Lingen/Minden

Geniestreich des GWD-Jungspunds: Frank von Behren lobt Siegschützen Juri Knorr

Marcus Riechmann

Die entscheidende Szene: Juri Knorr setzt sich entschlossen gegen drei Nordhorner Abwehrspieler durch und wirft beobachtet von Lucas Meister (links) das Siegtor zum 26:25. Foto: Angela Metge - © Angela Metge
Die entscheidende Szene: Juri Knorr setzt sich entschlossen gegen drei Nordhorner Abwehrspieler durch und wirft beobachtet von Lucas Meister (links) das Siegtor zum 26:25. Foto: Angela Metge (© Angela Metge)

Lingen/Minden (mt). Eine Energieleistung in der Schlussphase und ein Geniestreich von Juri Knorr haben GWD Minden in der Handball-Bundesliga den zweiten Auswärtssieg der Saison beschert. In den letzten Minuten holten die Gäste gegen die HSG Nordhorn-Lingen noch einen 19:23-Rückstand auf und feierten schließlich vor 3.446 Zuschauern mit 26:25 (11:12) das triumphale Ende einer packenden Partie in der Lingener Emsland-Arena.

„So richtig verdient hatten wir das heute vielleicht nicht, das war auch glücklich“, meinte Mindens Coach Frank Carstens. Womit sich sein Team die Punkte letztlich doch verdient hatte, wusste der Trainer aber genau: „Die Mentalität der Jungs ist überragend. Egal, welchen Quatsch wir zwischenzeitlich spielen – wir geben nie auf, wir kämpfen weiter.“ Beim Aufsteiger, der zuletzt noch gegen den SC Leipzig gewonnen hatte, war die Enttäuschung hingegen riesig. „Wir verlieren den Kopf und machen Anfängerfehler“, meinte Rechtsaußen Robert Weber über die Schlussphase, „hier heute ohne Punkt rauszugehen ist einfach bitter.“

Das Mindener Team feiert den hart erkämpften zweiten Auswärtssieg der Saison ausgelassen und empfängt Juri Knorr (links) im Jubelkreis. Foto: Angela Metge - © Angela Metge
Das Mindener Team feiert den hart erkämpften zweiten Auswärtssieg der Saison ausgelassen und empfängt Juri Knorr (links) im Jubelkreis. Foto: Angela Metge (© Angela Metge)

Die entscheidende Rolle bei den entfesselt jubelnden Gäste spielte der jüngste Profi im Team: Juri Knorr war der Mann der letzten Minuten. Als vorgezogener Störenfried in der auf 5:1 umgestellten Abwehr sorgte er für etliche Ballgewinne, im letzten Angriff übernahm der 19-Jährige Verantwortung und erzielte den Siegtreffer. „Was Juri da gemacht hat, war schon richtig gut“, lobte Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren und hob Knorrs Entschlossenheit hervor: „Er wollte das Spiel gewinnen, und er hat es am Ende gewonnen.“

Schwer fand Minden Zugang in die Partie. Lediglich zwei Treffer gelangen in den ersten zehn Spielminuten. Mal wieder schmerzte die Strafwurfschwäche. Sowohl Savvas Savvas als auch Joscha Ritterbach scheiterten mit Siebenmetern gegen HSG-Torhüter Bart Ravensbergen. Die logische Folge: Nordhorn-Lingen übernahm die Führung.

Nach dem 3:6 nahm Trainer Carstens Korrekturen vor. Zunächst tauschte er im Tor Espen Christensen für Malte Semisch ein. Dann nahm er eine Auszeit. „Leute, wir brauchen mehr Emotionen“, forderte er. Zudem brachte er im Angriff Juri Knorr für Milan Pusica. Resultat war die beste Mindener Phase der ersten Halbzeit. Christensen fügte sich gut ein, die Abwehr arbeitete galliger und erzwang Fehler der Gastgeber. Die nutze GWD, setzte erstmals das Tempospiel ein und drehte die Partie. Knorr und sodann der quirlige Kevin Gulliksen mit drei Toren in Folge sorgte für die 8:7-Führung. Doch der Aufsteiger behielt die Nerven. Gestützt auf den starken Torhüter Ravensbergen fing sich die HSG, ging zum 11:9 wieder nach vorn und schließlich mit einer 12:11-Führung in die Halbzeitpause.

Bis zum 15:14 blieb es knapp. Als dann nacheinander die GWD-Spieler Joscha Ritterbach (38.) und Miljan Pusica (42.) Zeitstrafen erhielten, nutzte Nordhorn-Lingen das, warf zum 18:15 eine Drei-Tore-Führung heraus und hielt den Vorsprung zunächst stabil. Immerhin klappte es bei GWD nun vom Punkt. Marian Michalczik, der im normalen Spiel wegen seiner Adduktorenverletzung noch nicht mitwirken konnte, trat zu den Strafwürfen an und verwandelte beide Versuche.

Doch auch das Wurfglück des Kapitäns war dann aufgebraucht. Im dritten Versuch beim 19:22-Rückstand sah er sich dem HSG-Routinier Björn Buhrmester gegenüber. Der bereits auf dem Weg ins Tor von den Fans mit Sprechchören gefeierte gebürtige Holzhauser zeigte seine Klasse und wehrte Michalcziks Wurf mit dem Fuß ab. Im Gegenzug warf Linksaußen Pavel Mickal die Hausherren in der 53. Minute mit 23:19 zur ersten Vier-Tore-Führung nach vorn. Damit schien die Vorentscheidung gefallen.

Doch Minden gab sich nicht auf. Carstens stellte die Abwehr auf 5:1 um. „Wir haben lange nach Lösungen gesucht und sie am Ende gefunden“, freute sich der Coach. Als Knorr einen Gegenstoß zum 22:23 verwandelte, waren die Gäste wieder im Geschäft. Ausgerechnet an der Siebenmeterlinie gelang dann der Umschwung. Michalczik traf gegen Buhrmester zum 23:24. Im Gegenzug scheiterte Nordhorn-Lingen. Weil Robert Weber selbst gefoult worden war, verzichtete der zuvor so sichere Schütze, stattdessen führte Mickal den Strafwurf aus – und knallte den Ball an die Latte. Bei GWD übernahm Savvas Savvas Verantwortung. Der Grieche warf Minden mit zwei Toren in Folge zum 25:24 nach vorn. Der Schlusspunkt war dann dem besten GWD-Spieler vorbehalten. Nach dem 25:25 sichtete Juri Knorr im letzten GWD-Angriff eine Lücke, setzte sich mit einer Energieleistung gegen gleich drei Nordhorner Abwehrspieler durch und vollendete den Durchbruch mit dem Treffer zum 26:25. Den Verzweiflungswurf Robert Webers aus rund 15 Metern lenkte GWD-Keeper Malte Semisch an die Latte.

Getrübt wurde die Freude nach dem vierten Saisonsieg jedoch durch den Ausfalls Miljan Pusicas. Der Serbe zog sich Mitte der zweiten Halbzeit eine schmerzhafte Knieverletzung zu. „Wir hoffen sehr, dass er nicht länger ausfällt“, meinte Carstens. Heute wird Pusica eingehend untersucht.

HSG Nordhorn-Lingen - GWD Minden 25:26 (12:11)

Tore für HSG Nordhorn-Lingen: Weber 7/3, Pöhle 5, De Boer 4, Mickal 3,
Miedema 2, Possehl 2, Vorlicek 2.

Tore für GWD Minden: Knorr 7, Gulliksen 6, Rambo 4, Michalczik 3/2,
Padschywalau 3, Savvas 2, Ritterbach 1.

Schiedsrichter: Thorsten Kuschel (Haßloch )/Thomas Kern (Bellheim).

Zuschauer: 3.446.

Strafminuten: 8 / 12.

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Lingen/MindenGeniestreich des GWD-Jungspunds: Frank von Behren lobt Siegschützen Juri KnorrMarcus RiechmannLingen/Minden (mt). Eine Energieleistung in der Schlussphase und ein Geniestreich von Juri Knorr haben GWD Minden in der Handball-Bundesliga den zweiten Auswärtssieg der Saison beschert. In den letzten Minuten holten die Gäste gegen die HSG Nordhorn-Lingen noch einen 19:23-Rückstand auf und feierten schließlich vor 3.446 Zuschauern mit 26:25 (11:12) das triumphale Ende einer packenden Partie in der Lingener Emsland-Arena. „So richtig verdient hatten wir das heute vielleicht nicht, das war auch glücklich“, meinte Mindens Coach Frank Carstens. Womit sich sein Team die Punkte letztlich doch verdient hatte, wusste der Trainer aber genau: „Die Mentalität der Jungs ist überragend. Egal, welchen Quatsch wir zwischenzeitlich spielen – wir geben nie auf, wir kämpfen weiter.“ Beim Aufsteiger, der zuletzt noch gegen den SC Leipzig gewonnen hatte, war die Enttäuschung hingegen riesig. „Wir verlieren den Kopf und machen Anfängerfehler“, meinte Rechtsaußen Robert Weber über die Schlussphase, „hier heute ohne Punkt rauszugehen ist einfach bitter.“ Die entscheidende Rolle bei den entfesselt jubelnden Gäste spielte der jüngste Profi im Team: Juri Knorr war der Mann der letzten Minuten. Als vorgezogener Störenfried in der auf 5:1 umgestellten Abwehr sorgte er für etliche Ballgewinne, im letzten Angriff übernahm der 19-Jährige Verantwortung und erzielte den Siegtreffer. „Was Juri da gemacht hat, war schon richtig gut“, lobte Mindens Sportgeschäftsführer Frank von Behren und hob Knorrs Entschlossenheit hervor: „Er wollte das Spiel gewinnen, und er hat es am Ende gewonnen.“ Schwer fand Minden Zugang in die Partie. Lediglich zwei Treffer gelangen in den ersten zehn Spielminuten. Mal wieder schmerzte die Strafwurfschwäche. Sowohl Savvas Savvas als auch Joscha Ritterbach scheiterten mit Siebenmetern gegen HSG-Torhüter Bart Ravensbergen. Die logische Folge: Nordhorn-Lingen übernahm die Führung. Nach dem 3:6 nahm Trainer Carstens Korrekturen vor. Zunächst tauschte er im Tor Espen Christensen für Malte Semisch ein. Dann nahm er eine Auszeit. „Leute, wir brauchen mehr Emotionen“, forderte er. Zudem brachte er im Angriff Juri Knorr für Milan Pusica. Resultat war die beste Mindener Phase der ersten Halbzeit. Christensen fügte sich gut ein, die Abwehr arbeitete galliger und erzwang Fehler der Gastgeber. Die nutze GWD, setzte erstmals das Tempospiel ein und drehte die Partie. Knorr und sodann der quirlige Kevin Gulliksen mit drei Toren in Folge sorgte für die 8:7-Führung. Doch der Aufsteiger behielt die Nerven. Gestützt auf den starken Torhüter Ravensbergen fing sich die HSG, ging zum 11:9 wieder nach vorn und schließlich mit einer 12:11-Führung in die Halbzeitpause. Bis zum 15:14 blieb es knapp. Als dann nacheinander die GWD-Spieler Joscha Ritterbach (38.) und Miljan Pusica (42.) Zeitstrafen erhielten, nutzte Nordhorn-Lingen das, warf zum 18:15 eine Drei-Tore-Führung heraus und hielt den Vorsprung zunächst stabil. Immerhin klappte es bei GWD nun vom Punkt. Marian Michalczik, der im normalen Spiel wegen seiner Adduktorenverletzung noch nicht mitwirken konnte, trat zu den Strafwürfen an und verwandelte beide Versuche. Doch auch das Wurfglück des Kapitäns war dann aufgebraucht. Im dritten Versuch beim 19:22-Rückstand sah er sich dem HSG-Routinier Björn Buhrmester gegenüber. Der bereits auf dem Weg ins Tor von den Fans mit Sprechchören gefeierte gebürtige Holzhauser zeigte seine Klasse und wehrte Michalcziks Wurf mit dem Fuß ab. Im Gegenzug warf Linksaußen Pavel Mickal die Hausherren in der 53. Minute mit 23:19 zur ersten Vier-Tore-Führung nach vorn. Damit schien die Vorentscheidung gefallen. Doch Minden gab sich nicht auf. Carstens stellte die Abwehr auf 5:1 um. „Wir haben lange nach Lösungen gesucht und sie am Ende gefunden“, freute sich der Coach. Als Knorr einen Gegenstoß zum 22:23 verwandelte, waren die Gäste wieder im Geschäft. Ausgerechnet an der Siebenmeterlinie gelang dann der Umschwung. Michalczik traf gegen Buhrmester zum 23:24. Im Gegenzug scheiterte Nordhorn-Lingen. Weil Robert Weber selbst gefoult worden war, verzichtete der zuvor so sichere Schütze, stattdessen führte Mickal den Strafwurf aus – und knallte den Ball an die Latte. Bei GWD übernahm Savvas Savvas Verantwortung. Der Grieche warf Minden mit zwei Toren in Folge zum 25:24 nach vorn. Der Schlusspunkt war dann dem besten GWD-Spieler vorbehalten. Nach dem 25:25 sichtete Juri Knorr im letzten GWD-Angriff eine Lücke, setzte sich mit einer Energieleistung gegen gleich drei Nordhorner Abwehrspieler durch und vollendete den Durchbruch mit dem Treffer zum 26:25. Den Verzweiflungswurf Robert Webers aus rund 15 Metern lenkte GWD-Keeper Malte Semisch an die Latte. Getrübt wurde die Freude nach dem vierten Saisonsieg jedoch durch den Ausfalls Miljan Pusicas. Der Serbe zog sich Mitte der zweiten Halbzeit eine schmerzhafte Knieverletzung zu. „Wir hoffen sehr, dass er nicht länger ausfällt“, meinte Carstens. Heute wird Pusica eingehend untersucht. HSG Nordhorn-Lingen - GWD Minden 25:26 (12:11) Tore für HSG Nordhorn-Lingen: Weber 7/3, Pöhle 5, De Boer 4, Mickal 3,Miedema 2, Possehl 2, Vorlicek 2. Tore für GWD Minden: Knorr 7, Gulliksen 6, Rambo 4, Michalczik 3/2,Padschywalau 3, Savvas 2, Ritterbach 1. Schiedsrichter: Thorsten Kuschel (Haßloch )/Thomas Kern (Bellheim). Zuschauer: 3.446. Strafminuten: 8 / 12.