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„Glaube nicht, dass weitergespielt wird“ - Malte Semisch im Interview zur Corona-Situation

Sebastian Schwake

Hanteltraining im Wohnzimmer: GWD Mindens Torhüter Malte Semisch absolviert sein tägliches Programm derzeit zu Hause. In der Corona-Krise sind auch Handballprofis im Homeoffice. - © Foto: Semisch/privat
Hanteltraining im Wohnzimmer: GWD Mindens Torhüter Malte Semisch absolviert sein tägliches Programm derzeit zu Hause. In der Corona-Krise sind auch Handballprofis im Homeoffice. (© Foto: Semisch/privat)

Minden. Die Handball-Bundesliga steht in der Corona-Krise still, eine Fortsetzung der Saison ist offen. Den Klubs fehlen die Einnahmen, den Spielern die Wettkämpfe. Auch bei GWD Minden ruht der Trainingsbetrieb. Doch wie halten sich Handballprofis fit? GWD-Torhüter Malte Semisch spricht im Interview mit der Tageszeitung „Die Harke“ über die derzeitige Situation.

Malte, wie geht es dir?

Gesundheitlich kann ich nicht klagen, mir geht es gut. Aber so langsam krieg ich Hummeln im Hintern. Die Highlights, die man sonst so im Sportleralltag hat, fehlen schon sehr, auch das Miteinander in der Mannschaft.

Welche Verhaltensregeln hat der Verein den Spielern auferlegt?

Wir sollen nicht gemeinsam trainieren und die Zahl unserer Kontaktpersonen möglichst gering halten. Schon in den letzten Wochen, als der Trainingsbetrieb noch lief, sollten wir uns zur Begrüßung nicht die Hand geben und möglichst Abstand halten. Das war natürlich schwer in einem Kontaktsport wie Handball.

Sporthallen und Fitnessstudios sind geschlossen: Wie hältst du dich fit?

Wir haben Trainingspläne von unserem Athletiktrainer bekommen, und ich habe mir noch rechtzeitig Hanteln von unserem Fitnessstudio ausgeliehen. So kann ich in meiner Wohnung mein Trainingsprogramm durchziehen. Das besteht aus Kräftigungsübungen und Gymnastik. Bei gutem Wetter kann ich im Garten trainieren. Außerdem gehe ich viel an der Weser laufen.

Wie sieht dein Alltag aus ohne Training mit der Mannschaft?

Es war am Anfang schwer, von hundert auf null so richtig runterzukommen. Ich bemühe mich jetzt um einen strukturierten Tagesablauf, an dem ich dann was für die Uni machen und dann mein Sportprogramm durchziehen kann. Jetzt ist auch mal Zeit, die Wohnung endgültig einzurichten. Und meine Freundin ist hier, weil sie als Lehrerin ja auch zu Hause bleiben muss.

Wie steht ihr als Mannschaft in Kontakt?

Durch WhatsApp und Snapchat ist das heutzutage ja einfach. Persönlicher Kontakt ist wegen der Kontaktsperre aber momentan nicht möglich. Einige ausländische Mitspieler haben die Möglichkeit genutzt und sind in die Heimat gefahren.

Wann und wie könnte die Saison fortgesetzt werden?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Saison zu Ende gespielt wird, da bei unseren Spielen ja immer tausende Menschen zusammenkommen. Außerdem haben wir nur bis zum 30. Juni Zeit, weil dann Verträge auslaufen und Spieler den Verein wechseln. Die einzige Option wären somit Geisterspiele ab Mitte Mai. Das ist schwer vorstellbar, aber andererseits hätte ich mir so einen Abbruch der Saison vor zwei Monaten auch noch nicht vorstellen können.

Vor der Zwangspause lief es für GWD sehr ordentlich. Falls noch einmal gespielt wird: Was stimmt dich optimistisch, dass ihr die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holt?

Wir haben einen guten Spirit in der Mannschaft und bewiesen, dass wir auch die neue Heimspielstätte Lübbecke zur Festung machen können, darauf sollten wir aufbauen. Zudem hat sich unsere Abwehr in der Rückrunde super stabilisiert, das müssen wir auch in die nächste Saison mitnehmen. Denn dann wird es bei unseren Abgängen (Marian Michalczik, Magnus Gullerud und Espen Christensen, Anm. d. Red.) mit Sicherheit nicht einfacher.

Wie wird die Corona-Krise und ihre Folgen den Handball verändern?

Es wird vielleicht den einen oder anderen Verein erwischen, der in den letzten Jahren finanziell größere Risiken eingegangen ist. Die Gesamteinnahmen der Liga und der Vereine werden sinken, und somit werden auch wir Spieler Abstriche machen müssen. Aber das ist dann halt so. Wenn ich mir überlege, dass nach der Krise weltweit viele Menschen arbeitslos sein werden, sollte sich von uns Spielern niemand beschweren. Uns geht es trotzdem noch gut – und es wird weitergehen.

Was kannst du derzeit für dein Studium an der Uni Hannover machen?

Ich hatte noch Arbeiten aus dem Wintersemester abzugeben, daran konnte ich jetzt schreiben. Für das Sommersemester möchte die Uni auf Online-Kurse umstellen. Es wär schön, wenn das klappt, da ich eigentlich geplant hatte, diesen Sommer meine Abschlussarbeit zu schreiben.

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Minden.„Glaube nicht, dass weitergespielt wird“ - Malte Semisch im Interview zur Corona-SituationSebastian SchwakeMinden. Die Handball-Bundesliga steht in der Corona-Krise still, eine Fortsetzung der Saison ist offen. Den Klubs fehlen die Einnahmen, den Spielern die Wettkämpfe. Auch bei GWD Minden ruht der Trainingsbetrieb. Doch wie halten sich Handballprofis fit? GWD-Torhüter Malte Semisch spricht im Interview mit der Tageszeitung „Die Harke“ über die derzeitige Situation. Malte, wie geht es dir? Gesundheitlich kann ich nicht klagen, mir geht es gut. Aber so langsam krieg ich Hummeln im Hintern. Die Highlights, die man sonst so im Sportleralltag hat, fehlen schon sehr, auch das Miteinander in der Mannschaft. Welche Verhaltensregeln hat der Verein den Spielern auferlegt? Wir sollen nicht gemeinsam trainieren und die Zahl unserer Kontaktpersonen möglichst gering halten. Schon in den letzten Wochen, als der Trainingsbetrieb noch lief, sollten wir uns zur Begrüßung nicht die Hand geben und möglichst Abstand halten. Das war natürlich schwer in einem Kontaktsport wie Handball. Sporthallen und Fitnessstudios sind geschlossen: Wie hältst du dich fit? Wir haben Trainingspläne von unserem Athletiktrainer bekommen, und ich habe mir noch rechtzeitig Hanteln von unserem Fitnessstudio ausgeliehen. So kann ich in meiner Wohnung mein Trainingsprogramm durchziehen. Das besteht aus Kräftigungsübungen und Gymnastik. Bei gutem Wetter kann ich im Garten trainieren. Außerdem gehe ich viel an der Weser laufen. Wie sieht dein Alltag aus ohne Training mit der Mannschaft? Es war am Anfang schwer, von hundert auf null so richtig runterzukommen. Ich bemühe mich jetzt um einen strukturierten Tagesablauf, an dem ich dann was für die Uni machen und dann mein Sportprogramm durchziehen kann. Jetzt ist auch mal Zeit, die Wohnung endgültig einzurichten. Und meine Freundin ist hier, weil sie als Lehrerin ja auch zu Hause bleiben muss. Wie steht ihr als Mannschaft in Kontakt? Durch WhatsApp und Snapchat ist das heutzutage ja einfach. Persönlicher Kontakt ist wegen der Kontaktsperre aber momentan nicht möglich. Einige ausländische Mitspieler haben die Möglichkeit genutzt und sind in die Heimat gefahren. Wann und wie könnte die Saison fortgesetzt werden? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Saison zu Ende gespielt wird, da bei unseren Spielen ja immer tausende Menschen zusammenkommen. Außerdem haben wir nur bis zum 30. Juni Zeit, weil dann Verträge auslaufen und Spieler den Verein wechseln. Die einzige Option wären somit Geisterspiele ab Mitte Mai. Das ist schwer vorstellbar, aber andererseits hätte ich mir so einen Abbruch der Saison vor zwei Monaten auch noch nicht vorstellen können. Vor der Zwangspause lief es für GWD sehr ordentlich. Falls noch einmal gespielt wird: Was stimmt dich optimistisch, dass ihr die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holt? Wir haben einen guten Spirit in der Mannschaft und bewiesen, dass wir auch die neue Heimspielstätte Lübbecke zur Festung machen können, darauf sollten wir aufbauen. Zudem hat sich unsere Abwehr in der Rückrunde super stabilisiert, das müssen wir auch in die nächste Saison mitnehmen. Denn dann wird es bei unseren Abgängen (Marian Michalczik, Magnus Gullerud und Espen Christensen, Anm. d. Red.) mit Sicherheit nicht einfacher. Wie wird die Corona-Krise und ihre Folgen den Handball verändern? Es wird vielleicht den einen oder anderen Verein erwischen, der in den letzten Jahren finanziell größere Risiken eingegangen ist. Die Gesamteinnahmen der Liga und der Vereine werden sinken, und somit werden auch wir Spieler Abstriche machen müssen. Aber das ist dann halt so. Wenn ich mir überlege, dass nach der Krise weltweit viele Menschen arbeitslos sein werden, sollte sich von uns Spielern niemand beschweren. Uns geht es trotzdem noch gut – und es wird weitergehen. Was kannst du derzeit für dein Studium an der Uni Hannover machen? Ich hatte noch Arbeiten aus dem Wintersemester abzugeben, daran konnte ich jetzt schreiben. Für das Sommersemester möchte die Uni auf Online-Kurse umstellen. Es wär schön, wenn das klappt, da ich eigentlich geplant hatte, diesen Sommer meine Abschlussarbeit zu schreiben.