Magdeburg

"Leider keine Nachspielzeit" - GWD verliert 29:31 in Magdeburg und beklagt den nächsten Verletzten

Marcus Riechmann

Wegen einer Rückenverletzung sollte Christoffer Rambo eigentlich nur wenig spielen. Doch einmal eingewechselt, war von Beschwerden nichts zu sehen. Der Norweger im GWD-Trikot, der hier Michael Damgaard und Christoph Steinert (rechts) entwischt, zeigte eine famose Leistung und erzielte gegen Magdeburg acht Tore. ?Foto: Wedel - © Noah Wedel
Wegen einer Rückenverletzung sollte Christoffer Rambo eigentlich nur wenig spielen. Doch einmal eingewechselt, war von Beschwerden nichts zu sehen. Der Norweger im GWD-Trikot, der hier Michael Damgaard und Christoph Steinert (rechts) entwischt, zeigte eine famose Leistung und erzielte gegen Magdeburg acht Tore. ?Foto: Wedel (© Noah Wedel)

Magdeburg (mt). Sie waren nah dran. Sogar ziemlich nah dran, die Schwarze Serie von 23 sieglosen Jahren in Magdeburg zu beenden. Doch die Aufholjagd kam nach einem Acht-Tore-Rückstand zu spät in Gang und so kassierte Handball-Bundesligist GWD Minden am Sonntagnachmittag beim SC Magdeburg letztlich mit 29:31 (11:15) die nächste Niederlage.

Es hatte in der Getec-Arena vor 6.600 Zuschauern bereits nach einer klaren Angelegenheit für die Gastgeber ausgesehen. Denn der SCM löste sich zu Beginn der zweiten Halbzeit auf 22:14. Doch Minden konnte sich mal wieder auf die mentale Stärke verlassen. Vor allem zwei eingewechselte Kräfte sorgten für neuen Schwung: Mit dem starken Malte Semisch zwischen den Pfosten und einem brandgefährlichen Christoffer Rambo holte GWD auf. Beim 30:28, erzielt per Siebenmeter von Savvas Savvas, war Minden nah dran. Als Rambo dann per Gegenstoß zum 31:29 traf und auch noch eine Zeitstrafe gegen Magdeburgs Torjäger Michael Damgaard herausholte, standen noch 76 Sekunden auf der Uhr. Doch für die Überraschung fehlte dann das nötige Glück. Der SCM rettete sich über die Zeit. „Das war nicht schön heute. Wir führen zuhause mit acht Toren und gewinnen am Ende nur mit zwei. Damit kann man nicht zufrieden sein“, kommentierte Magdeburgs neunmaliger Torschütze Michael Damgaard kritisch.

Mindens Marian Michalczik kämpft gegen drei Magdeburger Abwehrspieler an. - © Foto: Wedel
Mindens Marian Michalczik kämpft gegen drei Magdeburger Abwehrspieler an. (© Foto: Wedel)

„Schade, dass im Handball keine Nachspielzeit gibt“, bedauerte GWD-Torwart Malte Semisch. Mindens Kapitän Marian Michalczik lobte die gute innere Haltung seines Teams: „Wir liegen hier mit acht Toren hinten, da kann man in Magdeburg auch anders aus dem Spiel rausgehen. Wir haben Moral gezeigt“, sagte der Rückraumspieler und schaute nach vorn auf das Heimspiel am kommenden Donnerstag gegen MT Melsungen: „Wir haben heute keine Punkte geholt, aber die Leistung können wir mitnehmen.“

Das sah auch sein Trainer so. „Wir hören nicht auf. Wir sind bereit gewesen für die Chancen, die uns Magdeburg gibt“, lobte Frank Carstens, der aber an ein erfolgreiches Ende der Partie keinen Gedanken verschwendete: „Das Ergebnis täuscht ein wenig über die Kräfteverhältnisse hinweg. Wir haben einen vernünftigen Endstand erkämpft, aber Magdeburg war besser.“

GWD, das bereits die verletzten Juri Knorr und Miljan Pusica ersetzen musste, hatte einen weiteren Ausfall zu beklagen: Linksaußen Joscha Ritterbach hatte sich im Training eine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen. „Er wird mehrere Wochen ausfallen“ berichtete Carstens. Sein Team zeigte auch „ohne Drei“ in der ersten Spielhälfte eine abgeklärte Leistung. Hinter der stabilen Abwehr glänzte Espen Christensen als starker Rückhalt. Acht Paraden zeigte der norwegische Nationaltorhüter und sorgte immer wieder dafür, dass Minden gut ins Umschaltspiel kam. „Mit den Leistungen der Torhüter bin ich heute extrem zufrieden“, lobte der Coach und hob hervor: „Wir haben das Tempospiel gegen Magdeburg 16:14 gewonnen. Das schafft auch nicht jeder.“

Die Positionsangriffe spielte Minden mit großer Ruhe aus. Vor allem aber zeigten die Gäste nach ihren Abschlüssen ein gutes Rückzugsverhalten und unterbanden das Gegenstoßspiel des SCM. Bis zum 10:10, das Mats Korte per Konter erzielte, ging Minden dem SCM gepflegt auf die Nerven.

Dann ließ Minden die Chance zur ersten Führung liegen und Magnus Gullerud handelte sich eine Zeitstrafe ein – in der 25. Spielminute bereits die vierte Strafzeit gegen GWD. Diese erneute Überzahlsituation ließ sich Magdeburg nicht entgehen. Bis zur Pause lösten sich Michael Damgaard und Co. über 13:10 auf 15:11.

Nach Wiederanpfiff schwamm sich Magdeburg frei. Doch mit seinen Einwechslungen nach der 40. Spielminute hatte Carstens ein gutes Händchen. Christoffer Rambo, der wegen einer Rückenverletzung geschont worden war, löste Christoph Reißky im rechten Rückraum ab, Malte Semisch kam für Christensen ins Tor und reihte wie der Norweger in Halbzeit eins nun Parade an Parade. Zudem machte Minden mit einer veränderten Deckung Druck auf den SCM-Angriff. In einer 5:1-Variante störte Michalczik in Vertretung für den fehlenden Ritterbach die Kreise von Magdeburgs Torjäger Damgaard. Mit seinem siebten Treffer (ohne Fehlwurf) markierte Rambo das 30:27 in der 55. Minute und 76 Sekunden vor dem Ende das 31:29. GWD hatte Oberwasser, doch für eine echte Überraschung fehlten am Ende etwas Glück und ein eben bisschen mehr Zeit.

Der Autor ist erreichbar unter(05 71) 882-159 oder unterMarcus.Riechmann@MT.de

SC Magdeburg - GWD Minden 31:29 (15:11)

Tore für SC Magdeburg: M. Damgaard 9, Musa 5, O´Sullivan 4, Musche 3, Pettersson 3/1, Hornke 2/2, Bezjak 1, Lagergren 1, Mertens 1, E. Schmidt 1, Steinert 1

Tore für GWD Minden: Rambo 8, Gullerud 4, Gulliksen 4, Michalczik 4, Korte 3, Savvas 3/1, Meister 2, Reißky 1

Schiedsrichter: Christian vom Dorff (Kaarst)/Fabian vom Dorff (Kaarst)

Zuschauer: 6600

Strafminuten: 4 / 8

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Magdeburg"Leider keine Nachspielzeit" - GWD verliert 29:31 in Magdeburg und beklagt den nächsten VerletztenMarcus RiechmannMagdeburg (mt). Sie waren nah dran. Sogar ziemlich nah dran, die Schwarze Serie von 23 sieglosen Jahren in Magdeburg zu beenden. Doch die Aufholjagd kam nach einem Acht-Tore-Rückstand zu spät in Gang und so kassierte Handball-Bundesligist GWD Minden am Sonntagnachmittag beim SC Magdeburg letztlich mit 29:31 (11:15) die nächste Niederlage. Es hatte in der Getec-Arena vor 6.600 Zuschauern bereits nach einer klaren Angelegenheit für die Gastgeber ausgesehen. Denn der SCM löste sich zu Beginn der zweiten Halbzeit auf 22:14. Doch Minden konnte sich mal wieder auf die mentale Stärke verlassen. Vor allem zwei eingewechselte Kräfte sorgten für neuen Schwung: Mit dem starken Malte Semisch zwischen den Pfosten und einem brandgefährlichen Christoffer Rambo holte GWD auf. Beim 30:28, erzielt per Siebenmeter von Savvas Savvas, war Minden nah dran. Als Rambo dann per Gegenstoß zum 31:29 traf und auch noch eine Zeitstrafe gegen Magdeburgs Torjäger Michael Damgaard herausholte, standen noch 76 Sekunden auf der Uhr. Doch für die Überraschung fehlte dann das nötige Glück. Der SCM rettete sich über die Zeit. „Das war nicht schön heute. Wir führen zuhause mit acht Toren und gewinnen am Ende nur mit zwei. Damit kann man nicht zufrieden sein“, kommentierte Magdeburgs neunmaliger Torschütze Michael Damgaard kritisch. „Schade, dass im Handball keine Nachspielzeit gibt“, bedauerte GWD-Torwart Malte Semisch. Mindens Kapitän Marian Michalczik lobte die gute innere Haltung seines Teams: „Wir liegen hier mit acht Toren hinten, da kann man in Magdeburg auch anders aus dem Spiel rausgehen. Wir haben Moral gezeigt“, sagte der Rückraumspieler und schaute nach vorn auf das Heimspiel am kommenden Donnerstag gegen MT Melsungen: „Wir haben heute keine Punkte geholt, aber die Leistung können wir mitnehmen.“ Das sah auch sein Trainer so. „Wir hören nicht auf. Wir sind bereit gewesen für die Chancen, die uns Magdeburg gibt“, lobte Frank Carstens, der aber an ein erfolgreiches Ende der Partie keinen Gedanken verschwendete: „Das Ergebnis täuscht ein wenig über die Kräfteverhältnisse hinweg. Wir haben einen vernünftigen Endstand erkämpft, aber Magdeburg war besser.“ GWD, das bereits die verletzten Juri Knorr und Miljan Pusica ersetzen musste, hatte einen weiteren Ausfall zu beklagen: Linksaußen Joscha Ritterbach hatte sich im Training eine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen. „Er wird mehrere Wochen ausfallen“ berichtete Carstens. Sein Team zeigte auch „ohne Drei“ in der ersten Spielhälfte eine abgeklärte Leistung. Hinter der stabilen Abwehr glänzte Espen Christensen als starker Rückhalt. Acht Paraden zeigte der norwegische Nationaltorhüter und sorgte immer wieder dafür, dass Minden gut ins Umschaltspiel kam. „Mit den Leistungen der Torhüter bin ich heute extrem zufrieden“, lobte der Coach und hob hervor: „Wir haben das Tempospiel gegen Magdeburg 16:14 gewonnen. Das schafft auch nicht jeder.“ Die Positionsangriffe spielte Minden mit großer Ruhe aus. Vor allem aber zeigten die Gäste nach ihren Abschlüssen ein gutes Rückzugsverhalten und unterbanden das Gegenstoßspiel des SCM. Bis zum 10:10, das Mats Korte per Konter erzielte, ging Minden dem SCM gepflegt auf die Nerven. Dann ließ Minden die Chance zur ersten Führung liegen und Magnus Gullerud handelte sich eine Zeitstrafe ein – in der 25. Spielminute bereits die vierte Strafzeit gegen GWD. Diese erneute Überzahlsituation ließ sich Magdeburg nicht entgehen. Bis zur Pause lösten sich Michael Damgaard und Co. über 13:10 auf 15:11. Nach Wiederanpfiff schwamm sich Magdeburg frei. Doch mit seinen Einwechslungen nach der 40. Spielminute hatte Carstens ein gutes Händchen. Christoffer Rambo, der wegen einer Rückenverletzung geschont worden war, löste Christoph Reißky im rechten Rückraum ab, Malte Semisch kam für Christensen ins Tor und reihte wie der Norweger in Halbzeit eins nun Parade an Parade. Zudem machte Minden mit einer veränderten Deckung Druck auf den SCM-Angriff. In einer 5:1-Variante störte Michalczik in Vertretung für den fehlenden Ritterbach die Kreise von Magdeburgs Torjäger Damgaard. Mit seinem siebten Treffer (ohne Fehlwurf) markierte Rambo das 30:27 in der 55. Minute und 76 Sekunden vor dem Ende das 31:29. GWD hatte Oberwasser, doch für eine echte Überraschung fehlten am Ende etwas Glück und ein eben bisschen mehr Zeit. Der Autor ist erreichbar unter(05 71) 882-159 oder unterMarcus.Riechmann@MT.de SC Magdeburg - GWD Minden 31:29 (15:11) Tore für SC Magdeburg: M. Damgaard 9, Musa 5, O´Sullivan 4, Musche 3, Pettersson 3/1, Hornke 2/2, Bezjak 1, Lagergren 1, Mertens 1, E. Schmidt 1, Steinert 1 Tore für GWD Minden: Rambo 8, Gullerud 4, Gulliksen 4, Michalczik 4, Korte 3, Savvas 3/1, Meister 2, Reißky 1 Schiedsrichter: Christian vom Dorff (Kaarst)/Fabian vom Dorff (Kaarst) Zuschauer: 6600 Strafminuten: 4 / 8