MT-Interview: „Lieber den Spatz in der Hand“ - Ex-Landrat Heinrich Borcherding plädiert für Erhalt der Kampa-Halle

Michael Lorenz

Heinrich Borcherding, einst Landrat des Kreises Minden-Lübbecke und Vorsitzender von GWD Minden, ist der Meinung, dass sich die Brandschutz-Sanierung der Kampa-Halle und der Bau einer neuen Multifunktionsarena in Minden keineswegs ausschließen müssen. MT- - © Foto: Sebastian Külbel
Heinrich Borcherding, einst Landrat des Kreises Minden-Lübbecke und Vorsitzender von GWD Minden, ist der Meinung, dass sich die Brandschutz-Sanierung der Kampa-Halle und der Bau einer neuen Multifunktionsarena in Minden keineswegs ausschließen müssen. MT- (© Foto: Sebastian Külbel)

Minden (much). In den Achtziger- und Neunzigerjahren war Heinrich Borcherding Landrat des Kreises Minden-Lübbecke. In den Neunzigern fungierte er zudem als Vorsitzender des Handball-Bundesligisten GWD Minden, somit kennt er beide Seiten der aktuellen Diskussion um die Schließung der Kampa-Halle. Er ist längst Pensionär, doch sein Wort hat noch immer Gewicht. Den aktuellen Diskurs um die Hallenschließung bereichert der Dankerser im MT-Interview um eine Komponente, die zumindest öffentlich in dieser Form noch nicht erörtert wurde.

Herr Borcherding, glauben Sie, dass die Kampa-Halle wirklich am 31. Dezember schließt?

Das glaube ich nicht nur, das halte ich auch für vernünftig. Alles andere wäre ein Hinausschieben des Problems. GWD Minden weiß seit Langem, dass die Halle zumindest ab April nicht zur Verfügung steht. Nun passiert es eben ein paar Monate vorher. Es gibt einen höheren Bedarf an Sicherheitstechnik als noch vor ein paar Jahren. Ich bin der Meinung, dass es richtig und vernünftig ist, das Problem jetzt anzugehen.

Heißt das, Sie befürworten die Brandschutz-Sanierung der Kampa-Halle für 15 Millionen Euro?

Das habe ich so nicht gesagt. Der Masterplan besagt derzeit, dass die Renovierung zwölf bis 15 Millionen Euro kosten würde. Ich bin der Meinung, dass man diesen Masterplan überarbeiten und eine Lösung finden sollte, die bis zu 10 Millionen kosten darf. Das wäre sicherlich nicht nur für GWD, sondern auch für den Sport in Minden die beste Lösung.

Was halten Sie von einer temporären Sporthalle, über die derzeit diskutiert wird?

Dahinter kann ich nur ein großes Fragezeichen setzten. Ich halte den temporären Umzug nach Lübbecke für die vernünftigste Lösung. Zu den anderen Optionen: Mit dem Messezentrum in Bad Salzuflen kann ich herzlich wenig anfangen, die Bielefelder Seidenstickerhalle ist zu weit vom Bahnhof entfernt.

Was spricht aus Ihrer Sicht eher für den zeitlich befristeten Umzug nach Lübbecke als für eine temporäre Halle in Minden oder Porta Westfalica?

Für so eine temporäre Halle müssten etliche infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden. Der Zeitfaktor für so etwas wird mir viel zu wenig berücksichtigt. Wenn wir, sagen wir, zwei Jahre in Lübbecke spielen, haben wir einen vernünftigen Planungszeitraum, in dem die Kampa-Halle fit gemacht werden kann. Die temporäre Halle ist mir mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden. In diesem Fall ist mir der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Wenn die Kampa-Halle in einem absehbaren Zeitraum wieder nutzbar ist, dann hat man viel mehr Spielraum für die Planung und den Bau der neuen Multifunktionsarena.

Ihr Ja zur Sanierung der Kampa-Halle heißt also nicht, dass Sie gegen die geplante Multifunktionshalle sind?

Nein, im Gegenteil. Die Multifunktionsarena wäre eine große Bereicherung für Minden. Ich bin der Meinung, dass Minden die Multihalle und die Kampa-Halle gut zu Gesicht stehen würden. Einige Veranstaltungen, wie zum Beispiel die der Landfrauen, könnten weiter in der Kampa stattfinden, weil sich solche Veranstaltungen für eine neue Multihalle gar nicht rechnen würden. Zudem hätte GWD dann die Kampa-Halle als Trainingshalle und als Spielstätte, falls die Multihalle nicht zur Verfügung steht.

Halten Sie die Sanierung der Kampa-Halle plus die Errichtung der Multihalle für finanzierbar?

Ja. Wenn die Multihalle plus die temporäre Halle finanzierbar sind, dann sind auch Multihalle plus Sanierung der Kampa-Halle finanziell zu lösen. Hinzu kommt: Wenn eine temporäre Halle entstehen würde, dann wäre die halt irgendwann nicht mehr da. Wenn wir aber die Kampa-Halle fitmachen, dann wäre das etwas Bleibendes. Wir dürfen den Schulsport nicht vergessen, auch die 100-Meter-Sprintbahn, die die einzige überdachte im Kreis Minden-Lübbecke ist, und Dinge wie den Schießkeller. Ohne die Kampa-Halle hätte Minden ein riesiges Loch, auch wenn im Falle eines Abrisses dort einen kleines Sportzentrum entstehen würde.

Was sagen sie eigentlich zum Thema Brandschutz in Deutschland? Wird der übertrieben?

Ich war zu der Zeit Landrat im Kreis Minden-Lübbecke und Landtagsabgeordneter, als die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen passierte. 1996 war das, es starben 17 Menschen und knapp 90 wurden verletzt. Wenn man bei so etwas die Verantwortung trägt, hat man automatisch schlechte Karten. Insofern kann ich unseren Landrat Dr. Ralf Niermann verstehen: Er hatte nun einmal dieses Gutachten auf dem Tisch, und da kann er nicht sagen: Das interessiert mich nicht.

Finden Sie, dass Ihr Nach-Nachfolger in der Öffentlichkeit derzeit zu schlecht wegkommt?

Ja. Egal, was er im Moment macht: Er wird stets angegriffen, von welcher Seite auch immer.

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MT-Interview: „Lieber den Spatz in der Hand“ - Ex-Landrat Heinrich Borcherding plädiert für Erhalt der Kampa-HalleMichael LorenzMinden (much). In den Achtziger- und Neunzigerjahren war Heinrich Borcherding Landrat des Kreises Minden-Lübbecke. In den Neunzigern fungierte er zudem als Vorsitzender des Handball-Bundesligisten GWD Minden, somit kennt er beide Seiten der aktuellen Diskussion um die Schließung der Kampa-Halle. Er ist längst Pensionär, doch sein Wort hat noch immer Gewicht. Den aktuellen Diskurs um die Hallenschließung bereichert der Dankerser im MT-Interview um eine Komponente, die zumindest öffentlich in dieser Form noch nicht erörtert wurde. Herr Borcherding, glauben Sie, dass die Kampa-Halle wirklich am 31. Dezember schließt? Das glaube ich nicht nur, das halte ich auch für vernünftig. Alles andere wäre ein Hinausschieben des Problems. GWD Minden weiß seit Langem, dass die Halle zumindest ab April nicht zur Verfügung steht. Nun passiert es eben ein paar Monate vorher. Es gibt einen höheren Bedarf an Sicherheitstechnik als noch vor ein paar Jahren. Ich bin der Meinung, dass es richtig und vernünftig ist, das Problem jetzt anzugehen. Heißt das, Sie befürworten die Brandschutz-Sanierung der Kampa-Halle für 15 Millionen Euro? Das habe ich so nicht gesagt. Der Masterplan besagt derzeit, dass die Renovierung zwölf bis 15 Millionen Euro kosten würde. Ich bin der Meinung, dass man diesen Masterplan überarbeiten und eine Lösung finden sollte, die bis zu 10 Millionen kosten darf. Das wäre sicherlich nicht nur für GWD, sondern auch für den Sport in Minden die beste Lösung. Was halten Sie von einer temporären Sporthalle, über die derzeit diskutiert wird? Dahinter kann ich nur ein großes Fragezeichen setzten. Ich halte den temporären Umzug nach Lübbecke für die vernünftigste Lösung. Zu den anderen Optionen: Mit dem Messezentrum in Bad Salzuflen kann ich herzlich wenig anfangen, die Bielefelder Seidenstickerhalle ist zu weit vom Bahnhof entfernt. Was spricht aus Ihrer Sicht eher für den zeitlich befristeten Umzug nach Lübbecke als für eine temporäre Halle in Minden oder Porta Westfalica? Für so eine temporäre Halle müssten etliche infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden. Der Zeitfaktor für so etwas wird mir viel zu wenig berücksichtigt. Wenn wir, sagen wir, zwei Jahre in Lübbecke spielen, haben wir einen vernünftigen Planungszeitraum, in dem die Kampa-Halle fit gemacht werden kann. Die temporäre Halle ist mir mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden. In diesem Fall ist mir der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Wenn die Kampa-Halle in einem absehbaren Zeitraum wieder nutzbar ist, dann hat man viel mehr Spielraum für die Planung und den Bau der neuen Multifunktionsarena. Ihr Ja zur Sanierung der Kampa-Halle heißt also nicht, dass Sie gegen die geplante Multifunktionshalle sind? Nein, im Gegenteil. Die Multifunktionsarena wäre eine große Bereicherung für Minden. Ich bin der Meinung, dass Minden die Multihalle und die Kampa-Halle gut zu Gesicht stehen würden. Einige Veranstaltungen, wie zum Beispiel die der Landfrauen, könnten weiter in der Kampa stattfinden, weil sich solche Veranstaltungen für eine neue Multihalle gar nicht rechnen würden. Zudem hätte GWD dann die Kampa-Halle als Trainingshalle und als Spielstätte, falls die Multihalle nicht zur Verfügung steht. Halten Sie die Sanierung der Kampa-Halle plus die Errichtung der Multihalle für finanzierbar? Ja. Wenn die Multihalle plus die temporäre Halle finanzierbar sind, dann sind auch Multihalle plus Sanierung der Kampa-Halle finanziell zu lösen. Hinzu kommt: Wenn eine temporäre Halle entstehen würde, dann wäre die halt irgendwann nicht mehr da. Wenn wir aber die Kampa-Halle fitmachen, dann wäre das etwas Bleibendes. Wir dürfen den Schulsport nicht vergessen, auch die 100-Meter-Sprintbahn, die die einzige überdachte im Kreis Minden-Lübbecke ist, und Dinge wie den Schießkeller. Ohne die Kampa-Halle hätte Minden ein riesiges Loch, auch wenn im Falle eines Abrisses dort einen kleines Sportzentrum entstehen würde. Was sagen sie eigentlich zum Thema Brandschutz in Deutschland? Wird der übertrieben? Ich war zu der Zeit Landrat im Kreis Minden-Lübbecke und Landtagsabgeordneter, als die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen passierte. 1996 war das, es starben 17 Menschen und knapp 90 wurden verletzt. Wenn man bei so etwas die Verantwortung trägt, hat man automatisch schlechte Karten. Insofern kann ich unseren Landrat Dr. Ralf Niermann verstehen: Er hatte nun einmal dieses Gutachten auf dem Tisch, und da kann er nicht sagen: Das interessiert mich nicht. Finden Sie, dass Ihr Nach-Nachfolger in der Öffentlichkeit derzeit zu schlecht wegkommt? Ja. Egal, was er im Moment macht: Er wird stets angegriffen, von welcher Seite auch immer.