Michael LorenzMinden

MT-Interview zur Erstliga-Rückkehr von GWD Minden mit Thomas Oehme: „Der Aufstieg war für Stadt, Fans und uns gigantisch.“

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Sein GWD-Trikot mit der Nummer 9 hat bei Thomas Oehme einen besonderen Platz erhalten. MT- - © Foto: Kühlmann
Sein GWD-Trikot mit der Nummer 9 hat bei Thomas Oehme einen besonderen Platz erhalten. MT- (© Foto: Kühlmann)

Michael Lorenz

Minden (much). In wenigen Tagen feiert Thomas Oehme seinen 50. Geburtstag. 1992 wechselte er zusammen mit Bodo Leckelt vom HSV Suhl zum damaligen Zweitligisten GWD Minden. Dort blieb er bis 1998. Oehme war ein Spieler, der mit seiner Kampfkraft und Entschlossenheit auf dem Platz voranging. Den Aufstieg mit GWD 1995 bezeichnet der Barkhauser im MT-Interview als emotionalen Höhepunkt seiner Profilaufbahn.

Wann haben Sie damals gespürt, dass es mit dem Aufstieg klappt?

Das Spiel in Wilhelmshaven war wichtig, aber nach dem wir den Punkt in Nordhorn noch erkämpft haben, da hatten wir das Gefühl, dass uns nichts mehr passieren wird. In Nordhorn zu punkten war damals extrem schwer, die hatten eine ziemliche Kloppertruppe.

Sie kamen 1992 zu GWD. Wie haben sie die Zeit bis zum Aufstieg in Erinnerung?

Um 1992 wurde bei GWD ein Drei-Jahres-Plan aufgestellt, an dessen Ende der Aufstieg stehen sollte. Mit vielen Ossis, von denen ich ja auch einer bin, haben wir es dann geschafft. Druck war schon da, aber wir hatten eine sensationelle Truppe, wir konnten in dem Jahr gar nicht nicht aufsteigen.

Die Saison war zwischendurch aber wechselhaft. Haben sie je am Aufstieg gezweifelt?

Zu keiner Zeit, wir waren einfach reif für die Bundesliga. Es war zwar nach Punkten am Ende sehr knapp, aber wir waren insgesamt einfach etwas besser als Fredenbeck.

Sie waren zuvor mit dem Münchener Klub TSV Milbertshofen Europapokalsieger geworden. Wie war das im Vergleich zur Meisterschaft in der 2. Liga Nord?

Ich konnte in Milbertshofen wegen eines Kreuzbandrisses vom Halbfinale an nicht mehr spielen, war aber absolut Teil des Teams. Ein Europapokalgewinn ist für einen Profisportler einfach das Größte. Emotional war das aber etwas anderes. Das hat in München niemanden interessiert. In Minden war das für die Stadt, die Fans und auch für uns einfach gigantisch. Ich erinnere mich, wie wir in Opel-Cabrios fuhren und von den Fans bejubelt wurden. Wir haben zwei Wochen praktisch durchgefeiert. Es wurde viel getrunken, und jeder in Minden wusste, wer wir waren und warum wir feierten. Ich hatte damals eine Ausbildung bei Porta-Möbel absolviert. Auf der Berufsschule Freiherr-vom-Stein hatten wir nach durchfeierter Nacht eines morgens Sport, und unser Lehrer, der frühere GWD-Torwart Martin Karcher, war so fair, mich nach Hause zu schicken.

Was hat die Mannschaft damals ausgemacht?

Wir haben einfach hervorragend zusammengepasst, haben uns privat auch mit den Frauen und Freundinnen oft getroffen, waren, wie gesagt, eine Supertruppe. Ich werde noch heute häufig darauf angesprochen.

Wie ging es dann weiter?

Mit unserer damaligen Mannschaft haben wir den Klassenerhalt geschafft. Irgendwann nach dem Bosman-Urteil wurden dann aber internationale Stars wie Magnus Andersson oder Stephane Stoecklin geholt. Wir deutschen Spieler, die Aufstieg und Klassenerhalt geschafft haben, fühlten uns irgendwann nicht mehr gebraucht. Aber so ist das im Profisport nunmal.

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Michael LorenzMindenMT-Interview zur Erstliga-Rückkehr von GWD Minden mit Thomas Oehme: „Der Aufstieg war für Stadt, Fans und uns gigantisch.“Michael Lorenz Minden (much). In wenigen Tagen feiert Thomas Oehme seinen 50. Geburtstag. 1992 wechselte er zusammen mit Bodo Leckelt vom HSV Suhl zum damaligen Zweitligisten GWD Minden. Dort blieb er bis 1998. Oehme war ein Spieler, der mit seiner Kampfkraft und Entschlossenheit auf dem Platz voranging. Den Aufstieg mit GWD 1995 bezeichnet der Barkhauser im MT-Interview als emotionalen Höhepunkt seiner Profilaufbahn. Wann haben Sie damals gespürt, dass es mit dem Aufstieg klappt? Das Spiel in Wilhelmshaven war wichtig, aber nach dem wir den Punkt in Nordhorn noch erkämpft haben, da hatten wir das Gefühl, dass uns nichts mehr passieren wird. In Nordhorn zu punkten war damals extrem schwer, die hatten eine ziemliche Kloppertruppe. Sie kamen 1992 zu GWD. Wie haben sie die Zeit bis zum Aufstieg in Erinnerung? Um 1992 wurde bei GWD ein Drei-Jahres-Plan aufgestellt, an dessen Ende der Aufstieg stehen sollte. Mit vielen Ossis, von denen ich ja auch einer bin, haben wir es dann geschafft. Druck war schon da, aber wir hatten eine sensationelle Truppe, wir konnten in dem Jahr gar nicht nicht aufsteigen. Die Saison war zwischendurch aber wechselhaft. Haben sie je am Aufstieg gezweifelt? Zu keiner Zeit, wir waren einfach reif für die Bundesliga. Es war zwar nach Punkten am Ende sehr knapp, aber wir waren insgesamt einfach etwas besser als Fredenbeck. Sie waren zuvor mit dem Münchener Klub TSV Milbertshofen Europapokalsieger geworden. Wie war das im Vergleich zur Meisterschaft in der 2. Liga Nord? Ich konnte in Milbertshofen wegen eines Kreuzbandrisses vom Halbfinale an nicht mehr spielen, war aber absolut Teil des Teams. Ein Europapokalgewinn ist für einen Profisportler einfach das Größte. Emotional war das aber etwas anderes. Das hat in München niemanden interessiert. In Minden war das für die Stadt, die Fans und auch für uns einfach gigantisch. Ich erinnere mich, wie wir in Opel-Cabrios fuhren und von den Fans bejubelt wurden. Wir haben zwei Wochen praktisch durchgefeiert. Es wurde viel getrunken, und jeder in Minden wusste, wer wir waren und warum wir feierten. Ich hatte damals eine Ausbildung bei Porta-Möbel absolviert. Auf der Berufsschule Freiherr-vom-Stein hatten wir nach durchfeierter Nacht eines morgens Sport, und unser Lehrer, der frühere GWD-Torwart Martin Karcher, war so fair, mich nach Hause zu schicken. Was hat die Mannschaft damals ausgemacht? Wir haben einfach hervorragend zusammengepasst, haben uns privat auch mit den Frauen und Freundinnen oft getroffen, waren, wie gesagt, eine Supertruppe. Ich werde noch heute häufig darauf angesprochen. Wie ging es dann weiter? Mit unserer damaligen Mannschaft haben wir den Klassenerhalt geschafft. Irgendwann nach dem Bosman-Urteil wurden dann aber internationale Stars wie Magnus Andersson oder Stephane Stoecklin geholt. Wir deutschen Spieler, die Aufstieg und Klassenerhalt geschafft haben, fühlten uns irgendwann nicht mehr gebraucht. Aber so ist das im Profisport nunmal.