Minden

Kampa-Hallen-Debatte: GWD Minden kämpft um die Zukunft und gegen Fakten für die Ewigkeit

Marcus Riechmann

GWD-Fans stehen vor der Kampa-Halle. Ob der Handball-Bundesligist auch künftig dort seine Heimspiele austragen wird, hängt von den Entscheidungen der heimischen Politik ab. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
GWD-Fans stehen vor der Kampa-Halle. Ob der Handball-Bundesligist auch künftig dort seine Heimspiele austragen wird, hängt von den Entscheidungen der heimischen Politik ab. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Wenn Markus Kalusche über die Kampa-Halle spricht, fallen Begriffe wie „Herausforderung“ oder „Kraftakt.“ Der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten GWD Minden ist in diesen Tagen schwer gefordert. Er muss in einem Zustand der Ungewissheit die nähere Zukunft des Spitzenhandballs in Minden gestalten.

GWD verfolgt drei Ziele. Erstens: Die sofortige Schließung der Kampa-Halle vermeiden und damit die kurzfristige Sicherung des Profi-Handballs in Minden. Zweitens: Die Entwicklung der Multihalle und damit die langfristige Gestaltung des Bundesliga-Standortes vorantreiben. Drittens: Man muss sich auf die kaum vorstellbare Situation vorbereiten, dass die Kampa-Halle Ende Oktober auf unbestimmte Zeit geschlossen wird.

„Wir fühlen uns ein bisschen wie im luftleeren Raum“, sagt Kalusche über die ebenso rasant entstandene wie weitreichende Debatte über die Zukunft der Kampa-Halle und deren völlig ungewissen Ausgang. Frühestens mit der Sitzung des Kreistags am Montag, 7. Oktober, wird sich klären, ob Landrat Ralf Niermann wie angedroht die Halle am 1. November zuschließen wird. Auf diesen Fall bereitet sich GWD vor.

Drei Heimspiele stehen im November auf dem Plan: HBW Balingen/Weilstetten (3.11.), MT Melsungen (14.11.) und Rhein-Neckar Löwen (30.11.) Man versuche, das Balingen-Spiel in den Oktober vorzuziehen, sagt Kalusche („das verschafft uns etwas Luft“), für die anderen Partien bereite man alternative Spielorte vor. Ein Ausweichort kann die Kreissporthalle Lübbecke sein. „Darüber denken wir nach, aber es gibt weitere Optionen“, sagt Kalusche. Er wird darüber den GWD-Gesellschaftern um Jero Bentz (Melitta), Philip Harting (Harting) und Sven Hohorst (Wago) auf der Gesellschafter-Versammlung am Montag berichten. Dort werde näheres beraten und beschlossen.

Kalusche verspricht: „Auch wenn die Kampa-Halle geschlossen wird, werden wir den Bundesliga-Spielbetrieb nicht einstellen.“ Doch er macht deutlich, dass die nun anstehenden Entscheidungen weit in die Zukunft reichen: „Es geht darum, ob in Minden und in der Region der Bundesliga-Handball eine Zukunft haben soll.“ Diese Zukunft sieht der Geschäftsführer nur im Bau einer modernen Multihalle. Sponsoring finanziere mit rund 80 Prozent wesentlich den Profihandball. In der Kampa-Halle sei man bei der Entwicklung des Sponsorings längst an die Grenzen gestoßen. „Der Vip-Raum platzt aus allen Nähten“, sagt Kalusche, man benötige neuen Handlungsspielraum: „Die Anforderungen der Sponsoren haben sich in den vergangenen Jahren radikal verändert.“ Weitere Jahrzehnte in der bereits jetzt 50 Jahre alten Kampa-Halle würden die Wettbewerbsfähigkeit von GWD schleichend verringern.

Das sieht auch der Bundesliga-Dachverband HBL so. Die Kampa-Halle bewege sich bereits jetzt am unteren Rand der Arenen der Liga, meldet die HBL. Perspektivisch würden Vermarktungsflächen sowie TV-Tauglichkeit immer wichtiger. Zuschauerränge auf allen vier Seiten seien in vielen Hallen Standard, wenngleich – noch – keine Zulassungsvoraussetzung der HBL für den Bundesliga-Spielbetrieb. Für die Vermarktung der Liga und des Handballs wünsche man sich aber moderne Standards in den Arenen, heißt aus der HBL-Zentrale in Köln, wo man die Mindener Debatte längst zur Kenntnis genommen hat.

Doch eine Entscheidung des Kreistages für die „Masterplan“ genannte Lösung der rund 12 bis 15 Millionen teuren Sanierung der Kampa-Halle würde jede weitere Entwicklung der Multihalle verbauen, dessen ist sich Kalusche sicher. Zwei große Veranstaltungshallen in Minden seien nicht vermittelbar. Ein Nacheinander von Sanierung und Multihallen-Entwicklung werde es daher nicht geben. Deshalb appelliert Kalusche an die Politik, am 7. Oktober im Kreistag nicht überstürzt Fakten für die Ewigkeit zu schaffen.

Stattdessen wünscht sich der GWD-Geschäftsführer in einem ersten Schritt gemeinschaftliches Handeln, um den Betrieb der Kampa-Halle zu erhalten. „Es gibt Lösungen, um die Halle am Netz zu halten und die notwendige Sicherheit zu gewährleisten“, ist sich Kalusche sicher. Er fordert die Offenlegung des vom Landrat beauftragten Brandschutz-Gutachtens und wünscht die Bewertung der Lage von weiteren Experten. „Man muss in dieser Situation alle verfügbare Expertise nutzen, alle Optionen prüfen“, regt Kalusche eine kollektive große Kraftanstrengung an, um bis auf weiteres den Betrieb der Halle zu ermöglichen.

Parallel dazu soll die Entwicklung der Multihalle vorangetrieben werden. Eine Gruppe heimischer Unternehmen unter Führung des Melitta-Gesellschafters Jero Bentz habe konkrete Finanzierungspläne entwickelt, die derzeit den verschiedenen Gremien vorgestellt werden. In etwa fünf Jahren könne die Arena am rechten Weserufer entstehen.

Es liegt viel Arbeit vor GWD. Die Zeit ist knapp. Geht es nach dem Landrat. läuft die Uhr am 7. Oktober ab.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

2 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenKampa-Hallen-Debatte: GWD Minden kämpft um die Zukunft und gegen Fakten für die EwigkeitMarcus RiechmannMinden (mt). Wenn Markus Kalusche über die Kampa-Halle spricht, fallen Begriffe wie „Herausforderung“ oder „Kraftakt.“ Der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten GWD Minden ist in diesen Tagen schwer gefordert. Er muss in einem Zustand der Ungewissheit die nähere Zukunft des Spitzenhandballs in Minden gestalten. GWD verfolgt drei Ziele. Erstens: Die sofortige Schließung der Kampa-Halle vermeiden und damit die kurzfristige Sicherung des Profi-Handballs in Minden. Zweitens: Die Entwicklung der Multihalle und damit die langfristige Gestaltung des Bundesliga-Standortes vorantreiben. Drittens: Man muss sich auf die kaum vorstellbare Situation vorbereiten, dass die Kampa-Halle Ende Oktober auf unbestimmte Zeit geschlossen wird. „Wir fühlen uns ein bisschen wie im luftleeren Raum“, sagt Kalusche über die ebenso rasant entstandene wie weitreichende Debatte über die Zukunft der Kampa-Halle und deren völlig ungewissen Ausgang. Frühestens mit der Sitzung des Kreistags am Montag, 7. Oktober, wird sich klären, ob Landrat Ralf Niermann wie angedroht die Halle am 1. November zuschließen wird. Auf diesen Fall bereitet sich GWD vor. Drei Heimspiele stehen im November auf dem Plan: HBW Balingen/Weilstetten (3.11.), MT Melsungen (14.11.) und Rhein-Neckar Löwen (30.11.) Man versuche, das Balingen-Spiel in den Oktober vorzuziehen, sagt Kalusche („das verschafft uns etwas Luft“), für die anderen Partien bereite man alternative Spielorte vor. Ein Ausweichort kann die Kreissporthalle Lübbecke sein. „Darüber denken wir nach, aber es gibt weitere Optionen“, sagt Kalusche. Er wird darüber den GWD-Gesellschaftern um Jero Bentz (Melitta), Philip Harting (Harting) und Sven Hohorst (Wago) auf der Gesellschafter-Versammlung am Montag berichten. Dort werde näheres beraten und beschlossen. Kalusche verspricht: „Auch wenn die Kampa-Halle geschlossen wird, werden wir den Bundesliga-Spielbetrieb nicht einstellen.“ Doch er macht deutlich, dass die nun anstehenden Entscheidungen weit in die Zukunft reichen: „Es geht darum, ob in Minden und in der Region der Bundesliga-Handball eine Zukunft haben soll.“ Diese Zukunft sieht der Geschäftsführer nur im Bau einer modernen Multihalle. Sponsoring finanziere mit rund 80 Prozent wesentlich den Profihandball. In der Kampa-Halle sei man bei der Entwicklung des Sponsorings längst an die Grenzen gestoßen. „Der Vip-Raum platzt aus allen Nähten“, sagt Kalusche, man benötige neuen Handlungsspielraum: „Die Anforderungen der Sponsoren haben sich in den vergangenen Jahren radikal verändert.“ Weitere Jahrzehnte in der bereits jetzt 50 Jahre alten Kampa-Halle würden die Wettbewerbsfähigkeit von GWD schleichend verringern. Das sieht auch der Bundesliga-Dachverband HBL so. Die Kampa-Halle bewege sich bereits jetzt am unteren Rand der Arenen der Liga, meldet die HBL. Perspektivisch würden Vermarktungsflächen sowie TV-Tauglichkeit immer wichtiger. Zuschauerränge auf allen vier Seiten seien in vielen Hallen Standard, wenngleich – noch – keine Zulassungsvoraussetzung der HBL für den Bundesliga-Spielbetrieb. Für die Vermarktung der Liga und des Handballs wünsche man sich aber moderne Standards in den Arenen, heißt aus der HBL-Zentrale in Köln, wo man die Mindener Debatte längst zur Kenntnis genommen hat. Doch eine Entscheidung des Kreistages für die „Masterplan“ genannte Lösung der rund 12 bis 15 Millionen teuren Sanierung der Kampa-Halle würde jede weitere Entwicklung der Multihalle verbauen, dessen ist sich Kalusche sicher. Zwei große Veranstaltungshallen in Minden seien nicht vermittelbar. Ein Nacheinander von Sanierung und Multihallen-Entwicklung werde es daher nicht geben. Deshalb appelliert Kalusche an die Politik, am 7. Oktober im Kreistag nicht überstürzt Fakten für die Ewigkeit zu schaffen. Stattdessen wünscht sich der GWD-Geschäftsführer in einem ersten Schritt gemeinschaftliches Handeln, um den Betrieb der Kampa-Halle zu erhalten. „Es gibt Lösungen, um die Halle am Netz zu halten und die notwendige Sicherheit zu gewährleisten“, ist sich Kalusche sicher. Er fordert die Offenlegung des vom Landrat beauftragten Brandschutz-Gutachtens und wünscht die Bewertung der Lage von weiteren Experten. „Man muss in dieser Situation alle verfügbare Expertise nutzen, alle Optionen prüfen“, regt Kalusche eine kollektive große Kraftanstrengung an, um bis auf weiteres den Betrieb der Halle zu ermöglichen. Parallel dazu soll die Entwicklung der Multihalle vorangetrieben werden. Eine Gruppe heimischer Unternehmen unter Führung des Melitta-Gesellschafters Jero Bentz habe konkrete Finanzierungspläne entwickelt, die derzeit den verschiedenen Gremien vorgestellt werden. In etwa fünf Jahren könne die Arena am rechten Weserufer entstehen. Es liegt viel Arbeit vor GWD. Die Zeit ist knapp. Geht es nach dem Landrat. läuft die Uhr am 7. Oktober ab.