Minden/Göppingen

Die Arbeit nicht erledigt: GWD-Trainer Carstens kritisiert nicht die Schiedsrichter, sondern seine Spieler

Marcus Riechmann

Drei Tore erzielte Joscha Ritterbach an alter Wirkungsstätte für GWD, doch allzu oft scheiterten gestern seine Mindener Mitspieler mit ihren Würfen. Foto: Michael Schmidt/Eibner-Pressefoto - © EIBNER/Michael_Schmidt
Drei Tore erzielte Joscha Ritterbach an alter Wirkungsstätte für GWD, doch allzu oft scheiterten gestern seine Mindener Mitspieler mit ihren Würfen. Foto: Michael Schmidt/Eibner-Pressefoto (© EIBNER/Michael_Schmidt)

Minden/Göppingen (mt). Es ist eine Binsenweisheit: Wenn man seine Chancen nicht nutzt, tut das der andere. Und so verließen die Handballer von GWD Minden gestern Abend das Spielfeld der EWS-Arena mit leeren Händen und einer Menge Frust. Der Bundesligist hatte soeben das Auswärtsspiel bei Frisch Auf Göppingen 23:26 (12:13) verloren. Die Gäste mussten sich über eine Fülle fahrlässig vergebener Wurfmöglichkeiten ärgern. Sie verpassten nach einem zerfahrenen und von Kampf geprägten Spiel die Punkte. Große Freude herrschte hingegen bei den Gastgebern, die nach vier Niederlagen in Folge den ersten Sieg feiern durften.

„Wir sind unzufrieden“, meinte Marian Michalczik, erneut Mindens bester Mann , „wir hatten uns was ausgerechnet.“ Der beste Göppinger, Torwart Daniel Rebmann, frohlockte hingegen: „Ich bin sehr erleichtert. Das war ein riesiges Kampfspiel. Ich bin jetzt k.o., aber ich bin auch sehr froh.“ Auch seinem Trainer war die Erleichterung anzusehen: „Wir sind sehr glücklich“, meinte Hartmut Mayerhoffer, von dem großer Druck abfiel.

Endstation vieler GWD-Würfe: Daniel Rebmann. Foto: Eibner - © EIBNER/Michael_Schmidt
Endstation vieler GWD-Würfe: Daniel Rebmann. Foto: Eibner (© EIBNER/Michael_Schmidt)

Unzufrieden blickte hingegen GWD-Coach Frank Carstens auf das Spiel zurück: „Wir haben heute nicht die Arbeit geleistet, die wir uns vorgenommen hatten. Man kann hier verlieren, aber wir haben heute unsere Möglichkeiten nicht genutzt.“ Vor allem seine Offensiv-Abteilung nahm der Trainer in die Kritik: Zu wenig Laufbereitschaft, zu wenig Entschlossenheit beim Abschluss, zu wenig Durchsetzungswille.

GWD spielte eine ordentliche erste Halbzeit. Nach dem schnellen 0:2-Rückstand stellte sich die Defensive besser auf. „Die Deckung war heute absolut in Ordnung“, bewertete Carstens, „da haben wir die Aufgaben erledigt.“ GWD war die bessere Mannschaft, doch reihenweise scheiterten die Gäste an FAG-Torwart Rebmann. Das spielte Göppingen in die Karten. Zum 6:3 löste sich FAG, doch nach einer Auszeit von Carstens ging es flott: Christoffer Rambo mit Kawumm und Kevin Gulliksen per Konter brachten Minden mit zwei Treffern innerhalb einer Minute zum 5:6 (15.) heran.

Leon Grabenstein rückte in der 19. Minute für den von einer Muskelverletzung gehandicapten Malte Semisch zwischen die Pfosten. Ein Wechselspiel, das sich mehrmals wiederholte, weil Semisch in Unterzahlsituationen der Sprint zur Bank erspart bleiben sollte.

Kurz darauf sorgte Michalczik für die zweite Gästeführung nach dem 3:2. Per Siebenmeter traf der Mittelmann erst zum 10:10. Dem ließ er mit einem krachenden Freiwurf das 11:10 folgen. Doch in doppelter Unterzahl – sowohl Rambo wie auch Christoph Reißky brummten Strafzeiten ab – konnte GWD den Lauf nicht fortsetzen. Göppingen schaffte dank des sicheren Siebenmeterschützen Marcel Schiller den Ausgleich, Josip Peric besorgte zum 13:12 die Halbzeitführung. „Dabei müssen eigentlich wir klar vorne sein“, ärgerte sich Carstens über die lausige Wurfqualität.

Glücklos startete Minden in die zweite Halbzeit. Beim 13:16 nahm Carstens erneut bei einem Drei-Tore-Rückstand eine Auszeit. Doch Göppingen blieb am Drücker, allein Michalczik hielt Minden im Rennen. Alle vier GWD-Tore bis zum 16:19 gingen auf sein Konto.

Danach ereilte Minden der nächste Rückschlag. Der eingewechselte Magnus Gullerud griff nach Ansicht der Schiedsrichter Fabian und Christian vom Dorff dem Göppinger Tim Kneule überhart in den Wurfarm und wurde in der 44. Spielminute disqualifiziert. Neben etlichen anderen eine weitere umstrittene Entscheidung gegen GWD. Doch eine Schiri-Schelte sparte sich der Coach. „Über die Schiedsrichter spreche ich nicht“, meinte Carstens, „wir wollen keine Ausreden suchen. Wir hätten trotz allem aus eigener Kraft gewinnen können.“

16:20 lag Minden zurück. Doch das Team gab nicht auf. „Die Tugenden waren da, wir haben gekämpft“, sagte Michalczik. Der nach seiner Verletzung erstmals in dieser Saison eingewechselte Aliaksandr Padshyvalau verkürzte zum 17:20, Gulliksen sorgte für das 18:21. Danach setzte Michalczik seine One-Man-Show fort und brachte Minden auf 20:21 (53.) heran. Doch Göppingen blieb vorn. Auch deshalb, weil bei GWD die Hilfe von der Bank fehlte. Die Wechsel, mit denen Carstens das Laufspiel im Angriff zu verbessern suchte, fruchteten nicht.

Kresimir Kozina markierte das 22:20 für FAG, Sebastian Heymann traf zum 23:20. Ein letztes Mal konterte Michalczik mit einem ansatzlosen Wurf und Tor Nummer zehn zum 23:21 (55.). Doch danach ging nichts mehr. „Göppingen hat verdient gewonnen“, sagte Carstens, „die wollten den Sieg am Ende mehr als wir.“

Der Autor ist erreichbar unter(05 71) 882-159 oder unter Marcus.Riechmann@MT.de

Frisch Auf Göppingen - GWD Minden 26:23 (13:12)

Tore für Frisch Auf Göppingen: Schiller 10/5, Kneule 4, Heymann 3, Sliskovic 3,
Theilinger 3, Kozina 2, Rentschler 1

Tore für GWD Minden: Michalczik 10/2, Gulliksen 3, Rambo 3, Ritterbach 3,
Padschywalau 2, Meister 1, Reißky 1

Schiedsrichter: Fabian vom Dorff (Kaarst)/Christian vom Dorff (Kaarst)

Strafminuten: 2 / 10

Disqualifikation: - / Gullerud (44.)

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Minden/GöppingenDie Arbeit nicht erledigt: GWD-Trainer Carstens kritisiert nicht die Schiedsrichter, sondern seine SpielerMarcus RiechmannMinden/Göppingen (mt). Es ist eine Binsenweisheit: Wenn man seine Chancen nicht nutzt, tut das der andere. Und so verließen die Handballer von GWD Minden gestern Abend das Spielfeld der EWS-Arena mit leeren Händen und einer Menge Frust. Der Bundesligist hatte soeben das Auswärtsspiel bei Frisch Auf Göppingen 23:26 (12:13) verloren. Die Gäste mussten sich über eine Fülle fahrlässig vergebener Wurfmöglichkeiten ärgern. Sie verpassten nach einem zerfahrenen und von Kampf geprägten Spiel die Punkte. Große Freude herrschte hingegen bei den Gastgebern, die nach vier Niederlagen in Folge den ersten Sieg feiern durften. „Wir sind unzufrieden“, meinte Marian Michalczik, erneut Mindens bester Mann , „wir hatten uns was ausgerechnet.“ Der beste Göppinger, Torwart Daniel Rebmann, frohlockte hingegen: „Ich bin sehr erleichtert. Das war ein riesiges Kampfspiel. Ich bin jetzt k.o., aber ich bin auch sehr froh.“ Auch seinem Trainer war die Erleichterung anzusehen: „Wir sind sehr glücklich“, meinte Hartmut Mayerhoffer, von dem großer Druck abfiel. Unzufrieden blickte hingegen GWD-Coach Frank Carstens auf das Spiel zurück: „Wir haben heute nicht die Arbeit geleistet, die wir uns vorgenommen hatten. Man kann hier verlieren, aber wir haben heute unsere Möglichkeiten nicht genutzt.“ Vor allem seine Offensiv-Abteilung nahm der Trainer in die Kritik: Zu wenig Laufbereitschaft, zu wenig Entschlossenheit beim Abschluss, zu wenig Durchsetzungswille. GWD spielte eine ordentliche erste Halbzeit. Nach dem schnellen 0:2-Rückstand stellte sich die Defensive besser auf. „Die Deckung war heute absolut in Ordnung“, bewertete Carstens, „da haben wir die Aufgaben erledigt.“ GWD war die bessere Mannschaft, doch reihenweise scheiterten die Gäste an FAG-Torwart Rebmann. Das spielte Göppingen in die Karten. Zum 6:3 löste sich FAG, doch nach einer Auszeit von Carstens ging es flott: Christoffer Rambo mit Kawumm und Kevin Gulliksen per Konter brachten Minden mit zwei Treffern innerhalb einer Minute zum 5:6 (15.) heran. Leon Grabenstein rückte in der 19. Minute für den von einer Muskelverletzung gehandicapten Malte Semisch zwischen die Pfosten. Ein Wechselspiel, das sich mehrmals wiederholte, weil Semisch in Unterzahlsituationen der Sprint zur Bank erspart bleiben sollte. Kurz darauf sorgte Michalczik für die zweite Gästeführung nach dem 3:2. Per Siebenmeter traf der Mittelmann erst zum 10:10. Dem ließ er mit einem krachenden Freiwurf das 11:10 folgen. Doch in doppelter Unterzahl – sowohl Rambo wie auch Christoph Reißky brummten Strafzeiten ab – konnte GWD den Lauf nicht fortsetzen. Göppingen schaffte dank des sicheren Siebenmeterschützen Marcel Schiller den Ausgleich, Josip Peric besorgte zum 13:12 die Halbzeitführung. „Dabei müssen eigentlich wir klar vorne sein“, ärgerte sich Carstens über die lausige Wurfqualität. Glücklos startete Minden in die zweite Halbzeit. Beim 13:16 nahm Carstens erneut bei einem Drei-Tore-Rückstand eine Auszeit. Doch Göppingen blieb am Drücker, allein Michalczik hielt Minden im Rennen. Alle vier GWD-Tore bis zum 16:19 gingen auf sein Konto. Danach ereilte Minden der nächste Rückschlag. Der eingewechselte Magnus Gullerud griff nach Ansicht der Schiedsrichter Fabian und Christian vom Dorff dem Göppinger Tim Kneule überhart in den Wurfarm und wurde in der 44. Spielminute disqualifiziert. Neben etlichen anderen eine weitere umstrittene Entscheidung gegen GWD. Doch eine Schiri-Schelte sparte sich der Coach. „Über die Schiedsrichter spreche ich nicht“, meinte Carstens, „wir wollen keine Ausreden suchen. Wir hätten trotz allem aus eigener Kraft gewinnen können.“ 16:20 lag Minden zurück. Doch das Team gab nicht auf. „Die Tugenden waren da, wir haben gekämpft“, sagte Michalczik. Der nach seiner Verletzung erstmals in dieser Saison eingewechselte Aliaksandr Padshyvalau verkürzte zum 17:20, Gulliksen sorgte für das 18:21. Danach setzte Michalczik seine One-Man-Show fort und brachte Minden auf 20:21 (53.) heran. Doch Göppingen blieb vorn. Auch deshalb, weil bei GWD die Hilfe von der Bank fehlte. Die Wechsel, mit denen Carstens das Laufspiel im Angriff zu verbessern suchte, fruchteten nicht. Kresimir Kozina markierte das 22:20 für FAG, Sebastian Heymann traf zum 23:20. Ein letztes Mal konterte Michalczik mit einem ansatzlosen Wurf und Tor Nummer zehn zum 23:21 (55.). Doch danach ging nichts mehr. „Göppingen hat verdient gewonnen“, sagte Carstens, „die wollten den Sieg am Ende mehr als wir.“ Der Autor ist erreichbar unter(05 71) 882-159 oder unter Marcus.Riechmann@MT.de Frisch Auf Göppingen - GWD Minden 26:23 (13:12) Tore für Frisch Auf Göppingen: Schiller 10/5, Kneule 4, Heymann 3, Sliskovic 3,Theilinger 3, Kozina 2, Rentschler 1 Tore für GWD Minden: Michalczik 10/2, Gulliksen 3, Rambo 3, Ritterbach 3,Padschywalau 2, Meister 1, Reißky 1 Schiedsrichter: Fabian vom Dorff (Kaarst)/Christian vom Dorff (Kaarst) Strafminuten: 2 / 10 Disqualifikation: - / Gullerud (44.)