machte das vor allem ein Spieler: Dainis Kristopans. Der Linkshänder vom Champions-League-Sieger Vadar Skopje war mit 13 Treffern der Mann des Abends. Im Alleingang machte der Torjäger, der wie Klesniks im rechten Rückraum zuhause ist, aus dem 23:24-Rückstand noch einen Erfolg. Der Wucht des 2,15 Meter großen und rund 130 Kilogramm schweren 28-Jährigen war die slowenische Abwehr nicht gewachsen. Torhüter Arturs Kugis vom Zweitliga-Absteiger TV Großwallstadt hielt den Sieg mit einer Siebemeterparade fest.

„Kristopans ist sensationell gut, der ist eine echte Maschine“, lobte der ausschließlich in der Abwehr eingesetzte Klesniks den Torjäger, der im Sommer 2020 zu Paris St. Germain wechseln wird: „Er ist im Moment der vielleicht wertvollste Spieler der Welt. Kristopans spielt vorn überragend und steht hinten im Innenblock weltklasse.“

Mit Kristopans an der Seite will Klesniks das nächste Ziel in Angriff nehmen: „Na klar, ich will bei der EM dabei sein“, sagt „Ebbe“, der festgestellt hat: „Zu unserem Kader gehören jetzt Spieler, die waren noch nicht einmal geboren, als ich 1999 das erste mal in der Nationalmannschaft gespielt habe.“ Gestern verbrachte die Mannschaft einen entspannten Tag, bereits heute geht es weiter. Die Letten fliegen in die Niederlande, wo am Sonntag in Almere das letzte Spiel der Qualifikationsgruppe 4 ansteht. Dort trifft Klesniks einen alten Bekannten aus der gemeinsamen Zeit bei GWD Minden: Gerrie Eijlers hütet das Tor der Niederländer. „Das wird nett“, freut sich Klesniks. Er selbst wird wohl nicht mitspielen, sondern eine längere Pause einlegen, um den lädierten Rücken zu pflegen. „Aber ich habe der Mannschaft schon gesagt: Auch wenn wir nun durch sind, wollen wir uns in Holland nicht blamieren.“

Meister oder Pusica? Mindener Duell bei der EM-Qualifikation

Wie die Letten sind auch die deutschen Handballer für die EM 2020 qualifiziert. Mit fünf Siegen in fünf Spielen stellte das DHB-Team in Gruppe 1 souverän die Weichen. Zuletzt gelang der Mannschaft um GWD-Spieler Marian Michalczik am Mittwoch ein klarer 40:25-Erfolg in Israel. Das letzte Spiel bestreitet die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop am Sonntag um 18 Uhr in Nürnberg gegen das Gruppenschlusslicht Kosovo. Dann sind auch Tobias Reichmann und Torhüter Andreas Wolff dabei.

Die Serben um GWD-Profi Miljan Pusica bleiben im Rennen um ein EM-Ticket. 37:26 gewannen sie in Belgien, Pusica erzielte einen Treffer. Sonntag spielen sie gegen Schweiz mit dem neuen GWD-Kreisläufer Lucas Meister ein Alles-oder-Nichts-Duell. Nur der Sieger fährt zur EM. Die noch um zwei Punkte besseren Schweizer verpassten am Mittwoch die vorzeitige Entscheidung: Trotz 15 Toren von Andy Schmid verlor das Team 28:33 gegen Kroatien. Meister blieb dabei ohne Treffer.

Gute Chancen auf die EM-Teilnahme hat GWD-Spielmacher Aliaksandr Padshyvalau. Seine Weißrussen gewannen in Gruppe 4 beim direkten Konkurrenten Bosnien-Herzegowina 31:25. Mit einem Sieg gegen die noch erfolglosen Finnen am Sonntag kann die Qualifikation gelingen. (mt)

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MindenDer nächste Feiertag: Westfalenmeister Evars Klesniks holt mit Lettland erstmals das EM-TicketMarcus RiechmannMinden (mt). 15 Jahre Bundesliga mit zahllosen Einsätzen für Tusem Essen, GWD Minden oder die HSG Wetzlar haben Spuren hinterlassen. Evars Klesniks hat in seinem Handball-Leben schon so einiges erlebt. Doch auf der Zielgeraden seiner langen Karriere genießt der Abwehrrecke, den alle nur „Ebbe“ rufen, ein Erfolgserlebnis nach dem anderen. Im Mai feierte der 39-Jährige mit dem Oberligisten Lit Tribe Germania den Aufstieg in die 3. Liga, nun gelang dem Mindener der nächste Coup: Mit der Nationalmannschaft Lettlands schaffte Klesniks die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020, die Ende Januar von Österreich, Schweden und Norwegen ausgetragen wird. „Das ist überragend. Lettland hat sich noch nie für ein großes Turnier qualifiziert“, berichtete Klesniks gestern aus Valmiera. Dort, im Norden seiner Heimat, hatten die Letten mit einem dramatischen 25:24-Heimsieg gegen das bereits zuvor qualifizierte Slowenien am Mittwochabend das EM-Ticket gelöst. „Das ist wie ein Nationalfeiertag für den Handball hier“, machte „Ebbe“ die Bedeutung deutlich und freute sich 20 Jahre und mehr als 100 Spiele nach seinem Debüt im Nationaltrikot diebisch: „Dass ich das noch in meinem Alter erleben darf, ist etwas besonderes.“ Möglich machte das vor allem ein Spieler: Dainis Kristopans. Der Linkshänder vom Champions-League-Sieger Vadar Skopje war mit 13 Treffern der Mann des Abends. Im Alleingang machte der Torjäger, der wie Klesniks im rechten Rückraum zuhause ist, aus dem 23:24-Rückstand noch einen Erfolg. Der Wucht des 2,15 Meter großen und rund 130 Kilogramm schweren 28-Jährigen war die slowenische Abwehr nicht gewachsen. Torhüter Arturs Kugis vom Zweitliga-Absteiger TV Großwallstadt hielt den Sieg mit einer Siebemeterparade fest. „Kristopans ist sensationell gut, der ist eine echte Maschine“, lobte der ausschließlich in der Abwehr eingesetzte Klesniks den Torjäger, der im Sommer 2020 zu Paris St. Germain wechseln wird: „Er ist im Moment der vielleicht wertvollste Spieler der Welt. Kristopans spielt vorn überragend und steht hinten im Innenblock weltklasse.“ Mit Kristopans an der Seite will Klesniks das nächste Ziel in Angriff nehmen: „Na klar, ich will bei der EM dabei sein“, sagt „Ebbe“, der festgestellt hat: „Zu unserem Kader gehören jetzt Spieler, die waren noch nicht einmal geboren, als ich 1999 das erste mal in der Nationalmannschaft gespielt habe.“ Gestern verbrachte die Mannschaft einen entspannten Tag, bereits heute geht es weiter. Die Letten fliegen in die Niederlande, wo am Sonntag in Almere das letzte Spiel der Qualifikationsgruppe 4 ansteht. Dort trifft Klesniks einen alten Bekannten aus der gemeinsamen Zeit bei GWD Minden: Gerrie Eijlers hütet das Tor der Niederländer. „Das wird nett“, freut sich Klesniks. Er selbst wird wohl nicht mitspielen, sondern eine längere Pause einlegen, um den lädierten Rücken zu pflegen. „Aber ich habe der Mannschaft schon gesagt: Auch wenn wir nun durch sind, wollen wir uns in Holland nicht blamieren.“ Meister oder Pusica? Mindener Duell bei der EM-Qualifikation Wie die Letten sind auch die deutschen Handballer für die EM 2020 qualifiziert. Mit fünf Siegen in fünf Spielen stellte das DHB-Team in Gruppe 1 souverän die Weichen. Zuletzt gelang der Mannschaft um GWD-Spieler Marian Michalczik am Mittwoch ein klarer 40:25-Erfolg in Israel. Das letzte Spiel bestreitet die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop am Sonntag um 18 Uhr in Nürnberg gegen das Gruppenschlusslicht Kosovo. Dann sind auch Tobias Reichmann und Torhüter Andreas Wolff dabei. Die Serben um GWD-Profi Miljan Pusica bleiben im Rennen um ein EM-Ticket. 37:26 gewannen sie in Belgien, Pusica erzielte einen Treffer. Sonntag spielen sie gegen Schweiz mit dem neuen GWD-Kreisläufer Lucas Meister ein Alles-oder-Nichts-Duell. Nur der Sieger fährt zur EM. Die noch um zwei Punkte besseren Schweizer verpassten am Mittwoch die vorzeitige Entscheidung: Trotz 15 Toren von Andy Schmid verlor das Team 28:33 gegen Kroatien. Meister blieb dabei ohne Treffer. Gute Chancen auf die EM-Teilnahme hat GWD-Spielmacher Aliaksandr Padshyvalau. Seine Weißrussen gewannen in Gruppe 4 beim direkten Konkurrenten Bosnien-Herzegowina 31:25. Mit einem Sieg gegen die noch erfolglosen Finnen am Sonntag kann die Qualifikation gelingen. (mt)