Minden

Zaghafte Zweikämpfe - die 23:26-Niederlage in Wetzlar zeigt GWD Mindens großes Defizit

Sebastian Külbel

Olle Forsell Schefvert (Zweiter von links) war vor allem in der Schlussphase von der GWD-Abwehr nicht zu halten und sicherte mit seinen Toren den Sieg der Gastgeber. - © Foto: Jan Huebner/Vogler
Olle Forsell Schefvert (Zweiter von links) war vor allem in der Schlussphase von der GWD-Abwehr nicht zu halten und sicherte mit seinen Toren den Sieg der Gastgeber. (© Foto: Jan Huebner/Vogler)

Minden (mt). Fast hätte der ernüchternde Abend für GWD Minden noch ein versöhnliches Ende genommen. Nach einem bis dahin völlig verkorksten Spiel mit phasenweise acht Toren Rückstand kämpfte sich der ostwestfälische Handball-Bundesligist bei der HSG Wetzlar zum Ende hin wieder in Schlagdistanz. Dass die Gastgeber den knappen Vorsprung bei ihrem 26:23 (14:8)-Sieg ins Ziel retteten, hatten dann wieder etwas mit dem zurzeit größten Mindener Manko zu tun.

„Wir müssen unsere Deckungsleistung in den Griff kriegen“, analysierte Trainer Frank Carstens: „Das war schon in Magdeburg und gegen Melsungen ein Thema, und heute war es ein großer Faktor.“ Weil er mit seiner Mannschaft genau das in der vorigen Woche trainiert hatte, sah der Coach dieses Problem auch selbstkritisch: „Es geht vor allem darum, dass wir kollektiv nicht in den Zweikämpfen waren. Und da hinterfrage ich mich natürlich auch, was in der Vorbereitung möglicherweise falsch gelaufen ist.“

Enttäuschte Gesichter: Trotz eines starken Endspurts verließen die Mindener in Wetzlar geschlagen das Spielfeld. Foto: Jan Huebner/Vogler - © Jan Huebner/Vogler
Enttäuschte Gesichter: Trotz eines starken Endspurts verließen die Mindener in Wetzlar geschlagen das Spielfeld. Foto: Jan Huebner/Vogler (© Jan Huebner/Vogler)

Die Abwehrschwäche war jedoch auch ein Problem einzelner Spieler. Als Olle Forsell Schefvert in der Schlussphase die Verantwortung übernahm und mit seinen Einzelaktionen, teilweise in dreifacher Unterzahl, das Spiel für die HSG entschied, war Carstens zugleich überrascht und irritiert: „Er war fast wie im Rausch, so stark habe ich ihn selten gesehen. Aber er hat nichts gemacht, was wir nicht von ihm kannten.“ Namentlich kritisierte der Coach seinen Leistungsträger: „Magnus Gullerud und Marian Michalczik sind eigentlich starke Zweikämpfer, aber sie lassen ihn gewähren.“

So retteten die Gastgeber einen Sieg über die Zeit, den sie sich zuvor mit einer starken Dreiviertelstunde mehr als verdient hatten. Minden tat sich von Anfang an schwer, zu den Deckungs-Defiziten kamen teilweise große Probleme im Angriff. Das führte dazu, dass Wetzlar sich vom 6:5 binnen sieben Minuten auf 11:5 absetzten und damit wichtige Weichen stellten.

Denn an diesem Rückstand arbeitete sich GWD lange vergeblich ab. Wichtige Säulen wie Christoffer Rambo und Marian Michalczik mit jeweils nur einem Tor waren diesmal kein Faktor, letzterer erwischte auch wegen seiner zwei verworfenen Siebenmeter einen rabenschwarzen Abend. „Das kann immer mal passieren, leider war es zum falschestmöglichen Zeitpunkt“, meinte Carstens.

Denn dass beim Tabellenzehnten weitaus mehr drin war, zeigte sich, als seine Mannschaft endlich die richtige Einstellung zum Spiel gefunden hatte. Mit vier Toren in Folge warfen sich die Mindener beim 19:21 in der 54. Minute wieder heran und es wurde plötzlich hektisch. Der Gegner zeigte sich durchaus beeindruckt: Emil Frend Öfors musste nach einer allzu deutlichen Unmutsbekundung vier Minuten raus, auch zwei weitere Zeitstrafen machten den Hausherren zu schaffen.

Am Ende waren es die Dynamik von Forsell Schefvert und der abgezockte Auftritt von Spielmacher Filip Mirkulovski, die Wetzlar durch die turbulente Schlussphase steuerten. Auf der Gegenseite reichten die nach der jüngsten Kritik deutlich verbesserten Leistungen von Aliaksandr Padshyvalau und vor allem Savvas Savvas nicht aus, um dem Spiel die entscheidende Wende zu geben. Ein Versäumnis, das GWD noch weh tun könnte: Die Niederlage am Samstagabend war die dritte des Tabellen-14. in Folge, Punkte aus den nächsten beiden Spielen gegen die Rhein-Neckar Löwen und in Kiel wären eher eine Überraschung als Pflicht. Das wusste auch Carstens: „Wir hatten viel auf dieses Spiel gesetzt, haben es aber nicht geschafft, auf den Punkt da zu sein. Und das macht mich so unzufrieden.“

GWD-Stimmen

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „In der ersten Halbzeit war die Zweikampfbereitschaft offensiv und defensiv enttäuschend, uns fehlte die Bewegung. Den Vorsprung verwaltet Wetzlar dann gut, und am Ende machen die herausragenden Leistungen von Forsell Schefvert und Mirkulovski den Unterschied.“

Savvas Savvas (GWD Minden): „In der ersten Halbzeit hat bei uns nichts funktioniert. Der Trainer hat dann in der Pause eine ziemliche Ansage gemacht. Danach haben wir uns reingekämpft und gemacht, was wir uns vorgenommen hatten. Leider hat das am Ende nicht gereicht.“

Nils Torbrügge (HSG Wetzlar): „Wir haben 45 Minuten ein gutes Spiel gemacht, dann hat Minden angefangen zu treffen. Am Ende haben wir die Nerven behalten.“

Zitat: „Gegen eine Mannschaft wie Wetzlar ist das, als wenn man im Fußball gegen Italien 0:1 hinten liegt.“ (GWD Mindens Trainer Frank Carstens über den Sechs-Tore-Rückstand nach 22 Minuten, den sein Team nicht mehr aufholen konnte)

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MindenZaghafte Zweikämpfe - die 23:26-Niederlage in Wetzlar zeigt GWD Mindens großes DefizitSebastian KülbelMinden (mt). Fast hätte der ernüchternde Abend für GWD Minden noch ein versöhnliches Ende genommen. Nach einem bis dahin völlig verkorksten Spiel mit phasenweise acht Toren Rückstand kämpfte sich der ostwestfälische Handball-Bundesligist bei der HSG Wetzlar zum Ende hin wieder in Schlagdistanz. Dass die Gastgeber den knappen Vorsprung bei ihrem 26:23 (14:8)-Sieg ins Ziel retteten, hatten dann wieder etwas mit dem zurzeit größten Mindener Manko zu tun. „Wir müssen unsere Deckungsleistung in den Griff kriegen“, analysierte Trainer Frank Carstens: „Das war schon in Magdeburg und gegen Melsungen ein Thema, und heute war es ein großer Faktor.“ Weil er mit seiner Mannschaft genau das in der vorigen Woche trainiert hatte, sah der Coach dieses Problem auch selbstkritisch: „Es geht vor allem darum, dass wir kollektiv nicht in den Zweikämpfen waren. Und da hinterfrage ich mich natürlich auch, was in der Vorbereitung möglicherweise falsch gelaufen ist.“ Die Abwehrschwäche war jedoch auch ein Problem einzelner Spieler. Als Olle Forsell Schefvert in der Schlussphase die Verantwortung übernahm und mit seinen Einzelaktionen, teilweise in dreifacher Unterzahl, das Spiel für die HSG entschied, war Carstens zugleich überrascht und irritiert: „Er war fast wie im Rausch, so stark habe ich ihn selten gesehen. Aber er hat nichts gemacht, was wir nicht von ihm kannten.“ Namentlich kritisierte der Coach seinen Leistungsträger: „Magnus Gullerud und Marian Michalczik sind eigentlich starke Zweikämpfer, aber sie lassen ihn gewähren.“ So retteten die Gastgeber einen Sieg über die Zeit, den sie sich zuvor mit einer starken Dreiviertelstunde mehr als verdient hatten. Minden tat sich von Anfang an schwer, zu den Deckungs-Defiziten kamen teilweise große Probleme im Angriff. Das führte dazu, dass Wetzlar sich vom 6:5 binnen sieben Minuten auf 11:5 absetzten und damit wichtige Weichen stellten. Denn an diesem Rückstand arbeitete sich GWD lange vergeblich ab. Wichtige Säulen wie Christoffer Rambo und Marian Michalczik mit jeweils nur einem Tor waren diesmal kein Faktor, letzterer erwischte auch wegen seiner zwei verworfenen Siebenmeter einen rabenschwarzen Abend. „Das kann immer mal passieren, leider war es zum falschestmöglichen Zeitpunkt“, meinte Carstens. Denn dass beim Tabellenzehnten weitaus mehr drin war, zeigte sich, als seine Mannschaft endlich die richtige Einstellung zum Spiel gefunden hatte. Mit vier Toren in Folge warfen sich die Mindener beim 19:21 in der 54. Minute wieder heran und es wurde plötzlich hektisch. Der Gegner zeigte sich durchaus beeindruckt: Emil Frend Öfors musste nach einer allzu deutlichen Unmutsbekundung vier Minuten raus, auch zwei weitere Zeitstrafen machten den Hausherren zu schaffen. Am Ende waren es die Dynamik von Forsell Schefvert und der abgezockte Auftritt von Spielmacher Filip Mirkulovski, die Wetzlar durch die turbulente Schlussphase steuerten. Auf der Gegenseite reichten die nach der jüngsten Kritik deutlich verbesserten Leistungen von Aliaksandr Padshyvalau und vor allem Savvas Savvas nicht aus, um dem Spiel die entscheidende Wende zu geben. Ein Versäumnis, das GWD noch weh tun könnte: Die Niederlage am Samstagabend war die dritte des Tabellen-14. in Folge, Punkte aus den nächsten beiden Spielen gegen die Rhein-Neckar Löwen und in Kiel wären eher eine Überraschung als Pflicht. Das wusste auch Carstens: „Wir hatten viel auf dieses Spiel gesetzt, haben es aber nicht geschafft, auf den Punkt da zu sein. Und das macht mich so unzufrieden.“ GWD-Stimmen Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „In der ersten Halbzeit war die Zweikampfbereitschaft offensiv und defensiv enttäuschend, uns fehlte die Bewegung. Den Vorsprung verwaltet Wetzlar dann gut, und am Ende machen die herausragenden Leistungen von Forsell Schefvert und Mirkulovski den Unterschied.“ Savvas Savvas (GWD Minden): „In der ersten Halbzeit hat bei uns nichts funktioniert. Der Trainer hat dann in der Pause eine ziemliche Ansage gemacht. Danach haben wir uns reingekämpft und gemacht, was wir uns vorgenommen hatten. Leider hat das am Ende nicht gereicht.“ Nils Torbrügge (HSG Wetzlar): „Wir haben 45 Minuten ein gutes Spiel gemacht, dann hat Minden angefangen zu treffen. Am Ende haben wir die Nerven behalten.“ Zitat: „Gegen eine Mannschaft wie Wetzlar ist das, als wenn man im Fußball gegen Italien 0:1 hinten liegt.“ (GWD Mindens Trainer Frank Carstens über den Sechs-Tore-Rückstand nach 22 Minuten, den sein Team nicht mehr aufholen konnte)