Minden/Lemgo

Ein bisschen Heimspiel: Im Lipperland hat GWD Minden seit Jahren nicht mehr verloren

Marcus Riechmann

Ein Gewinner des Hinspiels: Sieben Tore erzielte GWD-Spielmacher Juri Knorr beim 33:31-Sieg gegen Lemgo in der Kampa-Halle im September. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Ein Gewinner des Hinspiels: Sieben Tore erzielte GWD-Spielmacher Juri Knorr beim 33:31-Sieg gegen Lemgo in der Kampa-Halle im September. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden/Lemgo. 23 Kilometer und 30 Minuten Fahrzeit bis zur Kreissporthalle an der Roten Mühle in Lübbecke, 52 Kilometer bis nach Lemgo zur Phoenix Contact Arena, Google Maps veranschlagt dafür etwa 52 Minuten Reisedauer. Es hat also durchaus etwas Heimspielcharakter, wenn sich das Team von GWD Minden am morgigen Sonntag auf den Weg ins Lipperland zum OWL-Derby der Handball-Bundesliga macht und um 16 Uhr gegen den TBV Lemgo Lippe antritt.

Auch sonst liegen die Nachbarn nicht weit voneinander entfernt: Gerade mal drei Punkte trennen die Grünen und die Blauen in der Tabelle. Doch in der Bundesliga sind das Welten: Der TBV spielt eine Saison oberhalb der Erwartungen und führt auf Rang zehn die untere Tabellenhälfte an. GWD rangiert auf Rang 14 und kämpft nach einer nicht zufriedenstellenden Hinserie darum, den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern.

„Bei Lemgo läuft es“, sagt Frank Carstens anerkennend. Der TBV sammelt verlässlich Punkte gegen die Klubs aus der tabellerarischen Umgebung. „Die halten den Hof sauber. Und dazu gelingt ihnen mindestens einmal pro Saison auch ein Überraschungssieg“, sagt der GWD-Trainer. In letztere Kategorie fällt der 30:25-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen im Dezember.

Lediglich zweimal patzte der TBV gegen Tabellennachbarn: 33:35 beim Bergischen HC – und im Hinspiel in der Kampa-Halle, als GWD einen 33:31-Heimsieg feierte. Juri Knorr und Magnus Gullerud machten seinerzeit am 29. September 2019 vor mehr als 3.000 Zuschauern mit ihren Treffern nach dem 31:31 den Deckel drauf. Mit diesem Sieg durchbrachen Frank Carstens und seine Männer eine Serie: Seit GWD im Sommer 2016 in die Bundesliga zurückkehrte, hatte es keinen Heimsieg der OWL-Konkurrenten mehr gegeben. Jeweils 5:1 Punkte lautete in drei Spielzeiten die Auswärtsbilanz. „Die Tradition möchten wir gerne fortsetzen“, sagt der 48-jährige Carstens, grinst kurz und wischt den Gedanken beiseite: „Nur Spielerei.“

Wie bereits am vergangenen Sonntag beim 27:26-Heimsieg gegen Göppingen kann GWD in Bestbesetzung antreten. „Es hilft schon sehr, wenn kein Kommen und Gehen stattfindet“, sagt Carstens, nach dessen Einschätzung genau das den Herbst für GWD zu einer schwierigen Zeit gemacht hatte. Den aktuell stabilen personellen Zustand will der Coach nutzen: „Wir sind gut beraten, jetzt alles an Punkten einzusammeln, was wir kriegen können“, will er frühzeitig alle Abstiegsgefahr bannen. Doch er weiß, dass sein Team derzeit anders als die Lipper nicht vor Selbstbewusstsein strotzt. „Lemgo ist gut unterwegs. Das haben sie mit dem Sieg in Balingen unterstrichen. Da gewinnt nicht jeder“ sagt Carstens, „wir müssen uns im Moment viele Dinge noch erkämpfen. Die Spieler spüren, dass Druck da ist.“

Carstens benennt die Stärken des von Florian Kehrmann gecoachten TBV : Das Abwehrspiel ist „ein Pfund“, ebenso die schnelle Feldüberquerung nach Ballgewinnen und das Spiel über den Kreis. „Das Tempospiel haben wir im Hinspiel mit minus sieben verloren. das war unser schlechtester Wert der Saison“, erinnert sich Carstens. Zwölf Treffer erzielte damals Lemgos Isländer Bjarki Elisson, mit 173 Treffern und einer Erfolgsquote von 75 Prozent bester Liga-Torjäger.

„Er hat einen Lauf, ihm gelingt alles. In den vergangenen fünf Spielen hat er im Durchschnitt zehn Tore erzielt“, ist Carstens vom Linksaußen beeindruckt. Ihn und damit das Tempospiel des TBV gelte es zu stoppen. „Wenn wir in die Positionsabwehr kommen, verbessert das unsere Chancen“, wünscht sich Carstens ein gutes Rückzugsverhalten.

Mehr als 4.000 Zuschauer werden zum OWL-Hit erwartet, in dem es zum Wiedersehen mit zwei ehemaligen GWD-Profis kommt. Der Schwede Andreas Cederholm spielt seit vergangenem Sommer in Lemgo, der Lette Evars Klesniks trägt seit ein paar Wochen erst das blaue Trikot. Der 39-Jährige ersetzt beim TBV den ein Jahr jüngeren Fabian van Olphen als Abwehrchef, weil der Niederländer – wie auch Mittelmann Tim Suton – mit einem Kreuzbandriss langfristig fehlen wird.

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Minden/LemgoEin bisschen Heimspiel: Im Lipperland hat GWD Minden seit Jahren nicht mehr verlorenMarcus RiechmannMinden/Lemgo. 23 Kilometer und 30 Minuten Fahrzeit bis zur Kreissporthalle an der Roten Mühle in Lübbecke, 52 Kilometer bis nach Lemgo zur Phoenix Contact Arena, Google Maps veranschlagt dafür etwa 52 Minuten Reisedauer. Es hat also durchaus etwas Heimspielcharakter, wenn sich das Team von GWD Minden am morgigen Sonntag auf den Weg ins Lipperland zum OWL-Derby der Handball-Bundesliga macht und um 16 Uhr gegen den TBV Lemgo Lippe antritt. Auch sonst liegen die Nachbarn nicht weit voneinander entfernt: Gerade mal drei Punkte trennen die Grünen und die Blauen in der Tabelle. Doch in der Bundesliga sind das Welten: Der TBV spielt eine Saison oberhalb der Erwartungen und führt auf Rang zehn die untere Tabellenhälfte an. GWD rangiert auf Rang 14 und kämpft nach einer nicht zufriedenstellenden Hinserie darum, den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern. „Bei Lemgo läuft es“, sagt Frank Carstens anerkennend. Der TBV sammelt verlässlich Punkte gegen die Klubs aus der tabellerarischen Umgebung. „Die halten den Hof sauber. Und dazu gelingt ihnen mindestens einmal pro Saison auch ein Überraschungssieg“, sagt der GWD-Trainer. In letztere Kategorie fällt der 30:25-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen im Dezember. Lediglich zweimal patzte der TBV gegen Tabellennachbarn: 33:35 beim Bergischen HC – und im Hinspiel in der Kampa-Halle, als GWD einen 33:31-Heimsieg feierte. Juri Knorr und Magnus Gullerud machten seinerzeit am 29. September 2019 vor mehr als 3.000 Zuschauern mit ihren Treffern nach dem 31:31 den Deckel drauf. Mit diesem Sieg durchbrachen Frank Carstens und seine Männer eine Serie: Seit GWD im Sommer 2016 in die Bundesliga zurückkehrte, hatte es keinen Heimsieg der OWL-Konkurrenten mehr gegeben. Jeweils 5:1 Punkte lautete in drei Spielzeiten die Auswärtsbilanz. „Die Tradition möchten wir gerne fortsetzen“, sagt der 48-jährige Carstens, grinst kurz und wischt den Gedanken beiseite: „Nur Spielerei.“ Wie bereits am vergangenen Sonntag beim 27:26-Heimsieg gegen Göppingen kann GWD in Bestbesetzung antreten. „Es hilft schon sehr, wenn kein Kommen und Gehen stattfindet“, sagt Carstens, nach dessen Einschätzung genau das den Herbst für GWD zu einer schwierigen Zeit gemacht hatte. Den aktuell stabilen personellen Zustand will der Coach nutzen: „Wir sind gut beraten, jetzt alles an Punkten einzusammeln, was wir kriegen können“, will er frühzeitig alle Abstiegsgefahr bannen. Doch er weiß, dass sein Team derzeit anders als die Lipper nicht vor Selbstbewusstsein strotzt. „Lemgo ist gut unterwegs. Das haben sie mit dem Sieg in Balingen unterstrichen. Da gewinnt nicht jeder“ sagt Carstens, „wir müssen uns im Moment viele Dinge noch erkämpfen. Die Spieler spüren, dass Druck da ist.“ Carstens benennt die Stärken des von Florian Kehrmann gecoachten TBV : Das Abwehrspiel ist „ein Pfund“, ebenso die schnelle Feldüberquerung nach Ballgewinnen und das Spiel über den Kreis. „Das Tempospiel haben wir im Hinspiel mit minus sieben verloren. das war unser schlechtester Wert der Saison“, erinnert sich Carstens. Zwölf Treffer erzielte damals Lemgos Isländer Bjarki Elisson, mit 173 Treffern und einer Erfolgsquote von 75 Prozent bester Liga-Torjäger. „Er hat einen Lauf, ihm gelingt alles. In den vergangenen fünf Spielen hat er im Durchschnitt zehn Tore erzielt“, ist Carstens vom Linksaußen beeindruckt. Ihn und damit das Tempospiel des TBV gelte es zu stoppen. „Wenn wir in die Positionsabwehr kommen, verbessert das unsere Chancen“, wünscht sich Carstens ein gutes Rückzugsverhalten. Mehr als 4.000 Zuschauer werden zum OWL-Hit erwartet, in dem es zum Wiedersehen mit zwei ehemaligen GWD-Profis kommt. Der Schwede Andreas Cederholm spielt seit vergangenem Sommer in Lemgo, der Lette Evars Klesniks trägt seit ein paar Wochen erst das blaue Trikot. Der 39-Jährige ersetzt beim TBV den ein Jahr jüngeren Fabian van Olphen als Abwehrchef, weil der Niederländer – wie auch Mittelmann Tim Suton – mit einem Kreuzbandriss langfristig fehlen wird.