Hannover/Minden

Solo beim Spitzenspiel: Wie in zwei denkwürdigen Mühlenkreis-Derbys fällt auch in Hannover ein Schiedsrichter aus

veröffentlicht

Mit bandagierter Wade sitzt Schiedsrichter Tobias Tönnies am Spielfeldrand der Tui-Arena. Er musste im Spitzenspiel verletzt ausscheiden. Foto: Friso Gentsch/dpa - © Friso Gentsch
Mit bandagierter Wade sitzt Schiedsrichter Tobias Tönnies am Spielfeldrand der Tui-Arena. Er musste im Spitzenspiel verletzt ausscheiden. Foto: Friso Gentsch/dpa (© Friso Gentsch)

Hannover/Minden (rich/much). Nicht nur der meisterliche Auftritt des THW Kiel machte das Spitzenspiel der Handball-Bundesliga gegen die TSV Hannover-Burgdorf zu einem besonderen. Auch die Leistung von Schiedsrichter Robert Schulze, der die Partie nach der Verletzung seines Gespannpartners Tobias Tönnies im Alleingang leitete, war eines Liga-Gipfels würdig.

Im Fokus stand am ersten Spieltag nach der EM-Pause natürlich der Triumph des THW, der mit dem 32:25 (18:13)-Sieg vor knapp 10.000 Zuschauern beim Verfolger eindrucksvoll den Anspruch untermauerte, nach fünf Jahren wieder die Meisterschale nach Kiel zu holen. „Es macht mich stolz, dass wir solch eine Leistung abgeliefert haben“, sagte THW-Trainer Filip Jicha. „Wir hatten keine wirkliche Chance“, konstatierte TSV-Trainer Carlos Ortega.

Schiedsrichter Schulze musste das Spiel ab der 21. Minute alleine leiten, nachdem sich Tönnies einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen hatte. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Hannovers Sportlicher Leiter Sven-Sören Christophersen und zollte Schulze Anerkennung: „Respekt, dass er das so durchgezogen hat.“

Für die Fans im Mindener Land ist ein Schiedsrichter-Solo so ungewöhnlich nicht: Bereits zwei denkwürdige Derbys zwischen GWD Minden und dem TuS N-Lübbecke wurden im Alleingang geleitet. Beim 34:23-Sieg des TuS im März 2013 zog sich Andreas Pritschow nach einer Viertelstunde eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu. Sein Bruder und Gespannpartner Marcus brachte das Derby mit einer prächtigen Leistung als Solist zu Ende. Damals schied auch GWD-Spielmacher Dalibor Doder mit einer Knieverletzung vorzeitig aus.

Ebenfalls in Lübbecke leitete Wolfgang Gremmel ein Derby im Alleingang, weil sein Zwillingsbruder Manfred krank ausfiel. Auch hier leistete Single-Schiri Gremmel exzellenten Dienst an der Pfeife. Den hitzigen Pokalkrimi gewann im November 1993 Lübbecke nach zweimaliger Verlängerung 33:31 gegen GWD mit Trainer Milomir Mijatovic und Torjäger Robert Hedin.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Hannover/MindenSolo beim Spitzenspiel: Wie in zwei denkwürdigen Mühlenkreis-Derbys fällt auch in Hannover ein Schiedsrichter ausHannover/Minden (rich/much). Nicht nur der meisterliche Auftritt des THW Kiel machte das Spitzenspiel der Handball-Bundesliga gegen die TSV Hannover-Burgdorf zu einem besonderen. Auch die Leistung von Schiedsrichter Robert Schulze, der die Partie nach der Verletzung seines Gespannpartners Tobias Tönnies im Alleingang leitete, war eines Liga-Gipfels würdig. Im Fokus stand am ersten Spieltag nach der EM-Pause natürlich der Triumph des THW, der mit dem 32:25 (18:13)-Sieg vor knapp 10.000 Zuschauern beim Verfolger eindrucksvoll den Anspruch untermauerte, nach fünf Jahren wieder die Meisterschale nach Kiel zu holen. „Es macht mich stolz, dass wir solch eine Leistung abgeliefert haben“, sagte THW-Trainer Filip Jicha. „Wir hatten keine wirkliche Chance“, konstatierte TSV-Trainer Carlos Ortega. Schiedsrichter Schulze musste das Spiel ab der 21. Minute alleine leiten, nachdem sich Tönnies einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen hatte. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Hannovers Sportlicher Leiter Sven-Sören Christophersen und zollte Schulze Anerkennung: „Respekt, dass er das so durchgezogen hat.“ Für die Fans im Mindener Land ist ein Schiedsrichter-Solo so ungewöhnlich nicht: Bereits zwei denkwürdige Derbys zwischen GWD Minden und dem TuS N-Lübbecke wurden im Alleingang geleitet. Beim 34:23-Sieg des TuS im März 2013 zog sich Andreas Pritschow nach einer Viertelstunde eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu. Sein Bruder und Gespannpartner Marcus brachte das Derby mit einer prächtigen Leistung als Solist zu Ende. Damals schied auch GWD-Spielmacher Dalibor Doder mit einer Knieverletzung vorzeitig aus. Ebenfalls in Lübbecke leitete Wolfgang Gremmel ein Derby im Alleingang, weil sein Zwillingsbruder Manfred krank ausfiel. Auch hier leistete Single-Schiri Gremmel exzellenten Dienst an der Pfeife. Den hitzigen Pokalkrimi gewann im November 1993 Lübbecke nach zweimaliger Verlängerung 33:31 gegen GWD mit Trainer Milomir Mijatovic und Torjäger Robert Hedin.