Minden.

Im Bus zum Heimspiel von GWD Minden: MT testet Shuttle-Angebot

Benjamin Piel

Ausstieg Lübbecke: Vom Parkplatz vor der Kreissporthalle ist es nur ein kurzer Weg hinüber zum Haupteingang. MT-Fotos: Benjamin Piel
Ausstieg Lübbecke: Vom Parkplatz vor der Kreissporthalle ist es nur ein kurzer Weg hinüber zum Haupteingang. MT-Fotos: Benjamin Piel

Minden. Der Schmerz sitzt tief. „Wir sehen uns in Lübbecke“, steht auf einem Plakat, das vor der Kampa-Halle hängt. Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommen würde – ein GWD-Heimspiel in der Halle des Erzrivalen. „Unfassbar ist das alles, eine einzige Schande für Minden, kompletter Wahnsinn“, sagt ein Mann, der vor dem Bus steht, der gleich Fans Richtung Lübbecke transportieren wird.

Das erste Fahrzeug ist schon aufgebrochen. Um 14.30 Uhr ist es abgefahren. „Voll besetzt“, heißt es vor Ort. Die Fahrzeuge wegen des angekündigten Sturms nicht fahren zu lassen, sei keine Option gewesen.

Niemand wusste vorher so genau, ob die Fans das Angebot des Vereins annehmen würden. Doch der Shuttle-Service kommt gut an. Einige kommen zu Fuß, andere wechseln vom Auto in den Bus. Kurz vor Abfahrt dreht der Mann an der Haltestelle noch mal auf: „In Frankreich hätten die sich so eine Halle nicht einfach dicht machen lassen – die wären auf die Barrikaden gegangen.“ Aber in Minden halte man den Mund und dann komme so etwas dabei heraus.

Viel Grün statt Rot: Trotz des ungewohnten Spielortes war es kein Heimspiel zweiter Klasse. Foto: N. Wedel - © Noah Wedel
Viel Grün statt Rot: Trotz des ungewohnten Spielortes war es kein Heimspiel zweiter Klasse. Foto: N. Wedel (© Noah Wedel)

Die Letzten steigen ein, drei Viertel der Plätze im lang gestreckten Ziehharmonika-Linienfahrzeug sind nun besetzt. Es ist 14.47 Uhr, als Fahrer Andreas Wölk den Blinker setzt und losfährt. Alle wirken zufrieden. Der angekündigte Sturm hat sie nicht davon abgehalten, zum Spiel gegen „Frisch Auf Göppingen“ aufzubrechen.

Busfahrer Andreas Wölk steuerte den Bus sicher und routiniert durch den Sturm.
Busfahrer Andreas Wölk steuerte den Bus sicher und routiniert durch den Sturm.

Auch Eberhard Schumann nicht. „Mit dem eigenen Auto wäre ich nicht gefahren bei dem Wind“, sagt er, aber der Bus sei eine gute Alternative. Ein bisschen wehmütig ist ihm zwar zumute, denn er wohnt nur fünf Minuten zu Fuß von der Kampa-Halle entfernt. Mindestens jedes zweite Heimspiel schaut er sich an und dass die Anreise nun erheblich länger ist, ist für ihn nicht erfreulich. Aber er gehört nicht zu den Menschen, die schnell aus der Haut fahren. „Das ist doch ein gutes Angebot, mit dem Bus“, findet er.

Lachende Sonne: Der Eingangsbereich weist auf TuS-N-Hauptsponsor Gauselmann hin.
Lachende Sonne: Der Eingangsbereich weist auf TuS-N-Hauptsponsor Gauselmann hin.

Der Wind weht ein bisschen um das Fahrzeug herum, leicht nur wird es durchgeschaukelt und es pfeift ein wenig. Ein paar Äste liegen auf der Straße und die letzten Blätter tanzen auf der Fahrbahn. Dramatisch wirkt die Szenerie wahrlich nicht. Auf halber Strecke öffnet sich allerdings eine Klappe im Dach. Kalt pfeift es hinein. Der Fahrer hält an einer Bushaltestelle und schaut nach. Aber er bekommt die Klappe nicht so schnell geschlossen. Nun ja, es geht auch so. „Cabrio-Feeling“, sagt eine Frau. Und weiter geht's.

Nach weniger als einer halben Stunde Fahrzeit kommt der Bus auf dem Parkplatz der Lübbecker Kreissporthalle an. Eine kleine Schlange hat sich gebildet, ein bisschen dauert es, bis das Fahrzeug seinen Halteplatz am Rand erreicht. Die Türen öffnen sich, alle steigen aus. „Da kann man echt nicht meckern“, sagt eine Frau, als sie ins Freie tritt. „Und wann geht's zurück?“, fragt ein Mitfahrer. „Eine halbe Stunde nach Spielende – wir bleiben so lange hier stehen“, sagt einer der Busfahrer.

Nur ein paar Schritte sind es vom Bus aus zum Haupteingang. Einer der Security-Männer sieht sich suchend um. „Es ist schon alles etwas neu“, sagt er, aber es laufe. Zumal auch Altbekanntes zu entdecken ist – der Salvatore-Pizzawagen ist auch nach Lübbecke gerollt.

Am Hallen-Eingang läuft alles flüssig. Drinnen angekommen, ist der erste Eindruck: Ist das Grün hier! An den Wänden wurden Planen mit riesigen GWD-Logos gespannt. Da muss niemand fremdeln mit der neuen Halle, das wirkt alles recht vertraut und heimisch.

Die Sitze sind etwas unbequemer, zumal es teilweise keine Rückenlehnen gibt, dafür ist die Sicht gut. Weil die Halle kleiner ist, wirkt die Atmosphäre dichter, die Stimmung leidenschaftlicher, es sind nicht viele Plätze unbesetzt. Die Trommeln auf den oberen Rängen machen mehr Druck als am Spielfeldrand.

Vielleicht auch deshalb und wegen des Krimis auf der Platte, bei dem GWD am Ende knapp gewinnt, geht das Publikum gut mit. Es stellt sich jedenfalls nie der Eindruck ein, niemand könne mit der vorübergehenden Heimspielstätte warm werden. Im Gegenteil: Da geht was in Lübbecke – denn wie ein Heimspiel zweiter Klasse wirkt das beileibe nicht.

Pünktlich eine halbe Stunde nach Spielende haben alle Mitfahrer im Bus wieder Platz genommen. Der Sturm ist ein wenig stärker geworden. Aber bedrohlich wirkt die Szenerie auch während der Rückfahrt nicht. Die Verantwortlichen dürften mit ihrer Entscheidung, die Shuttle-Fahrten nicht abgesagt zu haben, zufrieden sein.

Im Bus gibt es wieder viel Gesprächsbedarf unter den Mitfahrern. Drei ältere Männer haben sich zusammengesetzt. Nun ja, das sei ja alles schön und gut gewesen. Aber bitte, die Kampa-Halle abreißen zu wollen, das sei ja nun wirklich das Allerletzte. Landrat Ralf Niermann (SPD) haben die drei Herren ganz besonders ins Herz geschlossen. „Das ist alles noch nicht vorbei mit der Halle – das wollen wir mal abwarten“, sagt einer. Wenn im September erst die Kommunalwahl gelaufen sei und es einen neuen Landrat gebe...

Aber bis dahin fahren die drei Männer Bus – nach Lübbecke, zu GWD.

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Minden.Im Bus zum Heimspiel von GWD Minden: MT testet Shuttle-AngebotBenjamin PielMinden. Der Schmerz sitzt tief. „Wir sehen uns in Lübbecke“, steht auf einem Plakat, das vor der Kampa-Halle hängt. Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommen würde – ein GWD-Heimspiel in der Halle des Erzrivalen. „Unfassbar ist das alles, eine einzige Schande für Minden, kompletter Wahnsinn“, sagt ein Mann, der vor dem Bus steht, der gleich Fans Richtung Lübbecke transportieren wird. Das erste Fahrzeug ist schon aufgebrochen. Um 14.30 Uhr ist es abgefahren. „Voll besetzt“, heißt es vor Ort. Die Fahrzeuge wegen des angekündigten Sturms nicht fahren zu lassen, sei keine Option gewesen. Niemand wusste vorher so genau, ob die Fans das Angebot des Vereins annehmen würden. Doch der Shuttle-Service kommt gut an. Einige kommen zu Fuß, andere wechseln vom Auto in den Bus. Kurz vor Abfahrt dreht der Mann an der Haltestelle noch mal auf: „In Frankreich hätten die sich so eine Halle nicht einfach dicht machen lassen – die wären auf die Barrikaden gegangen.“ Aber in Minden halte man den Mund und dann komme so etwas dabei heraus. Die Letzten steigen ein, drei Viertel der Plätze im lang gestreckten Ziehharmonika-Linienfahrzeug sind nun besetzt. Es ist 14.47 Uhr, als Fahrer Andreas Wölk den Blinker setzt und losfährt. Alle wirken zufrieden. Der angekündigte Sturm hat sie nicht davon abgehalten, zum Spiel gegen „Frisch Auf Göppingen“ aufzubrechen. Auch Eberhard Schumann nicht. „Mit dem eigenen Auto wäre ich nicht gefahren bei dem Wind“, sagt er, aber der Bus sei eine gute Alternative. Ein bisschen wehmütig ist ihm zwar zumute, denn er wohnt nur fünf Minuten zu Fuß von der Kampa-Halle entfernt. Mindestens jedes zweite Heimspiel schaut er sich an und dass die Anreise nun erheblich länger ist, ist für ihn nicht erfreulich. Aber er gehört nicht zu den Menschen, die schnell aus der Haut fahren. „Das ist doch ein gutes Angebot, mit dem Bus“, findet er. Der Wind weht ein bisschen um das Fahrzeug herum, leicht nur wird es durchgeschaukelt und es pfeift ein wenig. Ein paar Äste liegen auf der Straße und die letzten Blätter tanzen auf der Fahrbahn. Dramatisch wirkt die Szenerie wahrlich nicht. Auf halber Strecke öffnet sich allerdings eine Klappe im Dach. Kalt pfeift es hinein. Der Fahrer hält an einer Bushaltestelle und schaut nach. Aber er bekommt die Klappe nicht so schnell geschlossen. Nun ja, es geht auch so. „Cabrio-Feeling“, sagt eine Frau. Und weiter geht's. Nach weniger als einer halben Stunde Fahrzeit kommt der Bus auf dem Parkplatz der Lübbecker Kreissporthalle an. Eine kleine Schlange hat sich gebildet, ein bisschen dauert es, bis das Fahrzeug seinen Halteplatz am Rand erreicht. Die Türen öffnen sich, alle steigen aus. „Da kann man echt nicht meckern“, sagt eine Frau, als sie ins Freie tritt. „Und wann geht's zurück?“, fragt ein Mitfahrer. „Eine halbe Stunde nach Spielende – wir bleiben so lange hier stehen“, sagt einer der Busfahrer. Nur ein paar Schritte sind es vom Bus aus zum Haupteingang. Einer der Security-Männer sieht sich suchend um. „Es ist schon alles etwas neu“, sagt er, aber es laufe. Zumal auch Altbekanntes zu entdecken ist – der Salvatore-Pizzawagen ist auch nach Lübbecke gerollt. Am Hallen-Eingang läuft alles flüssig. Drinnen angekommen, ist der erste Eindruck: Ist das Grün hier! An den Wänden wurden Planen mit riesigen GWD-Logos gespannt. Da muss niemand fremdeln mit der neuen Halle, das wirkt alles recht vertraut und heimisch. Die Sitze sind etwas unbequemer, zumal es teilweise keine Rückenlehnen gibt, dafür ist die Sicht gut. Weil die Halle kleiner ist, wirkt die Atmosphäre dichter, die Stimmung leidenschaftlicher, es sind nicht viele Plätze unbesetzt. Die Trommeln auf den oberen Rängen machen mehr Druck als am Spielfeldrand. Vielleicht auch deshalb und wegen des Krimis auf der Platte, bei dem GWD am Ende knapp gewinnt, geht das Publikum gut mit. Es stellt sich jedenfalls nie der Eindruck ein, niemand könne mit der vorübergehenden Heimspielstätte warm werden. Im Gegenteil: Da geht was in Lübbecke – denn wie ein Heimspiel zweiter Klasse wirkt das beileibe nicht. Pünktlich eine halbe Stunde nach Spielende haben alle Mitfahrer im Bus wieder Platz genommen. Der Sturm ist ein wenig stärker geworden. Aber bedrohlich wirkt die Szenerie auch während der Rückfahrt nicht. Die Verantwortlichen dürften mit ihrer Entscheidung, die Shuttle-Fahrten nicht abgesagt zu haben, zufrieden sein. Im Bus gibt es wieder viel Gesprächsbedarf unter den Mitfahrern. Drei ältere Männer haben sich zusammengesetzt. Nun ja, das sei ja alles schön und gut gewesen. Aber bitte, die Kampa-Halle abreißen zu wollen, das sei ja nun wirklich das Allerletzte. Landrat Ralf Niermann (SPD) haben die drei Herren ganz besonders ins Herz geschlossen. „Das ist alles noch nicht vorbei mit der Halle – das wollen wir mal abwarten“, sagt einer. Wenn im September erst die Kommunalwahl gelaufen sei und es einen neuen Landrat gebe... Aber bis dahin fahren die drei Männer Bus – nach Lübbecke, zu GWD.