Minden

Ein paar PS zu wenig - GWD hat gegen Melsungen Defizite im Angriff, Coach Carstens bennent sie klar

Sebastian Külbel

Lucas Meister (am Ball) war vorne mit fünf Treffern und hinten im Mittelblock gestern einer der Leistungsträger bei GWD Minden. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Lucas Meister (am Ball) war vorne mit fünf Treffern und hinten im Mittelblock gestern einer der Leistungsträger bei GWD Minden. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Fast wäre der Kurzeinsatz von Christoffer Rambo zu einem Märchen geworden. Aufs Feld gekommen in der 39. Minute, hielt der Rückraum-Linkshänder GWD Minden im Heimspiel gegen die MT Melsungen fortan mit sechs Treffern in Schlagdistanz und hatte 30 Sekunden vor Schluss den Ausgleich in der Hand. Sein letzter Wurf aber flog über das Tor, der Gegner traf zum 27:29 (13:15)-Endstand, und GWD-Trainer Frank Carstens war richtig sauer.

Es war jedoch nicht der finale Fehlwurf, der dazu führte, dass der Coach des Handball-Bundesligisten seinen Zorn nur mühsam unterdrücken konnte. Vielmehr ärgerte sich Carstens über einzelne Spieler seiner Mannschaft. „Wir haben heute ohne Zwei gespielt“, zischte er mit Blick auf die Leistung der beiden Rückraumspieler Aliaksandr Padshyvalau und Savvas Savvas. Letzterer sammelte im ersten Durchgang zahlreiche Fehlwürfe und weitere Ballverluste, der weißrussische Spielmacher hingegen erfüllte die Anforderungen seines Trainers offenbar so unzureichend, dass der ihn nach neun Minuten vorerst aus dem Spiel nahm.

Da lagen die Gastgeber gegen die individuell stark besetzten, aber mannschaftlich nicht immer geschlossenen Nordhessen bereits 1:6 zurück. Grund dafür war das zag- und fehlerhafte Angriffsspiel der Mindener, während auf der anderen Seite kühle Vollstrecker wie Michael Allendorf, Julius Kühn und der herausragende Kai Häfner ihre Klasse ausspielten. Carstens reagierte, beorderte Kapitän Marian Michalczik in die Rückraummitte – und der führte sein Team zurück in die Partie.

Endlich gelangen in der Abwehr die nötigen Ballgewinne, um das eigene Tempospiel in Gang zu bringen, und prompt war der Gegner beeindruckt. Kevin Gulliksen und Michalczik nutzten zwei Gegenstöße zum 4:6, beim 10:10 glich Korte nach feinem Zusammenspiel mit Gulliksen erstmals nach dem 1:1 wieder aus (22.). „Wir haben uns reingekämpft in die Partie“, meinte Carstens hinterher, „und wir sind dran geblieben“.

Das lag vor allem an der starken Mentalität, die GWD schon seit Wochen auszeichnet. „Kampf und Moral waren wieder hundertprozentig“, lobte Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Das führte dazu, dass Melsungen auch ein Vier-Tore-Vorsprung wie beim 15:19 (36.) nicht reichte, um das Spiel frühzeitig zu entscheiden. „Wir standen uns oft selbst im Weg“, meinte MT-Nationalspieler Julius Kühn. Und in den letzten 20 Minuten standen er und sein Team dann vor einem weiteren Problem: Christoffer Rambo kam aufs Feld, scheiterte mit seinem ersten Wurf im Gegenstoß an Torwart Nebojsa Simic – und knallte danach die Bälle aus allen Entfernungen und Winkeln ins Melsunger Netz.

Vor allem seine sechs Treffer hielten die Mindener Hoffnungen am Leben, zudem glänzte der Norweger als Passgeber wie etwa beim 26:26 von Kevin Gulliksen (56.), mit dem sich die Mindener Zuversicht in Euphorie steigerte. „Am Ende haben uns aber ein paar PS gefehlt“, sagte Coach Carstens ernüchtert über die letzten Minuten, in den sich das große Defizit des Mindener Spiels rächte.

Denn im Rückraum kam von Padshyvalau und Savvas weiterhin kaum Hilfreiches, die Last im Angriff war zu ungleich verteilt. Dem zahlten am Ende die beiden Mindener Anführer Tribut: Nach dem 27:28 von Tobias Reichmann warf Michalczik beim letzten GWD-Angriff erst in den Block und Rambo dann im nächsten Versuch über das Tor. Gegen die Mindener Manndeckung setzte Domagoj Pavlovic im Gegenzug den Schlusspunkt.

„Uns haben heute Kleinigkeiten gefehlt“, meinte GWD-Geschäftsführer von Behren hinterher und hätte sich „von ein, zwei Spielern mehr Gefahr“ gewünscht. Coach Carstens benannte diese Spieler ungewohnt klar, schluckte aber einen großen Teil seines Ärgers herunter und sagte nur: „So geht es nicht, so kann man gegen Melsungen nicht gewinnen.“

GWD-Stimmen

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Der Sieg für Melsungen war am Ende verdient, sie haben dem Druck in der zweiten Halbzeit standgehalten. Kämpferisch kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, aber handballerisch haben wir einiges vermissen lassen.“

Heiko Grimm (Trainer MT Melsungen): „Ich bin erleichtert und sehr froh, wir standen ein bisschen unter Druck. Wir haben den Gegner nach unserem sehr guten Start mit technischen Fehlern ins Spiel gebracht. So war es in der zweiten Halbzeit ein Kampf.“

Mats Korte (GWD Minden): „Wir haben gerade den Ausgleich geschafft, dann fällt uns vorne der Ball auf den Fuß. Ich bin traurig und enttäuscht, weil wir heute selbst zu doof waren.“

Julius Kühn (MT Melsungen): „Ich hatte das Gefühl, dass wir nie richtig im Spiel waren. Wir haben uns ja auch bei Drei-Tore-Führungen nicht absetzen können. Minden hat es überragend gemacht, und am Ende hatten wir das Glück auf unserer Seite.“

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MindenEin paar PS zu wenig - GWD hat gegen Melsungen Defizite im Angriff, Coach Carstens bennent sie klarSebastian KülbelMinden (mt). Fast wäre der Kurzeinsatz von Christoffer Rambo zu einem Märchen geworden. Aufs Feld gekommen in der 39. Minute, hielt der Rückraum-Linkshänder GWD Minden im Heimspiel gegen die MT Melsungen fortan mit sechs Treffern in Schlagdistanz und hatte 30 Sekunden vor Schluss den Ausgleich in der Hand. Sein letzter Wurf aber flog über das Tor, der Gegner traf zum 27:29 (13:15)-Endstand, und GWD-Trainer Frank Carstens war richtig sauer. Es war jedoch nicht der finale Fehlwurf, der dazu führte, dass der Coach des Handball-Bundesligisten seinen Zorn nur mühsam unterdrücken konnte. Vielmehr ärgerte sich Carstens über einzelne Spieler seiner Mannschaft. „Wir haben heute ohne Zwei gespielt“, zischte er mit Blick auf die Leistung der beiden Rückraumspieler Aliaksandr Padshyvalau und Savvas Savvas. Letzterer sammelte im ersten Durchgang zahlreiche Fehlwürfe und weitere Ballverluste, der weißrussische Spielmacher hingegen erfüllte die Anforderungen seines Trainers offenbar so unzureichend, dass der ihn nach neun Minuten vorerst aus dem Spiel nahm. Da lagen die Gastgeber gegen die individuell stark besetzten, aber mannschaftlich nicht immer geschlossenen Nordhessen bereits 1:6 zurück. Grund dafür war das zag- und fehlerhafte Angriffsspiel der Mindener, während auf der anderen Seite kühle Vollstrecker wie Michael Allendorf, Julius Kühn und der herausragende Kai Häfner ihre Klasse ausspielten. Carstens reagierte, beorderte Kapitän Marian Michalczik in die Rückraummitte – und der führte sein Team zurück in die Partie. Endlich gelangen in der Abwehr die nötigen Ballgewinne, um das eigene Tempospiel in Gang zu bringen, und prompt war der Gegner beeindruckt. Kevin Gulliksen und Michalczik nutzten zwei Gegenstöße zum 4:6, beim 10:10 glich Korte nach feinem Zusammenspiel mit Gulliksen erstmals nach dem 1:1 wieder aus (22.). „Wir haben uns reingekämpft in die Partie“, meinte Carstens hinterher, „und wir sind dran geblieben“. Das lag vor allem an der starken Mentalität, die GWD schon seit Wochen auszeichnet. „Kampf und Moral waren wieder hundertprozentig“, lobte Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Das führte dazu, dass Melsungen auch ein Vier-Tore-Vorsprung wie beim 15:19 (36.) nicht reichte, um das Spiel frühzeitig zu entscheiden. „Wir standen uns oft selbst im Weg“, meinte MT-Nationalspieler Julius Kühn. Und in den letzten 20 Minuten standen er und sein Team dann vor einem weiteren Problem: Christoffer Rambo kam aufs Feld, scheiterte mit seinem ersten Wurf im Gegenstoß an Torwart Nebojsa Simic – und knallte danach die Bälle aus allen Entfernungen und Winkeln ins Melsunger Netz. Vor allem seine sechs Treffer hielten die Mindener Hoffnungen am Leben, zudem glänzte der Norweger als Passgeber wie etwa beim 26:26 von Kevin Gulliksen (56.), mit dem sich die Mindener Zuversicht in Euphorie steigerte. „Am Ende haben uns aber ein paar PS gefehlt“, sagte Coach Carstens ernüchtert über die letzten Minuten, in den sich das große Defizit des Mindener Spiels rächte. Denn im Rückraum kam von Padshyvalau und Savvas weiterhin kaum Hilfreiches, die Last im Angriff war zu ungleich verteilt. Dem zahlten am Ende die beiden Mindener Anführer Tribut: Nach dem 27:28 von Tobias Reichmann warf Michalczik beim letzten GWD-Angriff erst in den Block und Rambo dann im nächsten Versuch über das Tor. Gegen die Mindener Manndeckung setzte Domagoj Pavlovic im Gegenzug den Schlusspunkt. „Uns haben heute Kleinigkeiten gefehlt“, meinte GWD-Geschäftsführer von Behren hinterher und hätte sich „von ein, zwei Spielern mehr Gefahr“ gewünscht. Coach Carstens benannte diese Spieler ungewohnt klar, schluckte aber einen großen Teil seines Ärgers herunter und sagte nur: „So geht es nicht, so kann man gegen Melsungen nicht gewinnen.“ GWD-Stimmen Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Der Sieg für Melsungen war am Ende verdient, sie haben dem Druck in der zweiten Halbzeit standgehalten. Kämpferisch kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, aber handballerisch haben wir einiges vermissen lassen.“ Heiko Grimm (Trainer MT Melsungen): „Ich bin erleichtert und sehr froh, wir standen ein bisschen unter Druck. Wir haben den Gegner nach unserem sehr guten Start mit technischen Fehlern ins Spiel gebracht. So war es in der zweiten Halbzeit ein Kampf.“ Mats Korte (GWD Minden): „Wir haben gerade den Ausgleich geschafft, dann fällt uns vorne der Ball auf den Fuß. Ich bin traurig und enttäuscht, weil wir heute selbst zu doof waren.“ Julius Kühn (MT Melsungen): „Ich hatte das Gefühl, dass wir nie richtig im Spiel waren. Wir haben uns ja auch bei Drei-Tore-Führungen nicht absetzen können. Minden hat es überragend gemacht, und am Ende hatten wir das Glück auf unserer Seite.“