Balingen

Gullerud trifft mit dem letzten Wurf: GWD Minden erkämpft einen wichtigen Punkt in Balingen

Marcus Riechmann

Die beiden Männer mit der Nummer 22 im direkten Duell. Mindens Marian Michalczik versucht an HBW-Abwehrspieler Jona Schoch vorbeizukommen. Foto: Sebastian Baur / Eibner - © Eibner-Pressefoto
Die beiden Männer mit der Nummer 22 im direkten Duell. Mindens Marian Michalczik versucht an HBW-Abwehrspieler Jona Schoch vorbeizukommen. Foto: Sebastian Baur / Eibner (© Eibner-Pressefoto)

Balingen. GWD Minden hat sich am Samstagabend den im November verlorenen Punkt zurückgeholt. Im Kellerkrimi der Handball-Bundesliga erkämpften sich die Ostwestfalen bei HBW Balingen-Weilstetten ein 26:26 (14:14)- Unentschieden. Kreisläufer Magnus Gullerud vollendete die letzte Mindener Wurfchance zum wichtigen Ausgleich, der den Gastgebern nach sechs Niederlagen in Folge den greifbaren ersten Sieg des Jahres wieder entriss.

Wie schon im Hinspiel in der Kampa-Halle (30:30) trennten sich die beiden Teams ohne Sieger. Während damals Balingen durch Jannik Hausmann mit der letzten Aktion zum Ausgleich kam, setzten dieses Mal die Männer in Grün den Schlusspunkt und sicherten sich mit einer entschlossen von Marian Michalczik eingeleiteten Angriffsaktion noch ein Remis. Ein Ergebnis, das aktuell den Gästen wohl mehr hilft. Sie behaupteten in der Tabelle den knappen Zwei-Punkte-Vorsprung vor Balingen und bauten das Polster auf die Eulen Ludwigshafen, die auf dem ersten Abstiegsplatz liegen, auf nun drei Zähler aus.

„Für uns ist das Unentschieden ein Vorteil. Wir holen einen Auswärtspunkt bei einem direkten Konkurrenten“, bewertete GWD-Coach Frank Carstens den Spielausgang positiv und meinte nach einer energisch geführten und von Fehlern geprägten Auseinandersetzung wohl treffend: „Dieses Spiel hatte dieses Ergebnis verdient.“

„Wir haben endlich den ersten Punkt des Jahres. Diesen Punkt nehmen wir mit, aber wir wollten natürlich zwei. Wenn man zehn Sekunden vor dem Ende noch ein Tor vorn ist, ist das extrem bitter“, wusste Balingens Top-Torschütze Jona Schoch unmittelbar nach dem Abpfiff nicht, wie er das Remis einschätzen sollte. Und auch Mindens Rückraumspieler Juri Knorr tat sich mit der Bewertung schwer. „Es galt: Verlieren verboten“, nannte er die Ausgangslage und meinte: „Wenigstens nehmen wir etwas mit.“ Als "intensiv" beschrieben Spieler wie Trainer das mit hohem Erfolgsdruck beladene Duell, doch in Härte spiegelte sich die Intensität nicht wieder. Es gab kaum raue Foulspiele und im gesamten Spielverlauf lediglich zwei Siebenmeterpfiffe.

Die erste Halbzeit entsprach in ihrem biederen Spielniveau dem Tabellenstand der beiden Kontrahenten. Bei Mannschaften taten sich schwer, spielerischer Glanz war Mangelware vor 2.350 Zuschauern in der ausverkauften Balinger Sparkassen-Arena. Angeführt vom Rückraum-Trio Vladan Lipovina (Rechts/4 Tore), Martin Strobel (Mitte/3) und Jona Schoch (Links/4) hatten die Gastgeber fast immer die Nase vorn, beim 5:3, 6:4 und 9:7 auch mal mit zwei Treffern. Doch GWD ließ sich nicht abschütteln und kam immer wieder zum Ausgleich. GWD erzielte die feiner herausgespielten Treffer, vor allem hübsche Kreisanspiele von Marian Michalczik und Christoffer Rambo verliehen dem faden Treiben etwas Glanz. Doch zur eigenen Führung, die die Gäste nur beim 2:1 (Miljan Pusica) und 3:2 (Marian Michalczik) innehatten, kamen die Mindener nicht.

Die Abwehrreihen sowie das Bemühen, nur keine Fehler zu machen, bestimmten das Duell. Trotzdem gab es Fehler in Hülle und Fülle auf beiden Seiten. "Wir schmeißen viele Bälle ohne Druck einfach weg", beschrieb der Balinger Schoch die nervlichen Folgen des Abstiegskampfes vor allem für das Offensivspiel. Deutlich besser gelang beiden Teams die Deckungsarbeit. Eine Folge: Beide Torhüter hatten oft leichtes Spiel. Sowohl Mindens Malte Semisch wie auch HBW-Keeper Mike Jensen leisteten solide Arbeit zwischen den Pfosten und wehrten nebenbei auch ein paar erstklassige Chancen ab. Wichtig waren die Paraden von Semisch nach der ersten und einzigen Zeitstrafe der überaus fairen – für einen Abstiegsfight ungewöhnlich fairen - ersten Spielhälfte. Als Kevin Gulliksen in der 27. Minute beim 12:13-Rückstand eine Strafzeit absitzen musste wehrte der lange Mann aus Loccum gegen Balingens Rechtsaußen Jannik Hausmann und auch den letzten Wurf von Martin Strobel ab. Und so ging es leistungsangemessen mit 14:14 in die Halbzeitpause.

Drei Zeitstrafen in Folge machten GWD nach Wiederanpfiff zu schaffen. Magnus Gullerud (34.), Marian Michalczik (37.) und Lucas Meister (39.) mussten nacheinander auf die Bank. Einen echten Vorteil konnte Balingen aus dem langen Überzahlspiel nicht ziehen. Die erste Zeitstrafe gegen Balingen, die der in der Jugend einst bei GWD großgewordene Marcel Niemeyer in der 43. Minute erhielt, nutzte Minden zu einem feinen Überzahltreffer durch Rambo über links zum 18:18. Doch richtig in Gang kamen die Gäste nicht, denn Ruckzuck hatte sich Miljan Pusica die nächste und bereits vierte GWD-Zeitstrafe in Halbzeit zwei eingehandelt (43.).

Als dann beide Teams wieder vollzählig in die Schlussviertelstunde einbogen, änderte das am ebenso freudlosen wie verbissenen Ringen wenig. Allerdings ging GWD zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder in Führung. Juri Knorr hatte zum 20:20 getroffen, danach ließ Rambo bei einem Konter die erste Führungschance gegen noch Jensen liegen. Doch kurz darauf machte Lucas Meister nach schönem Zuspiel von Knorr das ersehnte Führungstor zum 22:21 (50.). Im Gegenzug egalisierte Balingens Oddur Gretarsson mit dem ersten Siebenmeter des Tages (!) zum 22:22. GWD-Coach Frank Carstens nahm eine Auszeit. „Wir bleiben cool und nehmen die Punkte mit nach Hause“, schwor er seine Männer ein.

Tor um Tor schob sich das zähe Ringen dem Finale entgegen. In den Schlussminuten zauberte Balingen einen Joker aus dem Ärmel. Der in der zweiten Halbzeit völlig abgetauchte Linkshänder Lipovina warf Balingen zum 25:24 (59.) und 26:25 (60.) in Führung. Doch Minden gelang unter der Führung von Michalczik jeweils der Ausgleich. Erst traf der Mittelmann im Spiel mit dem siebten Feldspieler entschlossen zum 25:25, dann sah er nach einer schnell ausgeführten Mitte Magnus Gullerud am Kreis, und der norwegische GWD-Kreisläufer stellte den 26:26-Endstand her.

HBW Balingen-Weilstetten - GWD Minden 26:26 (14:14).

HBW Balingen-Weilstetten: Jensen 1.-58. und 60., Ruminsky 58.-60. - Schoch 7, Lipovina 6, Gretarsson 4/1, Strobel 4, Meschke 2, Thomann 2, Niemeyer 1, Zobel, Kirveliavicius, Hausmann, Nothdurft, Foth, Saueressig.

GWD Minden: Semisch 1.-60. , Christensen - Gullerud 6, Michalczik 5/1, Rambo 5, Knorr 4, Korte 2, Staar 1, Meister 1, Pusica 1, Gulliksen 1, Reißky, Padshyvalau, Savvas, Ritterbach.

Zuschauer: 2.350.

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BalingenGullerud trifft mit dem letzten Wurf: GWD Minden erkämpft einen wichtigen Punkt in BalingenMarcus RiechmannBalingen. GWD Minden hat sich am Samstagabend den im November verlorenen Punkt zurückgeholt. Im Kellerkrimi der Handball-Bundesliga erkämpften sich die Ostwestfalen bei HBW Balingen-Weilstetten ein 26:26 (14:14)- Unentschieden. Kreisläufer Magnus Gullerud vollendete die letzte Mindener Wurfchance zum wichtigen Ausgleich, der den Gastgebern nach sechs Niederlagen in Folge den greifbaren ersten Sieg des Jahres wieder entriss. Wie schon im Hinspiel in der Kampa-Halle (30:30) trennten sich die beiden Teams ohne Sieger. Während damals Balingen durch Jannik Hausmann mit der letzten Aktion zum Ausgleich kam, setzten dieses Mal die Männer in Grün den Schlusspunkt und sicherten sich mit einer entschlossen von Marian Michalczik eingeleiteten Angriffsaktion noch ein Remis. Ein Ergebnis, das aktuell den Gästen wohl mehr hilft. Sie behaupteten in der Tabelle den knappen Zwei-Punkte-Vorsprung vor Balingen und bauten das Polster auf die Eulen Ludwigshafen, die auf dem ersten Abstiegsplatz liegen, auf nun drei Zähler aus. „Für uns ist das Unentschieden ein Vorteil. Wir holen einen Auswärtspunkt bei einem direkten Konkurrenten“, bewertete GWD-Coach Frank Carstens den Spielausgang positiv und meinte nach einer energisch geführten und von Fehlern geprägten Auseinandersetzung wohl treffend: „Dieses Spiel hatte dieses Ergebnis verdient.“ „Wir haben endlich den ersten Punkt des Jahres. Diesen Punkt nehmen wir mit, aber wir wollten natürlich zwei. Wenn man zehn Sekunden vor dem Ende noch ein Tor vorn ist, ist das extrem bitter“, wusste Balingens Top-Torschütze Jona Schoch unmittelbar nach dem Abpfiff nicht, wie er das Remis einschätzen sollte. Und auch Mindens Rückraumspieler Juri Knorr tat sich mit der Bewertung schwer. „Es galt: Verlieren verboten“, nannte er die Ausgangslage und meinte: „Wenigstens nehmen wir etwas mit.“ Als "intensiv" beschrieben Spieler wie Trainer das mit hohem Erfolgsdruck beladene Duell, doch in Härte spiegelte sich die Intensität nicht wieder. Es gab kaum raue Foulspiele und im gesamten Spielverlauf lediglich zwei Siebenmeterpfiffe. Die erste Halbzeit entsprach in ihrem biederen Spielniveau dem Tabellenstand der beiden Kontrahenten. Bei Mannschaften taten sich schwer, spielerischer Glanz war Mangelware vor 2.350 Zuschauern in der ausverkauften Balinger Sparkassen-Arena. Angeführt vom Rückraum-Trio Vladan Lipovina (Rechts/4 Tore), Martin Strobel (Mitte/3) und Jona Schoch (Links/4) hatten die Gastgeber fast immer die Nase vorn, beim 5:3, 6:4 und 9:7 auch mal mit zwei Treffern. Doch GWD ließ sich nicht abschütteln und kam immer wieder zum Ausgleich. GWD erzielte die feiner herausgespielten Treffer, vor allem hübsche Kreisanspiele von Marian Michalczik und Christoffer Rambo verliehen dem faden Treiben etwas Glanz. Doch zur eigenen Führung, die die Gäste nur beim 2:1 (Miljan Pusica) und 3:2 (Marian Michalczik) innehatten, kamen die Mindener nicht. Die Abwehrreihen sowie das Bemühen, nur keine Fehler zu machen, bestimmten das Duell. Trotzdem gab es Fehler in Hülle und Fülle auf beiden Seiten. "Wir schmeißen viele Bälle ohne Druck einfach weg", beschrieb der Balinger Schoch die nervlichen Folgen des Abstiegskampfes vor allem für das Offensivspiel. Deutlich besser gelang beiden Teams die Deckungsarbeit. Eine Folge: Beide Torhüter hatten oft leichtes Spiel. Sowohl Mindens Malte Semisch wie auch HBW-Keeper Mike Jensen leisteten solide Arbeit zwischen den Pfosten und wehrten nebenbei auch ein paar erstklassige Chancen ab. Wichtig waren die Paraden von Semisch nach der ersten und einzigen Zeitstrafe der überaus fairen – für einen Abstiegsfight ungewöhnlich fairen - ersten Spielhälfte. Als Kevin Gulliksen in der 27. Minute beim 12:13-Rückstand eine Strafzeit absitzen musste wehrte der lange Mann aus Loccum gegen Balingens Rechtsaußen Jannik Hausmann und auch den letzten Wurf von Martin Strobel ab. Und so ging es leistungsangemessen mit 14:14 in die Halbzeitpause. Drei Zeitstrafen in Folge machten GWD nach Wiederanpfiff zu schaffen. Magnus Gullerud (34.), Marian Michalczik (37.) und Lucas Meister (39.) mussten nacheinander auf die Bank. Einen echten Vorteil konnte Balingen aus dem langen Überzahlspiel nicht ziehen. Die erste Zeitstrafe gegen Balingen, die der in der Jugend einst bei GWD großgewordene Marcel Niemeyer in der 43. Minute erhielt, nutzte Minden zu einem feinen Überzahltreffer durch Rambo über links zum 18:18. Doch richtig in Gang kamen die Gäste nicht, denn Ruckzuck hatte sich Miljan Pusica die nächste und bereits vierte GWD-Zeitstrafe in Halbzeit zwei eingehandelt (43.). Als dann beide Teams wieder vollzählig in die Schlussviertelstunde einbogen, änderte das am ebenso freudlosen wie verbissenen Ringen wenig. Allerdings ging GWD zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder in Führung. Juri Knorr hatte zum 20:20 getroffen, danach ließ Rambo bei einem Konter die erste Führungschance gegen noch Jensen liegen. Doch kurz darauf machte Lucas Meister nach schönem Zuspiel von Knorr das ersehnte Führungstor zum 22:21 (50.). Im Gegenzug egalisierte Balingens Oddur Gretarsson mit dem ersten Siebenmeter des Tages (!) zum 22:22. GWD-Coach Frank Carstens nahm eine Auszeit. „Wir bleiben cool und nehmen die Punkte mit nach Hause“, schwor er seine Männer ein. Tor um Tor schob sich das zähe Ringen dem Finale entgegen. In den Schlussminuten zauberte Balingen einen Joker aus dem Ärmel. Der in der zweiten Halbzeit völlig abgetauchte Linkshänder Lipovina warf Balingen zum 25:24 (59.) und 26:25 (60.) in Führung. Doch Minden gelang unter der Führung von Michalczik jeweils der Ausgleich. Erst traf der Mittelmann im Spiel mit dem siebten Feldspieler entschlossen zum 25:25, dann sah er nach einer schnell ausgeführten Mitte Magnus Gullerud am Kreis, und der norwegische GWD-Kreisläufer stellte den 26:26-Endstand her. HBW Balingen-Weilstetten - GWD Minden 26:26 (14:14). HBW Balingen-Weilstetten: Jensen 1.-58. und 60., Ruminsky 58.-60. - Schoch 7, Lipovina 6, Gretarsson 4/1, Strobel 4, Meschke 2, Thomann 2, Niemeyer 1, Zobel, Kirveliavicius, Hausmann, Nothdurft, Foth, Saueressig. GWD Minden: Semisch 1.-60. , Christensen - Gullerud 6, Michalczik 5/1, Rambo 5, Knorr 4, Korte 2, Staar 1, Meister 1, Pusica 1, Gulliksen 1, Reißky, Padshyvalau, Savvas, Ritterbach. Zuschauer: 2.350.