Minden

Die Personalplanung muss warten - die Lettenfestspiele warten auf GWD

Marcus Riechmann

Erfolg macht glücklich: Die siegreiche Neustart nach der EM-Pause stellt GWD-Trainer Frank Carstens (links) und Sportgeschäftsführer Frank von Behren zufrieden. Foto: Holsteinoffice.de/Jörg Lühn - © Jörg Lühn
Erfolg macht glücklich: Die siegreiche Neustart nach der EM-Pause stellt GWD-Trainer Frank Carstens (links) und Sportgeschäftsführer Frank von Behren zufrieden. Foto: Holsteinoffice.de/Jörg Lühn (© Jörg Lühn)

Minden. Die finanzielle Schieflage des Champions-League-Siegers RK Vardar Skopje spült eine ganze Schar von Spitzenspielern in die europäischen Handball-Ligen. Ein erster Klub, der entschlossen zugegriffen hat, sind die Füchse Berlin. Sie sicherten sich bis zum Saisonende die Dienste des 2,15 Meter großen Letten Dainis Kristopans, der vor seinem Wechsel zum französischen Topklub Paris St. Germain im Sommer nun einen Stopp in der Bundesliga einlegt.

Die Fans im Mindener Land dürfen sich auf Kristopans freuen: Bereits am kommenden Donnerstag, 20. Februar, können sie den Linkshänder und seine besonderen Fähigkeiten unter die Lupe nehmen. Denn danngastieren die Füchse als Gegner von GWD Minden in der Kreissporthalle Lübbecke. „Das ist schon ein sehenswerter Typ“, sagt Frank Carstens über den Handball-Riesen Kristopans, für den er sich in der Abwehr etwas einfallen lassen muss. Doch zunächst liegt sein Fokus vollständig auf dem Derby beim TBV Lemgo Lippe am kommenden Sonntag.

Die GWD-Fans feiern das Team nach dem ersten Sieg in Lübbecke. GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche freute sich: "Keiner hatte vorher Lust auf Lübbecke, aber alle sind begeistert aus der Halle rausgegangen." Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Die GWD-Fans feiern das Team nach dem ersten Sieg in Lübbecke. GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche freute sich: "Keiner hatte vorher Lust auf Lübbecke, aber alle sind begeistert aus der Halle rausgegangen." Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Etwas weiter blickt er jedoch gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Frank von Behren bei der Kaderplanung für die kommende Saison. Daher beobachtet von Behren die Auflösungserscheinungen beim nordmazedonischen Spitzenverein Skopje mit wachem Auge. GWD sucht im linken Rückraum einen Nachfolger für Marian Michalczik, der nach dieser Saison zum nächsten Heimspielgegner Berlin wechseln wird. „Jemand mit etwas Erfahrung wär nicht schlecht“, reißt von Behren ein Element des Anforderungsprofils an. Ein Kandidat: Christian Dissinger. Der einstige Nationalspieler und Europameister von 2016 sucht nach eineinhalb Jahren in Skopje eine neuen Beschäftigung.

„Ein interessanter Mann“, sagt von Behren über den 2.02 Meter großen und 28 Jahre alten Torjäger, dem einst als Mega-Talent eine große Karriere vorhergesagt wurde. Doch eine Fülle von Verletzungen, darunter zwei Kreuzbandrisse, verhinderten Dissingers Durchbruch. „Sonst käme er für uns ja auch gar nicht in Frage“, ordnet von Behren die Lage ein, ohne konkreter zu werden: „Es stehen immer wieder Kandidaten auf der Liste.“

Für zwei scheidende Spieler hat von Behren bereits Ersatz gefunden. Für Kreisläufer Magnus Gullerud kommt Joshua Thiele von der TSV Hannover-Burgdorf, Torhüter Espen Christensen wird von Carsten Lichtlein vom HC Erlangen ersetzt.

Generell stellt der GWD-Sportchef fest: „Der Markt gibt nicht viel her. Alle Klubs sind an denselben Spielern dran.“ HSG Wetzlar, FA Göppingen, TVB Stuttgart und Co. – Klubs dieser Kragenweite sind die Konkurrenten im Werben um Neuverpflichtungen. Die finanziellen Möglichkeiten bei GWD sind knapp oder jedenfalls noch offen. Das liegt auch daran, dass die künftigen Belastungen durch den Lübbecke-Umzug und das Tempus-Hallen-Projekt ebenso unklar sind, wie die Auswirkungen auf das Sponsoren-Umfeld. Ende Februar wollen die GWD-Gesellschafter den Haushaltsplan absegnen und damit von Behren konkretere Zahlen für die Saisonplanung an die Hand geben.

Bis dahin hält der einstige Nationalspieler die Augen offen. Nach Schweden richte er den Blick, Holland sei interessant. Aber es sei nicht leicht. „Die weichen Faktoren sprechen im Moment nicht für uns“, sagt von Behren, der sich daher umso mehr über den 27:26-Heimsieg gegen Göppingen freut. Die Trainingssituation sei nach der Schließung der Kampa-Halle ein Behelf. Das Team tingelt über Stadt und Land, in der Ausweichhalle Stemmer funktionieren seit Wochen die Duschen nicht, es fehlt schlicht ein bundesliga-taugliches und erstliga-würdiges Trainingszentrum. Dazu kommt die Zeit des Übergangs mit den Heimspielen in Lübbecke auf unbestimmte Zeit. „Das alles ist für uns in den Gesprächen nicht von Vorteil“, meint von Behren. Vor allem innerhalb der Liga sei die Situation bei GWD ein Thema, bei Spielern aus dem Ausland aber nicht: „Die stellen andere Fragen.“

Über die Perspektive der GWD-Spieler, deren Verträge im Sommer auslaufen. will er noch nicht reden. „Das ist noch zu früh“, sagt er, vielleicht will er die Gesellschafterversammlung abwarten. Es deutet sich zumindest an, dass der von Berlin geliehene Christoph Reißky als „Backup“ für Christoffer Rambo im rechten Rückraum gute Karten besitzt. Im linken Rückraum könnte die derzeitige Dreifachbesetzung mit Michalczik, Miljan Pusica und Savvas Savvas aus Kostengründen zu einer Doppellösung reduziert werden. Da Abwehrchef Pusica jüngst seinen Vertrag verlängerte, wäre der Grieche Savvas von einer Veränderung betroffen.

Wie überraschend sich das Karussell dreht, durfte jüngst Evars Klesniks erfahren: Der Drittliga-Senior von Lit Tribe Germania spielte an der Seite von Kristopans eine starke Europameisterschaft und erhielt prompt einen Vertrag beim TBV Lemgo. „Ebbe ist einfach sensationell“ sagt von Behren über den 39-jährigen Letten, der nach eineinhalb Jahren Bundesliga-Pause seinen dritten Frühling erlebt. Beim TBV begeistert Klesniks die Fans und erfüllt aus dem Stand die Rolle als Ersatzmann des verletzten Abwehrchefs Fabian van Olphen, der mit einem Kreuzbandriss lange ausfällt. Zwei Siege in zwei Spielen sind die Bilanz von Klesniks, der mit dem TBV Sonntag für seinen Ex-Klub GWD die lettischen Festspiele eröffnet.

„Keiner hatte Lust, alle sind begeistert rausgegangen“

Das OWL-Derby in Lemgo wird Markus Kalusche am Sonntag entspannt begleiten und sich in der Phoenix-Contact-Arena des TBV ein Bild von den Möglichkeiten einer modernen Sportstätte machen. Der GWD-Geschäftsführer blickt bereits dem zweiten Heimspiel in Lübbecke am kommenden Donnerstag gegen die Füchse Berlin entgegen.

„Ein Abendspiel stellt neue Herausforderungen“, sagt Kalusche, der mit der Premiere in der neuen Heimat und dem 27:26-Sieg gegen FA Göppingen sehr zufrieden war. „Der Riesenaufwand wurde belohnt“, bilanziert er: „Jeder der hart daran gearbeitet hat, darf sich freuen. Lübbecke hat funktioniert.“ Vor allem freute er sich über die Resonanz der Zuschauer: „Der Sieg war super wichtig für die Fans. Keiner hatte vorher Lust auf Lübbecke, aber alle sind begeistert aus der Halle rausgegangen.“

In Grenzen dürfte sich jedoch die Begeisterung bei den Zweitliga-Handballern des TuS N-Lübbecke halten: Weil der TuS keinen Heimauftritt mehr vor dem GWD-Spiel gegen Berlin hat, blieb die GWD-Dekoration in der Kreissporthalle hängen. Und so müssen die TuS-Profis täglich in der grün strahlenden Halle trainieren. (rich)

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MindenDie Personalplanung muss warten - die Lettenfestspiele warten auf GWDMarcus RiechmannMinden. Die finanzielle Schieflage des Champions-League-Siegers RK Vardar Skopje spült eine ganze Schar von Spitzenspielern in die europäischen Handball-Ligen. Ein erster Klub, der entschlossen zugegriffen hat, sind die Füchse Berlin. Sie sicherten sich bis zum Saisonende die Dienste des 2,15 Meter großen Letten Dainis Kristopans, der vor seinem Wechsel zum französischen Topklub Paris St. Germain im Sommer nun einen Stopp in der Bundesliga einlegt. Die Fans im Mindener Land dürfen sich auf Kristopans freuen: Bereits am kommenden Donnerstag, 20. Februar, können sie den Linkshänder und seine besonderen Fähigkeiten unter die Lupe nehmen. Denn danngastieren die Füchse als Gegner von GWD Minden in der Kreissporthalle Lübbecke. „Das ist schon ein sehenswerter Typ“, sagt Frank Carstens über den Handball-Riesen Kristopans, für den er sich in der Abwehr etwas einfallen lassen muss. Doch zunächst liegt sein Fokus vollständig auf dem Derby beim TBV Lemgo Lippe am kommenden Sonntag. Etwas weiter blickt er jedoch gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Frank von Behren bei der Kaderplanung für die kommende Saison. Daher beobachtet von Behren die Auflösungserscheinungen beim nordmazedonischen Spitzenverein Skopje mit wachem Auge. GWD sucht im linken Rückraum einen Nachfolger für Marian Michalczik, der nach dieser Saison zum nächsten Heimspielgegner Berlin wechseln wird. „Jemand mit etwas Erfahrung wär nicht schlecht“, reißt von Behren ein Element des Anforderungsprofils an. Ein Kandidat: Christian Dissinger. Der einstige Nationalspieler und Europameister von 2016 sucht nach eineinhalb Jahren in Skopje eine neuen Beschäftigung. „Ein interessanter Mann“, sagt von Behren über den 2.02 Meter großen und 28 Jahre alten Torjäger, dem einst als Mega-Talent eine große Karriere vorhergesagt wurde. Doch eine Fülle von Verletzungen, darunter zwei Kreuzbandrisse, verhinderten Dissingers Durchbruch. „Sonst käme er für uns ja auch gar nicht in Frage“, ordnet von Behren die Lage ein, ohne konkreter zu werden: „Es stehen immer wieder Kandidaten auf der Liste.“ Für zwei scheidende Spieler hat von Behren bereits Ersatz gefunden. Für Kreisläufer Magnus Gullerud kommt Joshua Thiele von der TSV Hannover-Burgdorf, Torhüter Espen Christensen wird von Carsten Lichtlein vom HC Erlangen ersetzt. Generell stellt der GWD-Sportchef fest: „Der Markt gibt nicht viel her. Alle Klubs sind an denselben Spielern dran.“ HSG Wetzlar, FA Göppingen, TVB Stuttgart und Co. – Klubs dieser Kragenweite sind die Konkurrenten im Werben um Neuverpflichtungen. Die finanziellen Möglichkeiten bei GWD sind knapp oder jedenfalls noch offen. Das liegt auch daran, dass die künftigen Belastungen durch den Lübbecke-Umzug und das Tempus-Hallen-Projekt ebenso unklar sind, wie die Auswirkungen auf das Sponsoren-Umfeld. Ende Februar wollen die GWD-Gesellschafter den Haushaltsplan absegnen und damit von Behren konkretere Zahlen für die Saisonplanung an die Hand geben. Bis dahin hält der einstige Nationalspieler die Augen offen. Nach Schweden richte er den Blick, Holland sei interessant. Aber es sei nicht leicht. „Die weichen Faktoren sprechen im Moment nicht für uns“, sagt von Behren, der sich daher umso mehr über den 27:26-Heimsieg gegen Göppingen freut. Die Trainingssituation sei nach der Schließung der Kampa-Halle ein Behelf. Das Team tingelt über Stadt und Land, in der Ausweichhalle Stemmer funktionieren seit Wochen die Duschen nicht, es fehlt schlicht ein bundesliga-taugliches und erstliga-würdiges Trainingszentrum. Dazu kommt die Zeit des Übergangs mit den Heimspielen in Lübbecke auf unbestimmte Zeit. „Das alles ist für uns in den Gesprächen nicht von Vorteil“, meint von Behren. Vor allem innerhalb der Liga sei die Situation bei GWD ein Thema, bei Spielern aus dem Ausland aber nicht: „Die stellen andere Fragen.“ Über die Perspektive der GWD-Spieler, deren Verträge im Sommer auslaufen. will er noch nicht reden. „Das ist noch zu früh“, sagt er, vielleicht will er die Gesellschafterversammlung abwarten. Es deutet sich zumindest an, dass der von Berlin geliehene Christoph Reißky als „Backup“ für Christoffer Rambo im rechten Rückraum gute Karten besitzt. Im linken Rückraum könnte die derzeitige Dreifachbesetzung mit Michalczik, Miljan Pusica und Savvas Savvas aus Kostengründen zu einer Doppellösung reduziert werden. Da Abwehrchef Pusica jüngst seinen Vertrag verlängerte, wäre der Grieche Savvas von einer Veränderung betroffen. Wie überraschend sich das Karussell dreht, durfte jüngst Evars Klesniks erfahren: Der Drittliga-Senior von Lit Tribe Germania spielte an der Seite von Kristopans eine starke Europameisterschaft und erhielt prompt einen Vertrag beim TBV Lemgo. „Ebbe ist einfach sensationell“ sagt von Behren über den 39-jährigen Letten, der nach eineinhalb Jahren Bundesliga-Pause seinen dritten Frühling erlebt. Beim TBV begeistert Klesniks die Fans und erfüllt aus dem Stand die Rolle als Ersatzmann des verletzten Abwehrchefs Fabian van Olphen, der mit einem Kreuzbandriss lange ausfällt. Zwei Siege in zwei Spielen sind die Bilanz von Klesniks, der mit dem TBV Sonntag für seinen Ex-Klub GWD die lettischen Festspiele eröffnet. „Keiner hatte Lust, alle sind begeistert rausgegangen“ Das OWL-Derby in Lemgo wird Markus Kalusche am Sonntag entspannt begleiten und sich in der Phoenix-Contact-Arena des TBV ein Bild von den Möglichkeiten einer modernen Sportstätte machen. Der GWD-Geschäftsführer blickt bereits dem zweiten Heimspiel in Lübbecke am kommenden Donnerstag gegen die Füchse Berlin entgegen. „Ein Abendspiel stellt neue Herausforderungen“, sagt Kalusche, der mit der Premiere in der neuen Heimat und dem 27:26-Sieg gegen FA Göppingen sehr zufrieden war. „Der Riesenaufwand wurde belohnt“, bilanziert er: „Jeder der hart daran gearbeitet hat, darf sich freuen. Lübbecke hat funktioniert.“ Vor allem freute er sich über die Resonanz der Zuschauer: „Der Sieg war super wichtig für die Fans. Keiner hatte vorher Lust auf Lübbecke, aber alle sind begeistert aus der Halle rausgegangen.“ In Grenzen dürfte sich jedoch die Begeisterung bei den Zweitliga-Handballern des TuS N-Lübbecke halten: Weil der TuS keinen Heimauftritt mehr vor dem GWD-Spiel gegen Berlin hat, blieb die GWD-Dekoration in der Kreissporthalle hängen. Und so müssen die TuS-Profis täglich in der grün strahlenden Halle trainieren. (rich)