Minden

Alarm im Abstiegskampf - GWD verarbeitet den Rückschlag von Lemgo

Sebastian Külbel

Reaktionen auf die Abreibung: Die Mindener Profis Max Staar (von links), Marian Michalczik und Juri Knorr nach der Derby-Niederlage in Lemgo Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Reaktionen auf die Abreibung: Die Mindener Profis Max Staar (von links), Marian Michalczik und Juri Knorr nach der Derby-Niederlage in Lemgo Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden. Malte Semisch hatte am Sonntagabend ein Déjà-vu. „Jetzt sind wir wieder da, wo wir nach dem Erlangen-Spiel schon waren“, erinnerte sich GWD Mindens Torwart an den bislang größten Tiefpunkt der Saison. Diesen unterbot seine Mannschaft beim OWL-Derby in Lemgo sogar noch, und nach der 26:31-Niederlage schlugen die Verantwortlichen Alarm.

Trainer Frank Carstens war so enttäuscht, dass er zunächst von „einer der schwächsten Leistungen überhaupt“ sprach, um dann zu präzisieren: „Emotional war es für mich das Enttäuschendste in den letzten Jahren“. Schon die 26:29-Heimniederlage gegen den HC Erlangen hatte das weiterhin abstiegsbedrohte GWD-Team ins Mark getroffen, es folgten klare Worte und eine schonungslose Analyse der Situation. „Vier Spiele ist es dann gut gegangen – und jetzt fallen wir in so ein Loch“, haderte Carstens: „Das ist gefährlich.“

Denn offenbar ist bei seinen Spielern nicht angekommen, was auf dem Spiel steht: „Ich weiß nicht, ob sie sich die Tabelle nicht anschauen oder ob sie sie nicht lesen können. Aber es ist ein Kampf ums Überleben“, skizzierte Sport-Geschäftsführer Frank von Behren die weiterhin prekäre Situation der Mindener. Da schmerzt es umso mehr, wenn Spiele gegen Mannschaften auf Augenhöhe derartig daneben gehen wie am Sonntag in Lemgo. „Wir haben das abgeschenkt heute“, schimpfte von Behren mit unterdrücktem Zorn.

Immerhin zeigten sich die Spieler selbstkritisch. Keeper Semisch, der mit 17 Paraden noch einer der Lichtblicke bei GWD war, deutete Einstellungsmängel an: „Nach dem Erfolg gegen Göppingen war vielleicht aus unseren Köpfen die Mentalität ein bisschen weg, die man im Abstiegskampf braucht.“ Auch Kapitän Marian Michalczik erkannte: „Wir haben versucht, uns dagegen zu stemmen. Aber uns haben heute die Mittel und die Qualität gefehlt.“

Diese Ansicht teilte auch Coach Carstens, dessen Analyse drastisch ausfiel: „Man kann auch im Abschluss sehen, ob jemand nervös ist, oder ob er die Dinge nicht mit der letzten Konsequenz angeht. Und das haben wir heute getan.“ So relativierte sich seiner Ansicht nach auch die herausragende Leistung von Lemgos Torwart Peter Johannesson, der GWD mit 24 Paraden zur Verzweiflung brachte: „In so einem Spiel in unserer Situation muss ich die Abschlüsse anders machen.“

Denn so abgeklärt die Leistung der Gastgeber über weite Strecken wirkte, so sehr waren die Mindener für das Ergebnis verantwortlich. Selbst die klarsten Wurfchancen landeten irgendwie an Johannessons Körper, anstatt zielstrebig verwandelt zu werden. Überhaupt wirkte das Mindener Angriffsspiel insgesamt viel zu behäbig. Das nahm Carstens früh zum Anlass, Spielmacher Aliaksandr Padshyvalau vom Feld zu nehmen. „Er ist verantwortlich für unsere Angriffe, und ich hatte das Gefühl, die liefen in Zeitlupe“, bemängelte er: „Aleks war nicht bereit für dieses Spiel.“

Das galt am Sonntag für die meisten Mindener – weshalb Carstens auch sich selbst hinterfragte: „Ich habe es offenbar nicht geschafft, die entscheidenden Themen in die Köpfe zu bekommen.“ Sein Vorgesetzter von Behren lenkte den Fokus jedoch auf die Spieler: „Ich erwarte von jedem das Maximum an Einsatz. Das war heute nicht der Fall. So holen wir auch in Zukunft keine Punkte.“

Und auch wenn Coach Carstens kein Freund von Sanktionen wie Straftraining oder Streichung von freien Tagen ist, steht den GWD-Profis keine normale Trainingswoche bevor – zumal bis zum Heimspiel gegen die Füchse Berlin am Donnerstag nicht viel Zeit bleibt. Wie schon nach dem Rückschlag gegen Erlangen stehen vor allem intensive Gespräche an. Carstens: „Ich erwarte, dass die Spieler sich hinterfragen, reflektieren und vielleicht erkennen, dass ihr Trainer mal Recht hat.“

Zitat

„Wir haben letzte Woche sogar ein Mal nach dem Training geduscht. Vielleicht war das zu viel Komfort.“

(GWD Mindens Trainer Frank Carstens reagierte auf die Niederlage in Lemgo mit Galgenhumor. In der Trainingshalle in Stemmer sind die Duschen defekt.)

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MindenAlarm im Abstiegskampf - GWD verarbeitet den Rückschlag von LemgoSebastian KülbelMinden. Malte Semisch hatte am Sonntagabend ein Déjà-vu. „Jetzt sind wir wieder da, wo wir nach dem Erlangen-Spiel schon waren“, erinnerte sich GWD Mindens Torwart an den bislang größten Tiefpunkt der Saison. Diesen unterbot seine Mannschaft beim OWL-Derby in Lemgo sogar noch, und nach der 26:31-Niederlage schlugen die Verantwortlichen Alarm. Trainer Frank Carstens war so enttäuscht, dass er zunächst von „einer der schwächsten Leistungen überhaupt“ sprach, um dann zu präzisieren: „Emotional war es für mich das Enttäuschendste in den letzten Jahren“. Schon die 26:29-Heimniederlage gegen den HC Erlangen hatte das weiterhin abstiegsbedrohte GWD-Team ins Mark getroffen, es folgten klare Worte und eine schonungslose Analyse der Situation. „Vier Spiele ist es dann gut gegangen – und jetzt fallen wir in so ein Loch“, haderte Carstens: „Das ist gefährlich.“ Denn offenbar ist bei seinen Spielern nicht angekommen, was auf dem Spiel steht: „Ich weiß nicht, ob sie sich die Tabelle nicht anschauen oder ob sie sie nicht lesen können. Aber es ist ein Kampf ums Überleben“, skizzierte Sport-Geschäftsführer Frank von Behren die weiterhin prekäre Situation der Mindener. Da schmerzt es umso mehr, wenn Spiele gegen Mannschaften auf Augenhöhe derartig daneben gehen wie am Sonntag in Lemgo. „Wir haben das abgeschenkt heute“, schimpfte von Behren mit unterdrücktem Zorn. Immerhin zeigten sich die Spieler selbstkritisch. Keeper Semisch, der mit 17 Paraden noch einer der Lichtblicke bei GWD war, deutete Einstellungsmängel an: „Nach dem Erfolg gegen Göppingen war vielleicht aus unseren Köpfen die Mentalität ein bisschen weg, die man im Abstiegskampf braucht.“ Auch Kapitän Marian Michalczik erkannte: „Wir haben versucht, uns dagegen zu stemmen. Aber uns haben heute die Mittel und die Qualität gefehlt.“ Diese Ansicht teilte auch Coach Carstens, dessen Analyse drastisch ausfiel: „Man kann auch im Abschluss sehen, ob jemand nervös ist, oder ob er die Dinge nicht mit der letzten Konsequenz angeht. Und das haben wir heute getan.“ So relativierte sich seiner Ansicht nach auch die herausragende Leistung von Lemgos Torwart Peter Johannesson, der GWD mit 24 Paraden zur Verzweiflung brachte: „In so einem Spiel in unserer Situation muss ich die Abschlüsse anders machen.“ Denn so abgeklärt die Leistung der Gastgeber über weite Strecken wirkte, so sehr waren die Mindener für das Ergebnis verantwortlich. Selbst die klarsten Wurfchancen landeten irgendwie an Johannessons Körper, anstatt zielstrebig verwandelt zu werden. Überhaupt wirkte das Mindener Angriffsspiel insgesamt viel zu behäbig. Das nahm Carstens früh zum Anlass, Spielmacher Aliaksandr Padshyvalau vom Feld zu nehmen. „Er ist verantwortlich für unsere Angriffe, und ich hatte das Gefühl, die liefen in Zeitlupe“, bemängelte er: „Aleks war nicht bereit für dieses Spiel.“ Das galt am Sonntag für die meisten Mindener – weshalb Carstens auch sich selbst hinterfragte: „Ich habe es offenbar nicht geschafft, die entscheidenden Themen in die Köpfe zu bekommen.“ Sein Vorgesetzter von Behren lenkte den Fokus jedoch auf die Spieler: „Ich erwarte von jedem das Maximum an Einsatz. Das war heute nicht der Fall. So holen wir auch in Zukunft keine Punkte.“ Und auch wenn Coach Carstens kein Freund von Sanktionen wie Straftraining oder Streichung von freien Tagen ist, steht den GWD-Profis keine normale Trainingswoche bevor – zumal bis zum Heimspiel gegen die Füchse Berlin am Donnerstag nicht viel Zeit bleibt. Wie schon nach dem Rückschlag gegen Erlangen stehen vor allem intensive Gespräche an. Carstens: „Ich erwarte, dass die Spieler sich hinterfragen, reflektieren und vielleicht erkennen, dass ihr Trainer mal Recht hat.“ Zitat „Wir haben letzte Woche sogar ein Mal nach dem Training geduscht. Vielleicht war das zu viel Komfort.“ (GWD Mindens Trainer Frank Carstens reagierte auf die Niederlage in Lemgo mit Galgenhumor. In der Trainingshalle in Stemmer sind die Duschen defekt.)