Minden

GWD bittet den Kreis zur Kasse: Schließung der Kampa-Halle sorgt beim Handball-Klub für Einbußen

Marcus Riechmann

Mächtig prangt die Kampa-Halle an der Hahler Straße. Nach ihrer Schließung muss der Kreis Minden-Lübbecke die bisherigen Mieter entschädigen. MT- - © Foto: Alex Lehn
Mächtig prangt die Kampa-Halle an der Hahler Straße. Nach ihrer Schließung muss der Kreis Minden-Lübbecke die bisherigen Mieter entschädigen. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden. Die jahrzehntelange Heimat hat GWD Minden mit der Schließung der Kampa-Halle aufgeben müssen. Doch auf den vom Auszug verursachten Kosten will der Handball-Bundesligist nicht sitzen bleiben. Er macht beim Kreis Minden-Lübbecke als Betreiber der Sportarena nun den Schaden geltend, der aus dem abrupten vorzeitigen Ende des Mietvertrags resultiert.

GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche hat das Thema in einem ersten Treffen mit der Kreisverwaltung um Landrat Ralf Niermann besprochen und die Interessen des Bundesligisten vorgestellt. Von guten Gesprächen spricht Kalusche, aber auch von spürbaren Belastungen für GWD. „Wir wollen das einvernehmlich lösen. Grundsätzlich geht es um die Frage: Wie wickeln wir den Mietvertrag ab?“, berichtet Kalusche auf MT-Nachfrage. Vor allem zwei Posten macht er gegenüber dem Vermieter geltend. Zum einen die Kosten, die GWD durch den Umzug in die Kreissporthalle nach Lübbecke entstanden sind. „Diese Mehrkosten sind eindeutig zu belegen“, sagt Kalusche.

Zum anderen geht es um entgangenen Gewinn und dort vorrangig um die Zuschauer-Einnahmen, die bis zum Ende des auf den 30. Juni 2021 datierten Mietverhältnisses erzielt worden wären. Denn in der Kampa-Halle stehen nicht nur rund 1000 Plätze mehr zur Verfügung, sondern auch deutlich mehr Sitzplätze, die mehr Ertrag als ein Stehplatz erzielen. Rund 2800 Plätze bietet die Kreissporthalle in Lübbecke, gut 3800 waren es am Ende in Minden. Doch während in der Kampa-Halle etwa 3400 Sitzplätze angeboten werden konnten, sind es in Lübbecke lediglich 1800. „Das schlägt vor allem bei den Topspielen durch wie beispielsweise nächsten Mittwoch gegen den THW Kiel“, berichtet Kalusche. Spiele gegen Kiel waren in der Kampa-Halle regelmäßig ausverkauft und so wird es auch in Lübbecke sein. Doch der Ertrag ist in der neuen Heimat deutlich geringer: „Da fehlen bei einem einzigen Spiel zwischen 25.000 und 30.000 Euro Zuschauereinnahmen, das ist ein schmerzhafter Einschnitt“ rechnet der GWD-Geschäftsführer vor.

„Wir sind in einem guten Austausch mit GWD, und wir wissen, wie wichtig das Thema für GWD ist“, bestätigt Landrat Niermann, „mit dem Ausgleichsanspruch gibt es grundsätzlich kein Problem.“ Der Landrat beschreibt das Prozedere: GWD Minden werde Kosten und Ertragsausfälle belegen müssen, das Rechtsamt werde die Ansprüche prüfen und sodann werde die Politik im Kreistag über die Auszahlung dieser „überplanmäßigen Ausgaben“ – so der Terminus – entschieden. „Damit wird das Verfahren am Ende öffentlich“, sagt Niermann, der wie auch GWD über die Gesamtsumme noch nicht reden will. Im Raum steht ein mittlerer sechsstelliger Betrag. Es ist nicht die einzige Forderung aus den nicht erfüllbaren Vermieterpflichten des Kreises, da auch andere Veranstalter nach der Schließung der Halle Ersatzansprüche geltend machen. Es sei im Interesse aller, dass die Ansprüche gütlich geregelt werden, sagt der Landrat. Andernfalls dürfte dem Kreis eine gerichtliche Klärung ins Haus stehen.

Die Bedeutung der Ersatzansprüche ist für GWD enorm. Die Ausgleichszahlungen sind bedeutender Bestandteil der Etatplanung, die der Klub im Rahmen der Lizenzierung beim Liga-Verband HBL einreichen muss. Am 2. März müssen die Unterlagen der HBL vorliegen. „Sorge um die Lizenz mache ich mir nicht“, sagt Kalusche, doch ein Selbstläufer wird das Verfahren dieses Mal nicht: anders als in den vergangenen Jahren wird er die Zahlen der Lizenzierungskommission persönlich vorstellen müssen. Ausgeglichen sei der Etat noch nicht. Wir werden noch Unterstützung aus der Wirtschaft brauchen“, sagt Kalusche. Er hofft, dass die Zahlen bis zum Juni stimmen, wenn eine konkretisierte Etatplanung bei der HBL eingereicht werden muss.

Der Kampf um einen ausgeglichenen Haushalt ist dem Manager nicht neu. „In den vergangenen drei Jahren ist uns ein Sponsoringvolumen in siebenstelliger Höhe verloren gegangen“, sagt Kalusche. Vor allem zwei Großsponsoren – man spricht im GWD-Umfeld von der Technologie-Gruppe Harting und von Porta Möbel – sollen ihre Förderung umfänglich reduziert haben. In weiten Teilen habe GWD die Ausfälle kompensieren können. Von „vielfältigen Maßnahmen“spricht Kalusche. Doch von wirtschaftlichem und damit auch von sportlichem Wachstum ist der Bundesligist bei einem Etat von aktuell knapp über vier Millionen Euro weit entfernt.

Immerhin winkten die GWD-Gesellschafter am Montag auf ihrer Versammlung im Hotel Lindgart ein Budget für den Profisport in unveränderter Höhe durch. Das bedeutet für Sportgeschäftsführer Frank von Behren angesichts steigender Beiträge zur Berufsgenossenschaft allerdings faktisch ein leicht reduziertes Volumen für den Kader. Mit dem Tausch vom norwegischen Weltklassekreisläufer Magnus Gullerud (zum SC Magdeburg) zum Nachwuchsmann Josua Thiele (von Hannover-Burgdorf) hat von Behren seinen Haushalt entlastet. Bei der Suche nach einem Nachfolger für den nach Berlin wechselnden Marian Michalczik werde das aber nur schwer möglich sein, vermutet von Behren angesichts eines schwierigen Spielermarktes. „Alles steht auf dem Prüfstand“, sagt er über die Kostenstellen im Klub, „wir müssen dafür kämpfen, sportlich konkurrenzfähig zu bleiben.“

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MindenGWD bittet den Kreis zur Kasse: Schließung der Kampa-Halle sorgt beim Handball-Klub für EinbußenMarcus RiechmannMinden. Die jahrzehntelange Heimat hat GWD Minden mit der Schließung der Kampa-Halle aufgeben müssen. Doch auf den vom Auszug verursachten Kosten will der Handball-Bundesligist nicht sitzen bleiben. Er macht beim Kreis Minden-Lübbecke als Betreiber der Sportarena nun den Schaden geltend, der aus dem abrupten vorzeitigen Ende des Mietvertrags resultiert. GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche hat das Thema in einem ersten Treffen mit der Kreisverwaltung um Landrat Ralf Niermann besprochen und die Interessen des Bundesligisten vorgestellt. Von guten Gesprächen spricht Kalusche, aber auch von spürbaren Belastungen für GWD. „Wir wollen das einvernehmlich lösen. Grundsätzlich geht es um die Frage: Wie wickeln wir den Mietvertrag ab?“, berichtet Kalusche auf MT-Nachfrage. Vor allem zwei Posten macht er gegenüber dem Vermieter geltend. Zum einen die Kosten, die GWD durch den Umzug in die Kreissporthalle nach Lübbecke entstanden sind. „Diese Mehrkosten sind eindeutig zu belegen“, sagt Kalusche. Zum anderen geht es um entgangenen Gewinn und dort vorrangig um die Zuschauer-Einnahmen, die bis zum Ende des auf den 30. Juni 2021 datierten Mietverhältnisses erzielt worden wären. Denn in der Kampa-Halle stehen nicht nur rund 1000 Plätze mehr zur Verfügung, sondern auch deutlich mehr Sitzplätze, die mehr Ertrag als ein Stehplatz erzielen. Rund 2800 Plätze bietet die Kreissporthalle in Lübbecke, gut 3800 waren es am Ende in Minden. Doch während in der Kampa-Halle etwa 3400 Sitzplätze angeboten werden konnten, sind es in Lübbecke lediglich 1800. „Das schlägt vor allem bei den Topspielen durch wie beispielsweise nächsten Mittwoch gegen den THW Kiel“, berichtet Kalusche. Spiele gegen Kiel waren in der Kampa-Halle regelmäßig ausverkauft und so wird es auch in Lübbecke sein. Doch der Ertrag ist in der neuen Heimat deutlich geringer: „Da fehlen bei einem einzigen Spiel zwischen 25.000 und 30.000 Euro Zuschauereinnahmen, das ist ein schmerzhafter Einschnitt“ rechnet der GWD-Geschäftsführer vor. „Wir sind in einem guten Austausch mit GWD, und wir wissen, wie wichtig das Thema für GWD ist“, bestätigt Landrat Niermann, „mit dem Ausgleichsanspruch gibt es grundsätzlich kein Problem.“ Der Landrat beschreibt das Prozedere: GWD Minden werde Kosten und Ertragsausfälle belegen müssen, das Rechtsamt werde die Ansprüche prüfen und sodann werde die Politik im Kreistag über die Auszahlung dieser „überplanmäßigen Ausgaben“ – so der Terminus – entschieden. „Damit wird das Verfahren am Ende öffentlich“, sagt Niermann, der wie auch GWD über die Gesamtsumme noch nicht reden will. Im Raum steht ein mittlerer sechsstelliger Betrag. Es ist nicht die einzige Forderung aus den nicht erfüllbaren Vermieterpflichten des Kreises, da auch andere Veranstalter nach der Schließung der Halle Ersatzansprüche geltend machen. Es sei im Interesse aller, dass die Ansprüche gütlich geregelt werden, sagt der Landrat. Andernfalls dürfte dem Kreis eine gerichtliche Klärung ins Haus stehen. Die Bedeutung der Ersatzansprüche ist für GWD enorm. Die Ausgleichszahlungen sind bedeutender Bestandteil der Etatplanung, die der Klub im Rahmen der Lizenzierung beim Liga-Verband HBL einreichen muss. Am 2. März müssen die Unterlagen der HBL vorliegen. „Sorge um die Lizenz mache ich mir nicht“, sagt Kalusche, doch ein Selbstläufer wird das Verfahren dieses Mal nicht: anders als in den vergangenen Jahren wird er die Zahlen der Lizenzierungskommission persönlich vorstellen müssen. Ausgeglichen sei der Etat noch nicht. Wir werden noch Unterstützung aus der Wirtschaft brauchen“, sagt Kalusche. Er hofft, dass die Zahlen bis zum Juni stimmen, wenn eine konkretisierte Etatplanung bei der HBL eingereicht werden muss. Der Kampf um einen ausgeglichenen Haushalt ist dem Manager nicht neu. „In den vergangenen drei Jahren ist uns ein Sponsoringvolumen in siebenstelliger Höhe verloren gegangen“, sagt Kalusche. Vor allem zwei Großsponsoren – man spricht im GWD-Umfeld von der Technologie-Gruppe Harting und von Porta Möbel – sollen ihre Förderung umfänglich reduziert haben. In weiten Teilen habe GWD die Ausfälle kompensieren können. Von „vielfältigen Maßnahmen“spricht Kalusche. Doch von wirtschaftlichem und damit auch von sportlichem Wachstum ist der Bundesligist bei einem Etat von aktuell knapp über vier Millionen Euro weit entfernt. Immerhin winkten die GWD-Gesellschafter am Montag auf ihrer Versammlung im Hotel Lindgart ein Budget für den Profisport in unveränderter Höhe durch. Das bedeutet für Sportgeschäftsführer Frank von Behren angesichts steigender Beiträge zur Berufsgenossenschaft allerdings faktisch ein leicht reduziertes Volumen für den Kader. Mit dem Tausch vom norwegischen Weltklassekreisläufer Magnus Gullerud (zum SC Magdeburg) zum Nachwuchsmann Josua Thiele (von Hannover-Burgdorf) hat von Behren seinen Haushalt entlastet. Bei der Suche nach einem Nachfolger für den nach Berlin wechselnden Marian Michalczik werde das aber nur schwer möglich sein, vermutet von Behren angesichts eines schwierigen Spielermarktes. „Alles steht auf dem Prüfstand“, sagt er über die Kostenstellen im Klub, „wir müssen dafür kämpfen, sportlich konkurrenzfähig zu bleiben.“