Minden

Mindener Tausch in der Nationalmannschaft: Der verletzte Marian Michalczik freut sich für Neuling Juri Knorr

Marcus Riechmann

GWD-Handballer Juri Knorr steht vor seinem Debüt in der Nationalmannschaft. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
GWD-Handballer Juri Knorr steht vor seinem Debüt in der Nationalmannschaft. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden. Das intensive Spiel in Balingen hat für Marian Michalczik Folgen: Der Teamkapitän des Handball-Bundesligisten GWD Minden hat sich zum Abschluss der englischen Woche eine Wadenverletzung zugezogen und musste seine Teilnahme am Länderspiel gegen die Niederlande absagen. Der Nachrücker in der deutschen Nationalmannschaft kommt ebenfalls aus Minden: Bundestrainer Alfred Gislason berief GWD-Talent Juri Knorr in den Kader. Knorr reiste direkt am Montag zum DHB-Lehrgang in Aschersleben. Freitag könnte der 19-jährige Rückraumspieler dann im Testspiel gegen die Niederlande sein Debüt in der Nationalmannschaft der Männer erleben.

Bereits am Sonntag vollzog sich der Mindener Tausch. Michalczik hatte Bundestrainer Gislason über seine Verletzung informiert, der DHB lud Knorr einige Stunden danach zum Lehrgang ein. Knorr, der im Sommer vom FC Barcelona zu GWD Minden wechselte und in seiner ersten Bundesliga-Saison stabil starke Leistungen zeigt, freute sich über die Nominierung. „Mega. Das war immer ein Traum von mir“, kommentierte der Spielgestalter, der auf den Spuren seines Vaters Thomas wandelt, der 83 Spiele für Deutschland bestritt. Sohn Juri beschrieb gestern seine Gefühlswelt: „Ich konnte es im ersten Moment gar nicht glauben. Das fühlt sich alles ein wenig unwirklich an.“

In den Juniorenteams des DHB hat der geborene Flensburger bereits Erfahrungen gesammelt, nun darf er bei den Männern reinschnuppern. Die Mitspieler kennt er aus der Bundesliga und zum Bundestrainer hatte er bereits Kontakt. „Ich kenne Alfred Gislason von einem Treffen mit Marian und durch zwei Telefonate“, berichtete Knorr aus Aschersleben davon, dass ihn der neue DHB-Cheftrainer offenbar bereits im Blick hatte.

„Das ist natürlich schade für mich, aber ich freue mich für Juri“, kommentierte Michalczik im MT-Gespräch die Entwicklung. Statt des 21. Länderspiels steht für den 23-Jährigen mit der Nummer 22 nun eine Sportpause an. Montagmittag wurde sein Bein einer MRT-Untersuchung unterzogen, danach stand die Diagnostik beim Teamarzt Dr. Jörg Pöhlmann an. Wie lange Michalczik ausfallen wird, ist offen.

Der GWD-Torjäger hatte sich die Verletzung in der linken Wade am Samstag in der 48. Spielminute zugezogen. „Das war ein brennender Schmerz“, beschrieb Michalczik die ohne Einwirkung eines Gegenspielers entstandenen Beschwerden. Danach erhielt er einen Kompressionsverband vom GWD-Physiotherapeuten Philip Roessler, biss die Zähne zusammen, kehrte zurück auf das Spielfeld und war schließlich mit seinen beherzten Aktionen dafür verantwortlich, dass GWD noch 26:26 spielte und einen Punkt im Kellerduell erreichte.

„Wir wollten eigentlich mehr“, sagte der Spielmacher über das Unentschieden, „aber uns war schon klar, dass man gegen Balingen nichts geschenkt bekommt. Am Ende können wir mit dem Punkt ganz gut leben.“ Ungeachtet seiner noch ungewissen Ausfalldauer schöpft Michalczik im Kampf um den Klassenerhalt Zuversicht aus der jüngsten Entwicklung des Teams, das in der Rückrunde 8:10 Punkte erreichte. „Wir spielen jetzt schon eine ganze Weile sehr stabil“, blickt er den kommenden Aufgaben optimistisch entgegen.

Diese Haltung teilt auch Frank von Behren. „Das Balingen-Spiel war eine Feuertaufe. Dass wir dort bestanden haben, wird uns Rückenwind geben“, sagt der GWD-Sportgeschäftsführer: „Für uns ist das Ergebnis mehr wert als für Balingen. Wir haben den Abstand nach unten gehalten. Der Punkt kann für uns noch ganz wichtig sein.“

Im Abstiegskampf steckt eine Menge Dynamik, etliche direkte Duelle der um den Klassenerhalt kämpfenden Teams stehen an den bleibenden sieben und für GWD acht Spieltagen an. „Die entscheidenden heißen Wochen kommen erst noch“, sagte am Samstag Balingens Trainer Jens Bürkle.

Wer gegen wen wann Punkte sammeln kann? Diesen Blick in die Glaskugel hat sich von Behren abgewöhnt. „Die Rechnerei macht nur verrückt. Es ist eine Floskel, aber sie stimmt: wir sollten nur auf uns schauen, weil wir nur unsere eigene Leistung beeinflussen können.“ Die soll möglichst bei den nächsten beiden Spielen gegen TVB Stuttgart und beim HC Erlangen passen. „Da können wir einen Riesenschritt machen“, hofft von Behren.

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MindenMindener Tausch in der Nationalmannschaft: Der verletzte Marian Michalczik freut sich für Neuling Juri KnorrMarcus RiechmannMinden. Das intensive Spiel in Balingen hat für Marian Michalczik Folgen: Der Teamkapitän des Handball-Bundesligisten GWD Minden hat sich zum Abschluss der englischen Woche eine Wadenverletzung zugezogen und musste seine Teilnahme am Länderspiel gegen die Niederlande absagen. Der Nachrücker in der deutschen Nationalmannschaft kommt ebenfalls aus Minden: Bundestrainer Alfred Gislason berief GWD-Talent Juri Knorr in den Kader. Knorr reiste direkt am Montag zum DHB-Lehrgang in Aschersleben. Freitag könnte der 19-jährige Rückraumspieler dann im Testspiel gegen die Niederlande sein Debüt in der Nationalmannschaft der Männer erleben. Bereits am Sonntag vollzog sich der Mindener Tausch. Michalczik hatte Bundestrainer Gislason über seine Verletzung informiert, der DHB lud Knorr einige Stunden danach zum Lehrgang ein. Knorr, der im Sommer vom FC Barcelona zu GWD Minden wechselte und in seiner ersten Bundesliga-Saison stabil starke Leistungen zeigt, freute sich über die Nominierung. „Mega. Das war immer ein Traum von mir“, kommentierte der Spielgestalter, der auf den Spuren seines Vaters Thomas wandelt, der 83 Spiele für Deutschland bestritt. Sohn Juri beschrieb gestern seine Gefühlswelt: „Ich konnte es im ersten Moment gar nicht glauben. Das fühlt sich alles ein wenig unwirklich an.“ In den Juniorenteams des DHB hat der geborene Flensburger bereits Erfahrungen gesammelt, nun darf er bei den Männern reinschnuppern. Die Mitspieler kennt er aus der Bundesliga und zum Bundestrainer hatte er bereits Kontakt. „Ich kenne Alfred Gislason von einem Treffen mit Marian und durch zwei Telefonate“, berichtete Knorr aus Aschersleben davon, dass ihn der neue DHB-Cheftrainer offenbar bereits im Blick hatte. „Das ist natürlich schade für mich, aber ich freue mich für Juri“, kommentierte Michalczik im MT-Gespräch die Entwicklung. Statt des 21. Länderspiels steht für den 23-Jährigen mit der Nummer 22 nun eine Sportpause an. Montagmittag wurde sein Bein einer MRT-Untersuchung unterzogen, danach stand die Diagnostik beim Teamarzt Dr. Jörg Pöhlmann an. Wie lange Michalczik ausfallen wird, ist offen. Der GWD-Torjäger hatte sich die Verletzung in der linken Wade am Samstag in der 48. Spielminute zugezogen. „Das war ein brennender Schmerz“, beschrieb Michalczik die ohne Einwirkung eines Gegenspielers entstandenen Beschwerden. Danach erhielt er einen Kompressionsverband vom GWD-Physiotherapeuten Philip Roessler, biss die Zähne zusammen, kehrte zurück auf das Spielfeld und war schließlich mit seinen beherzten Aktionen dafür verantwortlich, dass GWD noch 26:26 spielte und einen Punkt im Kellerduell erreichte. „Wir wollten eigentlich mehr“, sagte der Spielmacher über das Unentschieden, „aber uns war schon klar, dass man gegen Balingen nichts geschenkt bekommt. Am Ende können wir mit dem Punkt ganz gut leben.“ Ungeachtet seiner noch ungewissen Ausfalldauer schöpft Michalczik im Kampf um den Klassenerhalt Zuversicht aus der jüngsten Entwicklung des Teams, das in der Rückrunde 8:10 Punkte erreichte. „Wir spielen jetzt schon eine ganze Weile sehr stabil“, blickt er den kommenden Aufgaben optimistisch entgegen. Diese Haltung teilt auch Frank von Behren. „Das Balingen-Spiel war eine Feuertaufe. Dass wir dort bestanden haben, wird uns Rückenwind geben“, sagt der GWD-Sportgeschäftsführer: „Für uns ist das Ergebnis mehr wert als für Balingen. Wir haben den Abstand nach unten gehalten. Der Punkt kann für uns noch ganz wichtig sein.“ Im Abstiegskampf steckt eine Menge Dynamik, etliche direkte Duelle der um den Klassenerhalt kämpfenden Teams stehen an den bleibenden sieben und für GWD acht Spieltagen an. „Die entscheidenden heißen Wochen kommen erst noch“, sagte am Samstag Balingens Trainer Jens Bürkle. Wer gegen wen wann Punkte sammeln kann? Diesen Blick in die Glaskugel hat sich von Behren abgewöhnt. „Die Rechnerei macht nur verrückt. Es ist eine Floskel, aber sie stimmt: wir sollten nur auf uns schauen, weil wir nur unsere eigene Leistung beeinflussen können.“ Die soll möglichst bei den nächsten beiden Spielen gegen TVB Stuttgart und beim HC Erlangen passen. „Da können wir einen Riesenschritt machen“, hofft von Behren.