Minden

Saisonabbruch bringt GWD Planungssicherheit - und viele neue Fragen

Sebastian Külbel

Ein letzter Applaus: Kevin Gulliksen, Christoffer Rambo und Marian Michalczik (von links) klatschen nach einem Spiel vor dem Publikum. Auch für die Handballprofis von GWD Minden ist die laufende Saison zu Ende. MT- - © Foto: Sebastian Külbel
Ein letzter Applaus: Kevin Gulliksen, Christoffer Rambo und Marian Michalczik (von links) klatschen nach einem Spiel vor dem Publikum. Auch für die Handballprofis von GWD Minden ist die laufende Saison zu Ende. MT- (© Foto: Sebastian Külbel)

Minden. Viel Anlass, nach hinten zu blicken, gibt es für GWD Minden nicht. Die Saison war schwierig für den 15. der Handball-Bundesliga, deren Abbruch aufgrund der Corona-Krise „die einzige richtige Entscheidung“, wie Markus Kalusche sagt. Der kaufmännische Geschäftsführer und sein für den Sport zuständiger Kollege Frank von Behren sehen den positiven Aspekt der Mitgliederentscheidung. Denn die bringt den Vereinen Planungssicherheit, zumindest zum Teil.

„Unsicherheit ist das Schlimmste, ich bin froh, dass es jetzt zu Ende ist“, sagt Kalusche, der nun viel Arbeit vor sich hat: „Wir müssen rechnen, wo wir rauskommen werden.“ Das dürfte trotz des Abbruchs kein großes Problem sein: Die Saison war durchfinanziert, das Personal ist in Kurzarbeit, ausstehende Millionenzahlungen des TV-Partners wie im Fußball sind nicht zu erwarten. Viel mehr beschäftigt die Verantwortlichen schon jetzt die kommende Saison.

„Da gibt es viele Unbekannte, die wir in verschiedene Szenarien einbauen müssen“, erklärt Kalusche. Seine zentrale Baustelle ist das Budget, dass aufgrund der wirtschaftlichen Krise sinken könnte. „Die hat natürlich auch Einfluss auf unsere mehr als 200 Partner, alle sind betroffen“, sagt der Geschäftsführer. Er bleibt jedoch bei seiner Einschätzung von vor zwei Wochen: „Wir erhalten ermutigende Signale aus den Gesprächen mit den Sponsoren, ich bin weiterhin positiv gestimmt. Es wird ein Kraftakt, aber wir werden es schaffen.“

Auch GWD wird sich allerdings neu orientieren müssen. „Die Gehälter werden bereinigt werden, uns trifft eine heftige Rezession“, sagt Sport-Geschäftsführer von Behren. Das mache sich auf dem Transfermarkt bemerkbar, der erst jetzt wieder langsam in Bewegung kommt und noch einige Herausforderungen für die Bundesliga-Manager bereit hält, wie der Ex-Nationalspieler vermutet: „Ich habe den Eindruck, dass noch nicht alle Spieler und Berater verstanden haben, was gerade passiert.“

Entscheidend ist abseits aller personellen Planspiele, wann die neue Saison beginnt – und ob es eine gibt. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir an den Start kommen – sonst sind wir für lange Zeit weg“, verdeutlicht von Behren den Ernst der Lage für den Handball. Nach aktuellem Stand soll die Saison 2020/2021 im September starten, möglicherweise vorerst mit Geisterspielen. „Ich könnte mir auch den 1. Oktober vorstellen, auch wenn die Terminlage brutal eng ist“, sagt Kalusche. Wann und wie es mit Zuschauern weitergeht, ist völlig unklar. „Organisatorisch wird es auf jeden Fall ein deutlich größerer Aufwand, alleine beim Blick auf die Hygiene-Vorschriften“, betont er.

Die werden GWD Minden auch intern beschäftigen, wenn es um die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs geht. Momentan halten sich die Spieler zu Hause fit und folgen dabei den Empfehlungen der sportlichen Leitung. „Wir werden jetzt den langfristigen athletischen Aufbau fortsetzen“, schildert Trainer Frank Carstens. Ziel bleibt es, so schnell wie möglich wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen: „Wir brauchen einfach die sportartspezifischen Bewegungen und vor allem den Kontakt.“

Dafür würde der Coach seine Spieler auch noch vor der großen Sommerpause wieder versammeln: „Sobald wir wieder in die Halle können, werden wir trainieren.“ Das steht und fällt jedoch mit der Gesamtsituation, wie Kalusche betont: „Es gibt viel Unsicherheit durch die externen Faktoren rund um das Virus. Wir sind davon abhängig, was die Politik entscheidet.“ Für Carstens gibt es indes einen wichtigen Indikator für die eigene sportliche Zukunft: „Wenn dem Fußball erlaubt wird, Geisterspiele durchzuführen, gibt es keinen Grund, warum wir nicht trainieren dürften.“

Eine sportliche Bilanz fällt dem Trainer in der aktuellen Ausnahmesituation schwer: „Diese Saison ist außerhalb jeder Wertung. Wir können nur mitnehmen, dass wir im Dezember nach dem Erlangen-Spiel den Schalter gefunden haben und zuletzt gute Leistungen gebracht haben. Wir waren auf einem vernünftigen Weg.“ Dahin wollen nicht nur GWD, sondern alle Bundesligisten zurück, denen mit 20 Mannschaften und vier Absteigern eine harte Saison bevor steht. Große Klagen darüber wird es aber auch in Minden nicht geben, wie Frank von Behren sagt: „Wir sind froh, wenn wir irgendwann wieder Normalität haben.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenSaisonabbruch bringt GWD Planungssicherheit - und viele neue FragenSebastian KülbelMinden. Viel Anlass, nach hinten zu blicken, gibt es für GWD Minden nicht. Die Saison war schwierig für den 15. der Handball-Bundesliga, deren Abbruch aufgrund der Corona-Krise „die einzige richtige Entscheidung“, wie Markus Kalusche sagt. Der kaufmännische Geschäftsführer und sein für den Sport zuständiger Kollege Frank von Behren sehen den positiven Aspekt der Mitgliederentscheidung. Denn die bringt den Vereinen Planungssicherheit, zumindest zum Teil. „Unsicherheit ist das Schlimmste, ich bin froh, dass es jetzt zu Ende ist“, sagt Kalusche, der nun viel Arbeit vor sich hat: „Wir müssen rechnen, wo wir rauskommen werden.“ Das dürfte trotz des Abbruchs kein großes Problem sein: Die Saison war durchfinanziert, das Personal ist in Kurzarbeit, ausstehende Millionenzahlungen des TV-Partners wie im Fußball sind nicht zu erwarten. Viel mehr beschäftigt die Verantwortlichen schon jetzt die kommende Saison. „Da gibt es viele Unbekannte, die wir in verschiedene Szenarien einbauen müssen“, erklärt Kalusche. Seine zentrale Baustelle ist das Budget, dass aufgrund der wirtschaftlichen Krise sinken könnte. „Die hat natürlich auch Einfluss auf unsere mehr als 200 Partner, alle sind betroffen“, sagt der Geschäftsführer. Er bleibt jedoch bei seiner Einschätzung von vor zwei Wochen: „Wir erhalten ermutigende Signale aus den Gesprächen mit den Sponsoren, ich bin weiterhin positiv gestimmt. Es wird ein Kraftakt, aber wir werden es schaffen.“ Auch GWD wird sich allerdings neu orientieren müssen. „Die Gehälter werden bereinigt werden, uns trifft eine heftige Rezession“, sagt Sport-Geschäftsführer von Behren. Das mache sich auf dem Transfermarkt bemerkbar, der erst jetzt wieder langsam in Bewegung kommt und noch einige Herausforderungen für die Bundesliga-Manager bereit hält, wie der Ex-Nationalspieler vermutet: „Ich habe den Eindruck, dass noch nicht alle Spieler und Berater verstanden haben, was gerade passiert.“ Entscheidend ist abseits aller personellen Planspiele, wann die neue Saison beginnt – und ob es eine gibt. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir an den Start kommen – sonst sind wir für lange Zeit weg“, verdeutlicht von Behren den Ernst der Lage für den Handball. Nach aktuellem Stand soll die Saison 2020/2021 im September starten, möglicherweise vorerst mit Geisterspielen. „Ich könnte mir auch den 1. Oktober vorstellen, auch wenn die Terminlage brutal eng ist“, sagt Kalusche. Wann und wie es mit Zuschauern weitergeht, ist völlig unklar. „Organisatorisch wird es auf jeden Fall ein deutlich größerer Aufwand, alleine beim Blick auf die Hygiene-Vorschriften“, betont er. Die werden GWD Minden auch intern beschäftigen, wenn es um die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs geht. Momentan halten sich die Spieler zu Hause fit und folgen dabei den Empfehlungen der sportlichen Leitung. „Wir werden jetzt den langfristigen athletischen Aufbau fortsetzen“, schildert Trainer Frank Carstens. Ziel bleibt es, so schnell wie möglich wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen: „Wir brauchen einfach die sportartspezifischen Bewegungen und vor allem den Kontakt.“ Dafür würde der Coach seine Spieler auch noch vor der großen Sommerpause wieder versammeln: „Sobald wir wieder in die Halle können, werden wir trainieren.“ Das steht und fällt jedoch mit der Gesamtsituation, wie Kalusche betont: „Es gibt viel Unsicherheit durch die externen Faktoren rund um das Virus. Wir sind davon abhängig, was die Politik entscheidet.“ Für Carstens gibt es indes einen wichtigen Indikator für die eigene sportliche Zukunft: „Wenn dem Fußball erlaubt wird, Geisterspiele durchzuführen, gibt es keinen Grund, warum wir nicht trainieren dürften.“ Eine sportliche Bilanz fällt dem Trainer in der aktuellen Ausnahmesituation schwer: „Diese Saison ist außerhalb jeder Wertung. Wir können nur mitnehmen, dass wir im Dezember nach dem Erlangen-Spiel den Schalter gefunden haben und zuletzt gute Leistungen gebracht haben. Wir waren auf einem vernünftigen Weg.“ Dahin wollen nicht nur GWD, sondern alle Bundesligisten zurück, denen mit 20 Mannschaften und vier Absteigern eine harte Saison bevor steht. Große Klagen darüber wird es aber auch in Minden nicht geben, wie Frank von Behren sagt: „Wir sind froh, wenn wir irgendwann wieder Normalität haben.“