Lübbecke

Angekommen: Handball-Bundesligist GWD Minden feiert eine prächtige Premiere in Lübbecke

Marcus Riechmann

Zum Niederknien: GWD-Torwart Malte Semisch zeigte in der Schlussphase das, was man Monsterparaden nennt. Damit sicherte der Schlussmann seinem Mindener Team die Punkte gegen Göppingen. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Zum Niederknien: GWD-Torwart Malte Semisch zeigte in der Schlussphase das, was man Monsterparaden nennt. Damit sicherte der Schlussmann seinem Mindener Team die Punkte gegen Göppingen. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Lübbecke. Als Untermieter in Lübbecke – kann das gut gehen? Bangen Wochen folgten gestern nervenzehrende 60 Spielminuten. Erst mit dem allerletzten Wurf des Tages stand fest: Es geht gut. Und wie! Handball-Bundesligist GWD Minden ist mit einem Heimsieg prächtig im neuen Domizil an der Roten Mühle angekommen. 27:26 (13:14) gewann das Team in der in Grün getauchten Kreissporthalle Lübbecke gegen Frisch Auf Göppingen und durfte damit nach dem ersten Spiel nach der EM-Pause hinter zwei wichtige Ziele einen Haken setzen.

Erstens: Der neue Spielort funktioniert, die Fans nehmen die Zwangsheimat an. 2.300 Fans reisten trotz des Sturmtiefs Sabine in den Westen des Mühlenkreises, gaben dem Team Rückendeckung und deuteten stellenweise an, welche Kraft, welchen akustischen Druck die Kreissporthalle als Heim-Arena entfalten kann. Zweitens: Die Mannschaft hat dem Druck des Abstiegskampfs standgehalten.

Alle schauen zu, im Hintergrund leuchtet prophetisch die Edeka-Werbung auf der LED-Bande: In der letzten Szene scheitert Göppingens Ivan Sliskovic (rechts) mit dem Direktfreiwurf. MT- - © Foto: Riechmann
Alle schauen zu, im Hintergrund leuchtet prophetisch die Edeka-Werbung auf der LED-Bande: In der letzten Szene scheitert Göppingens Ivan Sliskovic (rechts) mit dem Direktfreiwurf. MT- (© Foto: Riechmann)

Mit dem ungemein wichtigen Sieg pirschte sich GWD an den gestrigen Gegner Göppingen (Platz 13) mit nun ebenfalls 15 Pluspunkten heran. Zudem plumpsten weitere Steine von den Herzen der Verantwortlichen, als das Ergebnis aus Hannover bekannt wurde: Die Eulen Ludwigshafen hatten trotz zwischenzeitlicher Führung doch noch beim Tabellendritten TSV verloren, damit baute Minden den Vorsprung auf die Eulen und Abstiegsrang 17 auf drei Punkte aus.

„Das war das wichtigste Spiel des Jahres“, zeigte sich GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche erleichtert. Er hatte mit seinem Organisationsteam die Spielstätte des TuS N-Lübbecke ergrünen lasen, gewaltige Stoffbahnen prangten an den Stirnseiten und sorgten in der kompakten Arena für die notwendige Heimatmosphäre. Alles funktionierte nahezu reibungslos, obendrauf sorgte die Mannschaft mit dem Zittersieg dafür, dass sich auf Anhieb alle zuhause fühlten.

„Man hat teilweise gesehen, und gehört, was hier möglich ist. Jetzt müssen wir noch noch als Mannschaft etwas mehr tun“, meinte GWD-Teamkapitän Marian Michalczik und pustete durch: „Man hat gespürt, dass eine Last da war. Die Erleichterung ist groß.“ Das galt auch für Mats Korte, dem Sekunden vor dem Abpfiff ein ungewöhnlicher und zum Glück folgenloser Ballverlust unterlaufen war. „Das war eine neue Erfahrung hier, aber das war schon eine bombastische Stimmung. Das kann ein echter Hexenkessel werden“, war der GWD-Linksaußen von der neuen Halle angetan. Vom Spiel allerdings weniger: „Das war ein ganz schönes Gewürge“, meinte Korte selbstkritisch und hatte fraglos Recht.

60 Minuten mühte sich Minden zwar redlich, doch das Team brachte sich mit einer Fülle von Fehlern und Ungenauigkeiten immer wieder in Bedrängnis. Nach dem 1:0 lief Minden einem Rückstand hinterher, ließ reihenweise Strafwürfe aus und war mit dem 13:14 zur Pause noch gut bedient. In Halbzeit zwei gelang zum 16:15 zwar sofort die Führung, doch von 18:20 bis 21:23 durfte man sich Sorgen machen. Die „Game-Changer“ kamen von der Bank: Torhüter Malte Semisch, der den durchaus guten Espen Christensen ersetzte, zeigte brillante Paraden, Lucas Meister machte seine Sache am Kreis blendend. Der Schweizer erzielte zum 24:23 die erneute Führung (51.) und traf zum 25:25 und 26:25. Dazu verlieh der in der 40. Minute eingewechselte Juri Knorr dem Team bei seinem ersten Einsatz nach mehrmonatiger Verletzungspause dem Spiel wichtige Impulse.

„Wir haben irre viel Hilfe von der Bank erhalten. Das war ein großer Vorteil“, sagte zufrieden Frank Carstens , der dem Spiel selbst aber nur wenig abgewinnen konnte. „Das war nicht schön, aber im Moment laufen die Spiele genau so und nicht wie geschnitten Brot. Wir haben die Punkte, den Rest werden wir uns erkämpfen“, sagte der Coach, den das Spiel gezeichnet hatte.

„Wir hatten in der Grundanlage Vorteile. Aber Göppingen spielt das abgeklärter, ruhiger als wir. Wir machen einige gute Sachen, aber das nützt nichts, wenn man den Ball immer wieder abgibt“, analysierte Carstens. Das traf auch auf die vorletzte Szene zu, als bei angezeigtem Zeitspiel noch exakt drei Pässe nach einem Freiwurf gespielt werden durften und der Ball unerwartet auf Linksaußen bei Korte landete. Die Schiedsrichter pfiffen Zeitspiel und gaben Göppingen bei wenigen Sekunden Restspielzeit die letzte Chance zum Ausgleichstor. Doch Mindens Kevin Gulliksen stoppte den Gäste-Gegenstoß, den folgenden Direktfreiwurf brachte Göppingens Ivan Sliskovic aus rund 16 Meter Entfernung nicht am GWD-Block vorbei ins Tor. Sekunden später tobten die Fans auf der Tribüne und die GWD-Spieler tanzten vor Freude trunken im Kreis. Ganz wie in der Kampa-Halle.

TSV GWD Minden - FA Göppingen 27:26 (13:14).

Tore: Gulliksen (5), Rambo (5), Meister (4), Savvas (4), Michalczik (4), Korte (2), Gullerud (1), Knorr (1), Reissky (1) für Minden - Schiller (7), Kozina (6), Rentschler (4), Kneule (3), Theilinger (2), Bagersted (1), Erifopoulos (1), Sliskovic (1), Rebmann (1) für Göppingen. - Zuschauer: 2311.

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LübbeckeAngekommen: Handball-Bundesligist GWD Minden feiert eine prächtige Premiere in LübbeckeMarcus RiechmannLübbecke. Als Untermieter in Lübbecke – kann das gut gehen? Bangen Wochen folgten gestern nervenzehrende 60 Spielminuten. Erst mit dem allerletzten Wurf des Tages stand fest: Es geht gut. Und wie! Handball-Bundesligist GWD Minden ist mit einem Heimsieg prächtig im neuen Domizil an der Roten Mühle angekommen. 27:26 (13:14) gewann das Team in der in Grün getauchten Kreissporthalle Lübbecke gegen Frisch Auf Göppingen und durfte damit nach dem ersten Spiel nach der EM-Pause hinter zwei wichtige Ziele einen Haken setzen. Erstens: Der neue Spielort funktioniert, die Fans nehmen die Zwangsheimat an. 2.300 Fans reisten trotz des Sturmtiefs Sabine in den Westen des Mühlenkreises, gaben dem Team Rückendeckung und deuteten stellenweise an, welche Kraft, welchen akustischen Druck die Kreissporthalle als Heim-Arena entfalten kann. Zweitens: Die Mannschaft hat dem Druck des Abstiegskampfs standgehalten. Mit dem ungemein wichtigen Sieg pirschte sich GWD an den gestrigen Gegner Göppingen (Platz 13) mit nun ebenfalls 15 Pluspunkten heran. Zudem plumpsten weitere Steine von den Herzen der Verantwortlichen, als das Ergebnis aus Hannover bekannt wurde: Die Eulen Ludwigshafen hatten trotz zwischenzeitlicher Führung doch noch beim Tabellendritten TSV verloren, damit baute Minden den Vorsprung auf die Eulen und Abstiegsrang 17 auf drei Punkte aus. „Das war das wichtigste Spiel des Jahres“, zeigte sich GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche erleichtert. Er hatte mit seinem Organisationsteam die Spielstätte des TuS N-Lübbecke ergrünen lasen, gewaltige Stoffbahnen prangten an den Stirnseiten und sorgten in der kompakten Arena für die notwendige Heimatmosphäre. Alles funktionierte nahezu reibungslos, obendrauf sorgte die Mannschaft mit dem Zittersieg dafür, dass sich auf Anhieb alle zuhause fühlten. „Man hat teilweise gesehen, und gehört, was hier möglich ist. Jetzt müssen wir noch noch als Mannschaft etwas mehr tun“, meinte GWD-Teamkapitän Marian Michalczik und pustete durch: „Man hat gespürt, dass eine Last da war. Die Erleichterung ist groß.“ Das galt auch für Mats Korte, dem Sekunden vor dem Abpfiff ein ungewöhnlicher und zum Glück folgenloser Ballverlust unterlaufen war. „Das war eine neue Erfahrung hier, aber das war schon eine bombastische Stimmung. Das kann ein echter Hexenkessel werden“, war der GWD-Linksaußen von der neuen Halle angetan. Vom Spiel allerdings weniger: „Das war ein ganz schönes Gewürge“, meinte Korte selbstkritisch und hatte fraglos Recht. 60 Minuten mühte sich Minden zwar redlich, doch das Team brachte sich mit einer Fülle von Fehlern und Ungenauigkeiten immer wieder in Bedrängnis. Nach dem 1:0 lief Minden einem Rückstand hinterher, ließ reihenweise Strafwürfe aus und war mit dem 13:14 zur Pause noch gut bedient. In Halbzeit zwei gelang zum 16:15 zwar sofort die Führung, doch von 18:20 bis 21:23 durfte man sich Sorgen machen. Die „Game-Changer“ kamen von der Bank: Torhüter Malte Semisch, der den durchaus guten Espen Christensen ersetzte, zeigte brillante Paraden, Lucas Meister machte seine Sache am Kreis blendend. Der Schweizer erzielte zum 24:23 die erneute Führung (51.) und traf zum 25:25 und 26:25. Dazu verlieh der in der 40. Minute eingewechselte Juri Knorr dem Team bei seinem ersten Einsatz nach mehrmonatiger Verletzungspause dem Spiel wichtige Impulse. „Wir haben irre viel Hilfe von der Bank erhalten. Das war ein großer Vorteil“, sagte zufrieden Frank Carstens , der dem Spiel selbst aber nur wenig abgewinnen konnte. „Das war nicht schön, aber im Moment laufen die Spiele genau so und nicht wie geschnitten Brot. Wir haben die Punkte, den Rest werden wir uns erkämpfen“, sagte der Coach, den das Spiel gezeichnet hatte. „Wir hatten in der Grundanlage Vorteile. Aber Göppingen spielt das abgeklärter, ruhiger als wir. Wir machen einige gute Sachen, aber das nützt nichts, wenn man den Ball immer wieder abgibt“, analysierte Carstens. Das traf auch auf die vorletzte Szene zu, als bei angezeigtem Zeitspiel noch exakt drei Pässe nach einem Freiwurf gespielt werden durften und der Ball unerwartet auf Linksaußen bei Korte landete. Die Schiedsrichter pfiffen Zeitspiel und gaben Göppingen bei wenigen Sekunden Restspielzeit die letzte Chance zum Ausgleichstor. Doch Mindens Kevin Gulliksen stoppte den Gäste-Gegenstoß, den folgenden Direktfreiwurf brachte Göppingens Ivan Sliskovic aus rund 16 Meter Entfernung nicht am GWD-Block vorbei ins Tor. Sekunden später tobten die Fans auf der Tribüne und die GWD-Spieler tanzten vor Freude trunken im Kreis. Ganz wie in der Kampa-Halle. TSV GWD Minden - FA Göppingen 27:26 (13:14). Tore: Gulliksen (5), Rambo (5), Meister (4), Savvas (4), Michalczik (4), Korte (2), Gullerud (1), Knorr (1), Reissky (1) für Minden - Schiller (7), Kozina (6), Rentschler (4), Kneule (3), Theilinger (2), Bagersted (1), Erifopoulos (1), Sliskovic (1), Rebmann (1) für Göppingen. - Zuschauer: 2311.