Lemgo

Der Turbo-TBV Lemgo lässt müden Gästen keine Chance: GWD Minden verliert OWL-Derby 26:31

Marcus Riechmann

Vergeblich mühten sich die Gäste, hier Joscha Ritterbach, der sich am Trikot von Lemgos Evars Klesniks festält, gegen die TBV-Abwehr. - © Foto: Noah Wedel
Vergeblich mühten sich die Gäste, hier Joscha Ritterbach, der sich am Trikot von Lemgos Evars Klesniks festält, gegen die TBV-Abwehr. (© Foto: Noah Wedel)

Lemgo (mt). Die Serie der Auswärtserfolge in den OWL-Derbys ist endgültig Geschichte. Der TBV Lemgo Lippe schickte am Nachmittag GWD Minden mit einer 26:31 (11:15)-Pleite geschlagen auf die kurze Heimreise und baute in der Handball-Bundesliga den Vorsprung auf den Rivalen auf nun fünf Punkte aus. Anders als im Hinspiel, das GWD nach einem packenden Fight knapp gewann, wurde dieses Derby zu einer klaren Sache. Der TBV spielte vor 4612 Zuschauern in der prallvollen Phoenix-Contact-Arena auf höchstem Leistungsniveau, GWD kam an seines nicht annähernd heran.

Allein dem starken Torhüter Malte Semisch hatten es die rund 200 mitgereisten und zunächst erwartungsfrohen GWD-Fans zu verdanken, dass sie nicht noch mehr gedemütigt wurden. Mit der Packung war GWD nämlich noch gut bedient. Für den in Minden lebenden Evars "Ebbe" Klesniks setzte sich beim TBV die wundersame Siegesserie fort: Der in der Winterpause vom Drittligisten Lit Tribe Germania nachverpflichtete 39-jährige Lette feierte mit Lemgo in seinem dritten Spiel den dritten Sieg.

Semisch blickte unzufrieden auf das Spiel zurück: "Wir haben lernen müssen, dass ein einzelner Sieg nichts wert ist. Nach dem Erfolg gegen Göppingen war vielleicht aus unseren Köpfen die Mentalität ein bisschen weg, die man im Abstiegskampf braucht. Man muss klar sagen: Wir stecken da unten drin. Wir hatten uns hier echt was vorgenommen, aber das hat nicht funktioniert. Das war irgendwann so ein Spiel, das hätten wir noch Stunden spielen können und nicht gewonnen."

Die Teams begegneten sich mit einer gegensätzlichen Spielanlage. Der TBV setzte auf Tempospiel und auf mit Druck und Herzblut vorgetragene Angriffe. GWD setzte auf hohe Spielkontrolle, trug die Angriffe ruhig und abgeklärt vor. Bis zum 5:5 nach gut zehn Spielminuten egalisierten sich die OWL-Kontrahenten, danach verschafften sich die Gastgeber Vorteile. Beim 8:6 durch den ehemaligen GWD-Linkshänder Andreas Cederholm – der nahezu durchspielte - schob sich der TBV nach einer Viertelstunde erstmals mit zwei Toren nach vorn.

Doch Minden federte den Schwung der auf Touren kommenden Blauhemden ab. Gestützt auf die Paraden des starken Malte Semisch kam GWD beim 8:8 zum Ausgleich, erzielt von Marian Michalczik mit einem trockenen Wurf. Als Semisch sodann einen Wurf des trotz seiner Handverletzung spielenden Isaias Guardiola lässig fing, nutzten seine Vorderleute die Vorlage. Savvas Savvas setzte Lucas Meister in Szene und der Schweizer Kreisläufer vollstreckte zum 9:8. Dazu holte er eine Zeitstrafe gegen Evars Klesniks heraus. Bereits die zweite Strafzeit des Letten, der in seinem dritten Einsatz für den TBV nicht einmal die Halbzeitpause erlebte. Fünf Minuten erhielt der Innenblocker nach einem leichten Foul an Mindens Joscha Ritterbach die dritte Hinausstellung und schied nach gerade Mal 25 gespielten Minuten aus.

Doch Minden konnte weder das frühe Aus des Letten noch die Verletzung von Lemgos Rückraumspieler Dani Baijens, der in der 24. Minute ausschied, sinnvoll nutzen. Der Grund dafür stand zwischen den Pfosten der Lipper: Torhüter Peter Johannesson nahm den Gästen reihenweise Würfe ab, mit besten Chancen scheiterten Ritterbach, Gulliksen und Co. am Keeper.

Der zweite Grund für den nun entstehenden Rückstand war die ins Pomadige abrutschenden Spielweise der Gäste, die Spielwitz, Hingabe und Konzentration immer mehr vermissen ließen. Als dann auch noch die GWD-Abwehr Lücken offenbarte, die die Kreisanspiele des TBV nicht mehr abwehren konnte und auch in Zweikämpfen wackelte, kam der TBV ein zweites Mal auf Touren. Zunächst zielte Torwart Johannesson nach einer lockeren Parade gegen Aliaksandr Padshyvalau zum 11:9 ins leere Mindener Tor, Semisch eilte von der Bank dem Ball vergeblich hinterher und rutschte dem Spielgerät hinterher ebenfalls in die Maschen. Jonathan Carlsbogard traf danach zum 12:9, der ersten Drei-Tore-Führung der Hausherren. Und Guardiola, fürwahr kein Tempospieler, vollendete einen Gegenstoß zum 14:10. Der TBV ging schließlich mit einer verdienten 15:11-Führung in die Halbzeitpause. Die individuell GWD unterlegene Mannschaft von Trainer Florian Kehrmann hatte aus den bescheidenen personellen Möglichkeiten mehr gemacht.

Das blieb auch nach Wiederanpfiff so. Lemgo spielte die Angriffe auf den Punkt, brachte die PS auf die Platte. Bei GWD blieb vieles Stückwerk, die Mannschaft vermochte sich nicht ins Spiel hineinzubeißen. Fast wirkten die Gäste überrascht von der Power der Lipper, die sich von 18:15 auf 22:16 (42.) lösten. GWD-Coach Frank Carstens, der vergeblich nach einer funktionierenden Formation suchte, nahm eine Auszeit. Doch die hätte er sich auch sparen können, denn sein Team war völlig aus den Fugen geraten. Tor um Tor baute der TBV den Vorsprung auf 26:18 aus, allein Malte Semisch verhinderte Schlimmeres. Im Duell der beiden besten Männer auf dem Platz war er Johannesson im TBV-Tor ebenbürtig.

Minden kam noch einmal auf 22:27 heran und witterte in Überzahl vielleicht so etwas wie Morgenluft. Doch der in Halbzeit zwei kaum von der GWD-Abwehr zu bremsende Carlsbogard nahm den Grün-Weißen mit dem 28:22 den Wind aus den Segeln. Acht Minuten vor dem Ende feierten die meisten der 4612 Zuschauer im Stehen eine blaue Unterzahl-Party, während GWD mit einem Mann mehr auf dem Platz kein einziger Treffer gelang. Nur kurz ging Lemgo ein wenig der Sprit aus, vier Minuten vor Abpfiff verkürzte der eingewechselte Rechtsaußen Max Staar für GWD mit seinem dritten Tor zum 24:28. Der TBV bekam weiche Knie, aber nur ein bisschen. Andrej Kogut mogelte einen Unterarmwurf zum 29:25 ins Netz, der von Minden bis dahin gut abgeschirmte Torjäger Bjarki stockte sein Konto auf und kam noch zu zwei weiteren Feldtoren. Die Fans sangen "Ihr könnt nach Hause fahren" und dorthin wünschten sich wohl auch die meisten GWD-Spieler. Für sie, die aus dem GWD-Block immerhin mit "Dankersen"-Rufen gestützt wurden, gilt es nun, am Donnerstag im Heimspiel gegen die Füchse Berlin die Punkte zu holen, die sie eigentlich aus dem Lipperland mitbringen wollten.

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LemgoDer Turbo-TBV Lemgo lässt müden Gästen keine Chance: GWD Minden verliert OWL-Derby 26:31Marcus RiechmannLemgo (mt). Die Serie der Auswärtserfolge in den OWL-Derbys ist endgültig Geschichte. Der TBV Lemgo Lippe schickte am Nachmittag GWD Minden mit einer 26:31 (11:15)-Pleite geschlagen auf die kurze Heimreise und baute in der Handball-Bundesliga den Vorsprung auf den Rivalen auf nun fünf Punkte aus. Anders als im Hinspiel, das GWD nach einem packenden Fight knapp gewann, wurde dieses Derby zu einer klaren Sache. Der TBV spielte vor 4612 Zuschauern in der prallvollen Phoenix-Contact-Arena auf höchstem Leistungsniveau, GWD kam an seines nicht annähernd heran. Allein dem starken Torhüter Malte Semisch hatten es die rund 200 mitgereisten und zunächst erwartungsfrohen GWD-Fans zu verdanken, dass sie nicht noch mehr gedemütigt wurden. Mit der Packung war GWD nämlich noch gut bedient. Für den in Minden lebenden Evars "Ebbe" Klesniks setzte sich beim TBV die wundersame Siegesserie fort: Der in der Winterpause vom Drittligisten Lit Tribe Germania nachverpflichtete 39-jährige Lette feierte mit Lemgo in seinem dritten Spiel den dritten Sieg. Semisch blickte unzufrieden auf das Spiel zurück: "Wir haben lernen müssen, dass ein einzelner Sieg nichts wert ist. Nach dem Erfolg gegen Göppingen war vielleicht aus unseren Köpfen die Mentalität ein bisschen weg, die man im Abstiegskampf braucht. Man muss klar sagen: Wir stecken da unten drin. Wir hatten uns hier echt was vorgenommen, aber das hat nicht funktioniert. Das war irgendwann so ein Spiel, das hätten wir noch Stunden spielen können und nicht gewonnen." Die Teams begegneten sich mit einer gegensätzlichen Spielanlage. Der TBV setzte auf Tempospiel und auf mit Druck und Herzblut vorgetragene Angriffe. GWD setzte auf hohe Spielkontrolle, trug die Angriffe ruhig und abgeklärt vor. Bis zum 5:5 nach gut zehn Spielminuten egalisierten sich die OWL-Kontrahenten, danach verschafften sich die Gastgeber Vorteile. Beim 8:6 durch den ehemaligen GWD-Linkshänder Andreas Cederholm – der nahezu durchspielte - schob sich der TBV nach einer Viertelstunde erstmals mit zwei Toren nach vorn. Doch Minden federte den Schwung der auf Touren kommenden Blauhemden ab. Gestützt auf die Paraden des starken Malte Semisch kam GWD beim 8:8 zum Ausgleich, erzielt von Marian Michalczik mit einem trockenen Wurf. Als Semisch sodann einen Wurf des trotz seiner Handverletzung spielenden Isaias Guardiola lässig fing, nutzten seine Vorderleute die Vorlage. Savvas Savvas setzte Lucas Meister in Szene und der Schweizer Kreisläufer vollstreckte zum 9:8. Dazu holte er eine Zeitstrafe gegen Evars Klesniks heraus. Bereits die zweite Strafzeit des Letten, der in seinem dritten Einsatz für den TBV nicht einmal die Halbzeitpause erlebte. Fünf Minuten erhielt der Innenblocker nach einem leichten Foul an Mindens Joscha Ritterbach die dritte Hinausstellung und schied nach gerade Mal 25 gespielten Minuten aus. Doch Minden konnte weder das frühe Aus des Letten noch die Verletzung von Lemgos Rückraumspieler Dani Baijens, der in der 24. Minute ausschied, sinnvoll nutzen. Der Grund dafür stand zwischen den Pfosten der Lipper: Torhüter Peter Johannesson nahm den Gästen reihenweise Würfe ab, mit besten Chancen scheiterten Ritterbach, Gulliksen und Co. am Keeper. Der zweite Grund für den nun entstehenden Rückstand war die ins Pomadige abrutschenden Spielweise der Gäste, die Spielwitz, Hingabe und Konzentration immer mehr vermissen ließen. Als dann auch noch die GWD-Abwehr Lücken offenbarte, die die Kreisanspiele des TBV nicht mehr abwehren konnte und auch in Zweikämpfen wackelte, kam der TBV ein zweites Mal auf Touren. Zunächst zielte Torwart Johannesson nach einer lockeren Parade gegen Aliaksandr Padshyvalau zum 11:9 ins leere Mindener Tor, Semisch eilte von der Bank dem Ball vergeblich hinterher und rutschte dem Spielgerät hinterher ebenfalls in die Maschen. Jonathan Carlsbogard traf danach zum 12:9, der ersten Drei-Tore-Führung der Hausherren. Und Guardiola, fürwahr kein Tempospieler, vollendete einen Gegenstoß zum 14:10. Der TBV ging schließlich mit einer verdienten 15:11-Führung in die Halbzeitpause. Die individuell GWD unterlegene Mannschaft von Trainer Florian Kehrmann hatte aus den bescheidenen personellen Möglichkeiten mehr gemacht. Das blieb auch nach Wiederanpfiff so. Lemgo spielte die Angriffe auf den Punkt, brachte die PS auf die Platte. Bei GWD blieb vieles Stückwerk, die Mannschaft vermochte sich nicht ins Spiel hineinzubeißen. Fast wirkten die Gäste überrascht von der Power der Lipper, die sich von 18:15 auf 22:16 (42.) lösten. GWD-Coach Frank Carstens, der vergeblich nach einer funktionierenden Formation suchte, nahm eine Auszeit. Doch die hätte er sich auch sparen können, denn sein Team war völlig aus den Fugen geraten. Tor um Tor baute der TBV den Vorsprung auf 26:18 aus, allein Malte Semisch verhinderte Schlimmeres. Im Duell der beiden besten Männer auf dem Platz war er Johannesson im TBV-Tor ebenbürtig. Minden kam noch einmal auf 22:27 heran und witterte in Überzahl vielleicht so etwas wie Morgenluft. Doch der in Halbzeit zwei kaum von der GWD-Abwehr zu bremsende Carlsbogard nahm den Grün-Weißen mit dem 28:22 den Wind aus den Segeln. Acht Minuten vor dem Ende feierten die meisten der 4612 Zuschauer im Stehen eine blaue Unterzahl-Party, während GWD mit einem Mann mehr auf dem Platz kein einziger Treffer gelang. Nur kurz ging Lemgo ein wenig der Sprit aus, vier Minuten vor Abpfiff verkürzte der eingewechselte Rechtsaußen Max Staar für GWD mit seinem dritten Tor zum 24:28. Der TBV bekam weiche Knie, aber nur ein bisschen. Andrej Kogut mogelte einen Unterarmwurf zum 29:25 ins Netz, der von Minden bis dahin gut abgeschirmte Torjäger Bjarki stockte sein Konto auf und kam noch zu zwei weiteren Feldtoren. Die Fans sangen "Ihr könnt nach Hause fahren" und dorthin wünschten sich wohl auch die meisten GWD-Spieler. Für sie, die aus dem GWD-Block immerhin mit "Dankersen"-Rufen gestützt wurden, gilt es nun, am Donnerstag im Heimspiel gegen die Füchse Berlin die Punkte zu holen, die sie eigentlich aus dem Lipperland mitbringen wollten.