Minden

Ein Punkt fürs Geschichtsbuch - GWD Minden feiert würdigen Abschied aus der Kampa-Halle

Sebastian Külbel

Jubel über das Tor des Tages: Mats Korte (Mitte) vollendete gegen Hannover einen Kempa-Trick zu Mindens 24:22-Führung. - © Foto: Bendig
Jubel über das Tor des Tages: Mats Korte (Mitte) vollendete gegen Hannover einen Kempa-Trick zu Mindens 24:22-Führung. (© Foto: Bendig)

Minden (mt). Fast wäre die Stimmung in der Kampa-Halle am Ende noch explodiert. Torwart Malte Semisch warf den letzten langen Pass auf Kevin Gulliksen, GWD Mindens Rechtsaußen war erneut bestens in Position gelaufen, um nach neun Treffern auch diesen Gegenstoß zu verwandeln. Diesmal jedoch lief Keeper Urban Lesjak von der TSV Hannover-Burgdorf heraus, streckte sich und erwischte die Kugel mit den Fingerspitzen. Es war der letzte Ballkontakt in der Kampa-Halle, er besiegelte ein 32:32 (15:16)-Unentschieden in einem Spiel, das seiner historischen Bedeutung würdig war.

Denn die mit 3.900 Zuschauern ausverkaufte Halle erlebte vor ihrer Schließung ein hochintensives Duell zweier Handball-Bundesligisten, die an unterschiedlichen Enden der Tabelle um die großen Ziele kämpfen: Während Überraschungsteam Hannover als Zweiter zur EM-Pause von der Meisterschaft träumen darf, kämpfen die Mindener auf dem 15. Platz um den Klassenerhalt. Dass sie ihren Gegner am Rand einer Niederlage hatten, nahmen sie daher als positives Signal: „Wir haben heute definitiv Mut geschöpft“, meinte GWD-Trainer Frank Carstens: „Wir sind in einer Situation, in der es nur noch über Kampf geht. Da ist ein Punkt gegen den Tabellenzweiten aller Ehren wert.“

Das letzte Spiel in der Kampa-Halle: GWD Minden gegen TSV Hannover-Burgdorf (Plus-Inhalt)

Dass es nicht mehr wurden, liegt vielleicht auch an der Ausgangssituation: Während die Gastgeber nach dem nächsten Sieg des Vorletzten Ludwigshafen immer noch sorgenvoll nach unten schauen müssen, schwimmt Hannover seit Wochen auf einer Euphoriewelle, die auch Defizite locker überspült: „Auch wenn qualitativ nicht alles gut war, haben wir in den letzten Spielen Charakter bewiesen und sieben von acht Punkten geholt“, strich TSV-Sportchef Sven-Sören Christophersen heraus.

Der letzte Ballkontakt in der Kampa-Halle: Torwart Urban Lesjak vereitelt Sekunden vor Schluss den langen Pass auf Kevin Gulliksen. Foto: Wedel - © Noah Wedel
Der letzte Ballkontakt in der Kampa-Halle: Torwart Urban Lesjak vereitelt Sekunden vor Schluss den langen Pass auf Kevin Gulliksen. Foto: Wedel (© Noah Wedel)

Bei allem Stolz auf das Remis durften sich die Mindener aber auch ärgern. Schließlich hatten sie sich nach einer schwierigen ersten Halbzeit, in der sie nur mit viel Mühe den Rückstand bei einem Tor hielten, deutlich gesteigert. Vor allem Christoffer Rambo sorgte im zweiten Durchgang mit fünf Treffern binnen neun Minuten für die Wende. Dank seiner Gewaltwürfe und der Gegenstöße über Gulliksen erzwang GWD die Führung und spielte sich phasenweise in einen Rausch. Beleg dafür war das Tor des Tages in der 41. Minute: Rambo spielte den Ball hinterm Rücken zu Gulliksen, der passte von Rechtsaußen auf die andere Seite zu Mats Korte, und der vollendete den Kempa-Trick zum 24:22.

Als Minden in der 44. Minute beim 27:23 sogar mit vier Toren führte, schien der Sieg fast schon greifbar. „Leider zeichnet es uns auch aus, dass wir so einen Vorsprung wieder hergeben“, sagte Malte Semisch hinterher zur Schlussphase, in der Hannover beim 31:31 in der 57. Minute wieder ausglich: „Sie spielen dann eben ruhig weiter und lassen sich durch so einen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen.“

Christian Ugalde brachte die Gäste sogar in Führung, bevor Marian Michalczik mit seinem fünften verwandelten Siebenmeter zum Endstand traf. Dass es nach dem Ballgewinn bei Hannovers letztem Angriff nicht mehr zum finalen Schlag reichte, schmälerte nicht das positive Fazit: „Das Spiel war ein guter Abschluss für uns. Wir hätten den Sieg verdient, aber der eine Punkt ist sehr wichtig“, sagte GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud.

Coach Carstens war vor allem stolz, dass seine Mannschaft der historischen Dimension der Partie gerecht geworden war: „Wir stehen hier in einer sehr großen Tradition. GWD hat im Feldhandball dreimal die Champions League gewonnen. Dieses Spiel war der Moment, den wir für diesen Klub gestalten können. Und ich finde, das hat das Team mit offenem Visier getan.“

Dass am Sonntag eine Ära zu Ende ging, war den meisten Beteiligten derweil fern. „Ich spüre noch keine große Wehmut, das wundert mich auch. Aber rational weiß man eben, dass es weitergeht“, sagte etwa GWD-Vereinsvorsitzender Horst Bredemeier. Die Heimspiele der Rückrunde absolvieren die Mindener in der Lübbecker Merkur-Arena. Am 9. Februar geht es dort gegen FA Göppingen weiter.

Stimmen zum Spiel

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Hannover ist Zweiter, wir sind 15., von daher ist das Unentschieden ganz sicher ein Punktgewinn für uns. Was uns in Flensburg gefehlt hat, haben wir heute über 60 Minuten gut gemacht. Wenn wir diese Steigerung durchhalten, darf die Rückrunde gerne so weitergehen. Ich wollte, dass wir einen würdigen Abschied schaffen. Dass wir eine Leistung bringen, die diesem Anlass entspricht. Und das hat man heute bei jedem Spieler gesehen.

Sven-Sören Christophersen (Sportlicher Leiter TSV Hannover-Burgdorf): Es war ein hochemotionales Spiel, in der zweiten Halbzeit sind die Zuschauer zum Faktor geworden und haben ihre Mannschaft nach vorne getrieben. Da war die Dynamik gegen uns, von daher sind wir mit dem Unentschieden gut bedient.

Malte Semisch (GWD Minden): Ich war schon vor 20 Jahren als Zuschauer in der Kampa-Halle, von daher ist das auch etwas Besonderes für mich. Es ist schön, dass es mit dem Punkt endet, aber es ist schade, dass es überhaupt endet. Wir haben einen guten Ausstand gehabt. Das Spiel wird keiner so schnell vergessen.

Timo Kastening (TSV Hannover-Burgdorf): Aus meiner Sicht war das kein gerechtes Ergebnis. Minden hat besser gespielt. Am Ende wissen wir gar nicht so recht, wie wir heute an den Punkt gekommen sind. Ich finde es als Sportler schade, dass das heute das letzte Spiel in der Kampa-Halle sein muss, wenn man sieht, was hier für eine Stimmung ist.

Mats Korte (GWD Minden): Hannover hat gezeigt, was sie ausmacht, sie spielen eine superstarke Saison. Wir haben gut dagegen gehalten, die Zuschauer waren heute fantastisch.

Magnus Gullerud (GWD Minden): Wenn man unsere ganze Saison sieht, war es ein guter Abschluss. Wir sind ein bisschen traurig, dass wir nicht beide Punkte mitnehmen, wir hatten es verdient. Aber der eine Punkt ist sehr wichtig. Wir haben gute Chancen, das Spiel zu gewinnen, aber wir machen ein paar Fehler. Trotzdem war es ein tolles Spiel mit voller Halle, daran werde ich mich erinnern.

Horst Bredemeier (Vorsitzender GWD Minden): „Wenn man so durch die Halle guckt, fragt man sich: Warum kann man hier nicht noch 20 Jahre spielen? Es gibt aber einen politischen Beschluss, die Halle zu schließen, damit müssen wir leben. Das Spiel war völlig in Ordnung, auch mit dem Ergebnis kann ich leben. Ich hatte bei der Vier-Tore-Führung natürlich auf einen Sieg gehofft, aber man weiß ja, was in Endphasen passieren kann. Aber es war ein wichtiger Punkt.

Frank von Behren (Geschäftsführer Sport GWD Minden): Es war ein Lebenszeichen von uns, ich hatte ein, zwei Gänsehautmomente. Ich hoffe, wir können das nach Lübbecke hinüber retten und auch dort so eine tolle Atmosphäre schaffen.

Kommentar: Charakter statt Komfort

Von Sebastian Külbel

Ein historisch aufgeladenes letztes Spiel in der bald verschwindenden Heimat, ein Gegner auf der Euphoriewelle, die bedrohliche Situation im Tabellenkeller – es gab viele Gründe, die GWD Mindens Profi-Handballer vor der EM-Pause hätten verkrampfen lassen können. Der Punkt gegen Hannover ist daher ein wichtiges Signal für die Zukunft – kurz- und mittelfristig.

Denn neben dem Kampf um den Klassenerhalt, den GWD so gerne vermeiden wollte, hält die Rückrunde Herausforderungen bereit, die weit unwägbarer sind als das gewohnte Tagesgeschäft. Keiner weiß, ob auch bei den Heimspielen in Lübbecke eine Stimmung aufkommt, die das Team in dieser Saison beflügelt und gestern fast zum Sieg gegen den Tabellenzweiten getrieben hätte.

Selbst ohne diesen Bonus ist die Qualität der Mannschaft zwar groß genug, um in der Bundesliga zu bleiben. Doch die weiterhin ungeklärte Situation, wie es in der kommenden Saison weitergeht, wird sie begleiten. Und eine längere Heimatlosigkeit könnte irgendwann zur Belastung werden.

Denn mit dem Aus der Kampa-Halle verlieren die GWD-Profis auch ihr Trainingszentrum, bis auf Weiteres müssen sie ihre Alltagsarbeit in drei verschiedenen Hallen verrichten. Wo zukünftig die Krafteinheiten stattfinden, ist noch offen. Diese Vertreibung aus der Komfortzone erfordert Leidensfähigkeit, der Charakter der Spieler ist ab jetzt mehr denn je gefordert. Gut, dass sie gegen Hannover bewiesen haben, dass sie eine Menge davon besitzen.

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MindenEin Punkt fürs Geschichtsbuch - GWD Minden feiert würdigen Abschied aus der Kampa-HalleSebastian KülbelMinden (mt). Fast wäre die Stimmung in der Kampa-Halle am Ende noch explodiert. Torwart Malte Semisch warf den letzten langen Pass auf Kevin Gulliksen, GWD Mindens Rechtsaußen war erneut bestens in Position gelaufen, um nach neun Treffern auch diesen Gegenstoß zu verwandeln. Diesmal jedoch lief Keeper Urban Lesjak von der TSV Hannover-Burgdorf heraus, streckte sich und erwischte die Kugel mit den Fingerspitzen. Es war der letzte Ballkontakt in der Kampa-Halle, er besiegelte ein 32:32 (15:16)-Unentschieden in einem Spiel, das seiner historischen Bedeutung würdig war. Denn die mit 3.900 Zuschauern ausverkaufte Halle erlebte vor ihrer Schließung ein hochintensives Duell zweier Handball-Bundesligisten, die an unterschiedlichen Enden der Tabelle um die großen Ziele kämpfen: Während Überraschungsteam Hannover als Zweiter zur EM-Pause von der Meisterschaft träumen darf, kämpfen die Mindener auf dem 15. Platz um den Klassenerhalt. Dass sie ihren Gegner am Rand einer Niederlage hatten, nahmen sie daher als positives Signal: „Wir haben heute definitiv Mut geschöpft“, meinte GWD-Trainer Frank Carstens: „Wir sind in einer Situation, in der es nur noch über Kampf geht. Da ist ein Punkt gegen den Tabellenzweiten aller Ehren wert.“ Dass es nicht mehr wurden, liegt vielleicht auch an der Ausgangssituation: Während die Gastgeber nach dem nächsten Sieg des Vorletzten Ludwigshafen immer noch sorgenvoll nach unten schauen müssen, schwimmt Hannover seit Wochen auf einer Euphoriewelle, die auch Defizite locker überspült: „Auch wenn qualitativ nicht alles gut war, haben wir in den letzten Spielen Charakter bewiesen und sieben von acht Punkten geholt“, strich TSV-Sportchef Sven-Sören Christophersen heraus. Bei allem Stolz auf das Remis durften sich die Mindener aber auch ärgern. Schließlich hatten sie sich nach einer schwierigen ersten Halbzeit, in der sie nur mit viel Mühe den Rückstand bei einem Tor hielten, deutlich gesteigert. Vor allem Christoffer Rambo sorgte im zweiten Durchgang mit fünf Treffern binnen neun Minuten für die Wende. Dank seiner Gewaltwürfe und der Gegenstöße über Gulliksen erzwang GWD die Führung und spielte sich phasenweise in einen Rausch. Beleg dafür war das Tor des Tages in der 41. Minute: Rambo spielte den Ball hinterm Rücken zu Gulliksen, der passte von Rechtsaußen auf die andere Seite zu Mats Korte, und der vollendete den Kempa-Trick zum 24:22. Als Minden in der 44. Minute beim 27:23 sogar mit vier Toren führte, schien der Sieg fast schon greifbar. „Leider zeichnet es uns auch aus, dass wir so einen Vorsprung wieder hergeben“, sagte Malte Semisch hinterher zur Schlussphase, in der Hannover beim 31:31 in der 57. Minute wieder ausglich: „Sie spielen dann eben ruhig weiter und lassen sich durch so einen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen.“ Christian Ugalde brachte die Gäste sogar in Führung, bevor Marian Michalczik mit seinem fünften verwandelten Siebenmeter zum Endstand traf. Dass es nach dem Ballgewinn bei Hannovers letztem Angriff nicht mehr zum finalen Schlag reichte, schmälerte nicht das positive Fazit: „Das Spiel war ein guter Abschluss für uns. Wir hätten den Sieg verdient, aber der eine Punkt ist sehr wichtig“, sagte GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud. Coach Carstens war vor allem stolz, dass seine Mannschaft der historischen Dimension der Partie gerecht geworden war: „Wir stehen hier in einer sehr großen Tradition. GWD hat im Feldhandball dreimal die Champions League gewonnen. Dieses Spiel war der Moment, den wir für diesen Klub gestalten können. Und ich finde, das hat das Team mit offenem Visier getan.“ Dass am Sonntag eine Ära zu Ende ging, war den meisten Beteiligten derweil fern. „Ich spüre noch keine große Wehmut, das wundert mich auch. Aber rational weiß man eben, dass es weitergeht“, sagte etwa GWD-Vereinsvorsitzender Horst Bredemeier. Die Heimspiele der Rückrunde absolvieren die Mindener in der Lübbecker Merkur-Arena. Am 9. Februar geht es dort gegen FA Göppingen weiter. Stimmen zum Spiel Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Hannover ist Zweiter, wir sind 15., von daher ist das Unentschieden ganz sicher ein Punktgewinn für uns. Was uns in Flensburg gefehlt hat, haben wir heute über 60 Minuten gut gemacht. Wenn wir diese Steigerung durchhalten, darf die Rückrunde gerne so weitergehen. Ich wollte, dass wir einen würdigen Abschied schaffen. Dass wir eine Leistung bringen, die diesem Anlass entspricht. Und das hat man heute bei jedem Spieler gesehen. Sven-Sören Christophersen (Sportlicher Leiter TSV Hannover-Burgdorf): Es war ein hochemotionales Spiel, in der zweiten Halbzeit sind die Zuschauer zum Faktor geworden und haben ihre Mannschaft nach vorne getrieben. Da war die Dynamik gegen uns, von daher sind wir mit dem Unentschieden gut bedient. Malte Semisch (GWD Minden): Ich war schon vor 20 Jahren als Zuschauer in der Kampa-Halle, von daher ist das auch etwas Besonderes für mich. Es ist schön, dass es mit dem Punkt endet, aber es ist schade, dass es überhaupt endet. Wir haben einen guten Ausstand gehabt. Das Spiel wird keiner so schnell vergessen. Timo Kastening (TSV Hannover-Burgdorf): Aus meiner Sicht war das kein gerechtes Ergebnis. Minden hat besser gespielt. Am Ende wissen wir gar nicht so recht, wie wir heute an den Punkt gekommen sind. Ich finde es als Sportler schade, dass das heute das letzte Spiel in der Kampa-Halle sein muss, wenn man sieht, was hier für eine Stimmung ist. Mats Korte (GWD Minden): Hannover hat gezeigt, was sie ausmacht, sie spielen eine superstarke Saison. Wir haben gut dagegen gehalten, die Zuschauer waren heute fantastisch. Magnus Gullerud (GWD Minden): Wenn man unsere ganze Saison sieht, war es ein guter Abschluss. Wir sind ein bisschen traurig, dass wir nicht beide Punkte mitnehmen, wir hatten es verdient. Aber der eine Punkt ist sehr wichtig. Wir haben gute Chancen, das Spiel zu gewinnen, aber wir machen ein paar Fehler. Trotzdem war es ein tolles Spiel mit voller Halle, daran werde ich mich erinnern. Horst Bredemeier (Vorsitzender GWD Minden): „Wenn man so durch die Halle guckt, fragt man sich: Warum kann man hier nicht noch 20 Jahre spielen? Es gibt aber einen politischen Beschluss, die Halle zu schließen, damit müssen wir leben. Das Spiel war völlig in Ordnung, auch mit dem Ergebnis kann ich leben. Ich hatte bei der Vier-Tore-Führung natürlich auf einen Sieg gehofft, aber man weiß ja, was in Endphasen passieren kann. Aber es war ein wichtiger Punkt. Frank von Behren (Geschäftsführer Sport GWD Minden): Es war ein Lebenszeichen von uns, ich hatte ein, zwei Gänsehautmomente. Ich hoffe, wir können das nach Lübbecke hinüber retten und auch dort so eine tolle Atmosphäre schaffen. Kommentar: Charakter statt Komfort Von Sebastian Külbel Ein historisch aufgeladenes letztes Spiel in der bald verschwindenden Heimat, ein Gegner auf der Euphoriewelle, die bedrohliche Situation im Tabellenkeller – es gab viele Gründe, die GWD Mindens Profi-Handballer vor der EM-Pause hätten verkrampfen lassen können. Der Punkt gegen Hannover ist daher ein wichtiges Signal für die Zukunft – kurz- und mittelfristig. Denn neben dem Kampf um den Klassenerhalt, den GWD so gerne vermeiden wollte, hält die Rückrunde Herausforderungen bereit, die weit unwägbarer sind als das gewohnte Tagesgeschäft. Keiner weiß, ob auch bei den Heimspielen in Lübbecke eine Stimmung aufkommt, die das Team in dieser Saison beflügelt und gestern fast zum Sieg gegen den Tabellenzweiten getrieben hätte. Selbst ohne diesen Bonus ist die Qualität der Mannschaft zwar groß genug, um in der Bundesliga zu bleiben. Doch die weiterhin ungeklärte Situation, wie es in der kommenden Saison weitergeht, wird sie begleiten. Und eine längere Heimatlosigkeit könnte irgendwann zur Belastung werden. Denn mit dem Aus der Kampa-Halle verlieren die GWD-Profis auch ihr Trainingszentrum, bis auf Weiteres müssen sie ihre Alltagsarbeit in drei verschiedenen Hallen verrichten. Wo zukünftig die Krafteinheiten stattfinden, ist noch offen. Diese Vertreibung aus der Komfortzone erfordert Leidensfähigkeit, der Charakter der Spieler ist ab jetzt mehr denn je gefordert. Gut, dass sie gegen Hannover bewiesen haben, dass sie eine Menge davon besitzen.