Minden

GWD-Kreisläufer Gullerud wünscht sich vor dem Magdeburg-Spiel: Handbremse lösen und Gas geben

Marcus Riechmann

Spielstark am Kreis und überzeugend in der Deckung: Magnus Gullerud ist ein Handballer mit vielen Qualitäten. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Spielstark am Kreis und überzeugend in der Deckung: Magnus Gullerud ist ein Handballer mit vielen Qualitäten. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Reisen nach Sachsen-Anhalt sind für die Bundesliga-Handballer von GWD Minden freudlose Unternehmungen. Mit unschöner Regelmäßigkeit bekommen die Grün-Weißen beim SC Magdeburg das Fell über die Ohren gezogen. Der letzte Punktgewinn datiert aus einer Zeit, als der heutige GWD-Trainer Frank Carstens noch als Spieler mitmischte. Am 24. Oktober 2001 erkämpfte GWD ein 26:26 beim damaligen Meister, der Stars wie Stefan Kretzschmar, Olafur Stefansson und Nenad Perunicic in seinen Reihen hatte.

Carstens erinnert sich noch genau an jenes denkwürdige Unentschieden. „Gaudin hat den letzten Ball wie ein Fußballer weggeschossen. Er bekam eine Zeitstrafe und wir einen Freiwurf. Das war's", erzählt der Coach von der Schlusssequenz. Der französische Torwart des SCM, Christian Gaudin, unterband damals den letzte Gegenstoßversuch der Gäste, indem er aus dem Tor stürmte und im Spielfeld den Ball mit dem Fuß auf die Tribüne drosch, ehe GWD-Kreisläufer Dimitri Kouzelev zugreifen konnte.

Im Rückspiel nahm GWD Revanche und gewann in der Kampa-Halle 26:22. Bestnoten in beiden Spielen verdiente sich bei GWD der heutige Bundestrainer Christian Prokop. Neben ihm gehörten große GWD-Persönlichkeiten wie Frank von Behren, Tomas Axner oder Arne Niemeyer zum Kader der Mindener, die danach zwar immer mal wieder zuhause gegen Magdeburg gewannen, aber nie wieder eine positive Saisonbilanz gegen den SCM erreichten.

Am Sonntag unternimmt GWD ab 16 Uhr einen neuen Anlauf in der Getec-Arena. Mit einem Sieg könnte GWD in der Tabelle bis auf Platz neun nach oben klettern. „Das wird ein geiles Spiel in einer tollen Halle", sagt GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud. Der Norweger begründete seine Vorfreude: „Die haben alles zu verlieren, wir nichts. Wir können die Handbremse lösen und Gas geben."

Nicht alle Profis werden die Bahnreise in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt mitmachen: Mittelmann Juri Knorr nach seinem Daumenbruch wie auch Miljan Pusica nach seiner Meniskus-Operation werden fehlen. Damit muss Coach Carstens taktisch variieren, denn ohne Abwehrchef Pusica sind die Möglichkeiten im Innenblock begrenzt und ohne Knorr werden Impulse in der Offensive fehlen.

„Das wird eine interessante Aufgabe", sagt Carstens vor dem zwölften Saisonspiel. Die beiden Kreisläufer Lucas Meister und Gullerud werden im Deckungszentrum agieren, als Alternative ist Marian Michalczik vorgesehen. Eine weitere Deckungsoption gegen die beste Offensivreihe der Liga ist die 5:1-Abwehr mit Joscha Ritterbach als vorgezogenem Störer.

Doch auf die Positionsabwehr wird es nur in zweiter Linie ankommen. Vor allem geht es für GWD darum, das Magdeburger Gegenstoßspiel zu unterbinden. „Keine andere Mannschaft macht so viel Druck im Umschaltspiel. Magdeburg hat rund 30 Tempo-Aktionen pro Spiel", beschreibt Carstens die Stärken des SCM. Auch personell hat der Tabellenvierte einiges zu bieten. Der Rückraum ist mit Michael Damgaard (64 Saisontore, bester Rückraumschütze der Liga), Marko Bezjak (35), Christian O'Sullivan (29), Albin Lagergren (27) sowie dem früheren GWD-Spieler Christoph Steinert (12) top besetzt. Am Kreis agiert mit dem Zwei-Meter-Hünen Zeljko Musa ein Klotz von einem Kerl. „Er trägt viel und spielt fast immer durch. Das SCM-Spiel ist auf so einen Baum aufgebaut. Musa schafft Räume, der kann eine Sperre auch mal etwas länger halten als andere", äußert sich Carstens respektvoll über den kroatischen Routinier.

„Er ist ein großer Typ, aber davon gibt es mehrere in der Liga", meint GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud trocken über das direkte Duell gegen Musa, der künftig sein Trainingskollegen sein könnte. Denn der SCM ist an einer Verpflichtung Gulleruds interessiert. Der Vertrag des seit 2016 bei GWD spielenden Vize-Weltmeisters läuft im Sommer aus. „Wir fühlen uns in Minden sehr wohl, wir wissen, was wir hier haben", sagt Gullerud, der nächste Woche seinen 28. Geburtstag feiern wird. Doch über seine Pläne verrät er nichts. Lediglich das: Bis Weihnachten soll die sportliche Zukunft geklärt sein.

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MindenGWD-Kreisläufer Gullerud wünscht sich vor dem Magdeburg-Spiel: Handbremse lösen und Gas gebenMarcus RiechmannMinden (mt). Reisen nach Sachsen-Anhalt sind für die Bundesliga-Handballer von GWD Minden freudlose Unternehmungen. Mit unschöner Regelmäßigkeit bekommen die Grün-Weißen beim SC Magdeburg das Fell über die Ohren gezogen. Der letzte Punktgewinn datiert aus einer Zeit, als der heutige GWD-Trainer Frank Carstens noch als Spieler mitmischte. Am 24. Oktober 2001 erkämpfte GWD ein 26:26 beim damaligen Meister, der Stars wie Stefan Kretzschmar, Olafur Stefansson und Nenad Perunicic in seinen Reihen hatte. Carstens erinnert sich noch genau an jenes denkwürdige Unentschieden. „Gaudin hat den letzten Ball wie ein Fußballer weggeschossen. Er bekam eine Zeitstrafe und wir einen Freiwurf. Das war's", erzählt der Coach von der Schlusssequenz. Der französische Torwart des SCM, Christian Gaudin, unterband damals den letzte Gegenstoßversuch der Gäste, indem er aus dem Tor stürmte und im Spielfeld den Ball mit dem Fuß auf die Tribüne drosch, ehe GWD-Kreisläufer Dimitri Kouzelev zugreifen konnte. Im Rückspiel nahm GWD Revanche und gewann in der Kampa-Halle 26:22. Bestnoten in beiden Spielen verdiente sich bei GWD der heutige Bundestrainer Christian Prokop. Neben ihm gehörten große GWD-Persönlichkeiten wie Frank von Behren, Tomas Axner oder Arne Niemeyer zum Kader der Mindener, die danach zwar immer mal wieder zuhause gegen Magdeburg gewannen, aber nie wieder eine positive Saisonbilanz gegen den SCM erreichten. Am Sonntag unternimmt GWD ab 16 Uhr einen neuen Anlauf in der Getec-Arena. Mit einem Sieg könnte GWD in der Tabelle bis auf Platz neun nach oben klettern. „Das wird ein geiles Spiel in einer tollen Halle", sagt GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud. Der Norweger begründete seine Vorfreude: „Die haben alles zu verlieren, wir nichts. Wir können die Handbremse lösen und Gas geben." Nicht alle Profis werden die Bahnreise in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt mitmachen: Mittelmann Juri Knorr nach seinem Daumenbruch wie auch Miljan Pusica nach seiner Meniskus-Operation werden fehlen. Damit muss Coach Carstens taktisch variieren, denn ohne Abwehrchef Pusica sind die Möglichkeiten im Innenblock begrenzt und ohne Knorr werden Impulse in der Offensive fehlen. „Das wird eine interessante Aufgabe", sagt Carstens vor dem zwölften Saisonspiel. Die beiden Kreisläufer Lucas Meister und Gullerud werden im Deckungszentrum agieren, als Alternative ist Marian Michalczik vorgesehen. Eine weitere Deckungsoption gegen die beste Offensivreihe der Liga ist die 5:1-Abwehr mit Joscha Ritterbach als vorgezogenem Störer. Doch auf die Positionsabwehr wird es nur in zweiter Linie ankommen. Vor allem geht es für GWD darum, das Magdeburger Gegenstoßspiel zu unterbinden. „Keine andere Mannschaft macht so viel Druck im Umschaltspiel. Magdeburg hat rund 30 Tempo-Aktionen pro Spiel", beschreibt Carstens die Stärken des SCM. Auch personell hat der Tabellenvierte einiges zu bieten. Der Rückraum ist mit Michael Damgaard (64 Saisontore, bester Rückraumschütze der Liga), Marko Bezjak (35), Christian O'Sullivan (29), Albin Lagergren (27) sowie dem früheren GWD-Spieler Christoph Steinert (12) top besetzt. Am Kreis agiert mit dem Zwei-Meter-Hünen Zeljko Musa ein Klotz von einem Kerl. „Er trägt viel und spielt fast immer durch. Das SCM-Spiel ist auf so einen Baum aufgebaut. Musa schafft Räume, der kann eine Sperre auch mal etwas länger halten als andere", äußert sich Carstens respektvoll über den kroatischen Routinier. „Er ist ein großer Typ, aber davon gibt es mehrere in der Liga", meint GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud trocken über das direkte Duell gegen Musa, der künftig sein Trainingskollegen sein könnte. Denn der SCM ist an einer Verpflichtung Gulleruds interessiert. Der Vertrag des seit 2016 bei GWD spielenden Vize-Weltmeisters läuft im Sommer aus. „Wir fühlen uns in Minden sehr wohl, wir wissen, was wir hier haben", sagt Gullerud, der nächste Woche seinen 28. Geburtstag feiern wird. Doch über seine Pläne verrät er nichts. Lediglich das: Bis Weihnachten soll die sportliche Zukunft geklärt sein.