Minden

Probleme ja, Sorgen nein - GWD bleibt in der Krise optimistisch

Sebastian Külbel

Nicht nur GWD Mindens Torwart Espen Christensen hängt zurzeit in der Luft. Die Handball-Bundesliga steckt in der Zwangspause, es droht der Saisonabbruch. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Nicht nur GWD Mindens Torwart Espen Christensen hängt zurzeit in der Luft. Die Handball-Bundesliga steckt in der Zwangspause, es droht der Saisonabbruch. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden. Wenn eine ganze Liga unter der Krise leidet, geht das auch am Tabellen-15. nicht spurlos vorüber. Die Auswirkungen des Coronavirus treffen GWD Minden hart, daraus machen die Verantwortlichen keinen Hehl. Während aber andere Klubs schon die Existenzfrage gestellt haben, betont der kaufmännische Geschäftsführer Markus Kalusche: „Man muss sich keine Sorgen machen um GWD. Es wird auch weiterhin Bundesliga-Handball in Minden geben.“

Eine wichtige Maßnahme auf dem Weg dahin ist das Einsparen der Gehälter für den Profi-Betrieb: „Wir haben Kurzarbeit angemeldet“, bestätigt Kalusche einen Schritt, den viele andere Vereine auch vollzogen haben. Dass die Mindener das bislang nicht kommuniziert haben, erklärt der Geschäftsführer so: „Wir wollten keine vertraglichen Details in der Öffentlichkeit preisgeben.“ Die Spieler befinden sich zurzeit im Heimtraining.

Dass er das finanzielle Fundament für den Bundesliga-Spielbetrieb gesichert sieht, bestätigt Kalusche dagegen gerne: „Ich hoffe auf die Solidarität der Sponsoren. Viele haben im Moment andere Dinge zu tun, aber ich habe auch schon positive Signale bekommen.“ Dennoch ist auch ihm klar, dass das schon festgezurrte Budget für die neue Saison kaum zu halten sein wird: „Wir müssen nach der Corona-Krise neu sprechen.“

Komplett auf Eis liegt derzeit das Tätigkeitsfeld von Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. „Im Moment gibt es keinen Transfermarkt“, sagt der 43-Jährige: „Man kann eigentlich nur Videos sichten und Kontakte halten.“ Von Behren ist dabei fast froh, noch nicht die Nachfolge von Marian Michalczik als Schlüssel-Personalie geregelt zu haben: „Denn wir wissen ja nicht, was in den nächsten Wochen und Monaten noch passiert.“ Das bezieht sich zum einen auf die Mittel, die für diesen Transfer noch zur Verfügung stehen werden. Zum anderen erwartet der Ex-Nationalspieler, dass sich der Transfermarkt neu ordnet: „Einige Klubs in Europa werden die Krise nicht überstehen.“ Und dann eröffnen sich neue Möglichkeiten.

Insgesamt war der GWD-Sportchef bei der Kaderplanung schon sehr weit. Miljan Pusica und Christoph Reißky verlängerten ihre Verträge, Torwart Carsten Lichtlein und Kreisläufer Joshua Thiele kommen als Ersatz für die Norweger Espen Christensen und Magnus Gullerud. „Das Gerüst steht“, sagt von Behren. Jetzt muss nur noch der Abgang von Kapitän Michalczik kompensiert werden.

Ob die Fans ihn noch einmal im GWD-Trikot sehen werden, ist dagegen äußerst fraglich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in dieser Saison noch einmal spielen. Das sieht ein Großteil der Vereine so“, schildert Kalusche. Am vorigen Freitag hatte das Präsidium der Handball-Bundesliga eine letzte Frist gesetzt: Am 16. Mai müsse der Spielbetrieb spätestens wieder anfangen, um die Saison noch beenden zu können. Nach den nächsten Schritten der Bundesregierung in der Woche nach Ostern sollen schnelle Entscheidungen fallen.

Auch Geisterspielen stehen die GWD-Verantwortlichen kritisch gegenüber: „Das ist das Schlimmste, was passieren kann“, betont Kalusche die Bedeutung der Zuschauer: „Die Fans machen den Handball aus. Ohne die hat die Atmosphäre eher Freundschaftsspielcharakter.“ Dennoch sind Partien vor leeren Rängen ein realistisches Szenario – zumindest in diesem Jahr.

Für die Mindener wäre das ein vergleichsweise kleines Problem. „Bei uns machen die Zuschauereinnahmen einen nicht so großen Anteil aus, so dass wir das besser verkraften können als andere Vereine“, erklärt Kalusche. Und dann ist da noch ein eher emotionaler Faktor, der dem Geschäftsführer momentan Mut macht: „Traditionsvereine zeichnen sich in der Krise durch eine gewisse Stärke aus. Das merken wir auch gerade.“

Zitat

„Die Gehälter werden sich reduzieren, das ist eine Bereinigung.“ (GWD Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Transfermarkt)

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MindenProbleme ja, Sorgen nein - GWD bleibt in der Krise optimistischSebastian KülbelMinden. Wenn eine ganze Liga unter der Krise leidet, geht das auch am Tabellen-15. nicht spurlos vorüber. Die Auswirkungen des Coronavirus treffen GWD Minden hart, daraus machen die Verantwortlichen keinen Hehl. Während aber andere Klubs schon die Existenzfrage gestellt haben, betont der kaufmännische Geschäftsführer Markus Kalusche: „Man muss sich keine Sorgen machen um GWD. Es wird auch weiterhin Bundesliga-Handball in Minden geben.“ Eine wichtige Maßnahme auf dem Weg dahin ist das Einsparen der Gehälter für den Profi-Betrieb: „Wir haben Kurzarbeit angemeldet“, bestätigt Kalusche einen Schritt, den viele andere Vereine auch vollzogen haben. Dass die Mindener das bislang nicht kommuniziert haben, erklärt der Geschäftsführer so: „Wir wollten keine vertraglichen Details in der Öffentlichkeit preisgeben.“ Die Spieler befinden sich zurzeit im Heimtraining. Dass er das finanzielle Fundament für den Bundesliga-Spielbetrieb gesichert sieht, bestätigt Kalusche dagegen gerne: „Ich hoffe auf die Solidarität der Sponsoren. Viele haben im Moment andere Dinge zu tun, aber ich habe auch schon positive Signale bekommen.“ Dennoch ist auch ihm klar, dass das schon festgezurrte Budget für die neue Saison kaum zu halten sein wird: „Wir müssen nach der Corona-Krise neu sprechen.“ Komplett auf Eis liegt derzeit das Tätigkeitsfeld von Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. „Im Moment gibt es keinen Transfermarkt“, sagt der 43-Jährige: „Man kann eigentlich nur Videos sichten und Kontakte halten.“ Von Behren ist dabei fast froh, noch nicht die Nachfolge von Marian Michalczik als Schlüssel-Personalie geregelt zu haben: „Denn wir wissen ja nicht, was in den nächsten Wochen und Monaten noch passiert.“ Das bezieht sich zum einen auf die Mittel, die für diesen Transfer noch zur Verfügung stehen werden. Zum anderen erwartet der Ex-Nationalspieler, dass sich der Transfermarkt neu ordnet: „Einige Klubs in Europa werden die Krise nicht überstehen.“ Und dann eröffnen sich neue Möglichkeiten. Insgesamt war der GWD-Sportchef bei der Kaderplanung schon sehr weit. Miljan Pusica und Christoph Reißky verlängerten ihre Verträge, Torwart Carsten Lichtlein und Kreisläufer Joshua Thiele kommen als Ersatz für die Norweger Espen Christensen und Magnus Gullerud. „Das Gerüst steht“, sagt von Behren. Jetzt muss nur noch der Abgang von Kapitän Michalczik kompensiert werden. Ob die Fans ihn noch einmal im GWD-Trikot sehen werden, ist dagegen äußerst fraglich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in dieser Saison noch einmal spielen. Das sieht ein Großteil der Vereine so“, schildert Kalusche. Am vorigen Freitag hatte das Präsidium der Handball-Bundesliga eine letzte Frist gesetzt: Am 16. Mai müsse der Spielbetrieb spätestens wieder anfangen, um die Saison noch beenden zu können. Nach den nächsten Schritten der Bundesregierung in der Woche nach Ostern sollen schnelle Entscheidungen fallen. Auch Geisterspielen stehen die GWD-Verantwortlichen kritisch gegenüber: „Das ist das Schlimmste, was passieren kann“, betont Kalusche die Bedeutung der Zuschauer: „Die Fans machen den Handball aus. Ohne die hat die Atmosphäre eher Freundschaftsspielcharakter.“ Dennoch sind Partien vor leeren Rängen ein realistisches Szenario – zumindest in diesem Jahr. Für die Mindener wäre das ein vergleichsweise kleines Problem. „Bei uns machen die Zuschauereinnahmen einen nicht so großen Anteil aus, so dass wir das besser verkraften können als andere Vereine“, erklärt Kalusche. Und dann ist da noch ein eher emotionaler Faktor, der dem Geschäftsführer momentan Mut macht: „Traditionsvereine zeichnen sich in der Krise durch eine gewisse Stärke aus. Das merken wir auch gerade.“ Zitat „Die Gehälter werden sich reduzieren, das ist eine Bereinigung.“ (GWD Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Transfermarkt)