Lemgo

Nicht bereit für das Derby - GWD verliert in Lemgo nach emotionsloser Leistung

Sebastian Külbel

Nach ihrem enttäuschenden Auftritt in Lemgo schlichen die Mindener um Savvas Savvas, Miljan Pusica und Magnus Gullerud (von rechts) bedient in die Kabine. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Nach ihrem enttäuschenden Auftritt in Lemgo schlichen die Mindener um Savvas Savvas, Miljan Pusica und Magnus Gullerud (von rechts) bedient in die Kabine. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Lemgo. Den ersten Frust ließ Trainer Frank Carstens kurz nach dem Spiel in der Kabine ab, danach blieb vor allem tiefe Enttäuschung. Nach passablen Leistungen in den jüngsten vier Spielen war GWD Minden mit viel Zuversicht zum OWL-Derby der Handball-Bundesliga beim TBV Lemgo gefahren. Am Ende eines denkwürdigen Nachmittags schlichen die Gäste mit einer 26:31 (11:15)-Niederlage aus der Halle – und die Verantwortlichen redeten Klartext.

„Das war emotional gesehen die schlechteste Leistung seit Jahren“, sagten Coach Carstens und Sport-Geschäftsführer Frank von Behren nach einem Spiel, das die Grün-Weißen ernüchtert zurücklässt. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt einen überzeugenden Willen gezeigt“, meinte Carstens und bemängelte vor allem die Qualität der Zweikämpfe und die Schwächen im Abschluss.

Immer wieder Carlsbogard: Mindens Abwehr bekam den Top-Torschützen nicht in den Griff. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Immer wieder Carlsbogard: Mindens Abwehr bekam den Top-Torschützen nicht in den Griff. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Von denen profitierte auf der Gegenseite der Mann des Spiels: Peter Johannesson wurde mit 24 Paraden und 49 Prozent gehaltener Würfe zum Lemgoer Helden. „Es hat alles geklappt, vielleicht war es mein Tag heute“, sagte der schwedische Torhüter. An dessen Werte kam auch sein keineswegs schlecht haltender GWD-Kollege Malte Semisch nicht heran.

Johannessons Gala hatte demoralisierende Wirkung auf die Mindener. „Er macht gefühlt zehn Durchbrüche weg, das nimmt uns auch ein wenig den Glauben“, räumte Kapitän Marian Michalczik ein. Als der TBV-Keeper in der 54. Minute zum zweiten Mal gegen den frei auf ihn zufliegenden Christoffer Rambo parierte, johlte die mit 4.612 Zuschauern prall gefüllte Halle, und Mindens Torjäger schrie seine Verzweiflung heraus.

Entschieden war die Partie da längst. Streng genommen hielt GWD nur gut 20 Minuten mit und hatte sich 9:8-Führung erarbeitet. Dann jedoch bestrafte der Gegner die Versäumnisse im grün-weißen Angriff konsequent und zog zum 15:11-Pausenstand davon. Lemgo beeindruckte es in dieser Phase nicht einmal, dass der kurzfristig nachverpflichtete Evars Klesniks bereits in der 25. Minute mit der dritten Zeitstrafe disqualifiziert wurde.

„Die Jungs haben mir dann ein schönes Geschenk gemacht“, sagte der 39-Jährige Lette, der bis vor Kurzem noch für Lit Tribe Germania in der 3. Liga spielte. Von außen sah Klesniks zu, wie seine Teamkollegen den Gegner mit den einfachsten Mitteln auseinander nahmen. „Wir kriegen die einfachsten Zweikämpfe nicht verteidigt“, schimpfte GWD-Trainer Carstens und verwies auf die zahlreichen Durchbrüche des Top-Torschützen Jonathan Carlsbogard oder den Ex-Mindener Andreas Cederholm: „Wir kennen ja seine Bewegungen, aber wir waren nicht bereit.“

Der Gegner war es dagegen umso mehr, spielte seine Angriffe auf den Punkt und nutzte seine Stärken, so dass Trainer Florian Kehrmann hinterher zufrieden feststellte: „Wir haben Minden ab der 20. Minute dominiert.“ Dennoch fand er am Ende einen kleinen Makel: „Wir hätten das Spiel früher entscheiden können.“

Dass GWD den Gastgebern beim 19:16 (39.) oder beim 28:24 (56.) zwischenzeitlich durchaus nahe kam, schien jedoch mehr Zufall als ein echtes Aufbäumen zu sein. „Wir sind die Dinge nicht mit der letzten Konsequenz angegangen“, sagte Carstens und suchte nach eigenen Versäumnissen: „Mein Job ist es, die Mannschaft punktgenau vorzubereiten, und das war heute nicht der Fall.“ Von Behren nahm derweil die Spieler in die Pflicht: „Einige müssen sich hinterfragen, was sie hier an Einsatz gebracht haben. Ein Derby war das heute zu keinem Zeitpunkt.“

Stimmen zum Spiel

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Ich bin ziemlich bedient. Ich kann mich kaum erinnern, dass wir mal so blass in einem Derby gespielt haben. Wir haben heute die Professionalität vermissen lassen.“

Florian Kehrmann (Trainer TBV Lemgo): „Zum Ende der ersten Halbzeit haben wir über die Abwehr ins Spiel gefunden. Danach hatten wir die Kontrolle und haben, wenn nötig, die Tore gemacht.“

Lucas Meister (GWD Minden): „Wir kamen von Anfang an nicht in die Zweikämpfe, sind in der Verteidigung nicht auf Betriebstemperatur gekommen. Und dann ist das zu wenig gegen Lemgo.“

Marian Michalczik (GWD Minden): „Wir hatten vorne und hinten viel Ausbaupotenzial. Wir haben versucht, uns dagegen zu stemmen, aber uns haben heute die Mittel und die Qualität gefehlt.“

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LemgoNicht bereit für das Derby - GWD verliert in Lemgo nach emotionsloser LeistungSebastian KülbelLemgo. Den ersten Frust ließ Trainer Frank Carstens kurz nach dem Spiel in der Kabine ab, danach blieb vor allem tiefe Enttäuschung. Nach passablen Leistungen in den jüngsten vier Spielen war GWD Minden mit viel Zuversicht zum OWL-Derby der Handball-Bundesliga beim TBV Lemgo gefahren. Am Ende eines denkwürdigen Nachmittags schlichen die Gäste mit einer 26:31 (11:15)-Niederlage aus der Halle – und die Verantwortlichen redeten Klartext. „Das war emotional gesehen die schlechteste Leistung seit Jahren“, sagten Coach Carstens und Sport-Geschäftsführer Frank von Behren nach einem Spiel, das die Grün-Weißen ernüchtert zurücklässt. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt einen überzeugenden Willen gezeigt“, meinte Carstens und bemängelte vor allem die Qualität der Zweikämpfe und die Schwächen im Abschluss. Von denen profitierte auf der Gegenseite der Mann des Spiels: Peter Johannesson wurde mit 24 Paraden und 49 Prozent gehaltener Würfe zum Lemgoer Helden. „Es hat alles geklappt, vielleicht war es mein Tag heute“, sagte der schwedische Torhüter. An dessen Werte kam auch sein keineswegs schlecht haltender GWD-Kollege Malte Semisch nicht heran. Johannessons Gala hatte demoralisierende Wirkung auf die Mindener. „Er macht gefühlt zehn Durchbrüche weg, das nimmt uns auch ein wenig den Glauben“, räumte Kapitän Marian Michalczik ein. Als der TBV-Keeper in der 54. Minute zum zweiten Mal gegen den frei auf ihn zufliegenden Christoffer Rambo parierte, johlte die mit 4.612 Zuschauern prall gefüllte Halle, und Mindens Torjäger schrie seine Verzweiflung heraus. Entschieden war die Partie da längst. Streng genommen hielt GWD nur gut 20 Minuten mit und hatte sich 9:8-Führung erarbeitet. Dann jedoch bestrafte der Gegner die Versäumnisse im grün-weißen Angriff konsequent und zog zum 15:11-Pausenstand davon. Lemgo beeindruckte es in dieser Phase nicht einmal, dass der kurzfristig nachverpflichtete Evars Klesniks bereits in der 25. Minute mit der dritten Zeitstrafe disqualifiziert wurde. „Die Jungs haben mir dann ein schönes Geschenk gemacht“, sagte der 39-Jährige Lette, der bis vor Kurzem noch für Lit Tribe Germania in der 3. Liga spielte. Von außen sah Klesniks zu, wie seine Teamkollegen den Gegner mit den einfachsten Mitteln auseinander nahmen. „Wir kriegen die einfachsten Zweikämpfe nicht verteidigt“, schimpfte GWD-Trainer Carstens und verwies auf die zahlreichen Durchbrüche des Top-Torschützen Jonathan Carlsbogard oder den Ex-Mindener Andreas Cederholm: „Wir kennen ja seine Bewegungen, aber wir waren nicht bereit.“ Der Gegner war es dagegen umso mehr, spielte seine Angriffe auf den Punkt und nutzte seine Stärken, so dass Trainer Florian Kehrmann hinterher zufrieden feststellte: „Wir haben Minden ab der 20. Minute dominiert.“ Dennoch fand er am Ende einen kleinen Makel: „Wir hätten das Spiel früher entscheiden können.“ Dass GWD den Gastgebern beim 19:16 (39.) oder beim 28:24 (56.) zwischenzeitlich durchaus nahe kam, schien jedoch mehr Zufall als ein echtes Aufbäumen zu sein. „Wir sind die Dinge nicht mit der letzten Konsequenz angegangen“, sagte Carstens und suchte nach eigenen Versäumnissen: „Mein Job ist es, die Mannschaft punktgenau vorzubereiten, und das war heute nicht der Fall.“ Von Behren nahm derweil die Spieler in die Pflicht: „Einige müssen sich hinterfragen, was sie hier an Einsatz gebracht haben. Ein Derby war das heute zu keinem Zeitpunkt.“ Stimmen zum Spiel Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Ich bin ziemlich bedient. Ich kann mich kaum erinnern, dass wir mal so blass in einem Derby gespielt haben. Wir haben heute die Professionalität vermissen lassen.“ Florian Kehrmann (Trainer TBV Lemgo): „Zum Ende der ersten Halbzeit haben wir über die Abwehr ins Spiel gefunden. Danach hatten wir die Kontrolle und haben, wenn nötig, die Tore gemacht.“ Lucas Meister (GWD Minden): „Wir kamen von Anfang an nicht in die Zweikämpfe, sind in der Verteidigung nicht auf Betriebstemperatur gekommen. Und dann ist das zu wenig gegen Lemgo.“ Marian Michalczik (GWD Minden): „Wir hatten vorne und hinten viel Ausbaupotenzial. Wir haben versucht, uns dagegen zu stemmen, aber uns haben heute die Mittel und die Qualität gefehlt.“