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GWD Minden trennt sich: Landwehr nicht mehr Hallensprecher bei den Heimspielen in Dankersen

Marcus Riechmann

GWD Minden trennt sich vom Hallensprecher der Amateurteams in Dankersen. Symbolfoto: MT
GWD Minden trennt sich vom Hallensprecher der Amateurteams in Dankersen. Symbolfoto: MT

Minden. Sebastian Landwehr ist nicht mehr Hallensprecher bei den Heimspielen von GWD Minden in der Sporthalle Dankersen. Der Turn- und Sportverein hat Landwehr Dienstagabend mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.

„Die Tätigkeit als Hallensprecher und das politische Amt als Sprecher des Kreisverbandes der AfD lassen sich nach Überzeugung des GWD e.V. weder derzeit noch zukünftig vereinbaren." Diese Erklärung veröffentlichten Vorstand und Ältestenrat des Vereins am Abend nach einer gemeinsamen Sitzung. Vorangegangen waren Gespräche mit Landwehr und seiner Familie, die sich seit Jahrzehnten für den Klub ehrenamtlich engagiert. Die Vereinsmitgliedschaft Landwehrs war nicht Gegenstand der Entscheidung.

Damit reagierte der Traditionsverein auf die jüngsten Entwicklungen. Landwehr, der seit 2013 Mitglied der AfD ist, hatte in der rechtspopulistischen Partei die Rolle als Kreisvorsitzender übernommen. Damit war seine Rolle als Hallensprecher bei den Heimspielen von GWD-Jugendteams und der Drittliga-Mannschaft erneut in den Fokus geraten.

Seit vielen Jahren begleitet der Verwaltungsbeamte die GWD-Handballspiele am Mikrofon. Tadellos habe er sich in dieser Funktion verhalten, wurde ihm vor zwei Jahren noch vom Vereinsvorsitzenden Horst Bredemeier bescheinigt. Damals war Landwehr zum stellvertretende Kreissprecher aufgestiegen und sein Engagement bei GWD kritisch durchleuchtet worden.

Bereits 2018 wie auch schon 2014 hatten Verein und Klubchef ein defensiveres politisches Auftreten gewünscht und Grenzen der Toleranz gezogen, die der 30-Jährige offenbar mit der Wahl zum Kreischef der AfD überschritten hat.

Zum Thema: Kritik an GWD Mindens Zusammenarbeit mit Sebastian Landwehr und Standpunkt zum AfD-Kreisvorsitzenden Sebastian Landwehr: Doppelter Lautsprecher

Kommentar zur GWD-Trennung von Landwehr: Bogen bewusst überspannt

Marcus Riechmann

Seitdem Sebastian Landwehr 2013 der AfD beigetreten ist, wird sein Engagement als Hallensprecher bei GWD Minden öffentlich kritisch hinterfragt. Jahrelang hat ihn der Verein gestützt, Toleranz gelebt und ihn allen Widerständen zum Trotz am Mikrofon wirken lassen.

Doch den GWD-Verantwortlichen war bewusst: Auch wenn Landwehr Partei und Verein zu trennen meinte und sich als Ansager stets tadellos verhalten hat – je exponierter er in der Partei wirkt, umso mehr muss Landwehr sich die radikalen, fremdenfeindlichen Positionen der AfD-Rechtsaußen zurechnen lassen. Hetze und Rassismus so mancher blauen Populisten stehen aber in krassem Widerspruch zu den Werten des Sportvereins, der für Offenheit und Integration steht. Von einem Verantwortungsträger dieser AfD wollte sich GWD nicht länger öffentlich vertreten lassen. Politisches Amt und Vereinsfunktion lassen sich eben nicht trennen. Das eine färbt auf das andere ab.

Grenzen hat der Klub bereits vor Jahren gezogen. Landwehr hat die Grenzen getestet und nun als AfD-Kreischef den Bogen bewusst überspannt. Er hätte mit einem Rücktritt den TSV GWD Minden, den er seinen Herzensverein nennt, von einer Belastung befreien können. Dazu war der AfD-Mann offenbar nicht bereit. Nun hat der Verein den Schlussstrich gezogen. Das war folgerichtig – und vor allem richtig und überfällig.

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Minden.GWD Minden trennt sich: Landwehr nicht mehr Hallensprecher bei den Heimspielen in DankersenMarcus RiechmannMinden. Sebastian Landwehr ist nicht mehr Hallensprecher bei den Heimspielen von GWD Minden in der Sporthalle Dankersen. Der Turn- und Sportverein hat Landwehr Dienstagabend mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. „Die Tätigkeit als Hallensprecher und das politische Amt als Sprecher des Kreisverbandes der AfD lassen sich nach Überzeugung des GWD e.V. weder derzeit noch zukünftig vereinbaren." Diese Erklärung veröffentlichten Vorstand und Ältestenrat des Vereins am Abend nach einer gemeinsamen Sitzung. Vorangegangen waren Gespräche mit Landwehr und seiner Familie, die sich seit Jahrzehnten für den Klub ehrenamtlich engagiert. Die Vereinsmitgliedschaft Landwehrs war nicht Gegenstand der Entscheidung. Damit reagierte der Traditionsverein auf die jüngsten Entwicklungen. Landwehr, der seit 2013 Mitglied der AfD ist, hatte in der rechtspopulistischen Partei die Rolle als Kreisvorsitzender übernommen. Damit war seine Rolle als Hallensprecher bei den Heimspielen von GWD-Jugendteams und der Drittliga-Mannschaft erneut in den Fokus geraten. Seit vielen Jahren begleitet der Verwaltungsbeamte die GWD-Handballspiele am Mikrofon. Tadellos habe er sich in dieser Funktion verhalten, wurde ihm vor zwei Jahren noch vom Vereinsvorsitzenden Horst Bredemeier bescheinigt. Damals war Landwehr zum stellvertretende Kreissprecher aufgestiegen und sein Engagement bei GWD kritisch durchleuchtet worden. Bereits 2018 wie auch schon 2014 hatten Verein und Klubchef ein defensiveres politisches Auftreten gewünscht und Grenzen der Toleranz gezogen, die der 30-Jährige offenbar mit der Wahl zum Kreischef der AfD überschritten hat. Zum Thema: Kritik an GWD Mindens Zusammenarbeit mit Sebastian Landwehr und Standpunkt zum AfD-Kreisvorsitzenden Sebastian Landwehr: Doppelter Lautsprecher Kommentar zur GWD-Trennung von Landwehr: Bogen bewusst überspannt Marcus Riechmann Seitdem Sebastian Landwehr 2013 der AfD beigetreten ist, wird sein Engagement als Hallensprecher bei GWD Minden öffentlich kritisch hinterfragt. Jahrelang hat ihn der Verein gestützt, Toleranz gelebt und ihn allen Widerständen zum Trotz am Mikrofon wirken lassen. Doch den GWD-Verantwortlichen war bewusst: Auch wenn Landwehr Partei und Verein zu trennen meinte und sich als Ansager stets tadellos verhalten hat – je exponierter er in der Partei wirkt, umso mehr muss Landwehr sich die radikalen, fremdenfeindlichen Positionen der AfD-Rechtsaußen zurechnen lassen. Hetze und Rassismus so mancher blauen Populisten stehen aber in krassem Widerspruch zu den Werten des Sportvereins, der für Offenheit und Integration steht. Von einem Verantwortungsträger dieser AfD wollte sich GWD nicht länger öffentlich vertreten lassen. Politisches Amt und Vereinsfunktion lassen sich eben nicht trennen. Das eine färbt auf das andere ab. Grenzen hat der Klub bereits vor Jahren gezogen. Landwehr hat die Grenzen getestet und nun als AfD-Kreischef den Bogen bewusst überspannt. Er hätte mit einem Rücktritt den TSV GWD Minden, den er seinen Herzensverein nennt, von einer Belastung befreien können. Dazu war der AfD-Mann offenbar nicht bereit. Nun hat der Verein den Schlussstrich gezogen. Das war folgerichtig – und vor allem richtig und überfällig.