Lübbecke

Der Blick geht ins Leere: 17 torlose Minuten brechen GWD Minden gegen Kiel das Genick

Marcus Riechmann

Alles gegeben, nichts gewonnen. GWD-Torhüter Espen Christensen suchte nach Gründen für den Einbruch seines Mindener Teams gegen den THW Kiel. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Alles gegeben, nichts gewonnen. GWD-Torhüter Espen Christensen suchte nach Gründen für den Einbruch seines Mindener Teams gegen den THW Kiel. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Lübbecke. Die Ratlosigkeit lag im Blick von Espen Christensen und sie schwang in den Sätzen mit, die er jeweils mit einem grübelnden „Ich weiß nicht“ einleitete. Der norwegische Torhüter hatte mit GWD Minden soeben das Heimspiel gegen den THW Kiel 26:29 (17:16) verloren – erstmals musste sich sein Team in der neuen Lübbecker Heimat mit dem Gefühl der Niederlage befassen. Es war kein schönes Gefühl, denn Minden hatte die 2.657 Fans mit einem prächtigen Auftritt vom Sensationssieg des Kellerklubs gegen den Spitzenreiter träumen lassen – und wurde dann jäh geerdet. „Wir waren eine Halbzeit so überragend, und dann ist da ein totaler Stopp. Ich weiß nicht warum“, sinnierte der Keeper, der nun mit Minden am Samstag beim Abstiegsduell in Balingen mächtig unter Druck steht.

Der Auftakt gestern macht immerhin Hoffnung für die kommende Aufgabe: Denn Minden hatte das Kieler Spiel entschlüsselt und mit brachialer Abwehrarbeit die THW- Tormaschine zum Erliegen gebracht. Ideenlos rannten sich die Gäste an der von Miljan Pusica und Co. prächtig aufgestellten grünen Mauer fest. Hinter der Deckungsreihe zeigte Torhüter Christensen eine exzellente Leistung. „Wir haben das Beste abgeliefert, was wir können“, sprach Coach Frank Carstens seinem Team ein dickes Lob aus. „GWD hat dominiert“, erkannte auch Gäste-Coach Filip Jicha an.

Immer wieder gelangen Ballgewinne, aus denen GWD prächtiges Tempospiel modellierte. „Wir laufen zehn Konter, das ist super“, benannte Christensen einen Erfolgsfaktor. Doch mehr als drei Tore, wie beim von Christoffer Rambo natürlich per Gegenstoß erzielten 9:6 (13.), kam GWD nicht weg. Ein Grund: Als Kiels Kreisläufer Hendrik Pekeler nach 14:10 gespielten Minuten früh wegen der dritten Strafzeit disqualifiziert wurde, geriet nicht etwa das Kieler sondern das Mindener Spiel ins Stocken. Von 9:7 zum 10:10 verbaselte GWD eine vierminütige Überzahl. Der zweite Grund: „Kiel bekam etliche zweite Bälle“, machten die Abprallertore GWD-Coach Frank Carstens zu schaffen. Grund Nummer drei waren die einzigen beiden wirklich funktionierenden Kieler Feldspieler: Rune Dahmke und der erst später eingewechselte Steffen Weinhold waren die Kieler Lebensversicherung im ersten Abschnitt.

Wenn man GWD in Halbzeit eins ein Versäumnis ankreiden wollte, dann das: Statt mit einem satten Polster in die Pause zu gehen, nahmen die Männer in Grün lediglich eine hauchdünne 17:16-Führung mit. „Wir haben Glück, dass es nur minus eins steht“, meinte Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Das sah auch Frank von Behren so. Von einer „superstarken Leistung“ schwärmte der Mindener Sportgeschäftsführer zur Halbzeit, um am Ende dann doch feststellen zu müssen: „Wir haben unglaublich viel investiert, aber am Ende hat uns Kiel die Grenzen aufgezeigt.“

Allerdings war es nicht der THW, der die Partie mit einer Top-Leistung drehte. Vielmehr gaben die Mindener mit einer Fülle von Fehlern die Partie aus den Händen. Gegen die von Domagoj Duvnjak nun clever angeführte 3:2:1-Abwehr liefen viele GWD-Angriffe leer. „Da hatten wir ein Problem mit der Abwehr, und wir brauchten zuviel Zeit um dieses Problem zu lösen“, analysierte der erst spät für den bärenstarken Max Staar eingewechselte Rechtsaußen Kevin Gulliksen trefflich: Das brillant von Juri Knorr nach einem unwiderstehlichen Gegenstoß initiierte Tor Joscha Ritterbachs zum 18:16 in der 32. Minute blieb bis zum 19:24, erneut durch den agilen Ritterbach, in der 49. Minute der einzige Treffer.

17 torlose Minuten brechen einer Mannschaft gegen jeden Gegner das Genick, erst recht gegen das schwarz-weiß gewandete Star-Ensemble des THW, das mit jeder Minute, die sich die Mindener länger aus dem Spiel verabschiedet, die Sicherheit gewann, die es brauchte, um am Ende einen souveränen Sieg mit nach Hause zu nehmen.

Frank Carstens blickte mit gemischten Gefühlen auf das Spiel: „Wir verlieren letztlich nur 26:29, da ist es anderen Kieler Gegnern der vergangenen Wochen schlechter ergangen. Und ich mache meiner Mannschaft ein Kompliment dafür, wie sie sich wieder zurückgekämpft hat.“ Doch die Art und Weise der Niederlage setzte dem Team zu. „Die Spieler sitzen frustriert in der Kabine und wollen von der guten ersten Halbzeit nichts mehr hören“, gab Carstens einen Einblick. Für Lob, das wissen die GWD-Profis, können sie sich nichts kaufen. Erst recht nicht im beinharten Kampf um den Klassenerhalt.

GWD Minden - THW Kiel 26:29 (17:16).

Tore für GWD: Rambo (7), Ritterbach (7), Gullerud (5), Staar (4), Michalczik (2), Knorr (1).

Tore für Kiel: Ekberg (7/7), Dahmke (5), Zarabec (5), Duvnjak (3), Weinhold (3), Wiencek (2), Reinkind (2), Bilyk (2).

Zuschauer: 2657.

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LübbeckeDer Blick geht ins Leere: 17 torlose Minuten brechen GWD Minden gegen Kiel das GenickMarcus RiechmannLübbecke. Die Ratlosigkeit lag im Blick von Espen Christensen und sie schwang in den Sätzen mit, die er jeweils mit einem grübelnden „Ich weiß nicht“ einleitete. Der norwegische Torhüter hatte mit GWD Minden soeben das Heimspiel gegen den THW Kiel 26:29 (17:16) verloren – erstmals musste sich sein Team in der neuen Lübbecker Heimat mit dem Gefühl der Niederlage befassen. Es war kein schönes Gefühl, denn Minden hatte die 2.657 Fans mit einem prächtigen Auftritt vom Sensationssieg des Kellerklubs gegen den Spitzenreiter träumen lassen – und wurde dann jäh geerdet. „Wir waren eine Halbzeit so überragend, und dann ist da ein totaler Stopp. Ich weiß nicht warum“, sinnierte der Keeper, der nun mit Minden am Samstag beim Abstiegsduell in Balingen mächtig unter Druck steht. Der Auftakt gestern macht immerhin Hoffnung für die kommende Aufgabe: Denn Minden hatte das Kieler Spiel entschlüsselt und mit brachialer Abwehrarbeit die THW- Tormaschine zum Erliegen gebracht. Ideenlos rannten sich die Gäste an der von Miljan Pusica und Co. prächtig aufgestellten grünen Mauer fest. Hinter der Deckungsreihe zeigte Torhüter Christensen eine exzellente Leistung. „Wir haben das Beste abgeliefert, was wir können“, sprach Coach Frank Carstens seinem Team ein dickes Lob aus. „GWD hat dominiert“, erkannte auch Gäste-Coach Filip Jicha an. Immer wieder gelangen Ballgewinne, aus denen GWD prächtiges Tempospiel modellierte. „Wir laufen zehn Konter, das ist super“, benannte Christensen einen Erfolgsfaktor. Doch mehr als drei Tore, wie beim von Christoffer Rambo natürlich per Gegenstoß erzielten 9:6 (13.), kam GWD nicht weg. Ein Grund: Als Kiels Kreisläufer Hendrik Pekeler nach 14:10 gespielten Minuten früh wegen der dritten Strafzeit disqualifiziert wurde, geriet nicht etwa das Kieler sondern das Mindener Spiel ins Stocken. Von 9:7 zum 10:10 verbaselte GWD eine vierminütige Überzahl. Der zweite Grund: „Kiel bekam etliche zweite Bälle“, machten die Abprallertore GWD-Coach Frank Carstens zu schaffen. Grund Nummer drei waren die einzigen beiden wirklich funktionierenden Kieler Feldspieler: Rune Dahmke und der erst später eingewechselte Steffen Weinhold waren die Kieler Lebensversicherung im ersten Abschnitt. Wenn man GWD in Halbzeit eins ein Versäumnis ankreiden wollte, dann das: Statt mit einem satten Polster in die Pause zu gehen, nahmen die Männer in Grün lediglich eine hauchdünne 17:16-Führung mit. „Wir haben Glück, dass es nur minus eins steht“, meinte Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Das sah auch Frank von Behren so. Von einer „superstarken Leistung“ schwärmte der Mindener Sportgeschäftsführer zur Halbzeit, um am Ende dann doch feststellen zu müssen: „Wir haben unglaublich viel investiert, aber am Ende hat uns Kiel die Grenzen aufgezeigt.“ Allerdings war es nicht der THW, der die Partie mit einer Top-Leistung drehte. Vielmehr gaben die Mindener mit einer Fülle von Fehlern die Partie aus den Händen. Gegen die von Domagoj Duvnjak nun clever angeführte 3:2:1-Abwehr liefen viele GWD-Angriffe leer. „Da hatten wir ein Problem mit der Abwehr, und wir brauchten zuviel Zeit um dieses Problem zu lösen“, analysierte der erst spät für den bärenstarken Max Staar eingewechselte Rechtsaußen Kevin Gulliksen trefflich: Das brillant von Juri Knorr nach einem unwiderstehlichen Gegenstoß initiierte Tor Joscha Ritterbachs zum 18:16 in der 32. Minute blieb bis zum 19:24, erneut durch den agilen Ritterbach, in der 49. Minute der einzige Treffer. 17 torlose Minuten brechen einer Mannschaft gegen jeden Gegner das Genick, erst recht gegen das schwarz-weiß gewandete Star-Ensemble des THW, das mit jeder Minute, die sich die Mindener länger aus dem Spiel verabschiedet, die Sicherheit gewann, die es brauchte, um am Ende einen souveränen Sieg mit nach Hause zu nehmen. Frank Carstens blickte mit gemischten Gefühlen auf das Spiel: „Wir verlieren letztlich nur 26:29, da ist es anderen Kieler Gegnern der vergangenen Wochen schlechter ergangen. Und ich mache meiner Mannschaft ein Kompliment dafür, wie sie sich wieder zurückgekämpft hat.“ Doch die Art und Weise der Niederlage setzte dem Team zu. „Die Spieler sitzen frustriert in der Kabine und wollen von der guten ersten Halbzeit nichts mehr hören“, gab Carstens einen Einblick. Für Lob, das wissen die GWD-Profis, können sie sich nichts kaufen. Erst recht nicht im beinharten Kampf um den Klassenerhalt. GWD Minden - THW Kiel 26:29 (17:16). Tore für GWD: Rambo (7), Ritterbach (7), Gullerud (5), Staar (4), Michalczik (2), Knorr (1). Tore für Kiel: Ekberg (7/7), Dahmke (5), Zarabec (5), Duvnjak (3), Weinhold (3), Wiencek (2), Reinkind (2), Bilyk (2). Zuschauer: 2657.