Minden

Juri Knorr: Gut reicht nicht, gut gibt's nicht beim FC Barcelona

Marcus Riechmann

Nach einem Jahr in Barcelona ist Juri Knorr schnell in Minden und der Bundesliga angekommen. Foto: Metge - © Angela Metge
Nach einem Jahr in Barcelona ist Juri Knorr schnell in Minden und der Bundesliga angekommen. Foto: Metge (© Angela Metge)

Minden. Für Juri Knorr ist die Lage klar: Der Gewinner des heutigen EM-Spiels zwischen Deutschland und Spanien (18.15 Uhr/ARD) hat beste Chancen auf das Halbfinale. „Die Auslosung meint es gut“, sagt der Handballer des Bundesligisten GWD Minden mit Blick auf die Hauptrunde, in der bis auf Kroatien kaum große Gegner auf die beiden Topteams der Gruppe C warten. Mit einem Sieg heute Abend in Trondheim (18.15 Uhr/ARD) würde Deutschland um Knorrs Teamkameraden Marian Michalczik zwei Punkte in die Hauptrunde nach Wien mitnehmen. „Von dem Spiel hängt viel ab“, sagt Knorr.

Der junge GWD-Profi, dessen Handverletzung derzeit mustergültig abheilt, kennt den spanischen Handball aus dem Jahr, das er vor dem Wechsel zu GWD im Sommer in Barcelona verbracht hatt.

Über seinen Klub FC Barcelona sagt der 19-Jährige: „Ganz gut – das gibt es nicht, das reicht nicht. Der Anspruch ist eindeutig. In jeder Sportart, die der FC anbietet, will man Weltklasse sein. Und diesen Anspruch spürt man dort jeden Tag.“ Tägliche Arbeit, zahlreiches Feedback, immer auf der Suche nach Verbesserungen. „Ich habe dort ein unfassbar professionelles Umfeld erlebt“, sagt Knorr: „Das war sportlich echt hilfreich, aber manchmal auch echt hart.“

Als „detailversessen“ beschreibt er die Arbeit der spanischen Trainer. Auch der Coach des B-Teams in Barcelona, Roi Sanchez, habe viel mit ihm an Kleinigkeiten gearbeitet. Möglicherweise liegt es an der wissenschaftlichen Herangehensweise der spanischen Trainer, dass sie mehr als andere bei den europäischen Spitzenclubs unter Vertrag stehen. Dabei spielt Handball in Spanien längst nicht die Rolle wie in Deutschland, die Zahl der Spieler ist viel geringer, die Liga liegt im Leistungsniveau deutlich unter der Bundesliga. „Barcelona ragt da schon weit hinaus“, sagt Knorr.

Er schwärmt von der hohen taktischen und technischen Ausbildung aller Spieler der Nationalmannschaft und lobt die Klasse der spanischen Topstars wie Spielmacher Raul Entrerrios (38 Jahre) oder Kreisläufer Julen Aguinagalde (37). Doch der GWD-Profi stellt fest: „Der Kader ist ein wenig in die Jahre gekommen. Sie müssen nun den Umbruch schaffen.“

Mit Entrerrios oder dem schnellen 22 Jahre jungen Rechtsaußen Aleix Gomez hat Knorr in Barcelona zusammen trainiert und bisweilen auch gespielt. „Natürlich ist es extrem schwer, nach oben zu kommen“, sagt Knorr über den FC, der in dieser Saison so stark besetzt sei, wie lange nicht. Doch der gebürtige Flensburger beschreibt trotz des hervorgehobenen Status der Star-Auswahl eine große Nähe. „Bei deutschen Top-Teams spielt die zweite Mannschaft oft kaum eine Rolle. In Barcelona war das eng vernetzt. Man trainiert manchmal zusammen, nimmt an Besprechungen teil. Man bekommt das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein“, erzählt Knorr, der Kraft aus seinen Einsätzen in der ersten Mannschaft an der Seite von Stars wie Aron Palmarsson („ein Vorbild“) gezogen hat.

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MindenJuri Knorr: Gut reicht nicht, gut gibt's nicht beim FC BarcelonaMarcus RiechmannMinden. Für Juri Knorr ist die Lage klar: Der Gewinner des heutigen EM-Spiels zwischen Deutschland und Spanien (18.15 Uhr/ARD) hat beste Chancen auf das Halbfinale. „Die Auslosung meint es gut“, sagt der Handballer des Bundesligisten GWD Minden mit Blick auf die Hauptrunde, in der bis auf Kroatien kaum große Gegner auf die beiden Topteams der Gruppe C warten. Mit einem Sieg heute Abend in Trondheim (18.15 Uhr/ARD) würde Deutschland um Knorrs Teamkameraden Marian Michalczik zwei Punkte in die Hauptrunde nach Wien mitnehmen. „Von dem Spiel hängt viel ab“, sagt Knorr. Der junge GWD-Profi, dessen Handverletzung derzeit mustergültig abheilt, kennt den spanischen Handball aus dem Jahr, das er vor dem Wechsel zu GWD im Sommer in Barcelona verbracht hatt. Über seinen Klub FC Barcelona sagt der 19-Jährige: „Ganz gut – das gibt es nicht, das reicht nicht. Der Anspruch ist eindeutig. In jeder Sportart, die der FC anbietet, will man Weltklasse sein. Und diesen Anspruch spürt man dort jeden Tag.“ Tägliche Arbeit, zahlreiches Feedback, immer auf der Suche nach Verbesserungen. „Ich habe dort ein unfassbar professionelles Umfeld erlebt“, sagt Knorr: „Das war sportlich echt hilfreich, aber manchmal auch echt hart.“ Als „detailversessen“ beschreibt er die Arbeit der spanischen Trainer. Auch der Coach des B-Teams in Barcelona, Roi Sanchez, habe viel mit ihm an Kleinigkeiten gearbeitet. Möglicherweise liegt es an der wissenschaftlichen Herangehensweise der spanischen Trainer, dass sie mehr als andere bei den europäischen Spitzenclubs unter Vertrag stehen. Dabei spielt Handball in Spanien längst nicht die Rolle wie in Deutschland, die Zahl der Spieler ist viel geringer, die Liga liegt im Leistungsniveau deutlich unter der Bundesliga. „Barcelona ragt da schon weit hinaus“, sagt Knorr. Er schwärmt von der hohen taktischen und technischen Ausbildung aller Spieler der Nationalmannschaft und lobt die Klasse der spanischen Topstars wie Spielmacher Raul Entrerrios (38 Jahre) oder Kreisläufer Julen Aguinagalde (37). Doch der GWD-Profi stellt fest: „Der Kader ist ein wenig in die Jahre gekommen. Sie müssen nun den Umbruch schaffen.“ Mit Entrerrios oder dem schnellen 22 Jahre jungen Rechtsaußen Aleix Gomez hat Knorr in Barcelona zusammen trainiert und bisweilen auch gespielt. „Natürlich ist es extrem schwer, nach oben zu kommen“, sagt Knorr über den FC, der in dieser Saison so stark besetzt sei, wie lange nicht. Doch der gebürtige Flensburger beschreibt trotz des hervorgehobenen Status der Star-Auswahl eine große Nähe. „Bei deutschen Top-Teams spielt die zweite Mannschaft oft kaum eine Rolle. In Barcelona war das eng vernetzt. Man trainiert manchmal zusammen, nimmt an Besprechungen teil. Man bekommt das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein“, erzählt Knorr, der Kraft aus seinen Einsätzen in der ersten Mannschaft an der Seite von Stars wie Aron Palmarsson („ein Vorbild“) gezogen hat.