Minden

Am Ende fehlen Kleinigkeiten - GWD hält Meister Flensburg lange in Schach

Sebastian Külbel

„Er verändert das Spiel – wenn er trifft“, sagt Trainer Frank Carstens über Savvas Savvas (am Ball). Das gelang dem Rückraum-Schützen gegen Flensburg immerhin vier Mal. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
„Er verändert das Spiel – wenn er trifft“, sagt Trainer Frank Carstens über Savvas Savvas (am Ball). Das gelang dem Rückraum-Schützen gegen Flensburg immerhin vier Mal. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Spätestens, als die Gästespieler im Kreis hüpfend den Auswärtssieg bejubelten, durften sich die Beteiligten von GWD Minden kräftig ärgern. Der Tabellenzwölfte der Handball-Bundesliga verlangte dem Deutschen Meister alles ab, die SG Flensburg-Handewitt wirkte nach einem harten Kampf fast erleichtert. GWD-Trainer Frank Carstens und sein Team wussten dagegen nicht recht, wie sie mit ihrer starken Leistung bei ihrer 23:27 (12:13)-Niederlage umgehen sollten.

„Das ist die gute Nachricht: Wir verlieren gegen den Deutschen Meister und sind enttäuscht“, sagte Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Die Spieler standen nach dem Schlusspfiff etwas verwirrt in der mit 3.182 Zuschauern stattlich gefüllten Kampa-Halle. Bis zur Schlussphase waren sie in Reichweite eines Punktgewinns, den am Ende nur Kleinigkeiten verhinderten – und die größere Cleverness des Gegners.

Vor allem Jim Gottfridsson in der Schlussphase der spielentscheidende Mann: Der Schwede warf sich immer wieder in die Mindener Deckung und provozierte entweder Siebenmeter oder traf selbst. Mit drei Toren in den letzten zehn Minuten führte er sein Team zum Sieg und entlockte seinem Trainer Maik Machulla ein Sonderlob: „Er hält uns im Spiel und dreht es am Ende.“

Die Mindener ärgerten sich derweil über ihre Fehler in dieser Phase. Die insgesamt starke Deckung ließ sich mit zunehmender Spielzeit von den Flensburger Zweikampfspezialisten zermürben. „Wir haben in den Eins-gegen-Eins-Situationen zu viele Zeitstrafen bekommen und müssen da einfach cleverer sein“, sagte etwa GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud.

Dass sich Spieler und Zuschauer bei jedem Pfiff mehr über die Schiedsrichterinnen Maike Merz und Tanja Kuttler ereiferten, führte eher zu Resignation als zu leidenschaftlichem Trotz. Kritik an den beiden übten die Mindener später allerdings nicht. Denn einen Großteil der umstrittenen Aktionen hatte das Duo korrekt bewertet – auch eine Schlüsselszene in der 23. Minute: Christoph Reißky war gerade für den eine Zeitstrafe absitzenden Christoffer Rambo gekommen, da war die Partie für ihn auch schon wieder beendet. Der Rückraum-Linkshänder griff Simon Hald Jensen in den Wurfarm und musste auf die Tribüne.

Ohne Reißky fehlte die Entlastung für Rambo, der folglich durchspielen musste – auch das war für Carstens ein Grund für die fehlende Effizienz im Angriff. Neun Tore, aber auch elf Ballverluste standen für Rambo auf seinem Statistikzettel. Aus dem linken Rückraum kamen immerhin fünf Tore, womit der Coach nicht unzufrieden war. Geschäftsführer von Behren bemängelte dagegen deutlich: „Im Positionsangriff haben wir uns gegen die kompakte Deckung schwer getan, in solchen Situationen wünsche ich mir Marian zurück.“ Der verletzte Kapitän Michalczik wird allerdings noch mindestens zwei Wochen fehlen.

Auch ohne ihn zeigte GWD gegen den Meister jedoch eine insgesamt bemerkenswerte Leistung. Bis zum 8:8 hielten die Gastgeber das Spiel offen, ein Unterschied war nicht zu erkennen. auch nach Drei-Tore-Rückständen beim 8:11 (25.) und 13:16 (36.) kämpften sich die Mindener wieder heran.

Die Unterschiede wurden erst mit zunehmender Spielzeit deutlich. Die Angriffe der Gastgeber wurden in der zweiten Hälfte immer zäher, „wir mussten viel kämpfen für jedes Tor“, meinte Keeper Espen Christensen. Spätestens da machte sich bemerkbar, dass Minden in der gesamten Partie nicht recht ins Tempospiel fand und leichte Treffer fehlten. Als Kevin Gulliksen und Rambo dann doch einmal zwei Gegenstöße zum 17:17 verwandelten (40.), tobte die Halle. Viele Gegner hätten zu diesem Zeitpunkt wohl gewackelt, Flensburg blieb jedoch mit dem Selbstbewusstsein eines Spitzenteams cool. „Die waren routiniert und haben einfach weiter ihr Spiel gespielt“, sagte Christensen durchaus beeindruckt. Und als den GWD-Angreifern dann irgendwann die Luft ausging, holte der Meister zu den entscheidenden Schlägen aus und gewann verdient. Trotzdem ließ das Ergebnis die Gastgeber zwiegespalten zurück, wie die schnell korrigierte Gratulation von Carstens an Machulla zeigte: „Ihr wart diese vier Tore – nein, vier Tore wart ihr nicht besser.“

Stimmen zum Spiel

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Wir haben mit vielen Problemen – allen voran die Rote Karte – gekämpft, haben aber Moral gezeigt. Flensburg hat am Ende dann ein, zwei Fehler weniger gemacht.“

Maik Machulla (Trainer SG Flensburg-Handewitt): „Wir haben Minden immer wieder reingelassen ins Spiel, es kostet dann viel Kraft, zurückzukommen. Wir sind hier wie erwartet auf viel Emotionalität, Kampfkraft und Leidenschaft getroffen und cool geblieben.“

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MindenAm Ende fehlen Kleinigkeiten - GWD hält Meister Flensburg lange in SchachSebastian KülbelMinden (mt). Spätestens, als die Gästespieler im Kreis hüpfend den Auswärtssieg bejubelten, durften sich die Beteiligten von GWD Minden kräftig ärgern. Der Tabellenzwölfte der Handball-Bundesliga verlangte dem Deutschen Meister alles ab, die SG Flensburg-Handewitt wirkte nach einem harten Kampf fast erleichtert. GWD-Trainer Frank Carstens und sein Team wussten dagegen nicht recht, wie sie mit ihrer starken Leistung bei ihrer 23:27 (12:13)-Niederlage umgehen sollten. „Das ist die gute Nachricht: Wir verlieren gegen den Deutschen Meister und sind enttäuscht“, sagte Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Die Spieler standen nach dem Schlusspfiff etwas verwirrt in der mit 3.182 Zuschauern stattlich gefüllten Kampa-Halle. Bis zur Schlussphase waren sie in Reichweite eines Punktgewinns, den am Ende nur Kleinigkeiten verhinderten – und die größere Cleverness des Gegners. Vor allem Jim Gottfridsson in der Schlussphase der spielentscheidende Mann: Der Schwede warf sich immer wieder in die Mindener Deckung und provozierte entweder Siebenmeter oder traf selbst. Mit drei Toren in den letzten zehn Minuten führte er sein Team zum Sieg und entlockte seinem Trainer Maik Machulla ein Sonderlob: „Er hält uns im Spiel und dreht es am Ende.“ Die Mindener ärgerten sich derweil über ihre Fehler in dieser Phase. Die insgesamt starke Deckung ließ sich mit zunehmender Spielzeit von den Flensburger Zweikampfspezialisten zermürben. „Wir haben in den Eins-gegen-Eins-Situationen zu viele Zeitstrafen bekommen und müssen da einfach cleverer sein“, sagte etwa GWD-Kreisläufer Magnus Gullerud. Dass sich Spieler und Zuschauer bei jedem Pfiff mehr über die Schiedsrichterinnen Maike Merz und Tanja Kuttler ereiferten, führte eher zu Resignation als zu leidenschaftlichem Trotz. Kritik an den beiden übten die Mindener später allerdings nicht. Denn einen Großteil der umstrittenen Aktionen hatte das Duo korrekt bewertet – auch eine Schlüsselszene in der 23. Minute: Christoph Reißky war gerade für den eine Zeitstrafe absitzenden Christoffer Rambo gekommen, da war die Partie für ihn auch schon wieder beendet. Der Rückraum-Linkshänder griff Simon Hald Jensen in den Wurfarm und musste auf die Tribüne. Ohne Reißky fehlte die Entlastung für Rambo, der folglich durchspielen musste – auch das war für Carstens ein Grund für die fehlende Effizienz im Angriff. Neun Tore, aber auch elf Ballverluste standen für Rambo auf seinem Statistikzettel. Aus dem linken Rückraum kamen immerhin fünf Tore, womit der Coach nicht unzufrieden war. Geschäftsführer von Behren bemängelte dagegen deutlich: „Im Positionsangriff haben wir uns gegen die kompakte Deckung schwer getan, in solchen Situationen wünsche ich mir Marian zurück.“ Der verletzte Kapitän Michalczik wird allerdings noch mindestens zwei Wochen fehlen. Auch ohne ihn zeigte GWD gegen den Meister jedoch eine insgesamt bemerkenswerte Leistung. Bis zum 8:8 hielten die Gastgeber das Spiel offen, ein Unterschied war nicht zu erkennen. auch nach Drei-Tore-Rückständen beim 8:11 (25.) und 13:16 (36.) kämpften sich die Mindener wieder heran. Die Unterschiede wurden erst mit zunehmender Spielzeit deutlich. Die Angriffe der Gastgeber wurden in der zweiten Hälfte immer zäher, „wir mussten viel kämpfen für jedes Tor“, meinte Keeper Espen Christensen. Spätestens da machte sich bemerkbar, dass Minden in der gesamten Partie nicht recht ins Tempospiel fand und leichte Treffer fehlten. Als Kevin Gulliksen und Rambo dann doch einmal zwei Gegenstöße zum 17:17 verwandelten (40.), tobte die Halle. Viele Gegner hätten zu diesem Zeitpunkt wohl gewackelt, Flensburg blieb jedoch mit dem Selbstbewusstsein eines Spitzenteams cool. „Die waren routiniert und haben einfach weiter ihr Spiel gespielt“, sagte Christensen durchaus beeindruckt. Und als den GWD-Angreifern dann irgendwann die Luft ausging, holte der Meister zu den entscheidenden Schlägen aus und gewann verdient. Trotzdem ließ das Ergebnis die Gastgeber zwiegespalten zurück, wie die schnell korrigierte Gratulation von Carstens an Machulla zeigte: „Ihr wart diese vier Tore – nein, vier Tore wart ihr nicht besser.“ Stimmen zum Spiel Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Wir haben mit vielen Problemen – allen voran die Rote Karte – gekämpft, haben aber Moral gezeigt. Flensburg hat am Ende dann ein, zwei Fehler weniger gemacht.“ Maik Machulla (Trainer SG Flensburg-Handewitt): „Wir haben Minden immer wieder reingelassen ins Spiel, es kostet dann viel Kraft, zurückzukommen. Wir sind hier wie erwartet auf viel Emotionalität, Kampfkraft und Leidenschaft getroffen und cool geblieben.“